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All Things Social

Auf digitaler Entgiftungskur

Insa Heegner – Illustration: Bertil Brahm

Die Corona-Krise hat Themen wie Digital Detox und Social Selfcare plötzlich auch für Hardcore-Nutzer wie mich zum Thema werden lassen. Für die Markenkommunikation bedeutet das notfalls einen Gang zurückzuschalten

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Du hast alle neuen Beiträge der letzten drei Tage gesehen“ – da war ich nun also, angekommen am Ende meines Instagram-Feeds. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich beim Gedanken an das Wort „Digital Detox“ nicht automatisch genervt mit den Augen gerollt. 

Das Gefühl gerade eigentlich viel zu viel zu tun zu haben und dann trotzdem ein paar Minuten später – wahlweise sobald eine Notification auf dem Bildschirm aufploppt oder auch nur einfach so – nachzusehen, was da denn gerade los ist, kennen wohl die meisten, die ein Smartphone besitzen. Also praktisch alle. Ob das gleich eine radikale Digitalentgiftungskur notwendig macht oder eine kurze Ermahnung an sich selbst für mehr Social Selfcare ausreichend ist, muss am Ende jeder selbst entscheiden.

Natürlich ist der bewusste Umgang mit der Zeit, die wir als Nutzer mit unseren Smartphones und besonders in sozialen Medien verbringen, keineswegs ein neues Thema – auch nicht für mich. Obwohl es ein Dauerbrenner ist, hätte ich es gerne einfach im Jahr 2018 gelassen. Doch Corona lässt mich nicht. Mehr Nachrichtenkonsum über Social Media, mehr Chats über Messenger, mehr (Live-)Videos, mehr, mehr, mehr: Corona hat unseren Alltag und den Umgang mit sozialen Medien verändert. Das zeigen beispielsweise die Global Webindex-Befragungen zum Mediennutzungsverhalten. Und auch, wenn an vielen Stellen nach und nach wieder Pre-Corona-artige Routinen einzukehren scheinen, stellt sich die Frage: Was bleibt übrig aus einer Zeit, in der sich berufliche und soziale Kontakte zwangsläufig fast vollständig ins Digitale verlagert haben? Neben den vielen tollen Möglichkeiten, die soziale Medien uns zweifelsfrei bieten, schleicht sich eben auch das Gefühl ein, sehr viel Zeit vor Screens verbracht zu haben. Ob es die Feststellung ist, dass man ohne den dank Home Office wegfallenden Arbeitsweg plötzlich gar keine Zeit mehr für Diskussionen mit Fremden auf Facebook hat (und das vielleicht gar nicht so schlecht ist), man nach acht Stunden vor dem Laptop jetzt auch noch aus Versehen Instagram durchgespielt hat oder einfach nach der siebten Videokonferenz am Tag nie wieder irgendeine Stimme aus seinem Smartphone hören will – die Corona-Zwangsdigitalisierung sorgt eben auch dafür, dass wir soziale Kontakte außerhalb des Netzes wieder bewusster wahrnehmen und neu zu schätzen lernen. Andererseits führt sie aber auch dazu, dass wir die Zeit, die wir mit Social Media verbringen noch stärker hinterfragen und möglichst sinnvoll und erfüllend nutzen wollen. Was mich zu folgendem Punkt bringt: Auf diese neue Realität müssen sich auch Marken in ihrer Kommunikation einstellen: Wie verhalten sich meine Zielgruppen, welche Bedürfnisse und Interessen haben sie? Das sind Fragen, die jeder Marketingverantwortliche im Schlaf beantworten können sollte und die für die Erstellung von relevanten und passgenauen Inhalten sowie ein sauberes Targeting elementar sind. Durch die Corona-Krise können sich die Antworten darauf aber durchaus geändert haben. Gerade jetzt sollten Social-Media-Verantwortliche gut überlegen, wie sie Nutzern das Gefühl geben können, dass ihre wertvolle Screentime nicht mit irrelevanten und belanglosen Inhalten verschwendet wird. Denn schlimmer als Inhalte, die niemand sieht, sind nur Inhalte, die gesehen werden und nerven.


Insa Heegner arbeitet tagsüber als Account Managerin bei der Sportmarketingagentur Rapid Peaks. Hier schreibt sie über ihr Steckenpferd: Social Media, zu dem sie regelmäßig – am Abend – Offsite-Veranstaltungen organisiert.

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