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Israel-Reise von Heiko Maas: Bevorzugte Auswärtiges Amt Springer-Journalisten durch „exklusiveren Zugang“?

Für zwei Tage besuchte der neue deutsche Außenminister, Heiko Maas, Israel
Für zwei Tage besuchte der neue deutsche Außenminister, Heiko Maas, Israel

Im Kalender des neuen deutschen Außenministers war es ein wichtiger Termin. Für seinen Antrittsbesuch in Israel nahm sich Heiko Maas zwei Tage Zeit. Genau beobachteten die Berichterstatter dabei jede noch so kleine politische Geste des SPD-Politikers. Es wurde allerdings auch registriert, dass Maas möglicherweise Journalisten des Springer Verlages einen "exklusiveren Zugang" als dem restlichen Pressekorps ermöglicht haben soll. Was ist dran an dem Vorwurf?

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Auslöser der Debatte ist ein Radio-Kommentar von Tim Aßmann. Der ARD-Hörfunk-Korrespondent aus Tel Aviv erklärte in seiner Analyse der Maas-Reise:

Wenn er zum Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus aufrief, nahm man ihm das ab. Allerdings bekam man als Beobachter auch den Eindruck, dass der neue Außenminister die Vermittlung seiner Haltung zu Israel regelrecht inszenierte.

Weiter führte Aßmann aus:

Zahlreich angereiste Vertreter verschiedener Medien des Springer-Verlages bekamen exklusiveren Zugang als andere Journalisten – und Maas lud auch die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, dazu ein, ihn in die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zu begleiten. Die 85-Jährige flog am nächsten Tag zurück. Maas ist sich der deutschen Verantwortung bewusst und ein Freund Israels. Diese Botschaft sollte offenbar bleiben vom Antrittsbesuch. Aber wäre eine solche Inszenierung dafür wirklich nötig gewesen?

Auf die rhetorische Frage erwartet der ARD-Mann natürlich keine Antwort. MEEDIA hat beim Auswärtigen Amt nachgefragt, ob es solch einen „exklusiveren Zugang“ gegeben habe. Klare Antwort der Diplomaten: nein.

Schaut man jedoch genauer auf den Fall, zeigen sich trotzdem einige interessantere Details. Das fing bereits beim Hinflug an. In einem Informationsschreiben des Auswärtigen Amtes zur Vorbereitung der Reise hieß es, dass das Außenministerium um Entschuldigung bitte, dass in diesem Fall aus logistischen Gründen kein Mitflug von Journalisten in der Ministermaschine möglich sei. Als Grund führten die AA-Logistiker die äußerst begrenzte Platzkapazität in dem Maas-Flieger an.

Als der Flieger dann jedoch abhob, waren trotzdem zwei Journalisten an Bord: Der Chefredakteur der Jüdischen Allgemeinen, Detlef David Kauschke, und Bild-Mann Rolf Kleine. Innerhalb des Politik-Ressorts der Boulevard-Zeitung ist der 57-Jährige für die Sozialdemokraten zuständig. Beste Verbindung in die SPD dürfte er haben, immerhin war er einst Sprecher des gescheiterten SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück im Bundestagswahlkampf 2013.

Auf MEEDIA-Anfrage erklärte das Auswärtige Amt, dass es keine festen Regeln zur Vergabe der Plätze innerhalb der Ministermaschinen bei Auslandsreisen gebe. Warum der Springer-Journalist den Zuschlag für die Vorzugsbehandlung erhielt, erklärt das Amt indes nicht.

Ebenfalls einen genaueren Blick wert ist den Besuch von Maas in Yad Vashem. In der Holocaust-Gedenkstätte durfte als einziges Fernsehteam die Mannschaft von Welt TV den frisch ernannten Chef-Diplomaten begleiten. Die anderen Journalisten durften Maas nur an zwei Punkten ablichten. Den möglichen Vorwurf eines exklusiveren Zuganges hält man bei der Welt allerdings für “wirklich absurd”. So erklärte die Sendersprecherin gegenüber MEEDIA:

Unser Welt Senderteam wurde vom Auswärtigen Amt gebeten einen Pool zur Berichterstattung zu bilden und – wie so oft üblich und gelernt auch zwischen Öffentlich-Rechtlichen und Privaten – das Material allen zur Verfügung zu stellen. Genau das ist passiert. Sofort, unkompliziert und professionell. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals in vergleichbarer umgekehrter Situation solche Vorwürfe erhoben hätten.

Dem besondere Ort und seiner Architektur wäre eine große Reporter-Gruppe, die filmend um den Außenminister wuselt, wohl auch kaum gerecht geworden. Die Journalisten durften Maas beim Besuch in Yad Vashem nicht überall fotografieren und filmen, aber stets begleiten.

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Eine mögliche Bevorzugung gerade von Springer-Journalisten auf einer Israel-Reise ist ein Vorwurf, der sich in einem besonderen Spannungsfeld bewegt. So ist beispielsweise der ehemalige und langjährige Bild-Chefredakteur Kai Diekmann Vorsitzender des deutschen Freundeskreises Yad Vashem. Zum anderem ist Axel Springer das einzige Medienhaus in Deutschland, dass sich in seinen Unternehmensgrundsätzen (schon seit 1967) dazu verpflichtet “die Lebensrechte Israels zu unterstützen”.

Diese Gemengelage ist nicht neu – sicher auch nicht für Heiko Maas und die erfahren Beamten im Auswärtigen Amt.

Am zweiten Tag seiner Israel-Reise besuchte der Außenminister dann unter anderem das Amcha-Zentrum in Jerusalem. Dort werden Holocaust-Überlebende beraten und unterstützt. Unter den wenigen Journalisten, die Maas begleiten durfte, waren ebenfalls wieder Springer-Mitarbeiter. Aber auch hier griff allerdings wohl die „Pool-Lösung“.

Fazit: Eine offensichtliche Bevorzugung von Springer-Journalisten durch das AA bei Heiko Maas‘ Israel-Reise lässt sich nicht belegen. Trotzdem bleibt bei ARD-Mann Aßmann “unterm Strich der Eindruck”, wie er gegenüber MEEDIA erklärte, “der Minister bevorzugte Medien seiner Wahl – möglicherweise in der Hoffnung, damit die Botschaft, die er sich vom Antrittsbesuch wünschte, besonders hervorheben zu können.“

Sollte dies wirklich das Bestreben von Maas gewesen sein, ging der Plan nicht wirklich auf. Bild berichtete am Montag und Dienstag nur sehr klein über seine Israelreise.

 

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Alle Kommentare

  1. Maas hat aus dem Wulff-Desaster nichts gelernt: Wer mit BILD nach oben fährt, fährt mit BILD auch wieder nach unten …

  2. Wie ungerecht, dass Döpfners Leute dem Minister derart nah sein durften. Wo man doch selber maximal distanzlos sein wollte.

  3. näselnder ARD-Kommentar. Selbst da, wo kein Haar zu erkennen ist, dieses in der trüben Suppe suchend . . . klassischer öffentlich-rechtlicher Besserwessi-Rundfunk. Nun ja.

  4. Ist doch kein Wunder. Der Springer-Verlag tut sich doch immer besonders hervor, wenn es darum geht Israel in den Arsch zu kriechen und über die bösen Palästinenser zu schimpfen, die einfach nicht Platz machen wollen für Eretz Israel.

    1. @Klaus Schmidt. Höfliche Bitte: Verwechsle bitte Geschichte – Holocaust – nicht mit Zeitgeschichte, auch nicht Palästina und Eretz Israel. Danke

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