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"Bild druckt alles, was in die Agenda passt": "SPD-Schmutzkampagne" war eine Satire-Aktion der Titanic

Titanic-Chefredakteur Tim Wolff: Bild-Zeitung mit Fake-Mails hereingelegt?

Die Bild ist offenbar auf eine Satire-Aktion des Magazins Titanic hereingefallen. Auf der Internetseite reklamiert die Titanic für sich, Urheber der angeblichen Schmutzkampagnen-Mails zu sein, über die die Bild Ende vergangener Woche groß auf Seite 1 berichtete. „Eine anonyme Mail, zwei, drei Anrufe – und Bild druckt alles, was ihnen in die Agenda passt.“ Die Bild hatte in dieser Woche in der Sache sogar noch einmal nachgelegt und die vielfach kritisierte Berichterstattung verteidigt.

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Am vergangenen Freitag hatte Bild unter der Überschrift „Neue Schmutzkampagne bei der SPD“ darüber berichtet, dass ein angeblicher Russen-Troll Juso-Chef Kevin Kühnert via Mail Vorschläge unterbreitet haben soll, den SPD-Mitgliederentscheid mit Hilfe von Bots zu beeinflussen. Laut den Mails soll sich Kühnert offen für die Vorschläge gezeigt haben. Schnell war allerdings klar, dass es sich bei den Mails um Fälschungen handelt, u.a. deshalb da die angebliche Absenderadresse @jusos.de bei der SPD gar nicht verwendet wird. Bild brachte die Story trotzdem in großer Aufmachung, erst ganz am Ende des Artikels fand sich ein Hinweis, dass es für die Echtheit der Mails keine Belege gibt.
Am Montag legte die Bild nach Kritik an der Berichterstattung in der Sache nach und erklärte, Experten hätten für die Zeitung die technischen Daten der Mail ausgewertet:

Die Ergebnisse: Jede E-Mail verrät, von welchem Server sie verschickt wurde. Die kompromittierende E-Mail weist auf einen SPD-Server hin, von dem sie ursprünglich verschickt wurde. Mit diesen Server-Daten konfrontiert, sagte ein SPD-Sprecher zu BILD, dass die angegebenen Server „seit über einem Jahr nicht mehr verwendet werden“.

Ein Cyber-Security-Professor Timo Kob wurde zudem von Bild mit den Worten zitiert: „Die Server-Daten kreisen den Verfasser mit hoher Wahrscheinlichkeit auf jemanden mit Zugang zu Systemen der SPD ein – berechtigt oder unberechtigt.“
Nun erklärt die Titanic, dass sie hinter der ganzen Aktion steckt. Der Mail-Schriftverkehrt sei „u.a. von TITANIC-Internetredakteur Moritz Hürtgen an Bild lanciert“ worden. „Wir möchten uns trotzdem gegen den Vorwurf der Jusos verwehren, es handle sich um eine ‚plumpe Fälschung‘. Das ist unverschämt. Da stecken mindestens drei Stunden Arbeit drin“, so Titanic-Redakteur Hürtgen. Das Satire-Magazin bietet auf seiner Internet-Seite die angeblichen Mails auch zum Download an.
Erste Reaktionen bei Twitter gibt es natürlich auch schon:
https://twitter.com/janboehm/status/966236808324567040
Via Twitter hat der zuständige Titanic-Redakteur Moritz Hürtgen bekräftigt, dass es sich um keinen „Fake-Fake“ handle, also dass die die Mails aus den Bild-berichten tatsächlich von der Titanic stammten:
https://twitter.com/hrtgn/status/966241819825721344
Eine Stellungnahmen von Bild-Chefredakteur Julian Reichelt ist angefragt.

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