Anzeige

Abschied vom Journalismus: Die hämischen Reaktionen auf Tilo Jungs Rücktritt

Tilo Jung verkündete am Montag, dass er sich vorerst vom Journalismus verabschieden werde, schon ab April habe er einen neuen Arbeitgeber. War die laute Kritik an seinem Instagram-Fehltritt noch zum Großteil gerechtfertigt – sind es die hämischen Reaktionen auf seinen Rücktritt weniger.

Anzeige

Montag Abend verkündete Tilo Jung, Krautreporter, Grimme-Online-Preisträger und Erfinder des Web-Formats „Jung & Naiv“, auf einer Google-Veranstaltung, dass er sich vom Journalismus verabschieden werde: „Ich mach jetzt erst einmal nichts mehr mit Journalismus, sondern ab April etwas Neues und suche mir einen neuen Arbeitgeber“, so Jung. Nähere Details wollte er noch nicht verkünden – doch allein diese Äußerung sorgte für Furore bei Twitter. Dabei kommt sein vorläufiger Rücktritt eigentlich nicht wirklich überraschend, schon seit zwei Wochen hat der sonst in den Sozialen Netzwerken überaus aktive Jung weder getwittert noch irgendetwas bei Facebook oder Instagram veröffentlicht.

Ein kurzer Rückblick: Was war passiert? Am Weltfrauentag Anfang März postete Tilo Jung bei Instagram ein Foto, das zeigt, wie ein Mann einer Frau in den Rücken tritt – was einen riesigen Shitstorm zur Folge hatte. Kritiker warfen ihm Frauenfeindlichkeit vor und Krautreporter-Herausgeber Sebastian Esser verkündete, dass Jung seine Tätigkeit für das Online-Magazin vorübergehend ruhen lassen werde.

Während der Veranstaltung am Montag fasste Friedrich Küppersbuch den Eklat um das Foto humorig zusammen:

Jungs Ankündigung, sich vom Journalismus zu verbaschieden, löste bei vielen ordentlich Spott aus: Jung sei sowieso nie Journalist gewesen, so der Tenor.

Auch die Taz veröffentlichte einen durch und durch hämischen Brief an den Krautreporter, in dem sie sich von „Investigativ-Talent Tilo Jung, Deutschlands einzigem und bestem freien Chefredakteur“ verabschiedet. Weiter heißt es: „Er wird uns fehlen, konnten wir doch alle in den vergangenen Jahren einiges von ihm lernen: Objektivität im Journalismus, Fragetechniken, Unvoreingenommenheit, Selbstvermarktung, Stylingtipps…“

Dass Tilo Jungs Instagram-Posting ein völliger Fehltritt war, steht außer Frage. Dass die laute Kritik daran zum Großteil gerechtfertigt war, ebenso. Dass er sich aus dem Geschäft zurückziehen will – zumindest zeitweise, wie es klingt – ist verständlich. Das hämische Nachtreten eher weniger.

Anzeige