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Kooperation statt Konkurrenz: Burda, Bauer und Funke verhandeln über gemeinsame Vermarktung und Vertrieb

Will den Verlag des 21. Jahrhunderts auf einem neuen Fundament bauen: Burda-Vorstand Philipp Welte
Will den Verlag des 21. Jahrhunderts auf einem neuen Fundament bauen: Burda-Vorstand Philipp Welte

Lieber gemeinsam stark als alleine schwach: Hubert Burda Media ist unter Anleitung seines Zeitschriften-Vorstandes Philipp Welte auf der Suche nach Kooperationen und Allianzen, um neues Gewicht im Anzeigenmarkt zu gewinnen. Nun berichtet das Handelsblatt exklusiv über Pläne, auch gesellschaftsrechtlich mit der Bauer Media Group und Funke zusammenzugehen. Die Beteiligten halten sich indes bedeckt.

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Hört man Philipp Welte reden, gewinnt man unter Umständen schnell den Eindruck, der Verlagsbranche könne es besser kaum gehen. Auf Podien und in Ansprachen propagiert der im Burda-Konzern für das Zeitschriftengeschäft zuständige Vorstand ein kerngesundes, florierendes Geschäft und strahlt dabei eine Selbstüberzeugung aus, die für die gesamte Branche reichen könnte. Doch Welte weiß, dass einiges geschehen muss, um auch in zehn Jahren noch so auftreten zu können. Geht es nach ihm, benötigt das „Verlagshaus des 21. Jahrhunderts“ ein neues Fundament. Statt im Konkurrenzkampf mit anderen Verlagen lassen sich erfolgreiche Geschäfte in Zukunft nur noch auf Kooperationen aufbauen, so seine Meinung. Es gehe darum, sich untereinander nicht mehr als Feind zu betrachten, während US-Konzerne wie Facebook oder Google von der Supermacht zum Weltherrscher über das Vermarktungsgeschäft werden.

Deshalb wirbt Welte zeitgleich auf vielen Ebenen für mehr Zusammenarbeit über Verlagsgrenzen hinweg, engagiert sich nicht nur auf Podien, sondern auch in den eigenen Lobbyverbänden und persönlichen Treffen. Letztere gab es in den vergangenen Monaten immer mal wieder, häufig waren die Gesprächspartner Management-Kollegen aus den Häusern Bauer Media und Funke Mediengruppe. Es ging dabei nicht nur um die zeitweise festgefahrenen Verhandlungen mit den Grossisten, jüngst zum Abschluss kamen, um mögliche Allianzen. In seiner heutigen Ausgabe berichtet das Handelsblatt über neue Details.

Demnach plant das Trio, in den Geschäftsbereichen Vertrieb- und Vermarktung auch gesellschaftsrechtlich zusammenzugehen. „Der Plan sieht vor, dass Bauer und Funke Anzeigen über die Burda-Tochter BCN akquirieren lassen, an der sie jeweils mit zehn Prozent beteiligt werden; umgekehrt übernähme Bauer den Vertrieb für die beiden Partner, die dann Anteile an der zuständigen Firma des Hamburger Großverlags erwerben würden“, schreibt Medienkenner Hans-Jürgen Jakobs im Handelsblatt. Entstehen würde eine enorme Schlagkraft in Reichweite und Umsatz: Sechs Milliarden Euro nehmen die drei Verlage insgesamt jedes Jahr ein, decken mit ihren zahlreichen Titeln einen großen Teil des Zeitschriftenmarktes ab.

Während die vom Handelsblatt-Autor in Umlauf gebrachten Details zumindest nach einer konkreten Idee klingen, ist über den Fortschritt der Gespräche bislang kaum bekannt. Eine Bestätigung, so das Wirtschaftsblatt weiter, gebe es zudem nicht. Die Verhandlungspartner lassen sich nur ungerne in die Karten schauen, behalten die Kommunikationshoheit zudem am liebsten selbst in der Hand. Dafür schrecken sie auch vor einem öffentlichen Dementi nicht zurück.

Damit stellten die Medienunternehmen immerhin unter Beweis, dass Kooperationen zumindest hinsichtlich der Kommunikation funktionieren. Auf Anfragen von MEEDIA reagierten zumindest Funke und Burda mit einem übereinstimmenden Statement: „Es ist richtig, dass seit Inkrafttreten der GWB-Novelle zwischen mehreren großen Verlagen in Deutschland Gespräche über weitere gemeinsame Aktivitäten in Vermarktung und Vertrieb geführt werden“, heißt es darin. Und weiter: „Wie diese Kooperationen organisiert werden, sollte man sich überhaupt für sie entscheiden, ist noch unklar. Der Bericht des Handelsblatts gibt Spekulationen wieder, die wir nicht bestätigen können.“

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Klar scheint aber, dass es intensive Gespräche gibt; nur die Einigung steht noch aus. Aufgrund der Tatsache, dass die am Markt mit ihren Produkten rivalisierenden Verlage in einigen Bereichen (z.B. im Ringen um Pharma-Kunden) untereinander in einem knallharten Wettwerb zueinander stehen, scheint es auch nicht einfach, zu einer für alle Seiten gewinnbringenden und keinen benachteiligenden Lösung zu kommen.

Derweil scheint der Wille für Kooperationen noch deutlich größer zu sein. Es ist in der Branche kein Geheimnis, dass die Vordenker einer Vertriebs- und Anzeigenallianz auf eine möglichst große Marktpower setzen und am liebsten so viele Großverlage wie möglich für die strategische Kooperation gewinnen würden. Doch gibt es in manchen Medienhäusern auch Vorbehalte gegen das Projekt.

Zum einen, so heißt es hinter vorgehaltener Hand, sei eine reine Printallianz wenig zukunftsweisend, wenn es darum gehe, gegen die Marktdominanz der US-Konzerne bestehen. Zum anderen wird der Vorstoß von manchen als eher als Effizienzprogramm mit dem vorrangigen Ziel der Kostensenkung bei den beteiligten Verlagen eingeordnet.

So soll Insidern zufolge zum Beispiel Gruner + Jahr auf entsprechende Vorstöße hin signalisiert haben, dass man an einer derartigen Allianz nicht interessiert sei. Der Gegenentwurf zu der laut Handelsblatt angestrebten Kooperation wäre ein Bündnis, das neben Print und Digitalplattformen auch TV-Sender im Portfolio hätte. So schloss sich das Zeitschriftenhaus 2016 bereits mit der Bertelsmann-Schwester RTL zusammen und gründete mit der Ad Alliance einen eigenen Vermarkter. Im vergangenen Jahr hat sich auch der Spiegel-Verlag, an dem Gruner + Jahr Anteile hält, angeschlossen.

(ms)

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Alle Kommentare

  1. Steht diese Kooperation in Verbindung zu der Neuregelung des § 30 II b) GWB in der 9. GWB Novelle (Kartellrecht), wonach verlagswirtschaftliche Zusammenarbeit vom Kartellverbot ausgenommen worden ist ?

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