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„Fake durch Copy and Paste“: So legte die Titanic die Boulevard-Profis von Bild bei #miomiogate rein

Das Satiremagazin hat mit den angeblichen Mails um Kevin Kühnert einen Coup gelandet
Das Satiremagazin hat mit den angeblichen Mails um Kevin Kühnert einen Coup gelandet

Nun hat sich auch das Satiremagazin Titanic ausführlich zum Fake geäußert: Redakteur Moritz Hürtgen betont im Gespräch mit dem Deutschlandfunk, dass es sich nicht um einen "Fake Fake" handeln würde. Beweise gebe es genug. Die wolle das Blatt in der Aprilausgabe präsentieren. Heftige Kritik äußert Hürtgen gegenüber der Bild.

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„Auf Bild.de wird ja bestätigt, dass wir es waren“, sagt der zuständige Titanic-Redakteur Moritz Hürtgen bei @mediasres im Deutschlandfunk (DLF). „Es handelt sich nicht um einen Fake Fake.“ Im Laufe des Tages sind immer mehr Details zum Vorgehen der Satire-Redaktion bekannt geworden. Den angeblichen Informanten, das bestätigte mittlerweile die Bild in einem Beitrag, haben Reporter des Boulevardblatts am Montag dieser Woche getroffen, um seine Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Bereits Gegenüber der FAZ sprach Hürtgen am Mittag über den Kontakt zur Bild: „Ja, die waren sofort heiß. Es gab dann noch einige Telefonate mit dem angeblichen Juso-Informanten, die wir mit unterdrückter Nummer geführt haben, und schon stand die Geschichte am Freitag auf der Titelseite. Das war ein schönes Gefühl. Wir hatten ja ausschließlich die Bild kontaktiert, weil wir dachten, dass das doch gut in ihre Anti-SPD-Kampagne passt. Und noch schöner war, dass wir absolut ernst genommen wurden. Es war eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe.“

Hürtgen betont im Interview mit dem DLF, dass „der ganze Fake durch Copy und Paste entstanden“ sei. „Wir hatten einen fähigen Techniker, der sein Können aber gar nicht ausreizen musste.“ Mit Hacks und Viren, wie es die Bild ihren Lesern in einem Nachdreher zum eigentlichen Aufmacher verkaufen wollte, hat der Coup somit nichts zu tun. Bild-Chef Julian Reichelt indes verteidigt die Berichterstattung über die angeblichen Mails um Juso-Chef Kevin Kühnert. Erst durch die rechtlichen Schritte der SPD in Form der Strafanzeige gegen Unbekannt seien die Mails zum Thema geworden. Man sei der Fälschung nicht aufgesessen, schreibt Reichelt in einer Stellungnahme, die die Recherche der Bild-Redaktion dokumentiert. „Wir bedauern, dass wir nicht von Anfang an berichten konnten, dass mutmaßlich ein Satiremagazin hinter den gefälschten Mails von Kühnert steckt. Ein berichtenswerter Vorgang bleibt es für Bild aufgrund der Strafanzeige der SPD trotzdem.“

Titanic-Redakteur: „Bild ist ein hervorragendes Satiremagazin“
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Hürtgen richtet im DLF-Gespräch scharfe Kritik an Reichelt und sein Boulevardblatt. Es sei ein „hervorragendes Satiremagazin“, sagt er. „So macht es Reichelt: Auf den Titel eine Schlagzeile, ein Riesenskandal und im Innenteil muss man dann die Wörter ‚vermeintlich‘ und ‚angeblich‘ suchen. Journalismus bei der Bild.“ Der Bild-Chef wirft der Titanic wiederum vor, dass sie „journalistische Arbeit bewusst diskreditiert“ hätte. „Wenn man die Bild angreift, kann man schlecht gleichzeitig journalistische Arbeit diskreditieren“, so Hürtgen bei @mediasres. „Das schließt sich aus.“

Am 16. Februar hatte die Bild unter der Überschrift „Neue Schmutzkampagne bei der SPD“ darüber berichtet, dass ein angeblicher Russen-Troll den Juso-Chef via Mail Vorschläge unterbreitet haben soll, die No-GroKo-Kampagne mit Hilfe von Bots zu stärken. Laut den Mails soll sich Kühnert offen für die Vorschläge gezeigt haben. Schon am Tag der Veröffentlichung hatte es von vielen Seiten – auch von MEEDIA – Kritik ob der Echtheit der Mails gegeben und ebenfalls hinsichtlich der Vorgehensweise der Bild.

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Alle Kommentare

  1. Kritische Gegenwartsreflexion findet in Deutschland prinzipiell nur noch in satirischen Formaten statt: ob mit der Anstalt im TV oder mit Titanic und Postillon in textbasierter Presse.

    Auch dies beweist die Refeudalisierung der westlichen Postdemokratie. Wenn 46 Famlien die Hälfte des bundesdeutschen Vermögens besitzen und die transatlantische Vernetzung der Vermögensaristokratie dafür sorgt, dass Printmedien und ÖR gemeinsam antirussische Volksverhetzung betreiben, um die Europa als Schlachtfeld und Europäer als Schlachtvieh für das letzte (nukleare) Gefecht um US-Hegemonie herbeizuschreiben, dann zeigt dies, dass unter Beibehaltung einer formal-demokratischen Oberfläche der Elitendespotismus so zementiert ist, dass eine blutige Krisenbereinigung nicht mehr nach dem martialischen Design der 30er und 40er verlaufen muss, um prinzipiell just wie gehabt zu funktionieren.

    Die Titanic-Satire zeigt, wie vorhersehbar der hegemoniale deutschen Kampagnenjournalismus geworden ist. Wie nach 1914 und 1933 hat er sich den Krieg auf die Fahne geschrieben. Daran, dass die transatlantische Nomenklature weder Bürger noch Menschen kennt, sondern nur noch „Westler“, sieht man, dass unsere Leben nur noch einen Pfifferling wert sind.

    Wer immer in Deutschland gegen den „russischen Untermenschen“ gewettert hat, der war zugleich allzeit bereit, die deutsche Bevölkerung in Gänze aufs Schaffott zu schicken. Wir erleben es seit 2014 wieder.

  2. Der Herr Reichelt ist wirklich ein Satirekönner, das muss man ihm lassen, selbst wenn es unfreiwillig ist. „Journalistische Arbeit diskreditieren“ bei Bild könnte man nur, wenn es dort welche gäbe. Wie das richtig gegangen wäre, hätten die Bild-Schreiber in jedem Einführungsbüchlein lesen können.

    Aber es ist ja nicht so, dass bei Bild unwissende Menschen sitzen. Die wissen genau, was sie tun. Sie wollen die Kampagne und drehen es so lange, bis sie wieder eine Schlag-Zeile gegen jemanden haben, der ihnen nicht gefällt.

    Das ist kein Journalismus, sondern interessengerichtete PR, und zwar von der schmutzigen Sorte. Höchste Zeit, dass ein offizielles Gremium wie der Presserat dieser Publikation den falschen Titel „Presse“ aberkennt.

    1. Dafür kriegt Herr Reichelt auch ordentlich Schmerzensgeld von seinen Arbeitgeber….mit über einer halben Million Gehalt…kann man auskommen!

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