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Pioneer One

„Zeit“: RWE sponsert Schiffsstrom für Gabor Steingart

Das Redaktionsschiff Pioneer One – Foto: Media Pioneer

Zur Kern-DNA von Media Pioneer gehört, dass das Steingart-Startup ohne Werbung auskommen will. Stichwort: Unabhängigkeit. Wie die „Zeit“ berichtet, gilt dies allerdings nicht für das Redaktionsschiff. Dessen Strom wird von RWE gesponsert.

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Dem Bericht zufolge habe Steingart seine Zuhörer und Leser bisher allerdings darüber im Unklaren gelassen, dass die RWE-Tochter RWE Supply & Trading den Strom für Steingarts elektrisch angetriebenes Redaktionsschiff, die Pioneer One, sponsert. Das Engagement sei also nicht das Problem, sondern die Frage nach der Transparenz. Schließlich brüstet sich Steingart regelmäßig mit der Unabhängigkeit seines Unternehmens von Anzeigenkunden und inszeniert sich teils geradezu pathetisch als Kämpfer für unabhängigen Journalismus.

So sagte Steingart im Zuge einer großen MEEDIA-Geschichte über Media Pioneer mit Blick auf seine Abonnenten und Rezipienten, die er „Pioneers“ nennt, etwa: „Was wir im Namen unseres Pioneer Clubs anbieten, ist doch nur ein Bruchteil jener Zuneigung, die Zeitungsverlage für gewöhnlich ihren Anzeigenkunden zukommen lassen. Unsere Pioneers sind streitbare Zeitgenossen, mit publizistischem, keinem kommerziellen Interesse. Denn bei uns gibt es keine Werbung.“ 

RWE-Chef Schmitz wurde 2020 zweimal im Morning-Briefing-Podcast interviewt

Nun lässt sich darüber streiten, ob das Sponsoring von Strom das Gleiche oder etwas Ähnliches ist, wie Geld für Anzeigen zu nehmen. Umstritten ist die Frage nach der Unabhängigkeit aber schon deshalb, weil Axel Springer Anteile am Startup hält. Hinzu kommt nun dies: „Am Montagmittag“, schreibt die Zeit, „standen diese Informationen (dass RWE den Strom sponsert – Anm. d. Red.) noch nicht öffentlich auf der Website von Media Pioneer“. Dies verrate eine bei Google gespeicherte Version der Seite vom Vortag. Am Dienstagmorgen habe die Zeit laut eigenen Angaben eine entsprechende Anfrage gestellt. Wohl als Reaktion, so ist zwischen den Zeilen zu lesen, stünde diese Information nun auch auf der Webseite.

Und noch ein weiteres Gschmäckle geht mit dem Bericht einher: Denn RWE-Chef Rolf Martin Schmitz sei in diesem Jahr zweimal im Morning-Briefing-Podcast interviewt worden, schreibt die Zeit. Dass RWE den Strom für das Schiff sponsert, sei dabei allerdings nicht zur Sprache gekommen. Nun ist die „Zuneigung“ von RWE öffentlich.

bek

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