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Neue TV-Show “Utopia” bei Sat.1: Willkommen im Menschenzoo

Es gilt als der neuste heiße Scheiß im TV-Markt: “Utopia”. Die TV-Show, die von “Big Brother”-Erfinder John de Mol produziert wird wirkt wie eine Real-Life Version der berüchtigten Hunger-Games aus der Bestseller-Verfilmung “Die Tribute von Panem”. Ein aufwändiges Psycho-Experiment mit ungewissem Ausgang. Sat.1 zeigt die Show im Frühjahr 2015.

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Bei ProSiebenSat.1 sind sie ziemlich stolz darauf, die John-de-Mol-Produktion “Utopia” in Cannes eingekauft zu haben. Vor allem, nachdem RTL ihnen im vergangenen Jahr mit dem Casting-Format “Rising Star” das damals begehrteste internationale Format weggeschnappt hat. “Utopia” ist nun mal keine Casting-Show und auch kein – gähn –  Quiz, sondern eine Art “Big Brother” meets “The Hunger Games”. Hunger Games, das sind diese tödlichen Teenie-Gladiatoren-Spiele aus den Bestseller-Büchern und Filmen “Die Tribute von Panem”.

Abgeschlachtet wird bei “Utopia” nun vermutlich zum Glück niemand, es dürfte aber doch deutlich härter zur Sache gehen als üblich. Eine Handvoll Menschen wird in einem abgegrenzten Areal ausgesetzt. In dem Areal befindet sich lediglich eine leere Halle mit rudimentären Gas und Wasser-Anschlüssen, es gibt ein bisschen Geld und ein einziges Handy mit begrenztem Gesprächsguthaben. Zur Verfügung stehen außerdem zwei Kühe und ein paar Hühner. Was es nicht gibt sind: Betten, Nahrung, eine Heizung, fließendes Wasser, eine Küche, Regeln und – wie im Trailer bei der ProSiebenSat.1 Programmpräsentation mit besonders unheilschwangerer Stimme betont wurde  – eine Toilette. Dazu sah man einen bedauernswerten Teilnehmer hinter einer Art Wellblechwand entwürdigend kauern. Willkommen im Menschen-Zoo von Sat.1.

Die Protagonisten müssen hier also alles selber bauen, sich eigene Regeln geben und versuchen aus dem Nichts eine neue Mikro-Gesellschaft aufzubauen, eben ein “Utopia”. Dass es dabei nicht eben immer besonders utopisch friedvoll zugehen dürfte, macht gewiss den Reiz der Show aus. Angelegt ist “Utopia” auf eine Laufzeit von einem Jahr – mit Optionen zur Verlängerung. Wenn’s gut läuft, dürften die “Utopier” auch länger in der Access Primetime, also kurz vor 20.15 Uhr, im Sat.1-Programm zu bestaunen sein. Beim niederländischen Sender SBS6 lief das Format jedenfalls schon mit großem Quotenerfolg. Die erste Folge hatte einen Marktanteil von 25 Prozent.

Zum Konzept gehört auch eine Rundum-Digitalversorgung der Zuschauer. “Utopia” wird es auch im Web und als App geben, Zuschauer können sich gegen Geld Rund-um-die-Uhr-Zugang zur “Utopia”-Welt einkaufen und zum Beispiel auf vier verschiedene Live-Cams und eine 360-Grad-Ansicht zugreifen. Dazu gibt es auch einen “Utopia”-Pass, der die Zuschauer gleichsam zu virtuellen Bewohnern von “Utopia” machen soll. Solche Pay-Zugänge gab es zuletzt auch bei “Big Brother” und “Promi Big Brother”. In bestimmten Zeitabständen wird jeweils ein Bewohner von “Utopia” von Mitbewohnern und Zuschauern rausgewählt und durch einen neuen Bewohner ersetzt. Ein freiwilliges Ausscheiden aus der Show ist nicht vorgesehen.

Im Verlauf der Show kommen Händler auf das “Utopia”-Gelände, mit denen die Bewohner Handel treiben können. Also etwa Nahrung einkaufen oder produzierte Waren verkaufen. Das Format umweht den Hauch von einem Skandal. Endlich mal wieder, könnte man fast meinen. Schon zum Start der niederländischen Version raunte die Bild von den “neuen Psycho-Spielchen von Big Brother Erfinder John de Mol”. Tatsächlich ist “Utopia” die frischeste und interessanteste Neuerung im Sat.1-Programm für die kommende Saison. Und vermutlich die teuerste. Es ist ein weiterer Versuch für den in Vergangenheit so vielfach gebeutelten Sender, wieder Tritt zu fassen.

Die Oldie-Psycho-Marke “Big Brother” wird nach dem lähmend langweiligen “Promi Big Brother” auch wieder beatmet, und zwar als “Promi Big Brother – das Experiment” – moderiert von Jochen Schropp und kommentiert von, na, wem wohl, Cindy aus Marzahn. Das Sozial-Experiment “Utopia” klingt da interessanter. Auch wenn das Logo zur Show ausschaut, wie von einem mittelständischen Lkw-Zulieferer.

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