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Trolle und Hater: Tagesschau.de erwägt Einschränkungen bei Online-Kommentaren

Bei Tagesschau.de gibt es Erwägungen, die Kommentar-Funktion im Web nur noch eingeschränkt anzubieten. Das sagte Tagesschau.de-Redaktionsleiterin Christiane Krogmann auf dem öffentlich-rechtlichen News-Portal. Vorbild sei Sueddeutsche.de, wo seit einiger Zeit Web-Kommentare nur noch bei wenigen, ausgewählten Debatten-Themen zugelassen werden, um die Diskussion besser moderieren zu können.

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Bei bis zu 2.000 Kommentaren täglich habe die Redaktion von Tagesschau.de alle Hände voll zu tun, auf die Einhaltung der Netiquette – also Verhaltensregeln für Kommunikation im Netz – zu achten. Dabei stoße die Redaktion nicht immer auf Verständnis, heißt es in einem Artikel auf Tagesschau.de, der sich mit Hass-Kommentaren befasst. Deftiges Beispiel für einen solchen Hass-Kommentar:

Ihr dreckigen Minusmenschen! – Die ihr (…) BEWEISKRÄFTIGE Kommentare, die eure Lügen-Propaganda-Maschinerie ENTLARVEN, blockiert. Ihr gehört an euren Innereien an der Reichstagskuppel aufgehängt!

Vor allem in jüngerer Zeit haben Medien, gerade auch die öffentlich-rechtlichen, mit reichlich Kritik an der Berichterstattung umzugehen. Vor allem bei der Berichterstattung über die Krise in der Ukraine werfen viele Kommentatoren im Internet ARD, ZDF und anderen so genannten Mainstreammedien kollektives Versagen und einseitige, pro-westliche Berichterstattung vor.

Bei Tagesschau.de muss sich jeder Nutzer vor der Abgabe eines Kommentars bereiterklären, die Netiquette zu beachten. Krogmann: „Wir bitten darum, dass sie andere behandeln, wie sie selbst behandelt werden möchten.“ Voraussetzung für Kommentare sei, „dass sie nicht ehrverletzend sind, nicht beleidigend, nicht rassistisch, und keinen persönlichen Angriffe auf andere starten. Das ist etwas, das wir nicht zulassen.“ Allerdings ist das bei der Flut an Kommentaren offenbar nur noch schwer bis gar nicht durchsetzbar.

Darum erwäge Tagesschau.de nun, die Kommentarfunktionen zu ändern. „Wir denken über neue Konzepte nach, wollen etwas genauer schauen: Was sind für uns die Themen, die am Tag eine Diskussion wert sind? Und wir denken durchaus auch darüber nach, Themen einzuschränken“, so die Redaktionsleiterin. Vorbild ist dabei Sueddeutsche.de, wo nur noch in zwei bis drei so genannten „Debatten-Foren“ kommentiert werden kann. Die Änderungen bei Sueddeutsche.de sind allerdings auch nicht unumstritten. So kommentierte ein Leser unter dem Tagesschau.de-Artikel zur Kommentar-Reform bei Sueddeutsche.de:

Nimmt man diese drei Themen unter die Lupe, erkennt man schnell, dass diskussionswerte Themen eher selten sind, was vermuten lässt, dass Zündstoff nicht gerne ins Angebot aufgenommen wird.
Zudem werden diese Themen meist als Fragen formuliert, von denen die allermeisten mit ja/nein beantwortet werden könnten und zudem auch zumeist nicht kontrovers diskutiert werden.
Das neue sz.de-Diskussionsforum ist dermaßen zahm geworden, dass ich schon gar nicht mehr reinschauen, geschweige denn, mitdiskutieren möchte.

Es gibt allerdings auch viel Zustimmung und Verständnis für das Vorhaben von Tagesschau.de, die Diskussion im Netz stärker zu reglementieren. Tagesschau.de zitiert dazu die Kommunikationswissenschaftlerin Wiebke Loosen vom Hans-Bredow-Institut in Hamburg: „Sowohl auf Publikumsseite als auch auf Journalistenseite sind wir gerade erst dabei, die Regeln, die dafür gelten sollten, auszuhandeln.“ Wenn dies sinnvoll gemacht wird, können am Ende beide Seiten profitieren: Medien und das Publikum.

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