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“Die Millionärswahl” – der TV-Totalunfall

Da hat irgendwer bei ProSiebenSat.1 gedacht, es wäre eine gute Idee das Konzept der auf zwei Sender aufgeteilten Eventshow, das bei "The Voice of Germany“ gut läuft, noch einmal zu verwenden. Und es sei eine gute Idee, eine Show zu machen, die funktioniert wie diese lustigen, emotionalen Internet-Videos. Dabei heraus kam "Millionärswahl". Soviel kann man nach der Premiere festhalten: Es war keine gute Idee. Es war ein notdürftig als Show verkleideter TV-Totalunfall.

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Sieben Leute oder Acts oder wie man das nennen soll durften ihre "Talente" oder "Projekte" präsentieren für die vorher im Internet abgestimmt wurde. Da war einer, der vom Dach der Arena auf Schalke sprang. Ein unangenehmer Protz-Typ wollte den Gewinn mit anderen Leuten für Kreuzfahrten, Rolex-Uhren etc. verprassen, ein Mitleids-Onkel wollte das Geld für sein Patenkind mit Gendefekt. Es gab einen Breakdancer auf Stadtpark-Niveau und Mucki-Männer. Die merkwürdig laut sprechenden Sex-Talker vom YouTube-Channel "61 Minuten Sex“ zeigten, wie man aus zwei Glitzischwämmen und einem Handschuh eine Taschenvagina bastelt. Ein paar alte Männer spielten langweilige Rockmusik. Sie nennen es "Unterhaltung".

Dazu moderierten die frühere Twitter-Tussi vom ZDF, Jeannine Michaelsen, und der ewige Raab-Praktikant Elton lustlos drauflos. Ständig witzlos witzelnd, ständig schwafelnd. Wie um sich zu betäuben in einer Sendung, die zwischen Peinlichkeits-Anfällen und nervenzerfetzender Langeweile taumelte.

Am Ende gab es ein wirres, dreistufiges Punktevergabe- und Abstimmungsverfahren, das die ganze Online- und Telefon-Voterei ins Absurde überführte, weil die Rock-Opas von „GIFT“ ihre ganzen Stimmen dem nur normal talentierten Breakdancer nachschmissen und damit in einem Husarenstreich den Einzug des Mitleid-Onkels ins Finale verhinderten. Buhrufe im Publikum. Lange Gesichter. Selbst die Mitleidsnummer klappte nicht. Das Schicksal des Kindes ist sicher schlimm, aber so ein Schicksal gehört nicht in so eine Sendung. Man sieht, was dabei herauskommt.

Diese Sendung hinterlässt einen als Zuschauer fassungslos. Was, liebe Leute bei ProSiebenSat.1, sollte das? Schaut da niemand vorher drüber? Fällt gar keinem auf, dass das so nicht geht? Oder macht man bei entsprechenden Konferenzen einfach nicht mehr den Mund auf? Wie groß muss die Verzweiflung auf der Suche nach neuen TV-Formaten sein, um einen so offensichtlichen Totalausfall auf den Sender zu lassen? Mit Peinlichkeit und Langeweile sind die Macher sogar noch glimpflich davongekommen. Was wäre zum Beispiel los gewesen, wenn sich der Typ, der über 60 Meter ohne Seil auf ein Luftkissen sprang, in der Live-Show verletzt hätte? Oder der Mitleidsonkel, der an Höhenangst litt und am Seil eine Hauswand runtergetrieben wurde, kollabiert wäre? So wie der aussah, war er kurz davor.

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Elton und sogar der eher mittel talentierten Moderatorin Jeannine Michaelsen schien während der sich endlos windenden Show-Attrappe zu schwanen, dass da etwas mächtig schief lief. Vielleicht ist es aber auch nur Wunschdenken, dass den Beteiligten dämmert, was sie angerichtet haben.

Leider kann man eine so groß angekündigte Eventshow nicht einfach auf einem Resterampen- Programmplatz verklappen wie normale TV-Flops vom Schlage der RTL "Wild Girls". Sieben weitere Folgen dieses TV-Totalunfalls müssen versendet werden, jeweils donnerstags und freitags wechselweise auf ProSieben und Sat.1. Zuschauer haben es gut, die müssen nicht einschalten. Dem beteiligten Personal und den Kandidaten gilt größtes Mitgefühl. Das neue Jahr ist noch jung. Der größte TV-Flop 2014 ist womöglich schon gefunden. Er heißt "Millionärswahl". 

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