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Bild streitet mit Grünen-Politiker um muslimische Lieder zu Weihnachten

Die Bild-Zeitung hat kurz vor Weihnachten eine Geschichte gebracht, in der der Grünen-Politiker Omid Nouripour angeblich fordert, dass zu Weihnachten auch muslimische Lieder in Kirchen gesungen werden sollen. Die Meldung schlug hohe Wellen, Nouripour distanzierte sich später auf Facebook von der Bild-Berichterstattung. Bild wies dagegen via Pressmitteilung darauf hin, dass Nouripours Zitate vollständig veröffentlicht worden seien, lässt aber einige wichtige Punkte der Kritik aus.

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Nach unwidersprochener Aussage von Omid Nouripour und anderen Politikern kam der Vorschlag, muslimische Lieder zu Weihnachten in Kirchen zu singen, nämlich gar nicht von ihm, sondern von der Bild-Zeitung selbst. Nouripour schreibt bei Facebook:

Am letzten Dienstag rief mich eine Journalistin der BILD-Zeitung an und fragte mich, ob ich bereit wäre die Forderung zu erheben, als Zeichen des friedlichen Zusammenlebens in Kirchen zu Weihnachtszeit ein islamisches Lied gesungen werden soll. Der Kontext sei die übliche „gute Nachrichten“-Ausgabe der BILD-Zeitung vor Weihnachten.

Meine Antwort war, dass die Forderung nur dann Sinn mache, wenn dann auch Weihnachtslieder in der Moschee gesungen werden würden.

Im Bericht drehte die Bild die Sache dann so, als ob der Vorschlag von Politikern und dem Zentralrat der Muslime gekommen sei. In der Print-Ausgabe stand sogar „Politiker fordern“ über dem Artikel, wie das Bildblog dokumentiert.

Nouripour weiter auf Facebook:

Diese Konditionalität wird im Kontext des BILD-Artikels nun verschwiegen. Zudem suggeriert die Überschrift Falsches. Sie lautet:

„Versöhnungsvorschlag
Muslimische Lieder im Weihnachtsgottesdienst“

Aus dieser Facebook-Äußerung leitet die Bild nun offenbar eine Kritik ab, sie hätte Nouripour verkürzt zitiert. Dabei bezieht sich die Äußerung des Politikers nur auf die Überschrift, die tatsächlich sinnentstellend verkürzt. In einer Pressemitteilung von Bild heißt es:

Anders als Omid Nouripour auf seiner Facebook-Seite behauptet, hat Bild sein Zitat über den Austausch von Liedern zwischen Christen und Muslimen nicht verkürzt oder in irgendeiner Weise verändert, sondern vollständig in Bild vom 22. Dezember 2014 wiedergegeben. Das, was er auf seiner Facebook-Seite als „mein Vorschlag“ bezeichnet, ist sowohl in der gedruckten Ausgabe, als auch digital auf Bild.de genau so erschienen, wie Omid Nouripour es auf seiner Facebook-Seite auch noch mal wiederholt. Wenn Omid Nouripour behauptet, Bild hätte seine Aussage verkürzt dargestellt oder etwas „verschwiegen“, ist das schlichtweg falsch.

Nur: Nouripour hat nie behauptet, dass die Bild den ihm in den Mund gelegten Vorschlag verkürzt dargestellt hat. Er hat behauptet, dass die Bild-Überschrift Falsches suggeriert und das stimmt. Die Sache führte zu einer Welle an Hass-Kommentaren gegen Nouripour und Muslime bei Facebook. Laut Bildblog hat auch der im Bild-Artikel zitierte SPD-Politiker Thomas Funk erklärt, dass die Initiative zu dem Vorschlag von Bild selbst ausgegangen sei. Korrekt hätte die Überschrift also in etwa lauten müssen: „Bild schlägt vor, an Weihnachten muslimische Lieder in Kirchen zu singen“. Diese Zeile hätte ja auch was gehabt …

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