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Französische Werbeaufsicht verbietet autokritischen E-Bike-Spot

Im verbotenen TV-Spot schmilzt ein Auto – Foto: Vanmoof

Der niederländische E-Bike-Hersteller Vanmoof schaffe mit seinem Spot ein „Klima der Angst“. So sieht es die für die Regulierung von Werbung in Frankreich zuständige Organisation und verbietet die Werbung. Das Bike-Startup sagt, der Spot sei der Autolobby ein Dorn im Auge

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Ein Sportwagen in tiefschwarzem Lack, kantiger Kühlergrill, schmale Scheinwerfer. Ein Blickfang. Doch die Kamera schwenkt langsam auf den Kotflügel, auf dem sich qualmende Schornsteine spiegeln. Hupen heulen, Bremsen quietschen, Stau, Rettungswagen. Das Auto schmilzt und aus der Pfütze entsteht: ein E-Bike von Vanmoof – obendrein der Slogan „Time to ride the future“. Eine Ansage, die nun in Frankreich nicht mehr gezeigt werden darf.

Der Film sei ein „kraftvolles, wortloses Statement zu unserer Zukunft“, schreibt ein Sprecher im Unternehmensblog. Und wirft hinterher: „Ist ein TV-Spot eines schmelzenden Autos wirklich zu provokativ für das französische Fernsehen?“ Die Antwort der französischen Authorité de Régulation Professionelle de la Publicité (ARPP) ist eindeutig: Der Film schüre ein „Klima der Angst“ gegenüber Autos und „diskreditiere die Automobilbranche“. Auch deshalb, weil die Schornsteine vom Anfang ja nichts mit dem Auto zu tun hätten. Der Spot dürfe deshalb nicht mehr ausgestrahlt werden – zumindest nicht ohne eine ARPP-konforme Modifikation.

Eine Änderung des Spots lehnt Vanmoof aber ab. „Die Verschmutzung durch Kraftfahrzeuge spiegelt eine Situation wider, der sich viele Stadtbewohner stellen müssen“, sagte Kommunikationsmanager Alfa-Claude Djalo gegenüber Franceinfo. „Ich kann verstehen, dass das verstörend sein kann, aber es bleibt nun mal Realität.“ Die Bilder, die sich in der Karosserie spiegeln, seien nicht für den Werbespot kreiert worden. „Wenn also alltägliche Aufnahmen des Transports in der realen Welt ein ‚Klima der Angst‘ schaffen, sollte man vielleicht versuchen, etwas gegen diese Welt zu unternehmen“, schreibt das niederländische Startup auf seinem Blog. „Zum Beispiel, indem man alternative Transportmittel anbietet.“

Schützt die ARPP die Autolobby?

Die ARPP ist eine private Organisation, der unter anderem Werbeagenturen und Medien angehören. Grund genug für Vanmoof, „die Legitimität und Transparenz dieser Autorität in Frage zu stellen“, so Djalo. In einer Pressemitteilung zum Vorgang stellte das Startup die These auf, die ARPP wolle die ins Straucheln geratene französische Autoindustrie stützen. Immerhin trage diese zu knapp zehn Prozent zur französischen Wirtschaftsleistung bei. ARPP-Präsident Stéphane Martin wies diesen Vorwurf entschieden zurück: „Es ist ein großer Klassiker, die Unabhängigkeit, die wir tatsächlich haben, anzugreifen (…) und Zensur zu schreien“, so Martin zu Franceinfo.

Ungeachtet dessen: Ob die Regulierung ihren Zweck erfüllt hat, ist fraglich. Die mediale Aufmerksamkeit des Falles bescherte dem Film mehr als 1,6 Millionen Views auf Youtube. Damit ist der Spot nur eines von drei Videos auf dem Vanmoof-Kanal mit seinen 20.500 Abonnenten, die mehr als eine Million Views zählen.

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