Partner von:
Anzeige

G+J startet Digitaloffensive für Neon: Wie sich eine einst erfolgsverwöhnte Marke gegen den Abstieg stemmt

Das neue Digitalteam von Neon
Das neue Digitalteam von Neon

Das Jungmenschen-Magazin Neon steckt in der Krise. Die Auflage befindet sich trotz Neubesetzung der Chefredaktion im Sinkflug. Jetzt startet Gruner + Jahr eine Digitaloffensive für Neon. Der Verlag hofft, dadurch auch den Auflagenverfall des gedruckten Heftes zu bremsen – statt dem Heft einen Relaunch zu verpassen. Das sorgt für Spekulationen über Neons Zukunft, die der Verlag jedoch dementiert.

Anzeige
Anzeige

Vor gut einem Jahr übernahm Ruth Fend die Chefredaktion bei Neon. Die frühere Redaktionsleiterin von Business Punk löste Nicole Zepter ab, die als Neon-Macherin glücklos agierte und das Handtuch warf. Zweifelhafte Titelentscheidungen, Managementfehler und ein schlechtes Verhältnis zur Redaktion hatten ihre Schaffenszeit überschattet. Danach sollte Fend für die Kehrtwende bei den entmutigenden Verkaufszahlen sorgen. Rückendeckung hierfür erhielt die Journalistin vom ehemaligen Stern-Chefredakteur und Neon-Herausgeber Andreas Petzold, der seinerzeit abwiegelte: „Es gibt nichts zu retten, weil Neon nicht in Gefahr ist. Wahr ist, dass wir zu einer gesunden Auflage zurückkehren müssen, und das wird gelingen. Ruth Fend ist eine großartige Chefredakteurin“, lobte Petzold den Neuzugang.

Das war im Oktober 2016. Doch die von Gruner + Jahr erhoffte Kehrtwende ist nicht eingetreten. Die Auflage des gedruckten Magazins befindet sich weiter im freien Fall. Im viertel Quartal 2017 brach die verkaufte Auflage um mehr als 30 Prozent auf knapp über 60.000 Exemplare ein. Im Einzelverkauf, einem der wichtigsten Gradmesser für die Zugkraft der Marke, sieht die Entwicklung geradezu dramatisch aus: Gegenüber dem vierten Quartal 2015 brachen die Verkäufe laut IVW von 75.031 auf nur noch 30.855 abgesetzte Hefte im Jahresendquartal 2017 ein. Die Abos gingen im gleichen Vergleichszeitraum von 40.993 auf 25.105 Hefte zurück.

Gehandelt wird von Verlagsseite nun aber vorerst im Netz. Das Gruner + Jahr-Flaggschiff Stern hat für Neon eine Digitaloffensive gestartet. Der Webableger soll eine Re-Design erfahren, um die Klickraten weiter zu verbessern. Zudem gründet Stern Digital-Chefin Anna-Beeke Gretemeier ein eigenes Ressort, besetzt wird es durch Lea Kosch. Die 28-Jährige kommt von der Huffington Post Deutschland, wo sie bis Ende 2017 das Lifestyle-Team leitete. Die Erwartungen an sie und die Web-Plattform sind hochgesteckt. „Alles auf Neon! Wir wollen Neon zum erfolgreichsten Portal für Millennials machen. Klingt ambitioniert, aber wir glauben an die Kraft unserer Inhalte und die Stärke der Marke Neon“, sagt Gretemeier.

Anzeige

Doch die Digitaloffensive dient vor allem dem Zweck, den weiteren Verfall der Printauflage zur stoppen. Von einem Relaunch oder Repositionierung des Magazins ist bei Gruner + Jahr hingegen keine Rede. Statt hier anzusetzen, soll neon.de die Auflagekrise des Heftes in den Griff bekommen. „Neon-Leser fühlen sich im Netz zuhause, und sie lieben Print. Zusammen bieten wir ihnen in beiden Welten eine gemeinsame Heimat. Und wir stärken uns gegenseitig: Neon Digital profitiert von dem klaren Profil und der Bekanntheit des Hefts. Der digitale Ausbau erhöht die Sichtbarkeit und Relevanz der Marke, was wiederum dem Magazin zugutekommt“, teilt Neon-Chefin Ruth Fend mit.

Hausintern kursieren deshalb Gerüchte, dass der Ausbau der Web-Präsenz nur einem Ziel folgt: man will sich hierdurch Zeit verschaffen, um das gedruckte Heft mittel- bis langfristig in der Erscheiungsfrequenz (derzeit monatlich) herunterzufahren oder eines Tages gar ganz auf das Printmagazin zu verzichten. Da werden beispielsweise Vergleiche zum langsamen Untergang des gedruckten Jugendmagazin Jetzt der Süddeutschen Verlags gezogen. Zweimal hatte das Münchener Zeitungshaus versucht, das gedruckte Heft in Print-Form am Markt zu halten. Doch inzwischen hat der Verlag das in der Süddeutsche Zeitung zuletzt beigelegte Magazin eingestellt, weil hierfür die wirtschaftliche Perspektive fehlte. Seither ist Jetzt nur noch als Digitalableger präsent.

Dass Gruner + Jahr bei Neon Konsequenzen ziehen will, weist eine Verlagssprecherin indes vehement zurück. „Bei Neon ist weder die Einstellung noch eine Repositionierung geplant“, erklärt sie gegenüber MEEDIA.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Wenn die Verkäufe zurückgehen, liegt es nicht am Verbreitungsweg, sondern am Inhalt. Vielleicht braucht es ein neues Zeitgeistmagazin, was weniger facebookig und mehr snapchatiger ist. Also mehr Spielerischkeit, weniger Befindlichkeit.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Meedia

Meedia