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GroKo-Hund Lima und Kühnert-Titelseite: Presserat liegen neun Beschwerden gegen Bild vor – nur (noch) nicht von der SPD

Aktuell führt Olaf Scholz die SPD. Seine Partei ist – anders als angekündigt – noch nicht beim Presserat aktiv geworden
Aktuell führt Olaf Scholz die SPD. Seine Partei ist - anders als angekündigt - noch nicht beim Presserat aktiv geworden

Der Presserat steht vor einer anstrengenden kommenden Woche, denn die Bild und ihre SPD-Berichterstattung werden für ein erhöhtes Arbeitsaufkommen bei den Medienwächtern sorgen. So liegen in Sachen #miomiogate bereits sieben Beschwerden gegen die Boulevard-Redaktion vor. Auch der GroKo-Hund Lima wird den Presserat beschäftigen. Allerdings hat die SPD noch keine Beschwerde eingelegt.

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Das las sich Anfang der Woche noch anders. Die Bild hatte am Dienstag auf ihrer Titelseite die Story gebracht: “Dieser Hund darf über die GroKo abstimmen”. Die Redaktion meinte mithilfe der Hündin Lima nachweisen zu können, wie leicht es sei, das Mitglieder-Votum über eine Neuauflage der großen Koalition manipulieren zu können. Hört sich schräg und irgendwie gaga an, fand die SPD aber gar nicht lustig. Via Pressemitteilung erklärten die Sozialdemokraten:

Die SPD geht wegen grober Verstöße gegen die Grundsätze der journalistischen Ethik gegen einen Bericht der BILD von heute vor und wendet sich an den Deutschen Presserat. Die SPD hat den Medienrechtsanwalt Prof. Dr. Christian Schertz mit den entsprechenden Schritten betraut. Der Bericht „Dieser Hund darf über die GroKo abstimmen“ ist in seiner Kernaussage falsch, zudem hat die BILD bei der Recherche durch Angabe falscher Identitäten beim Parteieintritt Ziffer 4.1. des deutschen Pressekodex verletzt.

Unter dem besagten Paragraphen des Pressekodexes heißt es:

Journalisten geben sich grundsätzlich zu erkennen. Unwahre Angaben des recherchierenden Journalisten über seine Identität und darüber, welches Organ er vertritt, sind grundsätzlich mit dem Ansehen und der Funktion der Presse nicht vereinbar.

Verdeckte Recherche ist im Einzelfall gerechtfertigt, wenn damit Informationen von besonderem öffentlichen Interesse beschafft werden, die auf andere Weise nicht zugänglich sind.

Der SPD erregte mit ihrer Pressemitteilung einiges an medialer Aufmerksamkeit. Viele berichteten über die Presseratsbeschwerde. Allerdings ließen die Sozialdemokraten ihren Worten bislang keine Taten folgen. Auf MEEDIA-Anfrage erklärten die Medienwächter, dass noch keine Beschwerde von der SPD eingegangenen sei.

Fragt man im Willy-Brandt-Haus nach, warum in der Sache noch nichts passiert sei, antwortet eine Sprecherin, dass man die Beschwerde zu Beginn der kommenden Woche beim Deutschen Presserat einreichen werde.

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Im Grunde könnte sich die Partei die Arbeit auch sparen. Denn der Presserat wird sich sowieso mit dem Fall beschäftigen. Unabhängig von der SPD sind bereits zwei weitere Beschwerden eingegangen. Jetzt wollen die Medienwächter prüfen, ob diese an den Beschwerdeausschuss weitergereicht werden.

Ebenfalls geprüft werden wird die Titelseite mit der Zeile: “Schmutzkampagne bei der SPD. Es geht um brisante Mail des Juso-Chefs und einer Person namens Juri”. Der Titel hat längst eine gewisse Berühmtheit erlangt, weil er unter Mithilfe der Titanic entstand – nur wusste die Bild zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sie einer Satire-Aktion aufsitzt.

Bis zum Freitagmittag lagen dem Presserat wegen dieser Titelseite insgesamt sieben Beschwerden vor. Sie zielen auf eine Verletzung der Sorgfaltspflichten ab. Unter Ziffer zwei heißt es im Pressekodex dazu:

Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen.

Vor allem die Überschrift rückt dabei in den Fokus des Presserates.

Kein Verfahren muss derzeit die Titanic für ihre Satire-Aktion befürchten. Der Presserat wird nämlich nur dann aktiv, wenn Dritte eine Beschwerde einreichen. Gegen den #miomiogate-Komplex und die folgende mediale Aufarbeitung durch die Titanic ging noch keine Beschwerde beim Presserat ein.

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