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“Drum findet sich in diesem Bande, was Leser brachten so zustande”: Julian Reichelt dichtet für Bild-Buch und die eigene Redaktion foppt ihn dafür

Für das Buch mit Heimat-Gedichten der Bild-Leser verfasste Julian Reichelt statt eines Vorwortes, ein Vorgedicht
Für das Buch mit Heimat-Gedichten der Bild-Leser verfasste Julian Reichelt statt eines Vorwortes, ein Vorgedicht

Für alle, die die Bild, ihre Macher und Leser für echte Dichter halten, gibt es jetzt das passende Buch. Das Boulevard-Blatt bringt am heutigen Montag ein Bändchen mit Heimat-Gedichten in den Handel. Alle Verse wurden dabei von Lesern verfasst. Bis auf das “Vorgedicht”. Dieses steuerte Chefredakteur Julian Reichelt bei - nach Einschätzung seiner eigenen Redaktion handelt es sich dabei jedoch um das “holprigste” des gesamten Buches.

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Die Entstehungsgeschichte des Lyrik-Bändchen könnte boulevardesker kaum sein. Im Sommer 2017 rief die Bild ihre Leser dazu auf eine “Liebeserklärung an ihre Heimat” zu verfassen und der Redaktion zu schicken. Als Beispiel zitierte die Redaktion gleich mal Heinrich Heine: „Deutschland hat ewigen Bestand, Es ist ein kerngesundes Land; Mit seinen Eichen, seinen Linden, Werd ich es immer wiederfinden.“

Nach Bild-Aufruf: über 800 Lesergedichte in nur wenigen Tagen

Mit ihrem Aufruf traf die Zeitung offenbar einen Nerv. Bereits in den ersten Tagen gingen über 800 Verse und Reime ein, die die Schönheit von Wald und Wiesen, der Burgen und Schlösser, Seen und Flüsse zwischen Flensburg und Oberammergau besangen. Weil die Redaktion aber nur einen kleinen Teil der dichterischen Leserergüsse drucken konnte, bündelte man nun eine Vielzahl weiterer Gedichte zu einem Buch.

Unter dem Titel “Heimat – eine Hymne an Deutschland” gibt es nun die besten Mehrzeiler für 8,99 Euro im Buchhandel. Der Zeitpunkt könnte kaum passender gewählt sein. Immerhin wird Horst Seehofer gerade so eine Art erster deutscher Heimat-Minister.

Natürlich vermeldete die Bild den Verkaufsstart auch in eigener Sache in ihrer heutigen Ausgabe. Allerdings konnte sich die Redaktion einen kleinen Seitenhieb auf ihren Chefredakteur nicht verkneifen. Am Ende des Artikels heißt es in einem Post Scriptum: “Dass das holprigste Gedicht des Buches von Bild-Chef Julian Reichelt kommt, schmälert die Lesefreude übrigens nicht…”

Tatsächlich hat der Chefredakteur zu dem Lyrik-Band, auf dessen Titelseite übrigens jedweder Hinweis auf die Bild fehlt, kein Vorwort, sondern ein “Vorgedicht” verfasst. Dort reimt er:

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„Was wäre Deutschland ohne Dichter?
An Tristheit mehr, an Glanze lichter.“

Den Inhalt des vorliegenden Bändchens reimte Reichelt wie folgt zusammen:

„Drum findet sich in diesem Bande,
was Leser brachten so zustande,
an Reimen über unser Land,
Sie halten es in Ihrer Hand“

Wenn man der Meinung sein sollte, dass es der Bild-Chefredakteur mit seine dichterischen Ambitionen etwas überzogen haben sollte, muss man allerdings auch festhalten, dass der Autor des Werbe-Waschzettel bei Amazon etwas über das Ziel hinausgeschossen ist. Am Ende der Kurzbeschreibung heißt es dort etwas hochtourig: “Hochwertig ausgestattet und mit vielen Bildern unserer zauberhaften Landschaften versehen hat diese Auswahl das Zeug, eine echte lyrische Reiseapotheke zu werden.”

P.S. Reichelt ist natürlich nicht der einzige Bild-Chef, der sich in der Ausdrucksform des Reimens versuchte. Sein Vorgänger, Kai Diekmann dichtete einen Disstrack gegen Bushido. Rap-Texte sind ja auch nur eine moderne Darreichungsform von Gedichten.

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Alle Kommentare

  1. Aber, liebe MEEDIA-Kollegen, in den Abdruck eines schlechten Vierzeilers zwei eigene Fehler rein zu mogeln, ist schon etwas peinlich.

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