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“Kennt die Grundlagen von Journalismus in demokratischen Ländern nicht”: Anja Reschke, Dunja Hayali & Co. kontern Spahn-Kritik

Der neue Gesundheitsminister äußert sich gerne und viel zu Themen, die oft wenig mit Medizin, Pflege oder Prävention zu tun haben. So machten Spahn-Statements zu Integration, Flüchtlingen oder auch dem Twitter-Verhalten von öffentliche-rechtlichen Reportern jüngst Schlagzeilen. Seine in der NZZ geäußerte Twitter-Kritik, wird nun wiederum scharf von bekannten TV-Journalisten wie “Monitor”-Chef Georg Restle, Dunja Hayali oder Anja Reschke gekontert: “Anscheinend kennt Herr Spahn die Grundlagen von Journalismus in demokratischen Ländern nicht”.

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Stein des Anstoßes ist ein Interview, das Spahn der Neuen Zürcher Zeitung gab. In dem Gespräch ging es um ein breites Themenspektrum. Zum Ende des Interviews ging es dann auch noch um die Frage, ob er unzufrieden mit den Medien sei. Daraufhin bemängelte der CDU-Politiker, dass er mit dem Teil des Journalismus “unzufrieden” sei, “der Zitate verkürzt oder den Zusammenhang ausblendet”.
Nach einer weiteren Antwort, fragte NZZ schließlich, ob der öffentlichrechtliche Rundfunk besser sei. Spahn antwortete:

Besser oder schlechter, das kann doch nicht die Frage sein. Ein Beispiel: Es gibt Tweets von Redakteuren des öffentlichrechtlichen Rundfunks, die sind einfach nur politisch eindeutige Kommentare und sehr subjektiv. Da steht zur Absicherung drüber: privater Account. Soll ich jetzt auch immer sagen: „Das war Spahn privat“? Ich bin Mitglied der Regierung. Entsprechend werden Sie meine Zitate einsortieren. Die gleichen Massstäbe sollten für Journalisten gelten.

Fasst man den Absatz zusammen, steht da: Jens Spahn stört sich am Twitter-Verhalten öffentlich-rechtlicher Journalisten. Für einen Minister eine erstaunliche Aussage. Zum einen ist wohl klar, dass es sich dabei um eine Anspielung auf den Medien-Aufreger rund um Tina Hassel, Chefin des ARD-Hauptstadtstudios und ihre Tweets vom Bundesparteitag der Grünen handelt. Zum anderen werden sich der Minister und seine Medienberater wohl bewusst gewesen sein, dass sie damit einiges an Journalisten-Kritik auf sich ziehen.
Auf MEEDIA-Anfrage äußerten sich gleich mehrere der profiliertesten deutschen TV-Journalisten kritisch zu den Spahn-Aussagen. So kommentierte Georg Restle, Leiter und Moderator von “Monitor”:

Die Einlassung kann ich nur so verstehen, dass Jens Spahn offenbar ganz grundsätzlich ein Problem mit der journalistischen Form des Kommentars hat. Meinungsfreiheit gibt es aber nicht ohne Meinungen. Offensichtlich hat Herr Spahn vergessen, was in Art. 5 Grundgesetz steht.

Anja Reschke, Leiterin der Abteilung Innenpolitik beim NDR und Moderatorin unter anderem von “Panorama” erklärte:

Anscheinend kennt Herr Spahn die Grundlagen von Journalismus in demokratischen Ländern nicht. Es gib einen Unterschied zwischen Kommentar und Bericht. Und es gehört zur Lauterkeit dazu, dass der Leser/ Zuschauer weiß, wie die Haltung eines Journalisten ist. Deshalb gibt es extra ausgewiesene Kommentare in Sendungen oder Zeitungen, in denen man diese Haltung erfahren kann. Twitter ist eine fast ausschließlich kommentierende Plattform, auf der jeder seine Meinung äußern kann. Da werden keine recherchierten Berichte ausgetauscht, sondern kurze knappe Statements. Und wenn man als Journalist seinen Account privat kennzeichnet, sichert man sich nicht ab, wogegen auch? Sondern man macht deutlich, dass es die eigene Meinung ist und man nicht für den Sender oder Verlag spricht. Natürlich gibt es Tweets von Kollegen, die auch ich daneben finde. Aber die gibt es auch von Nicht-Journalisten. Das ist Meinungsfreiheit! Und Meinungsvielfalt entsteht nie beim Einzelnen, sondern immer nur durch viele.

Ebenfalls kritisch äußerte sich Dunja Hayali gegenüber MEEDIA: “Kommentare sind immer subjektiv. Deswegen nennt man sie ja auch Kommentar beziehungsweise Meinung. Und so wie es in der Politik diverse Ministerien/Ressorts gibt, gibt es auch im Journalismus verschiedene Gattungen/Ressorts. Der Zuständigkeitsbereich beziehungsweise die Zuordnung sollte einem klar sein.“

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