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UKW-Blackout droht: MDR stoppt Netzausbau wegen Streit mit Media Broadcast

Der Streit zwischen Media Broadcast und Übertragungsdienstleistern um den UKW-Sendebetrieb dauert an. Nun hat der MDR deswegen den Ausbaut seines Rundfunknetzes ausgesetzt
Der Streit zwischen Media Broadcast und Übertragungsdienstleistern um den UKW-Sendebetrieb dauert an. Nun hat der MDR deswegen den Ausbaut seines Rundfunknetzes ausgesetzt

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat den Ausbau seines Rundfunknetzes auf Eis gelegt. Der öffentlich-rechtliche Sender mit Intendantin Karola Wille an der Spitze will sich solange mit weiteren Investitionen zurückhalten, bis der seit Monaten schwelende Streit mit der Freenet-Tochter Media Broadcast geklärt ist. Media Broadcast sorgt mit dem Verkauf ihres Antennennetz - unter anderem an Finanzinvestoren - für massiven Unmut in Deutschlands Radiobranche.

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Es war ein Hilferuf besonderer Art: 32 Privatradios hatten sich jüngst an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gewandt. Sie befürchten, dass der Empfang der UKW-Radiowellen zum 1. Juli in Teilen Deutschlands unterbrochen werden könnte. Die Sender baten deshalb den Minister in einem Schreiben, darauf zu drängen, dass Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt regulierend eingreifen sollen. Grund: Die Privatsender befürchten, dass die „Rundfunkverbreitung in Deutschland zum Spielball privater Finanzinvestoren“ geworden ist.

Jetzt hat der öffentlich-rechtliche Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) Konsequenzen gezogen. Der Leipziger Sender mit Intendantin Karola Wille an der Spitze hat den Ausbau seines Rundfunknetzes vorerst gestoppt. „Wir als MDR sehen uns künftig erst wieder in der Lage, Investitionen in die terrestrische Rundfunkverbreitung zu tätigen, wenn die Rahmenbedingungen bei der UKW-Verbreitung geklärt und wir zur Überzeugung gekommen sind, dass wir langfristig auf verlässliche Partner vertrauen können“, erklärt Ulrich Liebenow, Betriebsdirektor des Mitteldeutscher Rundfunk, gegenüber MEEDIA.

Als Grund für die Maßnahme nennt er den weiter schwelenden Konflikt mit der Kölner Freenet-Tochter Media Broadcast, die ihre Antennen an 30 Investoren verkauft haben – darunter auch an Finanzinvestoren. „Das, was wir gerade im Bereich UKW-Verbreitung erleben, erschüttert die Zuverlässigkeit der terrestrischen Verbreitungswege insgesamt, also auch die Hörfunkverbreitung via DAB+ und die Fernsehübertragung mittels DVB-T2 HD. Dieses Modell des Verkaufs an mehrere Investoren könnte dort ja ebenso zur Anwendung kommen – und auch für ein digitales terrestrisches Signal ist letztlich eine Antenne erforderlich“, betont Liebenow. Er fordert deshalb, den „massiven Auswirkungen des UKW-Antennenverkaufs durch die Media Broadcast auf den Hörfunkmarkt, inklusive der Androhung von Abschaltungen zur Durchsetzung von Einzelinteressen, zügig entgegenzuwirken und die UKW-Versorgung in Deutschland sicherzustellen.“ Der MDR sieht daher die Bundesnetzagentur und das Bundeskartellamt „hier ebenso in der Pflicht wie die Politik“, so der MDR-Betriebsleiter.

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Hinter der jetzigen Maßnahme steckt ein seit Monaten schwelender Streit. Auslöser hierfür ist die Media Broadcast, die auch die Plattfomen für das Digitalradio DAB+ und das Antennenfernsehen DVB-T2 betreibt. Denn die Gesellschaft hatte nach der Liberalisierung des UKW-Übertragungsmarktes ihre Antennen veräußert – unter anderem an diverse Finanzinvestoren. Diese fordern nun aber erhebliche Preisaufschläge. Die Rede ist von durchschnittlich bis zu 32 Prozent, in Einzelfällen sogar um die 500 Prozent. Zu viel für Übertragungsdienstleister wie Uplink oder Divicon und Radiosender, die dadurch ihre Existenz bedroht sehen. Da sich die Betreiber der Antennen und Netze aber bislang nicht preislich einigen konnten, drohte Media Broadcast damit, das Sendernetz abzuschalten. Die Kölner verlangten daraufhin von den Sendern, sie zu beauftragen. Die Übertragungsdienstleister stimmten unter Druck den Verträgen der MB zu, um ihre Kunden weiter zu bedienen.

Nun gilt zwar bis zum 30. Juni eine Übergangsregelung, doch Sender und Dienstleister befürchten, dass ab 1. Juli ein erneut ein UKW-Blackout droht. „Das Vorgehen der Media Broadcast offenbart, dass die Rundfunkverbreitung in Deutschland zum Spielball privater Finanzinvestoren geworden ist. Das widerspricht dem Verfassungsrang der Hörfunksender und dem in weiten Teilen bestehenden Versorgungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten“, rügen die Chefs diverse Radiosender im Schreiben an Bundeswirtschaftsminister Altmaier. Die Radioveranstalter sehen in dem Vorgehen des früheren Quasi-Monopolisten Media Broadcast ein Kalkül, um wieder an die alleinige Macht über den Übertragungsmarkt zu gelangen. „Der bisherige Marktbeherrscher könnte wieder Monopolist, also konkurrenzloser Betreiber werden, die Preise für die Kunden würden weiter steigen und die gewollte Liberalisierung wäre gescheitert“, befürchten die Geschäftsführer der Radiosender – darunter RTL Radio, Radio NRW, Regiocast. Die Sender erreichen täglich rund 30 Millionen Hörer.

Auch die Dienstleister sind empört – darunter Uplink-Geschäftsführer Michael Radomski: „Die Freenet AG ist durch ihre Tochtergesellschaft Media Broadcast GmbH in den Besitz dieser Anlagen gekommen und versucht sie nun am Kapitalmarkt zu maximalen Preisen zu verkaufen. Ihre Forderung versucht sie durchzusetzen, indem sie ultimativ mit der Abschaltung der Sender droht“, kritisiert der Geschäftsmann.

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