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Zu viel Jecken-TV: Zuschauer sind von Karnevalsprogramm genervt

Narren-TV: Der Großteil der Fernsehzuschauer findet das Programm zu jeck.

Spätestens ab der morgigen Weiberfastnacht gibt es in den Karnevalshochburgen kein Halten mehr. Längst lässt das öffentlich-rechtliche Fernsehen ganz TV-Deutschland am jecken Treiben im Rheinland oder anderswo teilhaben. Dabei stoßen Karnevalsumzüge und Sitzungen bei den meisten Zuschauern auf Ablehnung.

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Über 200 Stunden Karneval laufen seit dieser Woche bis kommenden Dienstag über die Sender. Neben den öffentlich-rechtlichen Hauptsendern Das Erste und ZDF dominiert die „fünfte Jahreszeit“ auch in vielen Dritten. Eine Entscheidung der Senderverantwortlichen, die vielen Zuschauern gegen den Strich geht. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine für Bauers Zeitschrift Auf einen Blick durchgeführte Umfrage des Marktforschers TNS Emnid.

Demnach finden 55 Prozent der 1.014 Befragten, dass das TV-Programm zu närrisch ist. 25 Prozent sind mit der Menge an Karnevalsprogramm zufrieden. In Nordrhein-Westfalen, dem Bundesland mit den Hochburgen Köln und Düsseldorf, zeigt sich mit 43 Prozent immer noch fast die Hälfte genervt. Etwas über ein Drittel (34 Prozent) beantworten die Frage nach zu viel Karneval mit „Nein“. Die größte Abneigung besteht in den Bundesländern, in denen Karneval kaum bis gar nicht gefeiert wird. In den nördlichen Bundesländern (Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Hamburg) beschweren sich 62 Prozent, in der Bundeshauptstadt Berlin sogar 70 Prozent.

Karnevalsprogramm wird immer weniger angenommen

Die Ergebnisse der TNS-Befragung spiegeln sich auch in den Einschaltquoten wider. MEEDIA analysierte das Karnevalsprogramm im vergangenen Jahr und wies ein rückläufiges Interesse der TV-Zuschauer nach. Von den sieben Shows bei ARD und ZDF, die damals in der Zeit des Straßenkarneval zu sehen waren, rutschten sechs auf Alltime-Minusrekorde. Sie verloren zusammen in nur drei Jahren mehr als 5 Millionen Zuschauer. Der Hauptgrund für diese Entwicklung war der Mangel an jungen Zuschauern. Keine der sieben ARD- und ZDF-Shows erreichte bei den 14- bis 49-Jährigen einen Marktanteil von fünf Prozent.

Sender fahren Jecken-TV zurück

Eine Entwicklung, auf das ZDF im kommenden Jahr reagieren will. Auf Nachfrage von MEEDIA erklärt ein Sendersprecher: „Das ZDF wird der Tatsache Rechnung tragen, dass das Interesse der Zuschauer an der ‚Fernsehfastnacht‘ in den vergangenen Jahren abgenommen hat. Deshalb planen das ZDF und das Festkomitee Kölner Karneval im Jahr 2016 nur noch eine Sitzung aus dem Kölner Karneval zu übertragen.“ Dabei soll es eine neue Ausrichtung mit neuen Sendungselementen geben. „Natürlich weiterhin mit dem Ziel, die Tradition des Kölner Karnevals den Fernsehzuschauern bundesweit nahe zu bringen.“

Im Vergleich zum vergangenen Jahr hat auch der WDR sein Programm bereits angepasst. In diesem Jahr laufen 24 Karnevals-Sendungen im WDR Fernsehen, fünf im Ersten – etwas weniger als 2014. Auf Karneval im Programm will die Kölner Rundfunkanstalt nicht verzichten. „Karneval ist Kultur, und der rheinische Karneval ist mit all seinen lokalen Varianten ja sogar ins deutsche Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen worden“, erklärt ein Sendersprecher auf Nachfrage. „Darüber hinaus bildet das WDR Fernsehen als Heimatsender die Ereignisse in NRW ab, und dazu gehört selbstverständlich auch der Karneval. Die klassischen Karnevalssendungen beginnen erst morgen mit Beginn des Straßenkarnevals, und die Zuschauerzahlen im WDR Fernsehen sind bis jetzt stabil auf dem Niveau des Vorjahres.“

Von den Zuschauern honoriert sieht auf der SWR sein Programm und verteidigt: „Die Fastnacht ist im Sendegebiet des SWR eine gelebte Tradition. Nach wie vor wachsen Generationen mit ihr auf. In der sogenannten fünften Jahreszeit sind die Veranstaltungskalender voll mit Umzügen, Saalfastnacht und Faschingspartys. Für den Sender des Südwestens ist es daher eine Selbstverständlichkeit, diese Veranstaltungen adäquat in seinem Programm zu berücksichtigen.“

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