Anzeige

Unruhe um Zukunft der Frankfurter Rundschau: Miteigner Karl-Gerold-Stiftung zerstreut Ängste über Einschnitte

Richard Meng ist Kuratoriumsvorsitzender der Karl-Gerold-Stiftung
Richard Meng ist Kuratoriumsvorsitzender der Karl-Gerold-Stiftung

Mehrere Besitzerwechsel, zeitweilige Insolvenz, massiver Stellenabbau - die Frankfurter Rundschau hat in den vergangenen Jahren harte Zeiten erlebt. Die Belegschaft ist deshalb nach dem bevorstehenden Verkauf der linksliberalen Tageszeitung an die Ippen-Gruppe in Sorge um die Eigenständigkeit der Redaktion. Die Karl-Gerold-Stiftung, die an der Zeitung unverändert mit zehn Prozent beteiligt ist, sieht hierfür aber keinen Anlass.

Anzeige
Anzeige

Der geplante Verkauf der Frankfurter Rundschau, der Frankfurter Neuen Presse und der Societäts-Druckerei an eine Gruppe um den Verleger Dirk Ippen sorgt bei den rund 800 Mitarbeitern für Aufregung. Die Belegschaft befürchtet, dass es zu einem Arbeitsplatzabbau kommt und langfristig die Redaktionen der beiden Tageszeitungen zusammengelegt werden könnten. Richard Meng, Kuratoriumsvorsitzender der Karl-Gerold-Stiftung, versucht hingegen die Befürchtungen der FR-Mitarbeiter zu zerstreuen, die durch mehrere Besitzerwechsel in den vergangenen Jahren erhebliche Personaleinschnitte erlebten. „Die Frankfurter Rundschau steht heute wirtschaftlich gut da und ist journalistisch gut aufgestellt. Wir haben keine Anzeichen dafür, dass es bei ihr zu einem Stellenabbau kommt“, sagt Meng gegenüber MEEDIA. Die Karl-Gerold-Stiftung hält nach dem geplanten Eigentümerwechsel weiterhin zehn Prozent an der Frankfurter Rundschau.

Auch die Angst der Belegschaft, dass die Redaktionen langfristig zusammengelegt werden, hält er für unbegründet. „Die Marke der Frankfurter Rundschau zu verwässern, etwa durch Zusammenlegen redaktioneller Arbeit mit der Frankfurter Neuen Presse, wäre weder publizistisch noch wirtschaftlich eine gute Idee. Deshalb gibt es nach unserer Kenntnis auch niemand, der so etwas plant“, unterstreicht Meng. Er fügt ferner hinzu: „Für die FR ist der überregionale Anspruch unverändert wichtig und auch die Leserinnen und Leser in der Region erwarten, dass die Stimme ihrer Zeitung überregional eine Rolle spielt“. Rund ein Drittel der FR-Leser kommen seinen Angaben zufolge nicht aus dem Frankfurter Raum.

Würde die Ippen-Gruppe die Zeitung zu einem reinen Regionaltitel umbauen, würde man diese Leserschaft verlieren. Zudem wäre es schädlich, wenn sich an der publizistischen Linie der Zeitung etwas ändert. „Die Frankfurter Rundschau ist eine linksliberale Zeitung. An der Haltung und der Eigenständigkeit der Redaktion ändert sich nichts“, versichert der Kuratoriumsvorsitzende. Die Frankfurter Rundschau hat turbulente Zeiten hinter sich. Die Zeitung musste 2012 Insolvenz anmelden, weil die damaligen Gesellschafter, die DuMont Mediengruppe und die SPD-Medienholding ddvg, keine Chancen sahen, die Zeitung wirtschaftlich fortzuführen. Im März 2013 übernahm dann unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH die Anteile. Die FAZ ist Teil der Fazit-Stiftung.

Anzeige

Meng hat für den vorgesehenen Verkauf der FR allerdings nur begrenzt Verständnis. „Die Frankfurter Rundschau hatte sich in der bisherigen Eigentümerstruktur gut entwickelt, die Zusammenarbeit mit den Mehrheitseigentümern war gut und aus Sicht des Minderheitsgesellschafters Karl-Gerold-Stiftung gab es bezogen auf die FR deshalb keinen Grund zur Veränderung“, betont der Kuratoriumsvorsitzende. Er führt den Veräußerung der Zeitung auf „rein FAZ-interne Überlegungen“ zurück. Denn die Frankfurter Allgemeine Zeitung will sich künftig im hart umkämpften Wettbewerbsumfeld alleine behaupten.

Ob sie dies schafft, wird sich zeigen. Denn die renommierte Tageszeitung hat in den vergangenen Jahren deutlich beim Verkauf nachgelassen. Im 4. Quartal 2017 sank die hart verkaufte Auflage auf 203.154 Exemplare. Im vergleichbaren Vorjahresquartal waren es noch 214.850 Stück. In den vergangenen Jahren hatte FAZ-Geschäftsführer Thomas Lindner bereits große Teile der Bordauflage ausgesiebt, um die Vertriebskosten zu senken. Zudem richtete er die Vermarktung neu aus. Betroffen hiervon war vor allem der wichtige Stellenmarkt, der unter der zunehmenden Konkurrenz durch Online-Portale leidet. Verkaufsprobleme plagen auch die FNP. Die Regionalzeitung hatte erst im vergangenen Jahr einen Relaunch vollzogen. Doch die neue Blattstruktur kam nur bedingt an. Viele ältere Leser kehrten der Zeitung den Rücken zu und kündigten ihre Abos. Der Verlag hatte zuvor rund eine Million Euro in einen neuen Newsroom investiert.

Auch die Gewerkschaft Ver.di sorgt sich um die Arbeitsplätze der FR und FNP. „Zusammen mit den Betriebsräten werden wir dafür kämpfen, dass die Arbeitsplätze erhalten werden“, erklärt Ver.di-Vertreter Manfred Moos. „Außerdem muss sichergestellt werden, dass die beiden Tageszeitungen Neue Presse und FR als unabhängige Stimmen erhalten bleiben und keine Zusammenlegung der Redaktionen erfolgt“, so der Gewerkschaftsvertreter. Er ist zudem besorgt darüber, ob die Frankfurter Neue Presse sowie die Societäts-Druckerei tarifgebunden bleiben.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige