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Die Schoko-Lüge: Bild, Focus Online & Co. fallen auf Fake-Studie herein

„Schokolade macht schlank!“, titelten Medien weltweit. Doch die Studie, auf die sie sich beziehen, ist ein Fake, das zuständige Institut gibt es gar nicht. Die Wissenschaftslüge ist Teil einer Dokumentation von ZDF und Arte, in der die Autoren zeigen: „Wer die Wissenschaft hinter sich hat, kann fast alles verkaufen“ – und die Journalisten fallen darauf herein.

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„Der Traum vieler Naschkatzen wird wahr! Neuste Studien beweisen: Schokolade hilft beim Abnehmen!“ So startet die Pressemitteilung des „Institute of Diet and Health“, die Mitte März dieses Jahres über die Presseagentur OTS verteilt wurde. Zwei Monate später titelte die Bild: „Diese Studie schmeckt uns – Wer schokolade isst, bleibt schlank!“ Focus Online und Brigitte.de zogen in Deutschland nach, international titelten unter anderem die Cosmopolitan und der Daily Star, Schokolade helfe beim Abnehmen.

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Wissenschaftler des Instituts hätten in der Studie herausgefunden, dass der Fettabbau beschleunigt, der Jojo-Effekt minimiert und das psychische Wohlbefinden durch den Verzehr von Schokolade gestärkt würden. Somit könnte hoch-kakaohaltige Schokolade bei beliebigen Diäten als Beschleuniger dienen. „Das Beste daran ist doch, dass Sie Schokolade überall kaufen können und nicht für Marketing-Kampagnen großer Unternehmen oder irgendwelcher Scharlatane im Internet bezahlen,“ sagte Forschungsleiter Dr. Johannes Bohannon.

Schokolade macht schlank – das klingt zu schön, um wahr zu sein. Und das ist es auch. Die Studie ist ein Fake, das Institut nicht existent. Die Verbreitung der falschen Untersuchungsergebnisse ist Teil der Arte-Dokumentation „Schlank durch Schokolade. Eine Wissenschaftslüge geht um die Welt.“

In der Dokumentation gehen die Journalisten Diana Löbl und Peter Onneken der Frage nach, wie die Diätindustrie die Wissenschaft systematisch benutzt, missbraucht und kauft. Sie erfinden die Schokoladen-Diät, „The Chocolate Transformation“ und führen eine wissenschaftlich begleitete Studie mit gerade mal 15 Probanden durch, die so absurd ist, dass man sie eigentlich nicht ernst nehmen dürfte. Und doch konnten sie sich eine Veröffentlichung im International Archives of Medicine erkaufen – und starteten eine Vermarktungskampagne, inklusive Facebook-Seite:

Diana Löbl und Peter Onneken arbeiteten bereits 2013 für die ARD-Reportage „Ausgeliefert“ zusammen. Damals prangerten sie die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern bei Amazon an.

Zur neuen Dokumentation erklärte Peter Onneken gegenüber der Süddeutschen Zeitung: „Journalisten-Kollegen spielen bei dem Wissenschaftsmüll eine fragwürdige Rolle“. Niemand habe die Echtheit des Instituts oder die die dünne Auswahl an Probanden geprüft, „man vertraute einfach der Pressemitteilung, in der wir ein Märchen erzählt haben“, sagt Onneken.“Das Business stinkt, und wir Journalisten machen mit.“

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