Partner von:
Anzeige

Auflösung des Terror-Fakes erst hinter der Bezahlschranke: Steady prüft Zusammenarbeit mit Rheinneckarblog

Stand nach der Fake News des Rheinneckarblogs ebenfalls in der Kritik: Steady-Macher Sebastian Esser
Stand nach der Fake News des Rheinneckarblogs ebenfalls in der Kritik: Steady-Macher Sebastian Esser

Werden Fake News hinter einer Bezahlschranke veröffentlicht, bekommt das ohnehin verantwortungslose Verhalten eine weitere Dimension – es wird der Eindruck erweckt, Nutzer mit falschen Nachrichten direkt ausnehmen zu wollen. Paywall-Dienstleister stellt das vor eine besondere Herausforderung, wie der aktuelle Fall des Rheinneckarblog von Hardy Prothmann mit seiner Berichterstattung über einen fiktiven Terror-Anschlag in Mannheim zeigt.

Anzeige
Anzeige

Das Rheinneckarblog hat bewusst Fake News verbreitet und am Wochenende einen Terroranschlag in Mannheim vermeldet und gleich 130 Tote dazu erfunden. Um eine Debatte anzustoßen, wie Betreiber Hardy Prothmann anschließend erklärte. Dafür steht er nun massiv in der Kritik. Leser und Medien-Experten werfen ihm verantwortungsloses Verhalten vor, der Presserat wird sich mit dem Fall befassen und selbst die Staatsanwaltschaft prüft nun einen Anfangsverdacht auf eine Straftat.

Prothmann hat das Experiment, wenn man es so nennen mag, auf höchst fragwürdige Weise durchgeführt. Auch, weil er die ausführliche Falschnachricht bezahlpflichtig gemacht hat. Wer den Bericht in Gänze lesen wollte, musste die Paywall überwinden. Auch die eindeutige Auflösung des „Gonzo-Journaliusmus“, wie Prothmann es nennt, versteckte er dahinter. Im Interview mit MEEDIA hatte er seine Vorgehenweise erläutert und zugegeben, dass die Fake News nicht sofort als solche erkennbar gewesen ist.

Mit seiner Fake News brachte Prothmann am Wochenende nicht nur Sicherheitsbehörden in Bedrängnis – bei der Polizei gingen umgehend Nachfragen besorgter Bürger ein –, sondern auch seine Geschäftspartner. Für die Bezahlschranke arbeitet das Rheinneckarblog mit dem Dienstleister Steady zusammen. Beispielsweise via Twitter wurde dieser auf das eigenartige Verhalten der Plattform hingewiesen und zugleich für die Zusammenarbeit kritisiert. Dessen Gründer und Geschäftsführer Sebastian Esser reagierte zunächst ebenfalls via Twitter und bemühte sich, die Neutralität gegenüber seinen Kunden deutlich zu machen.

Kritiker, allen voran der Social-Media-Experte Martin Hoffmann sowie Bloggerin und Autorin Carline Mohr, aber auch Marcus Schwarze von der Berliner Morgenpost konfrontierten Esser mit den von Steady aufgestellten Richtlinien.

Anzeige

Gegenüber MEEDIA erklärt Esser noch einmal die Position seines Unternehmens. „Als Dienstleister für journalistische Publikationen müssen wir so neutral wie möglich bleiben, wenn es um ihre inhaltliche Bewertung geht“, heißt es auf Nachfrage.  „Unsere Neutralität endet, wenn gegen Gesetze verstoßen wird oder eine Publikation Steadys Community-Richtlinien verletzt, die alle unsere Publisher akzeptieren.“

Es ist jedoch zumindest fragwürdig, ob das Rheinneckarblog nicht gegen diese Regeln verstoßen hat. Esser bestätigt „mehrere Beschwerden“, die man nun prüfen werde. „Das bedeutet, dass wir alle Seiten hören und anschließend eine Entscheidung auf Grundlage unserer Community-Richtlinien treffen. Dieser Prozess ist im Gange, aber noch nicht abgeschlossen“, erklärte er dazu am Montag. Der Macher des Bezahl-Angebotes will sich diesem Punkt jedoch nicht unter Druck setzen lassen. Die Entscheidung sei schwierig und treffe man nicht nicht leichtfertig. Zudem sehe man keinen Grund zur Eile, es sei ja keine Gefahr in Verzug.

Der Fall des Rheinneckarblog macht die Diskussion über gegenseitige Verantwortung deutlich. Esser betonte im Social Web, ähnlich wie Twitter erst nach Beschwerden tätig zu werden und mögliche Vergehen zu prüfen. Das ermöglicht erst einmal Missbrauch. Wo das enden kann zeigt das von Esser angesprochene Netzwerk Twitter aber auch Plattformen wie Facebook.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Meedia

Meedia