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Nach Applaus für Tanit-Koch-Analyse in der Jungen Freiheit: DJV distanziert sich von Landesverband Berlin Brandenburg

Der DJV Brandenburg applaudiert, während sich der Bundesvorstand distanziert: Nikolaus Fest wirft der scheidenden Bild-Chefin Tanit Koch u.a. „Gefälligkeitsjournalismus“ vor
Der DJV Brandenburg applaudiert, während sich der Bundesvorstand distanziert: Nikolaus Fest wirft der scheidenden Bild-Chefin Tanit Koch u.a. "Gefälligkeitsjournalismus" vor

Die rechte Wochenzeitung Junge Freiheit hat anlässlich des Abgangs von Bild-Zeitungs-Chefin Tanit Koch einen Text von Nicolaus Fest veröffentlicht. Der frühere BamS-Vize ist heute AfD-Politiker und wirft Koch eine zu große Nähe zur Regierung und Gefälligkeitsjournalismus vor. Der DJV Berlin Brandenburg kommentierte den Beitrag als "treffende Analyse". Der DJV-Bundesverband distanzierte sich von seinem Landesverband – es ist nicht das erste Mal.

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Wer unvermittelt mit den Social-Media-Accounts des Deutschen Journalisten Verbandes Berlin Brandenburg in Kontakt kommt, der dürfte manchmal nicht schlecht staunen. Denn es kommt vor, dass der Landesverband der Journalistengewerkschaft sich so gar nicht als Interessenvertreter von Medienmachern äußert. So verbreitet der Verein beispielsweise die Ansicht, dass Fake News „wesentlich durch Journalisten angesehener Medien“ verbreitet würden.

DJV-Landesverband wirft Bild „Gefälligkeitsjournalismus“ vor

Für Aufsehen sorgt er auch in dieser Woche: Via Twitter rückte der DJV-Bundesverband von einem Facebook-Posting der Kollegen aus Brandenburg ab. „Wir distanzieren uns von dieser ‚Einordung'“, twitterten die Verantwortlichen in Bezug auf einen vom Landesverband geteilten Beitrag der Zeitung Junge Freiheit. Diesen hatten die Brandenburger als „treffende Analyse“ gelobt und der Bild-Zeitung zugleich „Gefälligkeitsjournalismus“ wie auch einen „freundlichen Umgang mit der Regierung“ vorgeworfen.

Bei dem Beitrag der rechten Wochenzeitung handelt es sich anlässlich des Ausscheidens der Bild-Chefredakteurin Tanit Koch um eine Analyse samt vermeintlicher Hintergründe. Verfasser des Artikels ist Nicolaus Fest. Er ist ehemaliger Bild-Redakteur und Ex-Vize der Bild am Sonntag. Im Oktober 2014 verließ er den Verlag, nachdem er einige Wochen zuvor einen Anti-Islam-Kommentar verfasst hatte. Der Islam, schrieb Fest, sei „ein Integrationshindernis“. Ihn störten u.a. „Zwangsheiraten“ und „Ehrenmorde“. Der damalige Bild-Chef Kai Diekmann antwortete seinerseits in einem Bild-Kommentar. Wer eine Religion pauschal ablehne, wende sich gegen Milliarden von Menschen. Ein mehr als ungewöhnlicher Vorgang.

Umso mehr hat Fests aktuelle Bild-Analyse, in der er Koch, Diekmann wie auch Politik-Chef Nikolaus Blome den Vorwurf macht, Regierung und Anzeigenkunden zu nahe zu stehen („Amigo-Journalismus“) und in der Berichterstattung über Flüchtlinge weiterhin zu unkritisch zu sein, ein „Geschmäckle“. So schrieb Fest unter anderem über Koch:

Den Kurs ihres Vorgängers Kai Diekmann, dem Blatt nicht nur das Seite-1-Girl, sondern auch alle Kanten zu nehmen, es divers, feminin und popkulturell zu machen, führte sie fort. Und wie Diekmann suchte Koch das Wohlwollen der Macht, assistiert von Politikchef Nikolaus Blome, dem als Journalisten getarnten Regierungssprecher. Kritik an Kanzlerin und GroKo wurde von ihm verläßlich verhindert, die illegale Grenzöffnung bejubelt. (…)

Die neuen Auflagenzahlen, die nächste Woche kommen, sollen wieder einen Verlust von elf Prozent ausweisen; intern ist von 14 Prozent die Rede. Das wäre nicht weniger als ein Zeugnis des vollständigen Scheiterns. Denn nie war der Job des Bild-Chefredakteurs einfacher, nie zuvor schrieb ihm die Wirklichkeit täglich die großen Schlagzeilen: Attentäter mit 14 Identitäten, Einwanderung von verurteilten Mördern, Messermorde in Supermärkten, Vergewaltigung unter Macheteneinsatz vor den Augen des Freundes, Schwimmbäder unter Polizeischutz, Angriffe auf Sanitäter und Feuerwehrleute, importierte Polygamie mit bis zu vier Ehefrauen – wenn etwas Stoff für eine Zeitung wie Bild liefert, dann der Kontrollverlust des Staates. Mehr Boulevard war nie.

Die Reaktionen der angesprochenen Personen auf den Fest-Artikel waren wie zu erwarten. So schrieb Kai Diekmann, dass sich der DJV offenbar „AfD-Viren“ eingefangen habe.

Dass sich der DJV-Bundesverband, der sich für Tausende Journalisten in Deutschland verantwortlich fühlt, gezwungen sieht, von den Positionen des Landesverbandes Berlin-Brandenburg abzurücken, kommt nicht zum ersten Mal vor. In der Debatte um die Aussage des AfD-Politikers Alexander Gauland, Deutsche wünschten sich keinen Nachbar wie Nationalspieler Jérôme Boateng, sprang der DJV Berlin-Brandenburg 2016 dem heutigen Fraktionsvorsitzenden der Rechtspopulisten im Bundestag zur Seitekritisierte mit Blick auf die mediale Berichterstattung unter anderem, dass journalistische Grundwerte über Bord geworfen worden seien. Der Vorwurf damals: Journalisten der FAS hätten Alexander Gauland falsch zitiert – eine Ansicht, die weder bei Journalisten noch im Rest des Verbandes gut ankam. „Dass ein Repräsentant des DJV Brandenburg sich öffentlich so äußert, als gehöre er zum AfD-Fanclub, zeugt von geringem journalistischem Sachverstand“, kommentierte DJV-Sprecher Hendrik Zörner damals.

Nach verlorenem Rechtsstreit: Bundes-DJV muss umstrittenen Landesverband dulden

Unterdessen kommt erneut die Frage auf, wie der DJV mit dem öffentlichen Auftreten eines seiner Landesverbände umgeht. Dem Bundesverband sind hier die Hände gebunden.

Der DJV Berlin Brandenburg ist bereits seit 2004 ein Dorn im Auge des Bundesverbandes und höchst umstritten. Im Landesverband hätten sich Leute eingeschlichen, deren journalistische Tätigkeit zweifelhaft sei, heißt es noch heute aus Verbandskreisen. Mitglieder hätten versucht, den Verband für eigene Zwecke zu missbrauchen. Zudem wurden in Vergangenheit regelmäßig Details über die Stasi-Vergangenheit eines Mitglieds bekannt. 2016 machte der Landesverband von sich Reden, als der Branchendienst kress über die Führung berichtete. So führe Klaus D. Minhardt, der Vorsitzende, den Verband aus dem Ausland, sein Stellvertreter Jörg Rittweger sei bereits seit 2013 tot, schrieb kress damals.

Der Streit im DJV schaukelte sich so hoch, dass sich die Parteien sogar juristisch auseinandersetzten. Man wollte Berlin Brandenburg nicht mehr dabei haben, gründete stattdessen mit dem Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB) einen Gegenverband. Bislang blieb der Kampf gegen den unliebsamen Landesverband vergeblich. Der Beschluss, Berlin Brandenburg aus dem DJV auszuschließen, wurde von Gerichten gekippt. Vor einiger Zeit einigte man sich schließlich mit einem Vergleich, dass Berlin Brandenburg bleiben darf. Für den DJV Bund eine herbe Niederlage.

Update: Der DJV Berlin Brandenburg hatte das ursprüngliche Facebook-Posting verändert. U.a. heißt es dort nun, der Fest-Text sei eine „interessante“ Analyse statt eine „treffende“.

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