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Medien-Hype um den überlebensgroßen Kandidaten: die Schulz-Story als Lektion eines journalistischen Irrtums

Trat am Dienstag vom Amt als Parteivorsitzender der Sozialdemokraten zurück: Martin Schulz
Trat am Dienstag vom Amt als Parteivorsitzender der Sozialdemokraten zurück: Martin Schulz

Dass der Schulz-Rausch ein Phänomen von geringer Halbwertszeit war, zeichnete sich lange vor der Bundestagswahl 2017 ab. Spätestens mit dem sang- und klanglosen Rücktritt vom Amt des SPD-Parteichefs am Dienstag ist der Hoffnungsträger Martin Schulz Geschichte. Die Story über den steilen Aufstieg und jähen Absturz des Merkel-Herausforderers ist auch eine Geschichte der Medien – und ihres Versagens.

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Die Asche hat Phönix wieder. Am Dienstagabend trat Martin Schulz von seinem Amt als SPD-Parteivorsitzender mit sofortiger Wirkung zurück. Es war bereits sein zweiter Rückzieher innerhalb weniger Tage. Vergangenen Freitag hatte er seinen Verzicht auf das angestrebte Amt des Außenministers erklärt, das nach dem Abschluss des GroKo-Vertrags mit der Union zum Greifen nahe schien. Nun hat er nichts von alledem, was ihm nach etlichen Medienberichten zu Beginn des Wahlkampfs vor einem Jahr doch angeblich kaum noch zu nehmen war – damals, als der von den Medien befeuerte „Schulz-Zug“ im Höchsttempo Richtung Wahlsieg zu rasen schien.

Martin Schulz, Ex-Kanzlerkandidat und Hoffnungsträger a. D. dürfte als Politiker Geschichte sein – zumindestens vorerst, wenn nicht gar endgültig. Dem ehemaligen EU-Parlamentpräsidenten, der 2017 überraschend zum Parteivorsitzenden der SPD und zum Merkel-Herausforderer ernannt worden war und damit zur Lichtgestalt einer strauchelnden und verunsicherten Partei wurde, bleibt nur mehr sein Abgeordnetenmandat im Bundestag. Von den Wählern verprellt, von den eigenen Genossen fallen gelassen und ausgestochen. Ohne Parteiamt, ohne Ministerposten, ohne Zukunft auf der großen Politbühne. Schulz ist politisch dort gelandet, wo er angefangen hat. Ganz unten.

Aus der Retroperspektive betrachtet, ist es nur schwer begreifbar, wie Martin Schulz überhaupt so weit kommen konnte. Wer zurückblickt, wird kritische Fragen an die Partei richten, die ihn auf die ganz große Bühne hob, und ebenso an die Medien, deren Hauptstadtkorrespondenten Merkel-müde und offenbar allzu bereit waren, den in der SPD entfachten Hype auf den großen Publikumsverteiler der Leitmedien zu legen. Die Folge war eine beispiellose Verklärung des Politikers Martin Schulz, die zu einer gnadenlosen Überschätzung seiner Zugkraft beim Wähler und seiner politischen Qualitäten führte.

Erst in den vergangenen Tagen zeigte Schulz sein wahres Gesicht, und eine rabiate Fratze der Politik kam zum Vorschein. Aus dem SPD-Mann, der sich zuletzt entgegen aller vorherigen Zusagen auf einen Ministerposten im neuen Kabinett Merkel zu retten versuchte, ist die Antithese „Sankt Martins“ (Spiegel) geworden.  Aus dem „Eroberer“ (stern) wurde ein Überläufer, dessen politisches Ende als besiegelt bezeichnet werden darf. Die vom Spiegel vor Jahresfrist beschworene „Merkeldämmerung“ blieb aus. Viel mehr dämmert so langsam, dass da etwas gewaltig schief gelaufen ist in den Medien.

„Wie war es möglich, sich in diesem Mann so zu täuschen?“, fragte jüngst der Tagesspiegel in Richtung der SPD wie auch der „Öffentlichkeit“. Die Frage sollte vielmehr auch in die Richtung der eigenen Zunft gestellt werden. Unstreitig wird die Öffentlichkeit auch von den Medien hergestellt.

In Ansätzen selbstkritisch reflektiert hat in dieser Woche der stern-Journalist Hans-Martin Tillack. „Warum wir Journalisten den Schulz-Hype aufarbeiten müssen“, lautet die Überschrift, unter der der erfahrene Reporter einen von Kritik befreiten Rudeljournalismus identifiziert und deutlich gemacht hat, dass nicht nur die Sozialdemokraten an sich arbeiten müssen. „Die Begeisterung war so groß, dass ihm selbst erfahrene Beobachter alle möglichen weiteren Fähigkeiten zuschrieben“, analysiert er im Nachhinein. „In diesen ersten Wochen des Schulz-Hypes traf man (…) Kollegen, die ernsthaft behaupteten, dass der Sozialdemokrat irgend etwas noch nicht ganz erkanntes Besonderes an sich habe.“

„Einen Wahlkampf wird Schulz mit seinen Gaben wunderbar bestreiten“, so die SZ

Schulz‘ Glaubwürdigkeit sei „von FAZ bis SZ“ gefeiert worden, erinnert sich Tillack weiter und zitiert ein Beispiel von SZ-Kommentator Heribert Prantl. „Schulz hat das, was Angela Merkel fehlt: Er hat den Überschwang, das Feuer, die Begeisterung“, schrieb er im Januar 2017. „Einen Wahlkampf wird Schulz mit seinen Gaben wunderbar bestreiten können.“ Es lassen sich zahlreiche weitere finden. So attestierte der Tagesspiegel Schulz damals „Bernie-Sanders-Effekt“ in Deutschland. „Es gibt nicht den einen Grund, der den Schulz-‚Hype‘ verständlich macht. Der 61-jährige Sozialdemokrat agiert als leidenschaftlicher Politiker, ist rhetorisch beschlagen und kann seine Zuhörer mit Pathos in den Bann schlagen.“

Doch waren es nicht nur Kommentatoren, die sich begeistert zeigten, und so ein Bild schufen, das schon damals mit der Realität so richtig gar nichts zu tun hatte, wie sich später herausstellen sollte. Es war auch die Berichterstattung im Allgemeinen. Abgesehen etablierter Meinungsumfragen führte so ziemlich jedes Medium eigene Untersuchungen durch. Zeitweise wirkte es wie ein Wettkampf um die höchsten Umfrageergebnisse für Kandidat Schulz. Zeitgleich fluteten Szenen begeisterter alter wie junger SPD-Mitglieder, die „Martin, Martin“ in die Kameras johlten, die Fernsehnachrichten. „Mit Schulz ist auch eine Form der Politikinszenierung gescheitert, die glaubt, auf Inhalte verzichten zu können, und die das Publikum für dümmer verkaufte, als es ist“, hieß es diese Tage in einem treffenden Kommentar. Für dumm verkaufen ließen sich aber die Medien.

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Auch wenn Tillack seinen Arbeitgeber nicht blind dem Rudel hinterhergelaufen sehen will, muss sich auch der stern sich kritisch mit seiner Rolle befassen. Schon die Bekanntgabe der Schulz-Kandidatur war ein Medien-Spektakel. Wochenlang bereiteten der damals noch Vorsitzende Sigmar Gabriel und Schulz den Wechsel an der Spitze der Partei vor. Via Zeit und stern gab Gabriel schließlich seinen Rücktritt und Verzicht auf den Posten des Kanzlerinnenherausforderers bekannt, vorab geleakt von MEEDIA. Die Nachricht schlug ein und überraschte viele Genossen, Beobachter und Journalisten. Die SPD versuchte, das meiste aus dem Überraschungseffekt herauszuholen, verwandelte ihn zunächst in Begeisterung. Kaum einer wusste, wie der Partei und Martin Schulz geschah – am wenigsten wohl er selbst. Es war fröhliche Beginn eines Kapitels, das dunkel enden sollte. Nicht nur für Schulz, sondern auch für den Medienbetrieb.

Ja, auch der stern hat zwischenzeitlich immer mal wieder kritisch über Martin Schulz berichtet und darauf hingewiesen, dass Schulz noch immer von denselben Charakterzügen durchzogen sei, die Tillack bereits 2014 während seiner Korrespondentenzeit in Brüssel ausgemacht haben will: beispielsweise eine „überdurchschnittlich fröhliche Bereitschaft zur Unaufrichtigkeit“.  Und auch der Spiegel will hier und da eine „freundlich-neugierige, kritische Berichterstattung, wie Chefredakteur Klaus Brinkbäumer es mal beschrieben hatte, betrieben haben. In der Gesamtwahrnehmung sind es jedoch Ausnahmen von der Regel, die sich immer mal wieder finden lassen. Direkt nach Bekanntgabe der Kandidatur attestierte die FAZ dem Kandidaten Schulz schlechte Chancen, nahm später seinen Wahlkampf auseinander. Der Focus bezeichnete Schulz als „Scheinheiligen“ und hob die Geschichte auf den Titel. Doch sind es wohl eher Titelseiten wie eben der „Eroberer“ und (wenn auch ironisch gemeint) „Sankt Martin“, die im Gedächtnis geblieben sind.

Der Vorhang fiel erst, als der Spiegel nach der Bundestagswahl eine Geschichte veröffentlichte, die so viel mehr war als ein politischer Offenbarungseid. Schulz‘ Geschichte ist auch eine Geschichte der Demütigung, die der Spiegel-Journalist Markus Feldenkirchen eindrucksvoll geschildert hatte. 150 Tage lang durfte er den Kanzlerkandidaten begleiten. Das „denkwürdige Kapitel Politgeschichte“, wie MEEDIA das Stück im Oktober bewertete, führte aber auch vor Augen, wie sehr die Medien mit ihrer Begeisterung für den Kandidaten an der Realität vorbeischrammten. Während Feldenkirchen das Bild eines Politikers zwischen Machthunger und Frust-Currywurst gewann, feierten andere noch den selbstbewussten, den authentischen Kandidaten.

Martin Schulz und die SPD, das war Opium fürs Journalistenvolk. Nach acht Jahren Angela Merkel tauchte plötzlich jemand auf, dem man Chancen für einen Paradigmenwechsel einräumte, der so viel sympathischer war als der Vorsitzende Sigmar Gabriel. Schulz war in Deutschland weitgehend unbelastet und unangetastet. In Zeiten des Vertrauensverlusts in die Politik (wie auch Medien), in denen – auch aufgrund der träge gewordenen Unionsparteien –  nur noch der Fokus auf die neuen Kräfte von rechts außen blieb, gab es endlich wieder eine positive Geschichte zu erzählen. Schulz der Hoffnungsträger. Die Umfragewerte kletterten atemberaubend, die Kanzlerin schien angeschlagen. 100 Prozent Zustimmung beim SPD-Parteitag, das hatte es noch nie gegeben. Es war Wahnsinn.

„Zunehmend ersetzt der Blick auf Twitter die nüchterne Analyse“, bilanziert Cicero

Während sich Partei wie auch Medien die volle Schulz-Dröhnung gaben und sich zeitweise im Rausch verloren, war es eine andere Klientel, die nüchtern blieb. Den Wählern war nicht nicht entgangen, dass es zwar Schulz gab, aber kein Programm. Über drei Landtagswahlen hinweg holten sie den Rest der Republik schmerzhaft von ihrem Trip runter. Bis dahin rauschte der „Schulz-Zug“ im Eiltempo durch die Medienlandschaft. In der Rückschau ist kaum noch auszumachen, ob die Nachrichten- und Meinungsjournalisten Anheizer oder Trittbrettfahrer waren.

Dass es so kam, mag in einer Vielzahl von Faktoren begründet liegen, die Beobachter bereits im vergangenen Jahr versucht haben, ausfindig zu machen. So machte der Cicero die sozialen Medien als möglichen Verursacher aus, von dem sich zahlreiche etablierte Medien hätten blenden lassen.“Zunehmend ersetzt der Blick auf Twitter die nüchterne Analyse und die Wahrnehmung der Wirklichkeit“, schrieb das Polit-Magazin damals. Stimmen, Kampagnen und Trends aus dem Netz als „reale Stimmung“ zu deuten, beschrieben ein „Armutszeugnis“.

„Die Wähler sind, so zeigte sich, wesentlich kritischer als die Medien“, analysierte zur selben Zeit MEEDIA. „Es klafft eine Lücke zwischen dem medial überzeichneten Bild des Kandidaten Schulz und der Realität.“

Möglicherweise war es auch Schulz‘ bewegte Vita, die begeisterte. Er war eine Geschichte an sich, wie sie sonst nur im Film erzählt wird. Er durchlebte, was Experten und Hollywood eine „Heldenreise“ nennen und auf Menschen eine besondere Anziehungskraft hat: Vom Mann ohne höheren Bildungsabschluss, zunächst dem Alkohol verfallen und perspektivlos als klassischer Antiheld dastehend, folgte er eines Tages einem inneren Ruf nach etwas Großem. Die Ära Merkel zu beenden und Deutschland als Bundeskanzler zu dienen, hätte diese Reise perfekt gemacht. Die Faszination, die Verlockung war groß.

Geht es also darum, Hypes, die am Ende keine sind, zukünftig zu vermeiden, sollten vor allem drei Dinge geboten sein: Zurückhaltung, professionelle Distanz und ein nüchterner Blick auf eine viel zu große Vielzahl von Meinungsumfragen. Sich öffentlich, selbstkritisch mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen, wie Tillack es getan hat, ist ein guter Anfang. Und wer im Journalismus derzeit den Absturz eines noch unlängst überlebensgroß erscheinenden Kandidaten kommentiert, sollte dabei die unrühmliche Rolle der Medien nicht unter den Tisch kehren.

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Alle Kommentare

  1. Schmutz-Dossiers aus der Union, Heckenschützen aus der SPD und die geballte Medienmacht
    haben Martin Schulz zu Fall gebracht!
    Nach dem keine investigativ-journalistische Aktivität die Hintergründe bisher aufgeklärt hat, hat sich ein investigativ-interessierter Leser auf den Weg gemacht und Erschreckendes zutage gefördert!
    Eine ausführliche Darstellung unter
    https://www.freitag.de/autoren/sigismundruestig/massenmedien-in-deutschland-2

  2. Journalisten verwechseln – genau so unpolitisch wie ihre Leser – langfristige Politik mit dem unreifen Bedürfnis nach einer kurzatmigen Soap-Show. Ooch, ie erfolgreiche Merkel ist ja „soo langweilig“. Wir sind dieser erfahrenen Kanzler-Darstellerin überdrüssig, Wir wollen endlich mal einen „neuen Kopf“ sehen, eine aufregend andere Show, irgend einen „neuen Aufbruch“ – egal wohin. Wohin eigentlich?

    Wir reagieren politisch pubertär wie damals, als wir „endlich von zu Hause ausziehen“ wollten, „nur weg von Mutti“, egal wohin. Wir suchen politisch riskante Abenteuer, weil uns die Erfahrung fehlt, wie schnell wir selbst politisch in die Grütze fallen können.

    Medien und 100 % der SPD-Mitglieder sind fassungslos über ihre Niederlage im naiven Show-Krieg „Mit St. Martin gegen Merkel“. Wir sind alle selbst schuld an der verunglückten SPD-Situation – Medien und Wähler – bzw. umgekehrt. Gut, dass es diesmal nur eine Partei schrumpft, und dass die regierende CDU noch halbwegs überlebt hat.

  3. Es war wohl auch der verzweifelte Versuch, eine konformistische Merkel-Alternative zu finden. Endlich ein Kanal für den Merkel-Frust, der weder in Richtung AfD noch Linke geht, sondern bereits etabliert ist.
    Das wirft ein schlechtes Licht auf die Presse, die eben nicht unabhängig berichtet, sondern positiv konform sein will. Eine Presse, die die Gesellschaft in eine positive Richtung bewegen will, sich als vierte Macht im Staate versteht und nicht als unabhängiger Informationskanal. Eine Wahl zwischen der angestaubten Merkel und einem starken sozialdemokratischen Herausforderer war da ein schönes Ziel. Zumal die Ignoranz der Europapolitik durch die Presse dazu geführt hat, dass das Wirken von Schultz auf EU-Ebene weitgehend undiskutiert geblieben war.
    Es war nicht das Problem, dass sich Journalist_innen in ihrer Einschätzung geirrt hätten – das kann und wird immer wieder passieren. Das Problem ist vielmehr, dass sie wie in einem Herdentrieb eine Wunschmeinung konstruieren und Abweichler kein Gehör bekommen. Genau das aber macht kritischen Journalismus aus.

    Es wirft aber auch ein schlechtes Bild auf die EU. Was für Leute sind dort aktiv? Welchen Bezug zur Wahrheit haben die dort? Heute eine Meinung mit Vehemenz vertreten und morgen sich überhaupt nicht mehr dafür interessieren? Stattdessen Machtpoker und Gefeilsche, Strippenziehen und Aushölen demokratischer Prinzipien.

  4. …“von geringer Halbwertszeit war, zeichnete sich lange vor der Bundestagswahl 2017 ab“…
    Auch Meedia hat den Schulz anfangs hochgehyped…

  5. Die geheuchelte Erkenntnis des Kampagnenjournalismus kommt immer dann, wenn die Kampagne nicht von angestrebten Erfolg gekrönt ist.
    Schließlich steht man ja mit den nächsten Kampagnen wieder in den Startlöchern.

  6. Mit der Brille und dem Outfit lassen sich weder Zukunftseuphorie noch Lichtgestalt assozieren. Auch wenn Herr Schulz sich für authentisch hält, so wie er herumläuft, wirkt er wie ein Spießer. Die Sozis waren mal eine moderne Partei, die Reformpolitik für ein verkrustetes Deutschland machten. Die Art von Brillen trugen damals die Kleinbürger von der Opposition. Aber es ist ja nicht nur die Brille und der langweilige Anzug — was er will und verkündet ist am Gestrigen orientiert und damit die wahre Tragik.

  7. J.Rath
    Wer einmal Martin Schulz bei einer Veranstaltung erlebt hat, wie er völlig losgelöst über seine große Vision der ”Vereinigten Staaten von Europa“ schwadroniert (die so niemand außer den Berufspolitikern in Brüssel und den Filterblasen-Journalisten haben will), der kann nur froh sein, dass dieser Kelch an uns vorübergegangen ist. Irgendein Pöstchen bei der EU wird sich für Schulz schon finden lassen, da kann er dann pathetisch weiterschwadronieren. Und bei ebendiesen Veranstaltungen konnte man auch schon vor seiner Kandidatur erleben, dass Schulz Duz-Freund von etlichen Granden unserer „großen“ Blätter ist. Vielleicht noch ein Mosaiksteinchen für den Hype.
    Und warum so viele Politikjournalisten Twitter&co lieben? Weil es so herrlich bequem ist.Man braucht seinen Hintern gar nicht mehr vom Schreibtischstuhl erheben, keine dussligen Mitgliederversammlungen eines Ortsvereins besuchen (die nicht in Szene-Lokalen, sondern immer noch im „Goldenen Hirsch“ stattfinden) und auch sonst nicht mit echten Menschen sprechen, kostet nur unnötig Zeit. Jeder Soziologie-Student könnte erklären, warum es völlig daneben ist, aus den in den „sozialen“ Medien geäußerten Meinungen auf irgendetwas zu schließen, aber vielleicht ist auch das schon zu viel verlangt. Wenn die Klickzahlen stimmen – wen kümmert die Wahrheit?

  8. Kommt einem das eigentlich irgendwie bekannt vor? Wer erinnert sich noch daran, wie Merkel vor Steinbrück zitterte?

    Steinmeier, Steinbrück und Schulz haben verschiedene Dinge gemeinsam:
    – Sie waren die Kandidaten des neoliberalen Mitte-Rechts-Flügels der Partei, den Seeheimern genehm
    – Sie waren damit die „vernünftigen Kandidaten aus der Mitte“, die den ebenso neoliberalen Medienhäusern keine Angst einflößen
    – Sie waren das Schutzschild gegen einen „Linksruck“ der SPD a la Corbyn oder Sanders (vgl. die Antiberichterstattung zu diesen Kandidaten in unseren und den UK/US-Medien dazu, die in ihren Prognose ebenso durchgängig „seltsam“ falsch lagen)

    Als die SPD sich von den Medien Steinbrück als Kandidaten installieren ließ, habe ich noch etwas Häme über die einst stolze Sozialdemokratie ausgeschüttet und die Hoffnung aufgegeben, dass in deren Mitgliederschaft noch Leben existiert.

    Es ist eine von den hiesigen Leitmedien konstruierte Filterblase, die eben auch die SPD komplett umhüllt hat.
    Faszinierend fand ich nur – damals schon- die eigenartigen Ergebnisse in Wahlumfragen, ohne die der konstruierte Schulzzug zu unglaubwürdig gewesen wäre. Hat der Spiegel das in seiner MaFo-Mafia-Serie mal aufgegriffen? Eher nicht, oder?

    Jetzt sind sie bei 17%. Nahles und Scholz, übernehmen sie. (Wer da Seeheimer entdeckt leidet unter VT) Zweistellig ist noch zu viel.

  9. Beim „Cicero“ hat man es doch erfaßt: Journalisten agieren mehrheitlich nur noch selbstreferentiell. Sie folgen einander auf Twitter und interpretieren was sie dort hören als aufgeklärte Wahrheit. Was nicht in die subjektive Wirklichkeit des eigenen sozialen Milieus paßt wird nachrichtlich kuratiert. Heißt, ignoriert oder umgedeutet.

  10. Es kommt auch bei uns, wie bereits in den USA. Die Menschen haben die Nase gestrichen voll von Personen, die lediglich durch die Medien hochgejubelt werden, aber real eigentlich nur inkompetente Versager waren und sind.
    Wie konnte man nur den Edelabzocker und EU-Millionär als „glaubwürdig“ bezeichnen und dann dies Type auch noch mit Gerechtigkeit in Zusammenhang sehen? Ja liebe Zunft der redaktionellen Kaffeetrinker, die Zeit der Volksverar*che ist vorbei. Ganz egal wie es die sich selbst überschätzenden Herrschaften in den Redaktionen sehen, sie haben den Bogen überspannt und die Realität offenbar zu lange ignoriert. Nun holt sie diese wieder ein. Es bröckelt an allen Ecken. Wer weiter lügt, dem glaubt man nicht!

  11. Schade eigentlich, dass die Frage der Fragen nicht gestellt wird: Wie kann eine angeblich demokratische Partei einen Politiker zum Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten machen, der noch nie eine echte demokratische Wahl gewonnen hat? Selbst zum Bürgermeister von Würselen wurde er ja nur vom Stadtrat ernannt.

    Niemand, der ein wenig Menschenkenntnis hat, konnte in Schulz eine Führungskraft sehen. Er ist schlicht ein Omega-Männchen, welches durch Zufall und Beziehungen an eine Alpha-Position gelangt ist. Gut, eine Analyse auf dieser Ebene muss von den Medien nicht vorgenommen werden. Trotzdem frage ich mich, was da für Leute in den Redaktionsstuben sitzen. Wie konnte man den Schulz’schen Charakter und sein Wesen übersehen? Wie konnte man seine Nichteignung übersehen?

    Offenbar stecken viele Journalisten derart tief in ihrer Ideologie, dass sie blind für die Realität geworden sind. Oder sie betreiben – wie P. von der Alpenprawda – ganz bewusst Aktivismus. Mein Vertrauen in die Medien ist mittlerweile gänzlich verschwunden.

  12. Das Problem mit Schulz war, dass es kaum politische Angriffsfläche links von Frau Merkel gab, (leider) nur rechts. Als SPD Chef, konnte er einfach nicht in diese Richtung gehen. Die Versuche die Lage anderes zu präsentieren sahen genau so unehrlich aus, wie sie tatsächlich auch waren.

    1. Chulz ist eben extrem einfältig und ohne jeden politischen Instinkt, er bezog sein Wissen über die Lage in Deutschland zu 100% aus den Medien.

      Lustig, denn am Ende ist er Opfer von Fakenews und Lügenpresse geworden, die es ja angeblich gar nicht gibt.

      Schröder hat übrigens Wahlen gewonnen, weil er sich nicht scheute sogar NPD Plakat-Parolen zu eigen zu machen.

      Die SPD Führung hat bis heute nicht begriffen, dass die SPD auch mittelfristig den Preis für Merkels Migrationspolitik bezahlen wird.

      Mehr als 10% dürften da bald nicht mehr drin sein.

  13. Das ist alles schön aufgeschrieben, nett zitiert und die Rolle der Medien in Watte gepackt. Brinkbäumer hatte einmal gesagt, der Spiegel habe den Hype nicht befördert. Stimmt – er hat ihn inszeniert. Und die Feldenkirchen-Story kann nun auch in die Tonne. Bleiben zwei Fragen: wieso wird in der Causa Schulz nie der Name der Person erwähnt, die die ganze „Kacke“ (von Nahles geliehener Ausdruck) eingerührt hat: Hannelore Kraft. Sie sagte, sie wisse, wer Kanzlerkandidat wird; sie mobbte Gabriel weg; sie installierte Schulz und verbot ihm zugleich das Revier – die Rolle der roten Hanne ist beschämend und noch beschämender ist, dass die Medien dies verschweigen. Zum Schluß: wie kann man Andrea Nahles zur Vorsitzenden der ältesten Partei Deutschlands machen, die ihren politischen Gegnern, statt sich mit ihnen auseinanderzusetzen, „in die Fresse“ schlagen will.

  14. Wann kommt der Aufschrei gegen Merkel? Diese Frau hat unser Land dauerhaft zerstört und sie führt ihre ruinöse Politik ungehindert weiter fort. Meinungsvielfalt? Die Schergen dieser Frau, die demonstrierende Bürger terrorisieren, sind das allerletzte Warnsignal.

  15. Lieber Herr Schade, echt schade, Ihre windelweiche Kritik an Ihre Medienkollegen. Das ist nichts, das überliest man. Okay, Sie haben den SD Linksideologen Prantl angeschossen, aber das wischt der sich von seiner schmutzigen Weste. Nein, meedia sollte, wenn überhaupt Kritik geübt wird, das richtig machen, mit der Wahrheit herauskommen. Schauen Sie sich bloß nur die Lachpillen von ARD und ZDF an, Berlin direkt oder ähnliches… alles nur Hofberichterstattung, kein Journalismus, nichts. Was die Medien mit Schulz gemacht haben (ihn in den Himmel gelobten), das machen sie noch um fünf Klassen schlimmer mit dieser schrecklichen Kanzlerin Merkel. Niemand fragt nach, was wirklich deren Ziel ist. So unwahrscheinlich es klingt, aber ich bin der festen Überzeugung, die Dame IM Erika vollendet den Willen Honeckers. Und ihr alle schaut zu.

    1. Vergessen sie nicht, Frau Merkel trifft sich regelmässig im Kanzleramt mit den Chefredakteuren der grossen Medien.

      Mehr muss man nicht wissen, ich frag mich nur welche Gegenleistung man bekommt.

  16. Wenn man es ganz positiv für Schulz sehen möchte, dann müsste er von Anfang an gewusst haben, dass er dabei verbrannt wird. Da er – wie alle anderen – keinen anderen Weg wusste, als sich selbst aufs Tablet zu heben, hat er es aber getan – für seine Partei, die bis heute trotzdem nicht aus dem argen Schlingern heraus-gekommen ist. Und wohl auch nicht so schnell wieder in ruhigere Fahrwässer kommen dürte, weil allein die – wirklich sehr unfaire – Ministerämterkonzentration auf SPD-ler die Motivation der Genossen bestimmt. Andrea Nahles wird die Auswirkungen dieser unguten Machtkämpfe schon auch noch zu spüren bekommen, auch wenn sie sich zurzeit so mächtig fühlen kann wie sonst kaum ein Politiker in Deutschland.

  17. Eine Analyse, mit der eine Beschäftigung lohnt, auch wenn ich vielleicht nicht allem zustimmen kann. Die Formulierung „ganz unten“ finde ich aber definitiv zu hart. Was müsste denn dort stehen, wenn Martin Schulz nicht einmal mehr sein Bundestagsmandat hätte?

  18. Blättert mal jemand zurück: Gab es bei Merkel oder Schröder genauso viele positive Berichte am Anfang ihrer Kanzlerkandidatur? Das müsste man zum Vergleich heranziehen, um die These zu überprüfen, ob solche Hypes nicht normal sind und ob es nich viel mehr darauf ankommt, ob der Kandidat auf der Hypewelle reiten kann.

  19. Im Sinne der politischen Meinungsbildung, die die Medien auch begleiten, werden sich zum Glück bald etliche „Journalisten“ nach einem neuen Job umgucken müssen. Daran führt kein Weg angesichts der desaströsen Auflagenentwicklungen in der Branche vorbei. Man mag diese Entwicklung bedauern. Wer jedoch seine Berichterstattung derart missbraucht, hat es nicht anders verdient. Wann kapiert eigentlich die journalistische Filterblase in ihrem Elfenbeinturm, dass veröffentlichte Meinung nicht gleichzusetzen ist mit der öffentlichen Meinung?

  20. Es ist ja auch nicht so, dass sich hierzulande etwas grundlegend in den politisch tendenziösen Redaktionen der MSM geändert hätte. Die ‚journalistischen Irrtümer‘, neudeutsch Fake News, werden einfach fortgesponnen. Am Ende ist es allerdings genau das, was den politischmedialen Komplex in Mehltau-Merkeland hoffentlich noch dieses Frühjahr zum Einsturz bringt.

  21. Der Schult-Hype, den gab es nur in den Medien. Die drei Landtagswahlen haben deutlich gezeigt, dass Schulz kein Hype bei den Wählern sowie SPD-Stammwählern erzeugen kann.

    Ich wunder mich noch immer über den Medienhype, und habe ihn nie verstanden!

  22. Same procedure as last…

    Lernen Journalisten daraus eigentlich? Es ist immer wieder die selbe Hysterie-Masche.

    Wulff, Florida-Rolf, Arno Dübel, endlose „Promi“-Grützen….

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