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Das Sternchen-System: Thomas Fischers Zeit-kritische Anmerkungen zum Medien-„Tribunal“ gegen Dieter Wedel

Thomas Fischer, Bundesrichter a.D. und ehemaliger Zeit Online-Kolumnist: „Eine Zeitungs-Redaktion hat nicht über Schuld und Unschuld eines Verdächtigen zu entscheiden“
Thomas Fischer, Bundesrichter a.D. und ehemaliger Zeit Online-Kolumnist: "Eine Zeitungs-Redaktion hat nicht über Schuld und Unschuld eines Verdächtigen zu entscheiden"

Thomas Fischer war Bundesrichter und lange Zeit viel gelesener Kolumnist bei Zeit Online. Die Enthüllungen der Zeit sowie des Zeit Magazins über schwere Vorwürfe gegen Regisseur Dieter Wedel sieht er kritisch. In einem Gast-Beitrag für MEEDIA beschreibt der frühere BGH-Jurist die Berichte als öffentliches Tribunal. Dabei seien die Medien selbst das „System“, welches sie zu entlarven behaupten.

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Ein Gast-Beitrag von Thomas Fischer

Der Fall Wedel hat in der vergangenen Woche wiederum Wellen geschlagen. Manche sagen, er sei zugleich auch ein Fall der Wochenzeitung Die Zeit, was diese weit von sich weist. Unstreitig dürfte sein, dass sie einen öffentlichen Prozess ungewöhnlicher Breite und Intensität gegen den Beschuldigten Wedel führt. Auch die zweite Welle wurde von der Bemerkung begleitet, man habe noch mehr „Geschichten“ über den Beschuldigten auf Lager. Inzwischen hat, wie man hört, ein Fernsehsender eine „Task Force“ gegründet. Kritik wurde bislang vor allem mit Argumenten aus dem (straf-)prozessualen Zusammenhang formuliert (Unschuldsvermutung, Verjährung, Verhältnismäßigkeit). Es erscheinen mir ein  paar Bemerkungen zum Zusammenhang angezeigt.

1. Selbstbeschreibung

Die Journalistin Anabel Wahba, Mitautorin der Zeit-Beiträge vom 4. und 25. Januar 2018,  hat am 25. Januar dem rbb-Inforadio folgendes Interview gegeben:   

Frage: Warum haben Sie diese neuen Geschichten veröffentlicht?

Antwort: Es ist so, dass wir sehr, sehr viele Wochen gezögert haben. Wir haben um die 160 Personen befragt. Wenn wir von solchen Vorwürfen hören, gehen wir so dran, dass wir sagen, wir glauben das jetzt erstmal nicht und fangen erstmal an zu recherchieren. Und sind dann nicht durch Gespräche, sondern  jetzt auch im Fall der zweiten Geschichte durch erdrückende Beweise zu dem Schluss gekommen, dass wir diese Frauen für glaubwürdig halten und dass wir deshalb darüber berichten wollen. (…)

Es gibt in dem neuen Stück von Esther G. (…) Atteste, ärztliche Atteste über die Verletzungen, die ihr zugefügt wurden. Es gibt Anwaltsschreiben von ihrem Anwalt, es gibt sogar einen internen Revisionsbericht des Saarländischen Rundfunks, der sich auf diese Vorwürfe bezieht.

Man muss sich vorstellen: Esther G. ist damals als Hauptdarstellerin ausgefallen, weil sie so schwer verletzt war, dass sie nicht mehr weiterdrehen konnte. Daraufhin wurde eine neue Darstellerin engagiert, … und auch diese Hauptdarstellerin sagt, dass sie massiv von Dieter Wedel sexuell bedrängt und so gedemütigt wurde, dass sie einen Nervenzusammenbruch hatte und ihr Kind verloren hat, die war schwanger (…)

Frage: Darf ich Sie kurz unterbrechen? Esther G., sie hat einen Anwalt eingeschaltet, auch ´nen Arzt, aber warum ist es nicht zu ´ner Anzeige gekommen damals?

Antwort: Also man muss sich jetzt mal vorstellen, wir haben jetzt eine 23jährige Frau, die wird gleich nach einem massivsten sexuellen Übergriff mit schweren Kopf-, mit schweren Halsverletzungen in der Lobby gefunden von ihrer Kollegin. Diese Kollegin kümmert sich um sie; sie geht mit ihr zum Arzt, sie geht mit ihr zum Anwalt, der Saarländische Rundfunk weiß davon, die Produktionsfirma weiß davon, und niemand glaubt ihr. Warum, glauben Sie, ist diese Frau nicht zur Polizei gegangen? (lacht) Weil ihr einfach damals niemand geglaubt hat. Sie war vollkommen alleine. Das sind die Strukturen, in denen sie damals gelebt hat, und man kann das auch nachvollziehen, wenn man sieht, wie jetzt auf die Frauen teilweise eingeschlagen wird, die sich bei uns gemeldet haben, (dann) kann man sich gut vorstellen, warum sie nicht an die Öffentlichkeit damals gegangen sind damals, als sie noch zu jung waren.

Frage: (Eine Rechtswissenschaftlerin meint), man solle das Gerichten überlassen und nicht der Zeit-Redaktion, sonst könnte die ja Urteile fällen. Wie sehen Sie das?

Antwort: Also erstensmal fällen wir keine Urteile. Es gibt ganz klare Regeln für die Verdachtsberichterstattung. Und darin ist vorgesehen, dass wir als Journalisten keine Position beziehen und auch kein Urteil fällen. Sondern wir stellen verschiedene Vorwürfe der Frauen den Antworten von Dieter Wedel gegenüber. Es ist ganz klar, Dieter Wedel hat die Vorwürfe bestritten, und wir überlassen es dem Leser, sich ein Urteil zu bilden. Wir können Journalismus und Skandalaufklärung komplett vergessen, wenn wir sagen, wir berichten sowas nicht mehr (…)

2. Text-Analyse

Ein bisschen Text-Analyse muss ein. Denn das Interview der Autorin Wahba ist durchaus bemerkenswert. Ihre Aussagen widersprechen sich, und es fehlt jeder Ansatz zu professionell-kritischer Distanz. Ich sage dies betrübt, und obgleich ich gewiss kein Gegner investigativer Recherche bin. Ein paar Beispiele:

Wahba sagt: „Wir gehen so dran, dass wir sagen, wir glauben das erstmal nicht…  Wir haben 160 Personen befragt. (Wir) sind … jetzt im zweiten Fall durch erdrückende Beweise zu dem Schluss gekommen, dass wir diese Frauen für glaubwürdig halten und dass wir deshalb darüber berichten wollen (…) Es gibt ganz klare Regeln für die Verdachtsberichterstattung. Und darin ist vorgesehen, dass wir als Journalisten keine Position beziehen und auch kein Urteil fällen.“

Diese Sätze sind widersprüchlich. „Verdachtsberichterstattung“ ist ein Bericht über einen Verdacht. Die Behauptung, man sei zur Verdachtsberichterstattung (nur) legitimiert, wenn man die verdächtigende Person für „glaubwürdig“ hält, verdreht die angeblich „klare Regel“ in ihr Gegenteil.

Wahba sagt: Es seien „erdrückende Beweise“ gegeben. Dieser Begriff enthält Grenzüberschreitungen. Die Verwendung des Wortes „erdrückend“ simuliert die Terminologie von staatlich-strafrechtlichen Verfahren. Deshalb müsste gesagt werden, wer darüber entschieden hat, dass die Beweise „erdrückend“ seien. Es waren hier ersichtlich dieselben Personen, die die Beweise gesammelt haben. Wer sie sind, welche Qualifikation sie haben, wer wann was tat, fragte, recherchierte, ermittelte, und unter welchen Bedingungen dies geschah, weiß und erfährt man nicht. Vielleicht haben die Vorgesetzten dieser Personen über das Urteil entschieden: Ressortleiter, Chefredakteure. Man weiß nicht, von wem oder welchem Gremium über die Beweislage entschieden wurde. Das ist der Unterschied zwischen einem Gericht und einem selbsternannten Geheim-Tribunal.

Die „klaren Regeln“, so Wahba, verlangen, „dass wir als Journalisten keine Position beziehen und auch kein Urteil fällen.“ Dieser Beteuerung folgt schon im nächsten Satz das exakte Gegenteil: Man habe überhaupt nur berichtet, sagt Wahba, weil „erdrückende Beweise“ gegeben seien. Interview und Berichte gehen von der Richtigkeit der Beschuldigungen offenkundig und erklärtermaßen aus: „…dass wir diese Frauen für glaubwürdig halten und dass wir deshalb (!) darüber berichten wollen“ (Wahba).

Die Zeit-Veröffentlichungen vom 4. und 25. Januar 2018 sind nicht neutral oder unvoreingenommen, sondern beziehen Position und fällen ein Urteil. Dazu nutzen sie Mittel der Suggestion und Verzeichnung, der Zirkelschlüssigkeit und der Denunziation. Das gilt für die Auswahl der referierten Zeugen-Bekundungen, aber zum Beispiel auch für die tendenziöse Verwendung von Konjunktiv und Indikativ: Die belastenden Aussagen werden in mittelbarer Form eingeführt („sie sagt…, dass…“); wenn sich Lücken zeigen oder Nachfragen aufdrängen, wechselt der Bericht aber unvermittelt in den Indikativ („Sie weiß nicht mehr, …“). Die Autoren wechseln immer wieder zwischen der Rolle der Berichterstatter über Behauptungen und der von Berichterstattern über Wahrheiten. Das führt zu einer zirkelschlüssigen, suggestiven Geschlossenheit der Darstellung. 

Man findet die Zirkelschlüssigkeit auch im Interview von Wahba: Die Frage, warum sie so detailliert und belastend über (unbewiesene) Verdächtigungen berichte, beantwortet sie erstaunlich zirkulär: Die Beweislage sei „erdrückend“. Die Notwendigkeit einer kritischen Distanz zwischen der Beschuldigung durch Auskunftspersonen und ihrer Tätigkeit als Journalistin ist hier gar nicht mehr präsent; die Distanz bricht zusammen angesichts der Evidenz der „Überzeugung“: „Man muss sich vorstellen, dass sie (die Zeugin G.) so schwer verletzt wurde, dass sie nicht mehr weiterdrehen konnte“, sagt Wahba dem rbb auf die Frage, „warum“ sie über die Beschuldigung in dieser Form berichtet habe. Von „Verdachtsberichterstattung“ kann hier kaum noch gesprochen werden; sie ist durch Übernahme der Beschuldigung ersetzt. Das entspricht einem Reflexionsniveau, das gemeinhin dem klassischen Boulevard-Journalismus unterstellt wird. Was Bild mit Jörg Kachelmann machte, war der Zeit einst  Empörung und Verachtung wert. Die Argumente von damals sollen im Fall Wedel aber ohne Bedeutung sein, weil bei diesem die Beweislage „erdrückend“, er also schuldig sei. In Wahrheit arbeitet man auf demselben Argumentationsniveau, denn auch Bild war ja von der Schuld „überzeugt“. 

3. Beweiswürdigung

Wenn man meint, die Beweislage darstellen, auswerten und beurteilen zu sollen, als sei man Mitglied eines Gerichts, dann müsste man sich an die Regeln halten, die für solche Untersuchungen gelten. Dass Journalisten dies können, war schon vor der „Wedel-Geschichte“ zweifelhaft.   

Es muss zur Erläuterung leider ein wenig in die „erdrückende“ Beweislage der Zeit eingestiegen werden. Dies geschieht nicht in der Absicht, eine eigene Würdigung durchzuführen. Ich will nur probeweise zeigen, was man als Beweiswürdigungs-Profi mit Ergebnissen der „monatelangen Recherchen“ der Zeit – angeblich „nach den Grundsätzen der Ermittler“ durchgeführt –, machen könnte.

1) Die Zeugin G. wird von der Zeit wie folgt zitiert:  „Er schlug meinen Kopf immer wieder auf das Bett, einmal gegen die Wand und einmal gegen die Bettkante…“ Hierzu folgende Fragen: Wie – genau – geht das, motivatorisch und technisch? Warum „schlägt“ ein potenzieller Vergewaltiger den Kopf seines Opfers „auf das Bett“, also auf eine weiche Unterlage? Was will er damit erreichen? Wie hat er das ausgeführt? 

Was hat sich situativ verändert, als der Beschuldigte sodann den Kopf des Opfers  „gegen die Wand“ schlug? Die Zeugin kann dabei nicht mehr auf dem Bett liegen (der Beschuldigte „rittlings“ auf ihm sitzend). Wie ist sie aus der Lage heraus und „an die Wand“ gelangt? Warum schlug der Beschuldigte ihren Kopf gegen die Wand? Wie machte er das? Gegen welche Wand schlug er sie? Welche Folgen hat es, wenn man den Kopf eines Menschen gegen eine Wand schlägt? Sind Hämatome oder Platzwunden entstanden? Warum ging der Beschuldigte von einer ungefährlichen zu einer wegen der möglichen Spurenlage auch für ihn selbst sehr gefährlichen Gewaltvariante über?

Wie ging es vor sich, dass der Kopf erst gegen die Wand und dann wieder „auf die Bettkante“ geschlagen wird? Welche „Bettkante?“ Ist es bewiesen, dass das betreffende Hotelbett „Bettkanten“ hatte, die hierfür in Frage kamen? Der Tagesspiegel berichtete, die Geschädigte sei „auf die Bettkante gestürzt“. Was heißt und woher kommt das? 

2) Die Zeugin G. wird weiter zitiert: „(Er schlug) meinen Kopf auf die Bettkante, so dass ich mich vor Schmerzen nicht mehr bewegen konnte.“ Fragen: War die Zeugin am ganzen Körper bewegungsunfähig? Wie lange hielt dieser Zustand an? Was tat der Beschuldigte in dieser Zeit? Wie ist die Schilderung rechtsmedizinisch erklärbar? Welche knöchernen oder neurologischen Verletzungen könnten einer derart schweren Folge zugrunde liegen, und warum sind solche Verletzungen vom Arzt nicht festgestellt worden?

Der Tage später aufgesuchte Orthopäde berichtete an den Rechtsanwalt der Geschädigten, chiropraktische Maßnahmen (hätten) eine Linderung bewirkt. Zur Diagnose schrieb der Arzt: Hals-Schiefstellung, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen. Die letzteren Symptome sind Anzeichen einer Schädel-Hirn-Verletzung im Sinn einer Gehirnerschütterung. Warum wurde keine Röntgen- oder CT-Diagnostik durchgeführt? Wie wurden „Schwindel“ und „Erbrechen“ verifiziert? Im Interview spricht Wahba von „schweren Kopf- und Halsverletzungen“ mit Bewegungsunfähigkeit. Soweit erkennbar, wurde die Zeugin aber nur ambulant behandelt.   

3) Der „Urkundenbeweis“ bleibt unklar. Ein „Arztbrief“, so heißt es am 25. Januar, belege die Verletzung der Zeugin durch Wedel; und Frau Wahba sagte im Interview, es lägen „Ärztliche Atteste über die Verletzungen (vor), die ihr zugefügt wurden“. Von mehreren „Attesten“ ergibt sich aus den zitierten Aussagen allerdings nichts.

In der Zeit vom 25. Januar ist der Abdruck einer Seite eines Schreibens des Orthopäden veröffentlicht; er wird als „Arztbrief“ bezeichnet. Tatsächlich ist es die erste Seite des Antwortschreibens auf eine Anfrage des Rechtsanwalts der Zeugin, in der dieser offenbar gebeten hatte, irgendetwas zu bestätigen. Die Anfrage ist nicht zitiert; sie wäre interessant, denn der Arzt schreibt, die festgestellte Schiefstellung des Halses sei „Folge der Gewalttätigkeit…“ Da eine solche Verletzung durch alle möglichen Geschehnisse entstehen kann, muss der Arzt von der „Gewalttätigkeit“ durch die Zeugin oder ihren Rechtsanwalt erfahren haben. Er kann also nicht die behauptete Tat bestätigen, sondern nur, ob die Verletzung durch das geschilderte Ereignis entstanden sein kann.

4) „Danach verschwimmt ihre Erinnerung“, berichtet die Zeit über den Zeitraum zwischen „Es ist ihm nicht gelungen, in mich einzudringen“ und „wie sie den Weg in die Lobby gefunden hat“. Was bedeutet: „Es ist ihm nicht gelungen“? Wenige Zeilen zuvor heißt es: „Er habe versucht, ihre Hose zu öffnen und herunterzuziehen.“ Was ist aus diesem Versuch geworden? Wurde die Hose heruntergezogen? Wenn nein: Was bedeutet dann die Formulierung, es sei dem Beschuldigten „nicht gelungen einzudringen“? Hat er das überhaupt versucht?

Zum Ablauf: Der Beschuldigte schlug danach den Kopf der Zeugin gegen die Wand und auf eine Bettkante, um Geschlechtsverkehr zu erzwingen, ließ sie dann aber (mutmaßlich) allein gehen. Was dachte er, werde nun passieren?

Zur Beendigung der Situation gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Zeugin konnte fliehen, oder der Beschuldigte ließ sie gehen. Im ersten Fall läge neben der Körperverletzung eine versuchte Vergewaltigung vor, im zweiten Fall wäre Wedel hiervon strafbefreiend zurückgetreten – die Frage ist also fallentscheidend. Dass man sich an eine Situation von Gewalttätigkeit und Todesangst im Detail erinnert, die Erinnerung an den Moment der Befreiung verliert, sich aber an die unmittelbar folgenden Ereignisse wieder erinnert, ist jedenfalls nicht selbstverständlich.

5) „Nach drei Wochen habe sie (die Zeugin) sich überzeugen lassen (Frage: von wem?), an den Drehort zurückzukehren. Zurück am Set, habe keiner aus dem Team mehr mit ihr sprechen dürfen“ (Zeit, 25.1.). Unklar: Wer sprach ein solch absurdes Verbot aus? Wurde es tatsächlich eingehalten? Was berichtete die Zeugin selbst den Kollegen?

6) Warum erfolgte keine Strafanzeige?, fragte der Moderator im Interview. Zeit-Autorin Wahba: Weil niemand ihr (der Zeugin) glaubte und sie vollkommen allein gewesen sei. Im unmittelbaren Zusammenhang damit: Kollegen hätten die Zeugin „gefunden“, sie zum Arzt und Anwalt gebracht. Der Arzt habe ihre Verletzungen bestätigt, es lägen Atteste und Anwaltsbriefe vor; es gebe einen „Revisionsbericht“ des Senders; usw. Im Zeit-Text heißt es: Alle wussten es. Frage: Worauf stützt sich die unerklärliche Behauptung, die Zeugin sei „vollkommen allein“ gewesen, und niemand habe ihr geglaubt? 

Es gibt also, beispielhaft, eine Vielzahl von Fragen, die man stellen und klären müsste, bevor man zu dem Ergebnis gelangt, dass die „Beweise erdrückend“ seien. Ich selbst habe zur Wahrheit dieses und der anderen Fälle keinen Zugang und weiß nichts besser als alle anderen Zeitungsleser. Die Zeit kann es – soweit erkennbar – allerdings auch nicht wissen, da sie wichtige Fragen offen lässt und  Beweisergebnisse mit Gerüchten aufwertet („Es habe Gerüchte gegeben…; Im Team sei allen klar gewesen…“). Eine Journalistengruppe hat auch gar nicht die Möglichkeiten und Fähigkeiten, eine adäquate Beweiserhebung durchzuführen.

Der vielfach wiederholte Hinweis auf „eidesstattliche Erklärungen“ offenbart einen Versuch, die Leser zu täuschen. „Eidesstattliche Versicherung“ (EV) ist ein rechtstechnischer Begriff. Er gewinnt seine Bedeutung aus Paragraf 156 Strafgesetzbuch, der die Abgabe einer inhaltlich falschen EV unter Strafe stellt. Das gilt aber nur, wenn die Erklärung gegenüber einer Behörde abgegeben wird, die durch Gesetz zur Abnahme ermächtigt ist. Die Zeit-Redaktion ist eine solche Behörde ebenso wenig wie Rechtsanwälte. Die „eidesstattlichen Erklärungen“, über die bedeutsam berichtet wird, sind daher nicht mehr wert als das legendäre „Ehrenwort“. 

4. Schuld und Unschuld
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Eine Zeitungs-Redaktion hat nicht über Schuld und Unschuld eines Verdächtigen zu entscheiden. Sie sollte sich daher auch nicht so gebärden.  „Unschuldsvermutung“ ist ein Begriff, der aus dem staatlichen Strafprozess stammt, diesem eigentümlich ist und dort etwas Wichtiges bedeutet und bewirkt. Mit dem Presserecht und der Kompetenz von Journalisten hat er allenfalls mittelbar zu tun. Daher ist es recht verkürzt, wenn der Zeit vorgeworfen wird, sie verstoßen gegen die Unschuldsvermutung. Jeder Mensch darf – für sich – gegen diese Vermutung „verstoßen“, wie sie oder er will. Die Vermutung gilt für die Verfahren der staatlichen Strafjustiz, ist aber auch da eine spezifische Regel: „Im Zweifel“, welche von mehreren verschiedenen Tatsachenmöglichkeiten wahr ist, ist dem Urteil die für den Beschuldigten günstigste zugrunde zu legen. Die Unschuldsvermutung verlangt nicht, Zweifel zu haben, sondern sagt nur, was ein Richter tun soll, wenn er Zweifel hat.

Für die Presse hat das nur mittelbar Bedeutung. Presseberichte können eine Person sozial schädigen, gar vernichten, sie in unverhältnismäßiger Weise für immer ausgrenzen und stigmatisieren. Deshalb ist die Presse verpflichtet, bei der Veröffentlichung von ehrverletzenden Beschuldigungen deutlich zu machen, dass es sich nicht um feststehende Tatsachen handelt. Man darf nicht öffentlich eine rechtlich definierte Schuld behaupten, die nicht auf legitime Weise bewiesen ist. Die Grenzen sind fließend; die Möglichkeiten der tendenziösen sozialen Vernichtung unter gleichzeitig treuherzigem Bekenntnis zur „Unschuldsvermutung“ unendlich. 

Die mediale Abrechnung mit Wedel geht deutlich über das hinaus, was in einem Strafprozess von Belang wäre und der Beschuldigte sich dort gefallen lassen müsste. Seit Wochen beschäftigt man sich mit spekulativen Erörterungen über seinen Charakter, hält ihm vor, dass er eine künstliche Gesichtsbräune, eine ebensolche Dauerwelle, ein „Bärtchen“ sowie eine Neigung zu unangemessen jugendlich-virilem Auftreten habe, erwähnt im Zeit Magazin, es habe „Plagiats-Vorwürfe“ gegen ihn gegeben, und er habe einst eine (einverständliche) „Ménage a trois“ geführt. Aus allen Ecken springen Kronzeugen hervor, denen Geschichten über Wedels Persönlichkeitsstörungen, Fehler, Peinlichkeiten und Unverschämtheiten einfallen. Aus einem Fundus von 160 – bislang überwiegend unbekannten – Leumundszeugen bedient die Zeit sich und das Publikum mit „Geschichten“ über den Beschuldigten. Dieser, so wird mit dem Unterton der Entrüstung berichtet, habe, statt sich der öffentlichen Vernehmung zu stellen, „sich in ein Krankenhaus begeben“. Da tropft der Jagdeifer auf der Fährte des Verurteilten, der sich frecherweise der Vollstreckung entzieht. Nicht jeder, auch nicht jeder Verdächtige hält es aus, wenn das ganze Leben auf einen Schlag vernichtet wird. 

Die Gefahr dieser maßlosen Form liegt in der Natur der (medialen) Sache und müsste deshalb intern besonders sorgfältig kontrolliert werden. Denn wenn ein ordentliches justizielles Verfahren nicht (mehr) möglich ist, bleiben nur diese Mittel übrig, wenn man zur Verurteilung gelangen will. Und mit jedem Schritt, den eine Redaktion in diese Richtung macht, wird die Umkehr schwieriger: Was für ein Desaster, wenn eine der Beschuldigungen widerlegt würde! Das ist das Problem, das entsteht, wenn man Polizist, Staatsanwalt, Richter,  Systemerklärer und Rechtspolitiker sein will: Alles zugleich und in einer Redaktion.

5. Das Sternchen-System

Ob die Autoren der Berichte überzeugt sind, hat keine Bedeutung in dem Teil der Wirklichkeit, in dem es auf erdrückende oder nicht erdrückende Beweise tatsächlich ankommt, also der rechtsstaatlichen Überprüfung nach gesetzlichen Kriterien und Maßstäben. Über diese entscheidende Hürde kommt ein Journalist nicht hinweg, selbst wenn er noch so oft versichert, er sei sich sicher. Die einzige Legitimation, auf welche sich die Beschuldigung, ein Dritter sei ein Verbrecher, stützen und von der Kakophonie der „Alternative Facts“ absetzen kann, ist die Einhaltung von gesetzlich vorgesehenen Formen und Verfahren der Feststellung. An dieser Anforderung scheitert die öffentliche Beweisaufnahme im Tribunal gegen Wedel. Dass dieses (notwendige) Scheitern der Ambition von Protagonisten wie Frau Wahba dann wiederum als Indiz dafür vorgebracht wird, dass man das illegitime Ziel gar nicht habe verfolgen wollen, ist nur eine zusätzliche Pirouette.   

Damit zum Kern der Dinge, nämlich zum „System“: Ein „System des Schweigens“ wird es allenthalben in der Presse genannt. Zunächst einmal müsste geklärt werden, über was systematisch geschwiegen wurde, wird oder werden soll. Dies ist, so darf man den zahllosen Berichten entnehmen, ein „System“ der Ausbeutung, des Missbrauchs von Macht und der Abhängigkeit. Das Wort „System“ kommt bedeutend daher; man wüsste gern was damit konkret gemeint ist; „Geschichten“ und „Überzeugungen ersetzen das nicht.

Im Jahr 1961 wurde in Deutschland ein Film mit dem Titel aufgeführt: „Deutschland Deine Sternchen“ (Regie: Edwin Sbonek). Es handelte sich um die „Verfilmung“ einer gleichnamigen Artikelserie von Will Tremper im stern (Untertitel: „Erfahrungen in einer verrotteten Industrie“; siehe auch Tremper in Zeit, 30. September 1966). Zur Film-Handlung konnte man damals in einer Kritik des Spiegel lesen: „Einige hinreichend bekannte Pikanterien aus Star- und Starlet-Schicksalen wurden zu einer larmoyanten Chronik über die schlimmen Usancen mancher Kinobosse verwoben“ (Spiegel Nr. 13/1962). Interessant! Aufklärung (wie auch immer) über die „Usancen“ und das „System“ der Macht und ihres Missbrauchs in der Film-Industrie – 56 Jahre, bevor „das Thema nun Deutschland erreichte“, wie die Zeit in bescheidener Beschreibung ihrer Verdienste meint. Tremper schrieb 1966 in der Zeit, die „deutschen Sternchen“ seien allesamt „schnuppe“, einschließlich Maria Schell.

Das „Sternchen“ System ist eine wichtige Metapher und ein Schlüssel zum Verständnis: Die Abteilung „Stars und Sternchen“ ist bekanntlich eine Standard-Rubrik im Bereich “Vermischtes“,  Ernährungsgrundlage für eine ganze Welt von Journalismus-Existenzen. Ohne Star keine Sternchen, und umgekehrt. Das einzig objektivierbare Kriterium des Sternchenseins ist seit jeher das Geld: Wer viel kriegt, kann ein Star sein, wer viel kriegen will, aber wenig kriegt, ist ein Sternchen. Das war’s schon. Es funktioniert, indem es Symbole unendlich reproduziert: Neid, Konkurrenz, und Kommunikation über Sexualität simuliert, wo Macht über Körper herrscht.

Für so genannte Sternchen halten die Massenmedien seit jeher die Vernichtungs-Maschine bereit, die die Träume des Starseins in die Welt der Supermarktkasse und des Dschungelcamp zurückholt: Wenig Geld für harte Arbeit. Hierher  kommen die „Sternchen“, hierhin fallen sie zurück, sobald sie als VersagerInnen entlarvt sind. „Das 24jährige Sternchen“, so lasen wir tausendmal unter den einschlägigen Fotos, „ging nach Hollywood“, konnte dort aber keinen Produzenten überzeugen. (Fast) alle so genannten „Sternchen“, von denen ich jemals las oder hörte, waren weiblich (Ausnahme: Zeit, 1. 3. 2001). Noch die spießigste „Moderatorin“, die durchs Fernsehstudio stöckelt, schwatzt verächtlich über „Sternchen“. Das ist kein Zufall, und auch nicht nur ignorante Kleinkariertheit. Die verächtliche Kategorie wird mit besonderem Nachdruck von Frauen auf Frauen angewandt, und stets mit sexualisiertem Unterton. Niemand nennt eine Frau „Sternchen“, die es nicht schafft, Abteilungsleiterin zu werden.

Sternchen ist man nie selbst; es sind stets die anderen. Ihre begriffliche Existenz ist weithin sexualisiert und moralisch unterfüttert. Sie sind  in der Fremddefinition charakterlich zweifelhafte Personen, die ihre Moral, Überzeugungen, Körper, vor allem eine symbolisierte sexuelle Willfährigkeit auf dem Markt anbieten und verkaufen, um Ruhm und Geld zu erlangen. Sie tragen den Geruch der Gelegenheits-Prostitution schon im Namen.

Verächtlich sind aber vor allem diejenigen, die es schreiben, reden, anwenden. Ob jemand Star oder Sternchen ist, mächtig oder machtlos, entscheidet nicht die betroffene Person, sondern entscheiden die jeweils anderen. Die Presse wiederum erschafft dieses System der Niedrigkeit, und lebt davon. Zwischen den imaginär-fantasierten Existenzen erschafft sie die magischen Schubladen von Aufstieg und Fall, Verachtung und Verehrung, über welche sie alsdann berichtet.

Die Film- und Theaterkunst lebt per definitionem davon, dass sie öffentlich ist oder dies zumindest imaginiert. Diese Öffentlichkeit besteht aus Zuschauern und Kommunikation, aus Gemeinsamkeiten des „Glaubens“ an die immanenten Regeln und Bedeutungen. Nicht der „Star“ schafft sich Öffentlichkeit, sondern diese erschafft die Stars, deren kollektive Verehrung und Bewunderung sie anschließend der individuelle Außerordentlichkeit einer idealisierten Person zuschreibt.  Wer war die 29jährige Marlene Dietrich 1930 im „Blauen Engel“? Ein Star, der ein Sternchen spielte? Oder umgekehrt? Was taten die Varieté-Direktoren mit „Lola Lola“, und was die „Entdecker“ mit Frau Dietrich? Und was wurden sie alle? Frau Alice Schwarzer aus Köln, Sachverständige für Moral und Strafrecht, schrieb im Jahr 1993 – einem Jahr Wedelscher Übergriffe – über Marlene Dietrich: „Sie hat sich alle Frauen oder Männer genommen, auf die sie Lust hatte.“ Das war als höchstes Lob gemeint. Man sollte den Satz einmal probeweise in eine aktuelle Biografie des Regisseurs Wedel einbauen und warten, was dann passiert.

Zur Existenz von „Sternchen“ auch jenseits der Yellow Press kann man probeweise zwei allerneueste Quellen empfehlen, die das „System“ illustrieren. Die erste findet sich auf Zeit Online am 8. November 2017 unter der schönen Überschrift: „Porno-Sternchen muss runter von der Brust“. Es handelt sich um einen Bericht darüber, dass einer Fußballmannschaft untersagt wurde, Trikot-Werbung für die Internet-Seite einer „Porno-Sternchen“ genannten Frau zu machen. Die Schlagzeile „runter von der Brust“ reflektiert vermutlich die Potenz des #MeeToo-Journalismus, der sich zum Jahresende 2017 selbst „Thema des Jahres“ ernannte.   

Die zweite Quelle ist noch tiefgründiger und stammt aus dem Zeit Magazin vom 15. Oktober 2017. Dort erschien der traurige Bericht eines sehr traurigen Autors über eine unermesslich traurige „Erotik-Messe“ in Berlin. Der Verfasser, ein augenscheinlich deprimierter Lyriker, veranschaulicht das Elend kommerzialisierter Sexualität wie folgt: „Vor der Halle 10 des Messegeländes, nicht weit vom Funkturm im Westen Berlins, steht ein Erotiksternchen in der Kühle des beginnenden Herbstes, es trägt nur einen Bikini, telefoniert und raucht dabei sein Schicksal auf Lunge. Unten gehen drei Männer breitbeinig über den Parkplatz (…) Das Erotiksternchen setzt ein phänomenal falsches Lächeln auf, macht einen geübten Knicks, dann wendet es sich ab. ‚Ja, supi, so machen wir es‘, sagt es leicht zitternd in sein Mobiltelefon…, ‚ich kauf dann noch was ein fürs Abendbrot‘.“

Dem Realitätsgehalt dieses Textes muss man nicht weiter nachspüren. Er ist hier zitiert, weil er gerade an dem medialen Ort erschien, an dem die Debatte über die systematische Erniedrigung von jungen, hoffnungsvollen Schauspielerinnen „in Deutschland ankam“, und weil er uns just an diesem Ort und zu diesem Zeitpunkt das bereits aus dem Jahr 1961 und allen Folgejahren vertraute „Sternchen“ erneut vorführt. Das System-Opfer heißt auch in der Zeit 2017 „Erotik-Sternchen“, sagt „supi“ und trägt „nur einen Bikini“, ist dem berichtenden Dichter also um mehrere Evolutionsstufen unterlegen. Deshalb heißt die zum Sternchen ernannte Frau „Es“. Vor der Messehalle  steht „es“ wie auf dem Straßenstrich, „zitternd“, zugleich am Mobiltelefon Hausarbeit verrichtend und von „Brunftschreien“ missbraucht. Mit ein paar metaphorischen Pinselstrichlein wird seine Existenz auf ihren Kern reduziert: Verliererin.

6. System: Wer, Wie? 

„Sternchen“ steht symbolisch in einem hochgradig sexualisierten hierarchischen Macht-System. Die Verwendung des begrifflichen Symbols  repräsentiert daher in beispielhafter Weise die Struktur eines Zusammenhangs von Macht, Abhängigkeit und Missbrauch. Wenn man das System verstehen will, in welchem „die Frauen“ zu den Opfern wurden, als welche sie beschrieben werden, muss man klären, wer dieses System wie erschafft, aufrechterhält und ausbeutet.

Die in den Wedel-Enthüllungen „sprechenden Frauen“ sind als idealtypische Verkörperungen des „Sternchen“-Bildes inszeniert: Unerfahren, ambitioniert, mit in einem spezifischen Umfeld ungefestigter Position, aber hohen Träumen. Das Umfeld („Filmgeschäft“; Schauspielerei) ist besonders, weil dort berufliche Ungesichertheit typischerweise mit der Forderung nach extremer persönlicher Offenheit zusammentrifft. Schwer fassbare Ambivalenz: Nach wochenlangem Nachstell-Terror, sagt sie Zeugin G., den „das gesamte Team mitbekommen“ habe und sie in ständiger Angst vor Wedel lebte, sei sie mit ihm zunächst zum Abendessen und sodann auf sein Hotelzimmer gegangen, „aus Furcht, den Regisseur erneut gegen sich aufzubringen“.    

Ein paar Fragen zu den Personen: Die reihenweise aufgeführten Leumunds- und Sekundärzeugen sind, folgt man den „erdrückenden Beweisen“ der Zeit, allesamt soziale Versager, auch wenn sie noch so bedeutsam aus ihren Agentur-Fotos blicken: Reihenweise berichten da Menschen, dass sie jahrelang Zeugen schwerer Übergriffe und dadurch verursachter Notsituationen wurden, ohne jemals einen Finger zur Hilfe gekrümmt zu haben. Am 25. Januar wird referiert, Schauspieler und Theatermitarbeiter seien anwesend gewesen, als Wedel eine Geschädigte vor ihren Augen so lange gedemütigt habe, bis sie auf der Bühne zusammenbrach, einen so genannten „Nervenzusammenbruch“ (was immer das sein mag) und später eine Fehlgeburt erlitt (von der recht deutlich insinuiert wird, sie sei von Wedel verursacht, also eine Quasi-Abtreibung gewesen). Alle Zeugen hätten dem untätig beigewohnt. Wenn das zutrifft, handelte es sich um eine grundsätzlich strafbare unterlassene Hilfeleistung, in jedem Fall aber um ein feiges und verächtliches Verhalten. Es ist bemerkenswert, dass Personen solchen moralischen Kalibers kritiklos als Zeugen präsentiert werden, die (nach 25 Jahren) tapfer „das Schweigen brechen“.

Interessant ist die Rolle und Darstellung der Geschädigten. In dem RBB-Interview vom 25. Januar antwortete Frau Wahba auf die Frage nach dem Grund der in dieser Form erfolgten Veröffentlichung: Hätte man etwa über die „Odenwald-Schule“ nicht berichten sollen? Diese Antwort ignoriert den Unterschied zwischen einem Verdachtsbericht und einem öffentlichen Tribunal und verdeutlicht darin die Veränderung des journalistischen Selbstverständnisses  innerhalb weniger Jahre. Bemerkenswert ist auch hier wieder, dass erwachsene, gesunde, entscheidungs- und verantwortungsfähige Menschen, die in vielfältigen sozialen Beziehungen verantwortliche Entscheidungen treffen können und sich für einen komplizierten freien Beruf entschieden haben, in ihrer Opfer-Rolle notorisch mit kleinen Kindern gleichgesetzt werden, die einer institutionalisierten Struktur ohne Ausweg ausgeliefert sind.

In der heute üblichen Pathologisierung der (behaupteten, wirklichen und potenziellen) Opfer wird Erniedrigung wiederholt oder schon vorweggenommen: Sexuell motivierte Grenzüberschreitungen jedes Schweregrads werden ausnahmslos dargestellt als Untaten mit der geradezu zwangsläufigen Folge schwerer psychischer „Traumatisierungen“, Folgeschäden und biografischer Brüche. Unklarheiten der Darstellung werden zu Beweisen für deren Richtigkeit umgedeutet: Je schlimmer die Tat, desto weniger genau die Erinnerung, und umgekehrt: Gerade die Unplausibilität der Erinnerung soll das Kennzeichen höchster Plausibilität der Beschuldigung sein. So etwas geht vielleicht als therapeutisches Konzept, aber gewiss nicht als Beweiswürdigung in einem rechtsstaatlichen Verfahren.

Es ist unangemessen, erwachsene Menschen wie Kinder zu behandeln, für die es keinen Ausweg, keine Vertrauenspersonen, keinen Ansprechpartner gibt. Nicht jedes Opfer von sexuell motivierten Bedrängnissen wird psychisch krank oder ist „schwer traumatisiert“, hat „Martyrien“ und Leiden hinter sich, die sich von allen anderen Erlebnissen des Lebens qualitativ unterscheiden. Die populäre „Opfer“-Perspektive enthält Elemente einer sekundären Opfer-Erniedrigung. Die Pathologisierung des Erlebens und die Umdeutung von unklaren oder ambivalenten Motiven eigenen Handelns in irrationale Krankheits-Anzeichen sind Beispiele dafür.

7. Verklärung

Wer könnte es sein, der all die vielen tausend „Sternchen“-Opfer zu dem gemacht hat, was sie denen gelten, die sie als solche beschreiben? Wer sind die Mächtigen, die durch die Ställe schreiten und von tausend Hühnchen eines ins Töpfchen der Verwendbarkeit legen und den Rest ins Kröpfchen des Scheiterns? War es Herr Wedel, der das System erfand, oder könnte er nur dessen Parasit gewesen sein? Wer fährt die Ernte und die Profite des Systems ein? Und woraus bestehen diese Profite? Wir lesen und hören zu jeder Zeit, es handle sich um „die Bosse“ des Geschäfts, bevorzugt „alte“ geile Böcke, deren Profit in der Befriedigung sexueller Gier an jungen Frauen bestehe. Das ist, selbst wenn einiges dran sein mag, eine recht bescheidene Analyse. Sie wurde kürzlich dadurch entwertet, dass die Schauspielerin Deneuve und andere, weil sie eine mediale Denunziationskultur kritisierten, als „alte Frauen“ beschimpft wurden.

Die Zeit hatte früher auch andere Profiteure im Blick: „Steuern sparen mit Stars und Sternchen“ (26.9.1975). Verantwortliche und Nutznießer des Systems sind, offenkundig, die Medien selbst, und die Konsumenten als ihre notwendigen Tatgenossen. Ohne sie gibt es überhaupt kein „System“, über das man schweigen könnte. Die Selektionsmaschine zwischen Erfolg und Misserfolg, Verachtung und Bewunderung des Film-, Theater- und Modegeschäfts wird nicht in einer fremden Welt betrieben, über die Journalisten wie außenstehende Beobachter „berichten“ könnten. Sie wird vielmehr von ihnen selbst unterhalten und gepflegt: aktiv und aus eigenem Interesse. Jeder Skandal-Aufdeckung haftet daher stets ein Geruch von Unehrlichkeit an, wie den Klageliedern der Sportfunktionäre über das  schreckliche und immer wieder neu überraschende Doping-System.

Die Geschichte vom „System des Schweigens“ ist daher allenfalls die halbe Wahrheit. Die heute ein Schweigen beklagen, haben nicht geschwiegen, sondern zu allen Zeiten das Erniedrigungs-System mit Dackelblick – mal moralisierend, mal bewundernd, mal hämisch, mal verächtlich – beschrieben und kommentiert. Man muss nicht weit zurückgehen: „Stars und Sternchen sind am Abend zur Verleihung des Film- und Fernsehpreises in die Hamburger Messehallen gekommen (und) „präsentierten sich Fans und Fotografen (…) Später erwartet wurden drei Hollywood-Stars: Jane Fonda, Nicole Kidman und Colin Farrell…“ Das stammt aus Zeit Online, vom 4.3.2017, unter der Schlagzeile „Stars und Sternchen bei der Goldenen Kamera in Hamburg“. Da ist der rote Tanzboden des „Systems“ hell erleuchtet ausgebreitet. Und „Schweigen“ ist wahrlich das Letzte, was in diesem System geschieht: Reality-Soaps übers „Sternchen“-Leben und –Sterben sind TV-Renner, und Frauen, die sich aus Not oder Blödheit öffentlich dazu zwingen lassen, lebende Regenwürmer zu schlucken und dabei ihre Brüste zu zeigen, kriegen drei Wochen Dauerpräsenz im Fernsehen und den Ehrentitel „Model“.

Nicht „die Bosse“, sondern die Medien haben die Erniedrigungs-Maschine erfunden, genutzt und aktiv betrieben. Sie haben die „Sternchen“, deren emotionale oder finanzielle Abhängigkeit und Gefügigkeit sie zum eigenen Ruhm aus dem Dunkel der Vergessenheit ziehen, höchstselbst in dieses Dunkel getrieben. Das „System“, welches sie zu entlarven behaupten, sind sie selbst. Auch deshalb erzeugt die atemlose Präsentation der Entlarvung ein ungutes Gefühl.

Das Lexikon des internationalen Films beschreibt den Film „Deutschland, Deine Sternchen“ übrigens wie folgt: „Ein Machwerk, das praktiziert, was es anderen ankreidet.“

 

Anmerkung der Redaktion: Gastbeiträge geben generell die Meinung des Autors und nicht die von MEEDIA wieder. Thomas Fischer war Vorsitzender Richter des 2. Strafsenats des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe. Bei Zeit Online schrieb er die viel beachtete Kolumne „Fischer im Recht“, die teilweise auch als Buch veröffentlicht wurde. Hier geht es zu Fischers Texten bei der Zeit. Nach dem Ende seiner Kolumne schreibt Thomas Fischer immer noch in unregelmäßigen Abständen für Die Zeit. Er gab MEEDIA im vergangenen Jahr ein großes biografisches Interview, in dem er auch sehr persönlich über sein Leben sprach.

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Alle Kommentare

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  2. Ein Bravo zu diesen ausgezeichneten Erläuterungen zur Rolle der Journalisten in dieser Sache, ein intelligenter Denkanstoss für mich.

    Anzufügen nur noch dies:

    Solche Medien-Kritik gäbe es auch in unzähligen anderen Themenkreisen anzubringen.

  3. Konnt mich endlich durchlesen.
    Am zweitbesten finde ich in der Kommentatorenleiste die Systemanalytiker und Aufdecker, die bald alle bösen Machthaber, Frauenunterdrücker und Innen und Machtmissbraucher und Innen stürzen werden, um endlich selbst an die Macht zu kommen (und dann?) und auf gleicher Ebene die OpferZementierer, die überall von Opfern umzingelt sind – und am allerbesten finde ich TFs Artikel und seine hiesigen Antworten.

    Dass sich Frauen dem großen Wedel zu Füßen legten, glaub ich aufs Wort. Männer mit Macht (sprich mit Kohle, Einfluss, Entscheidungsmacht, Prominenzstatus usw) ziehen die Frauen an wie die Motten das Licht. Frauen, die selbst Promis werden wollen, wollen doch grundsätzlich ebenso versorgt werden, wie Heilige behandelt werden, nicht gefordert werden, bewundert werden oder sie wollen eben alles für sich u die Männer ganz draußen haben. Ein alter Hut. Und: Wie offensichtlich scheinheilig ist das alles. Wenn Frauen aber nicht kriegen was sie wollen, dann kommt Rache ins Spiel. Auch ein uralter Hut.
    Selbst Frau Bruni sagte mal, sie wolle einen Mann mit nuklearer Macht. Wozu das?

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    1. Ja sicher. Bin eine Lebe-Frau, politisch immer auf der richtigen Seite, strategisch, aktionistisch, progressiv, will sehr reich werden, steinreich. Ohne was leisten zu müssen, deshalb will ich kein Gehalt, sondern Finanzierungen und Geschenke ohne Ende. Einfach so, weil ich so toll bin, das heißt, weil mich viele so toll finden, ich mich selber am meisten, starkes Ego (!), eh klar – und weil ich noch immer so super ausschau.

      Top 5 Prominente und top 5 Welt leaders interessieren mich allerdings nicht. Cars und Golf auch nicht, fahre u spiele nicht mehr, ist zu gefährlich.

  5. Danke für den tollen Text, ich habe ihn auch bis zum Schluss gelesen. Ich komme nicht immer gleich mit allem mit und bin sehr erfreut und habe großen Respekt vor Ihnen, dass Sie dann in Ihren Antworten noch Ihren Lesern und damit mir beim Begreifen helfen. Ich selbst habe über die Person des Herrn Wedel über die Jahre nicht viel mitbekommen, ich kann mich erinnern dass ich ihn für egoman hielt, nur aufgrund einiger gesehener Szenen, die ihn bei seiner Regiearbeit zeigten. Insofern fühlte ich meine vorgefasste Meinung zuerst intuitiv bestätigt, als ich die ersten Schlagzeilen über ihn las.

    Was aber in Wirklichkeit geschah, ist eine üble Hetzjagd, die in Ihrer Gnadenlosigkeit an viele böse Zeiten erinnert. Ich bin Ihnen äußerst dankbar, dass Sie die Mechanismen beleuchten, wie Medien daran verdienen, aus Menschen Opfer zu machen, seien es Sternchen oder Stars und dass Sie das denjenigen entgegenhalten, die sich hier moralisierend aufschwingen. Hanns Joachim Friedrichs hat gesagt „Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken“, mache guten Journalismus aus.

    Hier wurden grundlegende Prinzipien, wie Journalismus in einer Demokratie funktionieren sollte, achtlos über Bord geworfen, selbstgerecht und „moralinsauer triefend“, wie man früher so schön sagte. Dem haben Sie den Spiegel vorgehalten, in einer wunderbaren Klarheit. Vielen Dank dafür.

    Für mich bedeutet es viel und es gibt mit Hoffnung, dass es Menschen gibt, wie Sie einer sind.

  6. Hallo, Willst du dich den Illuminaten anschließen und reich, berühmt und mächtig sein? für den Rest deines Lebens ? Nutzen für ein neues Mitglied, das der illuminati € 90.000.000 in Ihr Bankkonto beitritt ……
    $ 500.000 wöchentliches Gehalt ………
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  7. Aufgefallen ist mir die etwas unfreiwillig komische Verwendung des Wortes Charakterdarsteller in folgendem Satz in der Zeit
    „Der Charakterdarsteller Michael Mendl bestätigt die Vorwürfe ebenfalls“.

    Und im Focus wird dieser Herr, der Charakter(e) bislang offenbar nur dargestellt, aber nicht gezeigt hat, dann wie folgt zitiert:

    „Zwar habe er „keinerlei Ambitionen, Dieter Wedel fertigzumachen“, so Mendl. Dass er sich äußere, habe lediglich etwas mit Zivilcourage zu tun. Doch seiner Meinung nach gehe es nicht, „dass er die Frauen der Lüge bezichtigt“….Mendl selbst wurde einst Zeuge, wie sehr sich eine Schauspielerin von Wedels Avancen belästigt fühlte.“

    Also nicht nur Sternchen und Berufsanfängerinnen mit Zukunftsangst und Ambitionen, sondern auch gestandene Charakterdarsteller schwiegen…bis zu metoo.

  8. Ich bin immer wieder auf das Neue sehr beeindruckt, wie viel Mühe sich Herr Fischer gibt, auf all die Kommentare zu antworten und kann über diesen Weg sagen: Respekt, für diese herausragende Leistung!
    Bis zu meiner heutigen Wahrnehmung gibt es kaum Autoren, die dann in der Nachfolge, so bemüht sind, in Kommunikation mit ihren Lesern zu treten und sich auch kritischen Fragen stellen.

    Zum Thema: Ich kann nur beipflichten. Die Medien haben durch ihre Öffentlichkeit Macht. An dieser Stelle würde mich eigentlich interessieren, wie den aus Fischers Perspektive eine Verteidigungsstrategie, rechtlich gesehen, aussehen könnte. Hat hier das Strafrecht Mittel sich zu wehren oder wäre hier eine sogenannte Lücke im Strafrecht?
    Eigentlich ist es doch sehr unfair, dass ein Herr Kachelmann auf Seite 1 tagtäglich öffentlich beschuldigt wurde. Wäre es nicht fair, wenn die Gegendarstellung exakt die gleiche Zeit, sprich Tag für Tag, analog auf Seite 1 abgedruckt werden müsste?
    Ich denke, Verlagshäuser würden sich dann überlegen, welche Methoden der Berichterstattung diese verwenden würden. Eventuell würde dann etwas mehr Sachlichkeit in die Berichterstattung kommen … ich weiß, träumen darf man (ich) ja …

  9. Naja, zum Thema Kindesmisshandlung herrscht übrigens mindestens eine ebenso große Bigotterie wie bei dieser Debatte unterstellt.
    Und zwar immer dann, wenn die misshandelten Kinder in jugendlichem Alter kriminell auffällig geworden und erwachsen geworden als selbst misshandelte und vernachlässigte Kinder nun die eigenen Kinder ebenso oder schlimmer behandeln. Da kennen die Herrschaften keine Gnade, da wird über die traurige Kindheit gelästert und es werden schlimmste Strafen gefordert.

    1. Ergänzend könnte man sagen, dass erwachsenen und/oder stark gewordenen Opfer offenbar wenig Anteilnahme zuteil wird und sie dann, wie es scheint, jeden Anspruch darauf verlieren.

      1. Ich kenne niemanden, der möchte, dass in aller Öffentlichkeit rumposaunt wird, dass er Opfer einer Vergewaltigung oder einer schweren Straftat wurde und Angst hatte dies anzuzeigen. Aber jetzt stark genug ist u Unterstützung genug hat damit groß in der Welt aufzutreten. Warum nicht? Ich sag es ganz konkret: Weil man mit Leid und Problemen nicht hausieren geht.

        Es gibt angebliche (!) Opfer und solche, die es sich einbilden Opfer zu sein, die (scheinbar) gut sind darin psychisch zu erpressen, und gut Mitleid heischen können, das geht aber nur, wenn andere drauf reinfallen.

    2. Bei Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch hält man am besten den Mund in der breiten Öffentlichkeit und sucht kompetente Leute, die helfen dies zu verarbeiten und nicht ewig die Leidensgeschichte rumposaunen und sich damit noch angreifbarer machen. Es gibt genügend Menschen, die sich nicht am Leid der Betroffenen ergötzen, nicht noch mehr dramatisieren u alles noch verschlimmern, stattdessen helfen und ansonsten die Klappe halten.

      Bemerkenswert finde ich noch in der ganzen Sache, dass man den Lesern der ganzen „Zeit-Ermittlungen“ zumutet u gestattet sich (ja eh) selbst ein Urteil zu bilden bzw bilden zu dürfen, von der Leserschaft erwartet sich eine differenzierte Meinung zu bilden u dann festzustellen, die Leser/Kommentatoren zu den betreffenden Artikeln auf ZO sind ja ohnehin zu dumm um zu begreifen wie ein Rechtsstaat und überhaupt ein Verfahren funktioniert, hätte null Ahnung von Fachkenntnissen (Klar, nicht alle sind Juristen und Justizexperten) und hätten ja nur Unsinn im Kopf u würden dumme Fragen stellen, wenn sie nachfragen und Erläuterungen möchten, um etwas eben zu begreifen.

      Eigentlich zum Brüllen.

  10. Aus meiner Sicht eine der besten Forums-Diskussion dieses Jahres, die Replik der blonden Jura-Professorin eingeschlossen. Es kann ja nicht darum gehen,, lediglich die eigene Meinung bestätigen zu wollen. Ein holländischer Fußballtrainer sagte einmal zu einem Spieler: „Ich will wissen, was Du denkst, denn was ich denke, das kenne ich bereits“.

    Vielen Dank also auch an Meedia.
    Vielen Dank auch an Herrn Fischer.

    Insgesamt nähern wir uns der Rolle der Medien in einer Demokratie, in der Medien den Anspruch erheben, eine 4. Gewalt darzustellen. Zwangsläufig erhebt sich da die Frage, über was diese Medien dazu berichten, und wer berichten darf. Ob ein bestimmtes Ziel verfolgt wird, ob dieses Ziel demokratisch legitimiert ist oder wenigstens im Nachhinein noch demokratisch legitimiert werden könnte.

    Was also berichten, und was berichten die Medien nicht, oder nicht mehr.

    Ist die 4. Kraft zu einem Lenkungs-Instrument geworden, welches uns die Wahrnehmung verstellt ? Absichtsvoll ? Das wäre weit entfernt von der Rolle der Medien, die man ihr vielleicht viel zu blauäugig, zu gutgläubig unterstellen würde.

    Dies würde eine massive Schädigung der Demokratie bedeuten, die auf vielfältige Information angewiesen ist. Haben sich unsere Medien gleichgeschaltet?

    Sind wir eine Demokratie, welche das Instrument der unblutigen Delegierung von Macht über das Vorhandensein von wählbaren Alternativen zur gesellschaftlichen Entwicklung und Erneuerung längst über Bord geworfen hat?

    Die Zielsetzungen der politischen Parteien, zuletzt dann der großen Koalition waren ohne Einbindung der großen Medien nicht vorstellbar. Einbindung ist gleichbedeutend mit Maulkorb, auch dann, wenn man diesen sich selber umbindet, weil man sich zur führenden Elite hinzurechnet.

    Im Grunde ist das übrigens nicht sehr verschieden von der Idee der „überlegenen Rasse,“ nebenher bemerkt.

    Es gäbe für die Medien viel zu berichten, viel auszuleuchten in diesem Lande, angefangen von der Karlsruher Weigerung, eine Schachtschneider-Klage gegen den Asyl-Mißbrauch anzunehmen bis hin zur Frage, wie eine Staatsregierung dazu ein eigenes Gutachten in Auftrag geben konnte – also die Vermutung einer Grundrechts-Verletzung hegte – um sich dann auf das Gutachten draufzusetzen, anschließend das schiere Gegenteil zu dem zu praktizieren, was in ihrem eigenen Gutachten problematisiert wurde. Dessen ungeachtet aber gegenüber der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken sucht, die von ihr beanstandeten Übertretungen wären abgestellt, oder würden womöglich garnicht existieren. Der Gutachter, ein pensionierter Verfassungsrichter, wird für seine Tätigkeit öffentlich und unwidersprochen vom amtierenden Innenminister gerüffelt.

    Was ist das für ein Rechtsstaat ?
    Was haben wir für Regierungen ?

    Angesehene Juristen haben diese Verfahrensweise kritisch in Form eines Buches kommentiert.

    Welche Rolle spielt dergleichen in unseren Medien?

    Wen wundert es also, welche schmuddelige Rolle unsere heruntergewirtschafteten Medien heutzutage noch zu spielen bereit, oder in der Lage sind?

    1. Glücklicherweise hat Ihr wirres Gedankengut, das Sie hier offenbaren, noch nicht einmal entfernt etwas mit dem Artikel von Thomas Fischer zu tun.

      1. @Fotobiene,

        Vielleicht hätten Sie besser auf das „Glücklicherweise“ verzichten sollen. Es entwertet ihre Feststellung.

      2. Ach herrjeh Fotobiene,

        fast hätt ich Sie übersehen. Man „kennt“ sich aus alten, längst vergangenen Zeiten bei ZO. Wie schön und gut, dass Sie offensichtlich immer und überall so aufmerksam sind und stets sogleich die „internetpolizeilichen“ Ermittlungen aufnehmen und dann zur Stelle sind, wenn scheinbar was ganz furchtbar schief läuft oder jemand unfolgsam, frech, eigenwillig, eigenmeinig, und ganz böse zu sein scheint. Das ist gut, das ist echt gut. Hoffentlich sind Sie im realen Leben auch so erfolgreich beim Ausputzen und Entsorgen (helfen).

        Ihre richtige Fürsorge für das wahre Gemeinwohl ist scheinbar grenzenlos. Gut, dass Sie es immer mit allen so gut meinen. Und stets Recht und Gerechtigkeit walten lassen.
        Beeindruckend.

        Beim Tribunal gegen Wedel waren Sie gar nicht involviert? Dann hab ich das wohl falsch verstanden…

    2. „Ist die 4. Kraft zu einem Lenkungs-Instrument geworden, welches uns die Wahrnehmung verstellt ? Absichtsvoll ?“

      Absichtsvoll ja, konspirativ nein. Es gibt ein paar gelenkte Verschwörungen, die tatsächlich über große Personenanzahl hinweg geplant und gesteuert wurden/werden, aber die halten sich auf einem Minimum. Die meisten „Verschwörungen“ sind einfach Auswüchse menschlicher Schwächen wie Neid, Eifersucht, Hass, Rachegefühle, Missgunst, Eitelkeit, Dogmatismus, …

      Und die Optionen/Handlungen solcher Geister sind meist sehr ähnlich, deshalb wirkt es manchmal wie eine Verschwörung, ist aber ganz triviales „da gesellt sich was zusammen gehört“ sowie „eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“. Dieses explosive Gemisch führt schon zu genug gesellschaftlichen Problemen und zieht sich seit Jahrtausenden durch alle Kulturen, Nationen, Sippen, usw. Da braucht es keine Illuminati und Co. Einfach nur Menschen die auf Teufel komm raus ihre Vorstellungen einer für sie passenden Welt um- und durchsetzen wollen.

  11. Einfach sensationell, wie die Foristen hier aufeinander dreinschlagen: „Du verstehtst nicht, ich habe Recht.“ – Nein, Du verstehst nicht, denn ich habe Recht.“ Und der Herr Fischer immer schön mittendrin. Nur noch ein Austausch gekränkter Eitelkeiten (meistens). Viel Spaß noch dabei, aber ein fruchtbringender Diskurs findet hier schon lange nicht mehr statt.

    1. Der Herr Fischer kann sich nicht daran erinnern, dass Sie selbst in Ihren – soweit ersichtlich: drei – Kommentaren zum „fruchtbringenden Diskurs“ irgendetwas beigetragen hätten. Jedenfalls haben Sie zum Thema selbst und zur Sache, soweit ich sehe, nicht einen einzigen Gedanken geäußert. sondern sich aufs Schimpfen über Diskussionsteilnehmer beschränkt.

      Mir scheint im Überblick über 4 Tage die Diskussion in diesem Forum eher überdurchschnittlich ernsthaft und sachbezogen – mit den Einschränkungen, die sich aus dieser Kommunikationsform stets ergeben. Dass der eine oder die andere mitmachen, denen außer persönlichen Herabsetzungen nicht viel einfällt, muss man ertragen.

  12. …Nun haben wir ja – nach den beeindruckenden Analysen der Herren Schweiger und Verhoeven – auch eine öffentliche Live-Befragung einer betroffenen Frau in der Illner-Talkshow vom 1.2. erleben dürfen.

    Befragt, „warum sind Sie an die Öffentlichkeit gegangen?“, antwortete sie: „Ich hätte mich damals nicht getraut, an die Öffentlichkeit zu gehen, weil mir sowieso niemand geglaubt hat. Ich war ’ne junge Schauspielerin und das hätte meine Karriere kaputtgemacht, das hätt ich mich nie getraut.“

    Zur Frage, warum sie es jetzt erzählt habe: „Und warum ich’s jetzt gemacht hab, hat folgenden Grund: ich wollte den Frauen damit Rückendeckung geben. Es geht mir darum, diesen Frauen zu zeigen, dass sie Unterstützung brauchen.“

    „Niemand hat mir geglaubt“ ist wohl nicht richtig: Im ZEIT-Magazin war zu lesen, dass sie überhaupt nur mit zwei Menschen über den Vorfall gesprochen habe, die ihr aber beide glaubten. Angst um die Karriere dagegen ist ein plausibler Grund. Er ist aber vielleicht nicht ganz so „ehrenvoll“, weil er ja durchaus auch ein gewisses Maß an „Mitmachen im System“ impliziert und nicht einfach auf schlichte „Macht-Losigkeit“ reduziert werden kann, sondern eine bewusste Entscheidung voraussetzt. Das passt natürlich nicht vollständig und bruchlos zu dem heute populären Bild eines „gebrochenen“ Opfers, das sich jahrzehntelang durchs Leben schleppt.
    Auich die Zeugin Thielemann gab im jahr 2004 – nach Rückkehr aus Hollywood – die Schauspielerei auf und wechselte den Beruf. Da war die behauptete Tat aus dem Jahr 1991 nicht verjährt, und die Karriere in keiner Weise mehr gefährdet.
    Angezeigt wurde die tat dennoch nicht: „Ihr Schamgefühl war zu groß“, schreibt die ZEIT. Das ist eine dritte Variante. Mag sein, dass man sich im Jahr 2004 „schämte“, Opfer einer Sexualstraftat zu sein. Das war aber gewiss nicht die Regel, und es verschiebt die Diskussion auch ein wenig aus der bloßen „Opfer“-Perspektive.

    Bleibt: Warum jetzt? Das wird weiterhin nicht wirklich klar. Die vielfache Beteuerung, es sei erforderlich, „damit sich etwas ändert“, ist mit der gleichzeitigen Beteuerung, es gebe keine entsprechenden aktuellen Fälle und die Verhältnissse hätten sich weithin geändert, nicht vereinbar.

    Unerfindlich etwa bleibt, warum der ZDF-Intendant (und andere) verkünden, es werde nun in den Akten nach weiteren möglichen Wedel-Fällen aus vergangenen Jahrzehnten gesucht – statt in den heutigen Produktionen nach Fällen von heute zu suchen.

    22 Wedel-Fälle seien der ZEIT bekannt, teilte der Chefredakteur am 1. Februar mit. Das reicht also noch für drei weitere Folgen. Man kann das – selbstverständlich – alles recherchieren und medial aufarbeiten: Aus historischen Gründen, oder um ein Portrait einer deutschen Regisseur-Karriere zu zeichnen oder warum auch immer. Aber dass man die Wedel-Fälle braucht, um heute Schauspielerinnen davor zu schützen, von Regisseuren, Castern oder sonstigen „einflussreichen“ Menschen vergewaltigt zu werden, glaube ich nicht.

    Die ständige Berufung auf ein System des Schweigens“, das angeblich bis heute die ganze Gesellschaft durchziehe und die armen Opfer zu jahrzehntelangem „Mitmachen“, Resignieren und Unterordnen zwinge, ist eine zirkuläre Verdrehung und sich selbst immer wieder neu bestätigende Behauptung, die den „Opfer-Status“ der Personen, die man angeblich stärken will, einfach festschreibt.

    Ich finde, es ist eher eine Frechheit, permanent zu behaupten, alle (oder: die meisten) junge Schauspielerinnen des Jahres 2018 befänden sich in einem System der Gewalt und des Missbrauchs, gegen das sie keine Chance hätten sich zu wehren, wenn nicht 60jährigen Menschen endlich öffenlich darüber erzählen, wie sie von heute 75jährigen Menschen vor 30 Jahren erbärmlich behandelt wurden.

    Wenn es wirklich entscheidend wichtig wäre, dass die Zeuginnen der Jahre 1975 bis 1995 heute „diesen Frauen zeigen, dass sie Unterstützung brauchen“, dann müsste man doch erwarten, dass dieses extrem populäre, extrem präsente und extrem breit getragene Bemühen einmal irgendeinen Erfolg hätte, dass also irgendeine von „diesen Frauen“, die sich bisher nicht trauen, gegen sie HEUTE begangene Taten zu offenbaren, nun den Mut fänden, dies zu tun. Es ist schwer verständlich, wie die über sämtliche gesellschaftlichen Kreise und Institutionen ausgedehnte Runde der Enthüller und Ermittler mit bedeutenden Gesichtern, den Kopf der Besorgnis wiegend, im Kreise sitzt und immerzu beteuert, man sei dabei, „den Frauen heute“ zu helfen – dass sich aber sich aber – soweit ersichtlich – weder ein Massenansturm von Hilfebedürftigen zeigt noch auch nur nennenswerte Einzelfälle finden lassen.

    1. Deutschland war und ist voll von Widerstandskämpfern, die sich freilich meistens erst zeigen, wenn der Widerstand nicht zu aufwendig zu werden droht.

      Der gesamte Art des spezifisch deutschen Widerstands ist wohl eine Geschichte für sich.

      Andererseits bewegt der Deutsche sich gerne, wenn man ihm klarmacht, für eine gute, wenigstens jedoch für eine irgendwie wichtige Sache sich starkmachen zu müssen.

      Dergleichen hebt ein Selbstwertgefühl, das dieses wohl nötig hat.

      Egal um was es sich handelt, er schließt dann seine Reihen und macht alles platt, was sich ihm in den Weg stellt.

      Sein eigenes Land, seine eigene Gesellschaft. Die Demokratie, den Rechtsstaat. Familienstrukturen…Wirtschaft,… einfach alles.

      Man muß ihm nur beipuhlen: Du machst etwas Gutes, und man muß dafür sorgen, daß dies sich im deutschen Kollektiv verankern kann.

      Was nicht schwierig zu sein scheint, wenn das individuelle Selbstwertgefühl des Deutschen nicht besonders ausgeprägt ist. Das haben amerikanische Sektenführer, die das 3. Reich analysiert haben genauso erkannt wie jene Leute, die heute die öffentliche Meinung beschicken und sich dabei sicher sein können, damit etwas besonders Gutes zu tun.

      So what.

  13. Wer der Gefahr aus dem Weg gehen möchte, dem weiblichen Geschlecht die aktuelle Superwaffe an die Hand zu geben, mit welcher sich „Frau“ jahrzehntelang gegen einen erfolgreich gewordenen oder mit gesellschaftlicher Aufmerksamkeit ausgestatteten Mann wenden und diesen vernichten kann, sollte endlich aufwachen und ganz einfach möglichst keine Frauen beschäftigen, einsetzen, beruflich mit einbinden.

    Diese opferbesoffenen Zeiten lassen keine milderen Schutzmechanismen zu. Auch Männer müssen vor diesem hysterischen Belastungseifer und seinem Jahrzehnte andauernden Risiko geschützt werden. Falschbeschuldigung birgt für die Täterinnen keinerlei Risiko. Falsch beschuldigt zu werden oder mit einer Erpressung konfrontiert zu werden, kann den gesellschaftlichen und monetären Ruin des Mannes bedeuten. Politisch besteht und entsteht kein Wille, Falschbeschuldigerinnen genauso zu behandeln, wie das Opfer einer Falschbeschuldigung juristisch behandelt worden wäre.

    Wer in diesem Land Personalverantwortung trägt, Schauspielrollen besetzt oder sonst wie Einfluss darauf nehmen kann: setzt keine Frauen ein und schützt damit Euch selbst und die anderen männlichen Beteiligten.

    Vielen Dank!! Vielleicht haben Sie dadurch Leben gerettet.

    1. …Das ist, wie Sie vermutlich wissen, mit Verlaub ziemlicher Unsinn.

      Es gibt Falschbeschuldigungen. Die Fälle Arnold und Lohfink zeigen, dass damit – im Ausnahmefall – auch durchaus vernünftig umgegangen wird. „Ausnahme“§ deshalb, weil für Falschbeschuldiger halt genau dieselben Regeln der „Unschuldsvermutung“ gelten wie für die (Falsch-)Beschuldigten zuvor.
      Wenn etwas nicht bewiesen werden kann, heußt das nicht, dass es nicht stattgefunden haben kann, sondern dass wir nach den Regeln , die wir uns selbst in der Verfassungs gegeben haben, ein legitimes („berechtigtes“) Urteil darüber nicht fällen können. So geht Rechtsstaat, und es gilt für jede(n).

      Anzunehmen, es gebe eine „Kultur“ der Falschbeschuldigung, ist fern liegend. Es gibt allerdings eine Kultur der „Opfer“-Stilisierung, in welcher permanent vorausgesetzt wird, was (im Einzelfall) erst zu beweisen wäre. Zum Beispiel: Viele Jahre lang sein eine Strafanzeige nicht erstattet worden, weil das Opfer große „Scham“ oder Angst gehabt habe. Das mag im Einzelfall durchaus zutreffen; allerdings ist es weder die Regel noch kann man gar darazus ableiten, langjähriges Schweigen sei an sich schon ein besonders gutes Indiz für die Richtigkeit der Beschuldigung: Das ist natürlich evident zirkelschlüssig.

      Die beste Methode, Beschuldigungen wegen Nötigungen zu entgehen, ist, keine zu begehen. Das sollte möglich sein. Und Menschen, die sich unter dem Stichwort „Vergewaltigung“ zu Wort melden und dann unter #MeeToo berichten, sie seien an der Fußgängerampel blöd angestarrt worden, werden wir schon irgendwie herausfiltern können.

      Allerdings muss man stets genau und immer wieder überlegen, wo die GRENZEN des sozial Tolerablen oder gar Strafbaren sind und WER sie WIE und nach welchen Kriterien definiert. Insofern haben Sie Recht.
      Die Anzahl der Kinder die jeden Tag in Deutschland geschlagen werden, ist eintausendmal höher als die Anzahl der Frauen, die sexuell genötigt werden. Die Folgen dieswer Taten sind um nichts schöner, geringer oder harmloser als die von „Belästigungen“. Die Gesellschaft jkann trotzdem ganz gut damit leben, dass „sowwas“ halt vorkommt und irgendwie nicht zu verhindern sei. Und Niemand (!) startet eine Artikelserie mit beispielhaften Entlarvungen von „berühmten“ Menschen, die vor 20, 30 oder 40 Jahren ihre Kinder geprügelt haben.

      Ich stehe als Kronzeuge für „Verharmlosung“ nicht zur Verfügung. Ich kritisiere nicht Recherchen oder Beschuldigungen an sich, sondern die Heuchelei und Übergriffigkeit ihrer Präsentation, bei gleichzeitigem Profitieren vom „System“, das angeblich „entlarvt“ wird, und die Selbst-Kritiklosigkeit von Personen, die sich in die Rolle von Richtern und Verurteilern eines Systems begeben, das sie selbst zum eigenen Nutzen stets betrieben haben.
      Das ist vielleicht ein bisschen kompliziert und lässt sich mit schlichten Vor-Urteilen und „Überzeugungen“ nicht ganz schnell bewältigen.
      Aber man darf ja auch mal was Komplizierteres sagen.
      Und man darf auch jedem „Lager“ gelegentlich sagen, dass man mit dern Lagern der Gläubigen nichts gemein hat.

      Herrn Markus Roth also: Fürchten Sie sich nicht! Sprechen, leben, arbeiten und diskutieren Sie mit Frauen, als ob sie ganz normale Menschen wären! Dass Sie dabei ein paar oberverkrampften Personen auf irgendeinem Psycho-Trip begegnen werden, ist unvermeidlich, aber nicht wirklich schlimm. Das geht Frauen ja mindestens genauso, sobald sie in den Gravitationsbereich oberfurchtsamer Wichtel geraten.

      Nehmen Sie sich ein Beispiel an Til Schweiger und Hannes Jaenicke! Seit Jahrzehnten versuchen sie, uns die gendermäßig gebrochene Figur des Tina-Bezwingers aus purer Verletzlichkeit zu zeigen, und wurden so oft so schrecklich missverstanden!

      1. Selbstverständlich ist es blanker Unsinn. Ich hoffte an der Übertreibung ein Erkennungsmerkmal für Unsinn platziert zu haben. Vielleicht, nicht immer aber manchmal, macht Übertreibung aber anschaulich und lenkt eine streng einseitige Betrachtungsbrille auf das Gegenüber.

        Ich schätze Sie für Ihre offenen und klaren Worte im Zusammenhang mit der „Nein heißt Nein“-Debatte. Dass nach gegenwärtigen Stand der Dinge die Wirkungen dieses Gesetzes mit Blick auf die Kriminalstatistik gleich Null sind, wissen Sie selbst sehr gut. Die sogenannte Gesetzesverschärfung, wie sie beispielsweise auch im Edathy-Sachverhalt das Allheilmittel war, indem Nacktheit zur Pornografie umetikettiert wurde, ist nicht nur monetär die billigste Lösung.

        Wenn nun aber auf der einen Seite die Ängste mit Wirkungen bis hin zu sicherlich auch mit politischer Botschaft behafteten Gesetzesverschärfungen mit Sicht auf die Ausweitung der Tatbestände und der Strafrahmen bei bereits bestehenden Tatbeständen ausreichen, ist es doch gewiss nicht frei von Legitimität, als Mann seine Ängste im Zusammenhang mit Falschbeschuldigungen zu äußern und dann bitte auch gefälligst im Sinne des Gleichbehandlungsprinzips ein Entgegentreten dieser Ängste umgehend und auf kürzestem Wege mit gesetzesverschärfender Konsequenz als Zeichen politischer Bewusstheit umgesetzt zu wissen. In anderen Sachzusammenhängen geht es doch auch!

        Man denke an den Ihnen vielleicht nicht unbekannten Dr. Alexander Stevens aus München, der es nach eigenen Angaben nicht mehr wagt, sich von einer Frau „abschleppen“ zu lassen. Soweit ist es bereits gekommen!

        Vielleicht geht es aber auch nur um die Moral im Allgemeinen und die Sexualmoral im Besonderen. Sexuell inadäquates Verhalten als Macht- und Kampfmittel in gesellschaftlichen Kontexten kann sich schnell zum Fass ohne Boden entwickeln. Da Sie das Thema der Kinder angesprochen haben: betrachten Sie die Entwicklung im Zusammenhang mit Pädophilie-Diskussionen. Auch wenn es einen Menschen nicht selbst betrifft, so kann es aber einen Menschen ohne die üblichen sofortigen Verdachtsmomente beschäftigen, dass nicht mehr die pädosexuelle Straftat als zu Recht mit Mitteln des Rechtsstaates bestrafbare Handlungen erforderlich ist, um medial und somit auch zeitgeist-lenkend auf einen Menschen los zu gehen, sondern bereits das tatsächliche oder vermeintliche Pädophil-Sein, also ein nicht frei gewählter Zustand, den ein Mensch der genetischen Lotterie verdankt.

        Genannt seien hier zwei aktuelle Vorgänge, weil die Edathy-Sache nicht eindeutig ist. Zum einen die aktuellen Vorgänge rund um den bereits verstorbenen Prof. Dr. Helmut Kentler, welcher nun, ginge es wohl nach dem Willen von Andrea Scharpen und Nina Apin (beide taz), post mortem ausgebuddelt und tribunalisch verarbeitet werden soll, weil er die nicht ganz unschlüssige These wagte, nicht jede Form des sexuellen Missbrauchs führt zwangsweise zu einem lebenslangen Trauma bzw. auch die Umstände der Aufdeckung der Tat und des Umgangs von Justiz und Gesellschaft bergen ein Traumatisierungsrisiko des Opfers (was eine Kritik an teils hysterischen Zuständen in medialer und teils auch justizieller Verarbeitung solcher Sachverhalte beinhaltet). „Der Pädo-Prof“, selbst nie einer Straftat überführt, schafft es post mortem auf die Bühne der gejagten Sau durchs mediale Dorf.

        Aber auch lebende Beispiele sind vorhanden: so jüngst die qualitätsjournalistische Meisterleistung der BILD, welche den letzten Pädo-Tatort aufarbeitete und einen „Pädo-Buchautor“ mit Bild in die bundesweite Ausgabe setzt, ihn der Abartigkeit beschuldigt und, obwohl nie straffällig geworden, als Pädokriminellen bezeichnet. Der Mann arbeitet im Hauptberuf übrigens als Pfleger und lebt keineswegs von seinem schriftstellerischen Hobby, innerhalb welchem er seine als nicht traumatisch empfundenen sexuellen Erfahrungen mit einem Erwachsenen in einem Kinderheim aufarbeitet und somit gleich zwei schwere gesellschaftliche Verbrechen begeht, indem er nicht traumatisiert ist (sein will) und das auch noch aufschreibt.

        Nun mögen diese Beispiele hierzulande niemanden hinter dem Ofen der Empörung hervorlocken, aber lebt die Moral einer Gesellschaft nicht auch vom Umgang mit dem tatsächlich oder vermeintlich „Abscheulichsten“?

        Und wie lange dauert es, bis es es nicht nur vermeintlichen oder tatsächlichen pädophilen Menschen so geht, dass sie nur wegen ihres Seins und nicht mehr wegen strafbarer Handlungen Gegenstand medialen und gesellschaftlichen Ärgernisses und damit zusammenhängenden existenzvernichtenden Gefährdungen werden? Wann steht der erste Prominente in den Schlagzeilen (und vor Gericht?), weil er einer Dame zu lange auf die Beine schaute und, wer weiß, bei entsprechender Weiterentwicklung des aktuell sich konstituierenden Zeitgeists, als „Betrachtungs-Vergewaltiger“ bezeichnet werden darf. Die ZEIT wird uns hierfür schon zur gegebenen Zeit die als angemessen empfundenen Bezeichnungen im Zusammenhang mit solchem Verhalten niederschreiben.

        Ich bin, vielleicht auch weil ich zweieinhalb Jahrzehnte jünger bin als Sie, nicht frei von Furcht vor dem, was dieses Gebräu noch alles hervorzubringen imstande ist.

    2. … Da ist manches dran, manches m.E. aber auch nicht.
      Die Kinder-Analogie meinte ich ganz ernst und keinesfalls auf sexuellen Missbrauch bezogen oder begrenzt. Die merkwürdige Divergenz zwischen Aufklärungs-Begeisterung für das eine (sexueller Missbrauch) und Gleichgültigkeit für das andere (Misshandlung) ist ja selbst wieder ein Umstand, der der Skandalisierung – oder besser: Betrachtung – bedürfte. Er zeigt halt nur, wie relativ und wiedersprüchlich ist, was sich als jeweils „zwingende“ und unabweisbare öffentliche Moral selbst lobt.

      Das alles hat aber natürlich mit dem „Fall Wedel“ und seiner Aufdeckung durch die ZEIT nur muittelbar zu tun, und man kann udn sol nicht immerzu alles gleichzeitig verhandeln, denn das geht zu 100 Prozent schief.
      Es sind ja gerade die vieklgeschäöhnten „juristiscehn Scheuklappen“ der angeblich so blöden und lebensfernen Rechts-Profis, die es erlauben, zwische dem Umstand dass Frau X von allen für eine blöde Schnepfe gehalten wird, un dem Umstand, dass sie im Einzelfall einmal Recht haben könnte, zu unterscheiden…. Es ist ja auch genau das, was alle vom Recht erwarten. Und sich nicht dadurch von der Schuld Wedels „überzeugen“ zu lassen, dass er „sechs Kinder von sechs Frauen“ hat und dass „Plagiatsvorwürfe gegen ihn erhoben“ wurden, wie die ZEIT zu berichten wusste. Das ist billiger Boulevard-Stil und hat mit den „Maßstäben der Ermittler“ nicht nur nichts zu tun, sondern verkennt und sie und zieht sie in den Dreck. Wenn „die Ermittler“ solche Dinge und Überschriften in ihre Anklageschriften schreiben würden, wären sie die längste Zeit Ermittler gewesen.
      Die ZEIT weiß das ganz genau und postuliert es ja auch stets, wenn es in der Sache kommodiert oder die Überhebung über „den Boulevard“ illustrieren kann. Das weiß jede(r), der sich strafrechts-professionell in der Praxis – ich meine nicht eine Juniorprofessur an der Universität zu Köln – mit solchen Sachen beschäftigt. Die Hälfte aller Staatsanwälte und Richter, die sich mit solchen Fällen befassen, sind Frauen. Und auch die übrigen sind nicht alle böd, verbohrt oder das, was sich mittelalte Kulturwissenschaftlerinnen oder superjunge Redakteurinnen unter „alten weißen Männern“ vorstellen, wenn sie lange genug US-amerikanische Internet-Kanäle betrachtet haben.

      Will sagen: Vielleichtb war es Wedel, vielleicht war er’s nicht. Vielleicht war ein bisschen; vielleicht liegen die Wahrheiten in der Mitte oder bleiben im, 40 jahre alten Ungewissen. Vielleicht ist Herr Wedel ein schlechter Mensch. Wir wissen noch nicht, ob und welche Schlechtigkeiten die 160 Zeugen auf sich geladen haben. Von allen Personen außer Wedel kennen wird bisher nur einen minimalen Ausschnitt, bezogen auf Wedels mutmaßliche Tat und definiert durch die Ermittler der ZEIT. Man erzählte mir kürzlich voll Empörung, Presse-Vertreter hätten unerhörterweise versucht, die „Opfer“/Zeugen zu belästigen und auszuforschen. Ich frage: Was denn sonst? Man führt einen „Kachelmann“- oderc „Arnold“-Prozess ohne Prozess, und wundert sich, dass andere ihn auch führen?

      Frau Hoven hat einen Aspekt recht schön illustriert, indem sie „Wedel“ mit „Watergate“ zu erkkären versuchte. Abgesehen davon, dass „Watergate“ 10 Jahre vor Frau Hovens Geburt stattfand und sie u.U. nur weiß, was sie im Kino gesehen hat, reproduziert die Analogie auf schöne Weise ein selbstgerechtes Klischee, das weder in den USA noch in Deutschland seit 1972 zu irgendeiner grundlegenden Veränderung beigetragen hat. Die „Aufdeckung“ einer (möglichen!) 38 Jahre alten „Schattenmann“-Tat, deren Klärung von vornherein weder zu einer Ahndung noch zu irgendwelchen „neuen“ Erkenntnissen führen kann, mit der Aufdeckung eines aktuellen Falls von krimineller Verschwörung einer Staatsregierung gleichzjusetzen, ist geradezu absurd.

      Und eine Strafrechtsprofessorin der Universität zu Köln weiß ja gewiss auch, auch, dass dert Beschulodighte Wedel strafbefreiend vom Versich der sexuellen Nötigung zurückgetreten wäre, wenn nicht ausgeschlossen werden könnte, dass er die Geschäfigte G freiwillig gehen ließ. Wie man das ausschließen könnte, hat sich mir auf der Basis der hochprofessionellen Ermittlungen noch nicht erschlossen, vor allem, da diese von der rechtslage ersichtlich gar keine Ahnung hatten oder dies jedenfalls bisher nicht erkennen ließen.
      Es bliebe dann eine (gefährliche) Körperverletzung und eine („normale“) Nötigung. Zwei „Vergehen“, vor 38 Jahren.
      Das sind natürlich, für die Gläubigen und Empörten und Guten, nur „juristische Spitzfindigkeiten“. Aber wenn ich einem oder einer von Ihnen morgen nachsage, dass sie vor 38 Jahren ihr Kind ins Gesicht geschlagen haben, und behaupte, das sei ein (unverjährter) „Versuchter Mord“ gewesen, wird – garantiert! – das allererste, was ihnen einfällt, sein: Das sei ja unbewiesen, und wenn überhaupt, seien sie ja offensichtlich von dem Versuch zurückgetreten…
      Das klingt jetz wieder etwas juristisch. Abner wir haben es ja auch mit „Maßstäben der Ermittler“ und den aller-höchstrichterlichsten BGH-Kriterien zulässiger Verdachtsberichterstattung zu tun, über die Herr Fischer einmal informiert werden musste…
      Da darf man an eine Strafrechtsprofessorin einmal probeweise ein paar Argumente aus den Niederungen des Landgerichts richten.

      P.S.: Eine Journalistin hat mir vor einigen Monaten einmal sehr dringend geraten, niemals allein mit einer (fremden) Frau in einen Aufzug einzusteigen, damit man mir keine Falle stellen und mich fälschlich beschuldigen könne.
      Das hat aber mit der Sache Wedel wirklich gar nichts zu tun.

      1. Entschuldigen Sie bitte meine Tippfehler!
        Ich schreibe seit 50 jahren mit drei Fingern und kann es nicht besser.

      2. Ihre Tippfehler hätte ich ohne Ihren Hinweis gar nicht bewusst bemerkt, weil ich zu sehr an Ihren Gedankengängen hänge! Ich danke Ihnen aufrichtig bei dieser Gelegenheit, nicht nur für diese Ihre Zeilen in diesem Kontext.

        Nach Ihren vielen Filmtipps-Bemühungen der vergangenen Jahre werfe ich gerne für Sie und für jedermann einen Buchtipp in die Runde: „Uncle Sam’s Sexhölle erobert die Welt“ von Max Roth, Ahriman-Verlag, 2013.

        Ob dieses Buch ebenso gar nichts mit der Sache Wedel zu tun hat oder einfach nur alles, mag der Leser und am besten auch die Leserin nach Beendigung der empfohlenen Lektüre für sich entscheiden.

    3. @Markus Roth, 13:44

      Wenn ich darf: da bin ich bei Ihnen. Auch wenn Sie Ihren Beitrag nachfolgend relativiert haben.

      Aus meiner Perspektive geht es hier nur vordergründig um Wedel. Unter der Oberfläche wittere ich eine instrumentalisierende Weiterentwicklung des Rechts – was unserer Gesellschaft ja eigentlich auch offen angedroht wird.

      Ich kann damit leben. Ich bin alt. Aber wenn Recht zur Waffe wird, verliert es seine Bindung. Es muß dann gesellschaftliche Gewalt hinzutreten, was dann weit über das hinausgeht, was sich zwischen zwei Menschen abspielt.

      Die Frau vom Mollath hatte angedroht, diesen fertig zu machen, falls der seinen Mund nicht hält. Er wurde verurteilt und landete in der Psychatrie. Wie zu besten Zeiten der UdSSR. Er kam frei, nur weil sich Bekannte empörten, und den schwierigen Kampf um ihn annahmen.

      In Hessen wurde ein Lehrer eingesperrt aufgrund von Falschbeschuldigungen durch eine Frau. Nach seiner Entehrung und gramvollem Tod kam dann die Wahrheit ans Tageslicht.

      All dies vollzog sich völlig gewaltlos.

      Man neigt als Mann viel zu schnell dazu, einer Frau, vielleicht nur einem bestimmten Fauentyp zur Seite zu stehen, viel zu schnell zu glauben.

      Dergleichen war womöglich in der Vergangenheit hinzunehmen. Die Zeiten haben sich jedoch geändert.

      1. @E Ekat, 19.20 Uhr

        Herr Fischer hat mit seinem Beispiel über die Wahrnehmungsdivergenz von Kindesmissbrauch versus Kindesmisshandlung zu Recht auf die damit einhergehende Unausgewogenheit der Betrachtungsbrillen hingewiesen. Es käme wohl wirklich niemand auf die Idee zu hinterfragen, ob und wer vor 35 Jahren seine Kinder mit Ohrfeigen belehrt hat oder gar auf die Idee, dies heute zum Gegenstand öffentlicher Skandalisierung werden zu lassen. Es beträfe wohl auch sehr viele Menschen, die auch bereit sind vor allem sich selbst und dann als logische Konsequenz allen anderen Täter der damaligen Zeit zu verzeihen.

        Wenn politische Tagesaktualität zu übereiligen Antworten in Form von schnell durchgepeitschten gesetzlichen „Reformen“ führt, dann drückt sich im Gesetz ein politisches Versagen aus.

        Herr Maas, ausdrücklich kein Mitglied der #teamginalisa – Taskforce, nutzte als Spitze des Eisbergs gezielt das Verfahren um Frau Lohfink, um ein in dem konkreten Sachverhalt nicht vorhandenes Problem politisch und gesetzgeberisch aufzuarbeiten („Nein heißt Nein“). Den Verfahrensausgang konnte er zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen. Natürlich gilt auch in Sachverhalten einer falschen Beschuldigung uneingeschränkt die Unschuldsvermutung. Es kann aber verunsichern, dass es, wie auch im Fall von Frau Lohfink, für die Täterinnen bei einer Geldauflage bleiben kann, während die zu Unrecht einem Vorwurf ausgesetzten Opfer nicht nur jahrelange Inhaftierung, (Zwangs-)Therapie und Stigmatisierung riskierten, sondern auch wohl die gesamte monetäre Existenz. Es sollte, meines Erachtens, das Risiko einer vorsätzlich vorgetragenen falschen Beschuldigung (§ 164 StGB) wenigstens in gleicher strafrechtlicher Höhe stehen wie die behauptete Straftat selbst, mindestens aber nicht unter einem Jahr Haft, so dass es sich auch um ein Verbrechen und um kein Vergehen mehr handelt, wenn jemand versucht, die Freiheit und die Existenz eines in Ungnade Gefallenen aufs Spiel zu setzen.

        Dass es aber wohl manchmal auch innerhalb der Rechtsprechung auf die Tagesaktualität oder fragwürdige Wahrnehmungsbrillen ankommt und somit auch Zeitgeist bedient werden kann, zeigt ein Beispiel eines Urteils des Amtsgericht Kamenz. Dort war die 32jährige Anja B. im Dezember 2017 angeklagt, weil sie einen 13jährigen Jungen schwer sexuell missbraucht haben soll. Allein dass eine 176a-Sache bei einem Amtsgericht und nicht beim Landgericht angeklagt wird, hat meinem Erfahrungswissen folgend erwähnenswerten Seltenheitswert. Man sprach dann beim gegenständlichen Amtsgericht nicht von einem schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes, sondern von einer „Reifeprüfung“ des Buben. Zwei Jahre auf Bewährung, weniger geht bekanntlich nicht. Man stelle sich diesen Fall, nur mit einem 32jährigen Mann oder einem 13jährigen Mädchen vor. Herr Maas hätte tief in der Nacht geweckt werden müssen oder wäre aus Gründen schmerzhafter Ungerechtigkeitsempfindung wohl intuitiv von ganz alleine aufgewacht, um noch in der selben Nacht eine Reform auszuarbeiten, deren Inhalt meine Fantasie übersteigt, hätte man es gewagt, den schweren sexuellen Missbrauch eines 13jährigen durch einen 32jährigen Mann als „Reifeprüfung des Buben“ darzustellen.

        Ich bin noch nicht verzweifelt genug, um der These anzuhängen, hinter dieser zu Teilen aus meiner Sicht übertriebenen Opferbesoffenheit und hinter dieser medialen Infantilisierung der Jugend und von Frauen eine Bewegung zu vermuten, welche über die Steuerung der Sexualmoral die Weltherrschaft anstrebt. Aber ich kann verstehen, wenn jemand mit etwas situativer Emotionalität im Herzen diesen Verdacht für nicht mehr komplett abwegig hält.

        Was bleibt ist die Hoffnung, dass sich diese Zeitepoche als eine Phase der Rache für eine lang empfundene oder in Teilen auch tatsächliche Unterdrückung der Frauen erweist und am Ende die Geschlechter versöhnt miteinander den gemeinsamen Weg in eine gerechtere Zukunft finden.

      2. Als damalige Unterstützerin Mollaths in seinem Verfahren verzeihen Sie mir bitte diese kleine Nebensächlichkeit,
        dies ist nicht richtig:
        „Die Frau vom Mollath hatte angedroht, diesen fertig zu machen, falls der seinen Mund nicht hält. “

        „Die Aussage sei gelogen gewesen, urteilte nun ein Gericht – und verhängte eine Bewährungsstrafe. “
        http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fall-gustl-mollath-zeuge-wegen-meineides-zu-bewaehrungsstrafe-verurteilt-a-1142016.html

      3. @Fotobiene (21:46 Uhr)

        Nein, das stimmt nicht.

        „Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, das Gericht habe geurteilt, der Zahnarzt habe in Bezug auf das Telefonat mit Mollaths Ex-Frau gelogen. Tatsächlich bezog sich das Gericht auf den Zeitpunkt der Erstellung der Notizen, nicht auf das Telefonat selbst beziehungsweise dessen Inhalt. Wir haben die entsprechenden Stellen im Text korrigiert“

      4. @Fotobiene
        Tja, das war schon etwas bitter: Mollath, der Steuerhinterzieher anzeigt und für Wahrhaftigkeit eintritt, hat zum angeblich besten Freund einen verurteilten Steuerhinterzieher und Lügner.

  14. Ein sehr fundierter und absolut wichtiger Beitrag zu dieser Geschichte. Ich würde jedoch nicht sagen, daß die hier involvierten Medien aus dem Fall Kachelmann nichts gelernt haben – meiner Ansicht nach stimmt das Gegenteil. Man hat herausgefunden, wie hervorragend schnell sich mit zuspitzenden Artikeln Geld verdienen lässt. Vor diesem Hintergrund wäre das „Sternchen“ dann nicht mal eine Veränderung in der Tonart der Moralität.

    Unterstellt man aber mal, daß es der Journalistengruppe tätsächlich um „die gute Sache“ ging, wird dieser Artikel hier umso wichtiger.

    Und: Herausragend, daß Sie, Herr Fischer, sich sogar die Zeit nehmen und hier mitkommentieren!

  15. Liebe Freunde,

    bitte nicht zu sehr auf die ZEIT schimpfen! Deren Artikel lese ich kaum. Dafür die Kommentare unter den Artikeln. Die Leute dort sind unerschütterlich. Viele der dort veröffentlichten Kommentare sind aus meiner Sicht „unbezahlbar“.

    Würde die ZEIT das Kalifat für Deutschland fordern bzw. sogar ausrufen, ich glaube, deren Umsatz würde nicht wesentlich wegbrechen.

    1. Danke für diesen wirklich erhellenden Kommentar – aber irgendetwas muss man halt absondern, um seinen (Vor-)Urteilen gerecht zu werden!

      1. Wau wau wau – ha ha! Danke!

        Wie bereits erwähnt, ich lese auf ZEIT im wesentlichen nur die Kommentare. Die sind köstlich und alle so schön unzensiert. Wie aus einer anderen Welt. Wer diese Art von „Humor“ mag: Lesebefehl!

  16. Verehrter Herr Dr. Fischer,
    manchmal wäre es geschickter, Sie würden ab und zu einmal die juristischen Scheuklappen ablegen, aber möglicherweise gelingt Ihnen das nicht mehr.
    Wir haben hier kein Gerichtsverfahren, sondern eine Verdachtsberichterstattung. Natürlich können sie die Aussagen, die die Frauen getätigt haben, zerpflücken und sich vielleicht wundern, dass ein Kopf nicht nur gegen eine Wand, sondern auch aufs Bett gedrückt, geschlagen wird und dabei Verletzungen entstehen. Geht alles, wenn man will. Nur müssen sich Journalisten nicht an die Regeln in einem Strafverfahren halten, auch nicht im Falle der Verdachtsberichterstattung. Der BGH hat im Jahre 2000 ziemlich genau vorgegeben, was Journalisten in einem solchen Fall zu beachten haben und die am Zeit-Dossier beteiligten Journalistinnen und Journalisten haben sich genau daran gehalten und noch wesentlich mehr Sorgfalt in ihre Recherchen gelegt, als sie vielleicht hätten tun müssen. Ich kann daher Ihren Zweifeln und Ihrer Kritik nicht folgen.
    Ihre Argumentation ist auch nicht immer schlüssig, vor allem dann, wenn Sie, wenn auch durch die Blume, den Vorwurf wiederholen, den so viele im Rahmen dieser Diskussion gegen diese Frauen erheben, nämlich, warum sie nicht gleich aktiv wurden und Anzeige erstattet haben.
    Ich muss Ihnen mit Sicherheit nicht erklären, warum Frauen bei derartigen Vorfällen und Übergriffen oft gar nicht oder sehr, sehr spät den Mut aufbringen, sich entsprechend zu äußern, auch wenn Sie das oft nicht wahrhaben wollen. In diesem Fall kommen aber noch entscheidende Umstände hinzu.
    Zum einen das Abhängigkeitsverhältnis, in dem sich Schauspieler, junge SchauspielerInnen im ganz Besonderen befinden. Darüber hinaus unterschätzen Sie offenbar die Macht, die ein Wedel damals hatte. Nicht nur die Frauen, auch jeder andere aus der Crew, der sich gegen Wedel gestellt hätte, hätte nie mehr wieder in der Branche einen Job bekommen und Schauspieler haben nur diese eine berufliche Qualifikation und das sind sie selbst. Im Gegensatz zu einem Juristen, der entweder Richter oder Anwalt werden kann und wenn das nicht klappt, auch irgendwo als Personalchef unterkommt. Schauspieler haben nur ihr Können, ihre Persönlichkeit, mehr nicht. Daher sind sie umso angreifbarer, um so verletzbarer und um so leichter unter Druck zu setzen. Ausnahmen gab es nur wenige, die Adorfs, die Lauterbachs, die Rudolphs, Hoenigs, die damals allesamt immer dabei waren, wenn Wedel mal wieder seinen Koller bekam und die alle NICHTS gesagt und sich einfach weggeduckt haben. Wedel ist nur einer von vielen, die dieses System ausgenutzt haben, die Adorfs haben es durch ihre Feigheit unterstützt und am Leben erhalten.
    Und die Frauen hätten nicht nur ihre Karriere aufs Spiel gesetzt, sondern wären auch von der Presse damals regelrecht hingerichtet worden, angeführt von den Riekels und den Wedekinds und wie die Yellow Press Tanten und Onkels in charge sonst noch hießen. Das ist keine Angelegenheit für Juristen, bis vielleicht auf den Fall Tempel, falls die Münchner Staatsanwaltschaft eine Verjährung verneint und mit einer streng juristischen Sichtweise kommt man bei #metoo nicht weiter.
    Und mit der Berichterstattung zum Fall Kachelmann kommt man übrigens auch nicht weiter. Das damalige Vorgehen von Rückert, Friedrichsen, Schwarzer und all den anderen unterscheidet sich ganz entschieden vom Stil und der Arbeitsweise Annabel Wahbas, Jana Simons und den anderen Beteiligten.
    Nichts gegen Ihre Journalistenschelte, mit der sie oft richtig lagen und den Finger in die Wunde gelegt haben, in diesem Fall aber liegen Sie falsch.

    1. „Nur müssen sich Journalisten nicht an die Regeln in einem Strafverfahren halten, auch nicht im Falle der Verdachtsberichterstattung.“

      Merken Sie gar nicht, das es in Fischers Beitrag darum gar nicht geht, oder betreiben Sie hier bewußt Framing mithilfe eines Strohmann-Arguments?!

      Also: Bitte zeigen Sie zunächst auf, wo Fischer dies überhaupt fordert.

      „Ihre Argumentation ist auch nicht immer schlüssig, vor allem dann, wenn Sie, wenn auch durch die Blume, den Vorwurf wiederholen, den so viele im Rahmen dieser Diskussion gegen diese Frauen erheben, nämlich, warum sie nicht gleich aktiv wurden und Anzeige erstattet haben.“

      Auch hier: Wo ist der Vorwurf, die „Blume“?

      Wovon reden Sie im folgenden?
      Mit dem Artikel von Fischer hat das NICHTS zu tun!

      Ich fürchte, Sie gehen am Thema des Artikels noch sehr viel weiter vorbei als Hoven in ihrer „Replik“.

      1. Warum sollte ich das tun, solange Sie meine Fragen zu den einzigen (scheinbaren) Bezügen zu Fischers Artikel nicht beantworten?
        Derailing?

      2. Ich seh schon, Sie wollen nicht, aber ich habe auch keine Lust, mich auf Endlosdebatten wie in den anderen Kolumnen, einzulassen. Deshalb nur ein Beispiel:

        „Aus allen Ecken springen Kronzeugen hervor, denen Geschichten über Wedels Persönlichkeitsstörungen, Fehler, Peinlichkeiten und Unverschämtheiten einfallen. Aus einem Fundus von 160 – bislang überwiegend unbekannten – Leumundszeugen bedient die Zeit sich und das Publikum mit „Geschichten“ über den Beschuldigten. Dieser, so wird mit dem Unterton der Entrüstung berichtet, habe, statt sich der öffentlichen Vernehmung zu stellen, „sich in ein Krankenhaus begeben“. Da tropft der Jagdeifer auf der Fährte des Verurteilten, der sich frecherweise der Vollstreckung entzieht. Nicht jeder, auch nicht jeder Verdächtige hält es aus, wenn das ganze Leben auf einen Schlag vernichtet wird. “

        Wenn Sie Texte nicht lesen können, vor allem nicht in der Lage sind, die darin versteckten Untertöne zu erkennen, dann bringt es nichts, weiter zu diskutieren. Das was Fischer da betreibt, ist pure Polemik.
        Und zum anderen zeigt es ganz deutlich, dass Fischer nicht imn geringsten verstanden hat, worum es überhaupt gehet und auch den Journalisten bei der Zeit. Es geht eben nicht um Jagdfiebher und darum einen jetzt zur Strecke zu bringen. Es geht um ein System des Machtmissbrauchs, der Abhängigkeiten und ihrer Ausnutzung, um Drohung und Erpressung und um ein Kartell des Schweigens. Und das nicht nur in der Filmbranche, sondern dieses System hat sich überall etabliert. Es geht hier auch nicht darum, Wedel zu jagen und wie einen Wulff abzuschießen, sondern Wedel ist durch sein Verhalten nur das treffende Beispiel um dieses System des Machtmissbrauchs verständlich zu machen. Und wenn man das System zu Fall bringen will, muss man irgendwo anfangen, die Wedels gibt es überall und dieses System wird von sehr vielen getragen und unterstützt. Auch von den Medien, die sich an solche Typen heranschmeissen.

      3. Lieber Georg von Grote,

        es gibt im Gegensatz zu den USA in Deutschland seit 2006 eine branchenweite Beschwerdestelle für Schauspieler. Wenn es dieses umfassende System (sexuellen) Machtmissbrauchs heute noch gibt, dann müsste es ein leichtes sein, Fälle zu recherchieren, die nicht 38 bzw 25 Jahre (!!!) alt sind und sich sämtlich um ein und denselben Mann drehen.

        Wenn diese mutmaßlichen Fälle das einzige sind, was monatelange intensive Recherchen in Deutschland zu Tage fördern, dann sollten Sie zumindest die Möglichkeit gedanklich zulassen, dass es zwar sicher Machtmissbrauch gibt, den gibt es überall, aber vielleicht kein branchenweites System, dass eine derartige Kampagne rechtfertigen würde.

        Mir ist schon klar, dass wir alle mehr oder weniger daran glauben wollen; ist es nicht schrecklich? So hat man sich das doch immer schon vorgestellt.. Die armen Frauen! Sie wollen alle nur unschuldig ihrer Passion nachgehen und Karriere machen, während die Männer sie als bloße Sexualobjekte ansehen.

        Das ist eine sich progressiv gerierende Sichtweise, die in Wirklichkeit doch nur die allerältesten Beschützerinstinkte anspricht und notwendig darauf angewiesen ist, dass die Frau ein Opfer ist und sonst nichts. Na wenn das mal nicht modern ist..

      4. noch einmal zu G.v.G, 30.1., 23.28Uhr:

        „… zeigt es ganz deutlich, dass Fischer nicht imn geringsten verstanden hat, worum es überhaupt gehet…Es geht um ein System des Machtmissbrauchs, der Abhängigkeiten und ihrer Ausnutzung, um Drohung und Erpressung und um ein Kartell des Schweigens. Und das nicht nur in der Filmbranche, sondern dieses System hat sich überall etabliert. Es geht hier auch nicht darum, Wedel zu jagen… Wedel ist durch sein Verhalten nur das treffende Beispiel um dieses System des Machtmissbrauchs verständlich zu machen. Und wenn man das System zu Fall bringen will, muss man irgendwo anfangen, die Wedels gibt es überall und dieses System wird von sehr vielen getragen und unterstützt. Auch von den Medien, die sich an solche Typen heranschmeissen.“

        Ob und was ich „nicht im Geringsten verstanden“ habe, sei einmal dahingestellt. Ihre Analyse, dass es um ein „System“ gehe, das von vielen getragen und unterstützt werde, auch von den Medien, kommt mir allerdings irgendiwe bekannt vor, so als hätte ich kürzlich irgendwo etwa in diser Richtung gelesen…

        Zu „Wedel als Beispiel“: Schön und gut, aber hätte man nicht vielleicht einen etwas aktuelleren Beispielsfall als verjährte Fälle aus den Jahren 1975, 1980 und 1990 finden können? Am Ende gar bei der Presse selbst?

        Und, einmal ernsthaft: Haben Sie Ihre eigenen Erkenntnisse über das System, das es „überall gibt“ und „überall ausgebreitet ist“, ganz neu durch die Wedel-Veröffentlichung gewonnen? Sind Sie sehr überrascht davon, dass es auch 1980 in Deutschland existierte? Kennen Sie irgendjemanden, der bis zum 4. Januar 2018 dachte, in Deutschland seien „Hollywood“-Usancen nicht möglich?

        Ich kritisiere doch nicht, dass über die Beschuldigungen gegen Wedel berichtet wird. Ich kritisiere nur, WIE darüber berichtet wird, dass sich die Zeitung, die andere medien dafür stets (zu Recht) kritisierte, in die Rolle einer „Ermittlungsbehörde“ begibt und wie vollständig unkritisch sie mit sich selbst – in jeder Hinsicht – dabei umgeht.

        „Verbrechen zu verfolgen und zu bestrafen, ist Sache der Justiz, nicht einer (ZEIT_)Autorin“ – Das schrieb am 18.11.2017 die stellvertretende Chefredakteurin der ZEIT auf ZEIT-Online gegen eine Kollegin aus der dortigen Redaktion.

        Ich fand das damals richtig und sehe das auch heute noch so.

      5. Zu Fischer, 31.01. 13:58
        Ich denke mal, Sie kennen mich mittlerweile soweit, dass ich manchmal provoziere um Reaktionen hervorzulocken.
        Aber zu Ihrer Replik.
        Was Sabine Rückert am 18.11.2017 schrieb und damit auch eine ihrer Autorinnen öffentlich kritisierte, war richtig. Da sind wir absolut einer Meinung. Die Verfolgung und Ahndung strafrechtlich relevanter Taten obliegt ausschließlich der Justiz. Es ist nicht Aufgabe der Presse, der Medien über jemanden, egal, was ihm vorgeworfen wird, im juristischen Sinne zu richten, oder ein abschließendes Urteil zu fällen. Daran hält man sich leider nicht sehr oft und deshalb ist Ihre Kritik daran vollkommen berechtigt. Unsere Aufgabe als Journalisten ist es, Fakten zusammenzutragen, darüber zu berichten, aber möglichst neutral und wertfrei. Aber nicht zu urteilen. Das kann man in einem persönlcihen Kommentar machen, aber dann ist es auch nur eine einzelne Meinung desjenigen, der ihn schreibt.
        Sie werfen Annabel Wahba mehr oder weniger vor, sie hätte eine Grenze überschritten, als sie Dieter Wedel als ’schuldig‘ bezeichnet hat. Jetzt ist der Ausdruck ’schuldig‘ mit Sicherheit nicht geschickt gewesen, aber ich persönlich bin mir sicher, Sie meinte damit etwas ganz anderes, nämlich, dass sie von dem, was sie und ihre Kolleginnen und KOllegen da recherchiert haben, ausreicht, um diese Verdachtsmomente gegen Wedel zu veröffentlichen. Ich behaupte das deshalb so konkret, weil ich mit ihr vor dem zweiten Dossier in der Zeit mehrere Gespräche geführt habe in denen es um einen Fall ging, in dem ich in der causa Wedel selbst involviert war und dieser Fall ihrer Akribie und ihrer journalistischen Professionalität zufolge nicht zu einer Erwähnung kam, weil viel zu viele Fragen offen blieben. Eine Entscheidung, die ich absolut richtig finde und die mir persönlich eher bestätigt, dass es ihr nicht um Wedel, also einen einzigen geht, sondern um das System, das dahinter steckt und den vielen Wedels ihren Spielraum gegeben hat und auch noch gibt.
        Sie fragen, ob man nicht besser aktuelle Fälle hätte heranziehen sollen, als solche aus den 70/80/90ern, die im Prinzip vor einem Zugriff und Aufklärung durch die Justiz verjährt sind. Der Einwand ist schon richtig, aber wir haben keine im Moment. Aber weder der Umstand, dass sich jetzt niemand zu Wort meldet, noch dass die Fälle, die jetzt zur Sprache gekommen sind, bedeuten ja nicht, dass es nicht tatsächlich so geschehen ist. Sollen wir deshalb besser schweigen? Das sogenannte ‚Kartell des Schweigens‘ funktioniert ja heute noch. Ich persönlich sehe es an meiner eigenen Facebook-Seite. Ich habe da nur einen sehr kleinen, übersichtlichen Kreis an sogenannten ‚Followern‘, viele kenne ich von früher noch persönlich, weil sie aus der Branche kommen, die jetzt derart unter Beobachtung steht. Die ‚liken‘ und kommentieren jeden Mist, den ich da manchmal absetze, nur bei diesem Thema ist absolute Sendepause. Da kommt nicht einmal ein Widerspruch. Da gehen, bis auf ganz wenige Ausnahmen, alle in Deckung. Das kommt nicht von ungefähr. Die, die sich jetzt aus der Deckung wagen und Verhaltensweisen und Strukturen öffentlich machen, bekommen wenig Beifall, aber dafür jede Menge auf die Birne. Und sie riskieren dadurch auch heute noch ihre Jobs.
        Sie fragen, ob ich erst durch den ersten Zeit-Artikel auf den ‚Trichter‘ gekommen wäre. Nein, mich haben weder die Nachrichten über Weinstein überrascht, noch die jetzt, über Wedel. Und ich rechne auch damit, dass das nicht alles ist.
        Und da muss ich jetzt ausholen und auch persönlich werden. Weniger überrascht deshalb, weil ich während meiner aktiven journalistischen Tätigkeit vorwiegend als sogenannter Filmjournalist tätig war, überwiegend mit Fokus auf Interviews. Damals gehörte Filmkritik und was dazu gehörte noch zum Ressort Kultur und nicht, wie heute zu Klatsch und Tratsch. zumindest bei den Medien für die ich gearbeitet habe. Und mich hat auch nie der Glamour interessiert, sondern ich wollte immer wissen, wer der Mensch hinter diesen Masken ist. Was nicht immer funktioniert, weil man da bei vielen eine Schutzmauer durchbrechen muss. Das gelingt nicht immer beim ersten Mal, sondern braucht Zeit und mehrere Gespräche.
        Hat man die Mauer dann irgendwann mal geknackt, dann kann es passierenj, dass man als Journalist plötzlich vor der Frage steht, ob man das, was einem da erzählt wurde, überhaupt noch veröffentlich kann, weil es dermaßen privat ist, dass man es in dem Rahmen, in dem es veröffentlicht werden soll, dem Leser, dem Zuschauer nicht ohne weiteres verständlich machen kann. Das sind uns Journalisten, die an der sogenannten ‚Front‘ arbeiten, Grenzen gesetzt, sondern das ist ein Problem, das in den Chefredaktionen geklärt werden muss.
        Ich bin mit Machtsystemen sehr früh konfrontiert worden. Weniger persönlich, entweder gehörte ich als Mann dazu, oder ich habe mich, wenn es mich persönlich traf, auf meine Weise gewehrt. Aber ich habe sie sehr früh mitbekommen, zum Beispiel, als ich miterlebte, wie meine ältere Schwester sich in den 70ern bis zu einem leitenden Redakterusposten in einem öffentlich-rechtlichen Sender regelrecht durchkämpfen musste um dann irgendwann, als sie den dann innehatte, festzustellen, dass es für sie und ihre Zukunft besser ist, die Reißleine zu ziehen, den lukrativen Posten aufzugeben und sich selbstständig zu machen, statt sich nur noch aufzureiben.
        Ich habe, um wieder auf das eigentliche Thema zurückzukommen, sehr viele Interviews mit Frauen geführt, weil mich gerade diese Machtstrukturen in der Branche interessiert haben. Vor allem mit Schauspielerinnen, aber mehr mit Produzenten und Produzentinnen und Regisseurinnen in Hollywood. Eines ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben. Mit Kathryn Bigelow vor langer Zeit, zu ‚Strange Days‘. Sie beschrieb Hollywood als ‚pigsty‘. Auf gut deutsch ‚Schweinestall‘ und führte aus: ‚Der einzige Unterschied, die Schweine laufen auf zwei Beinen, grunzen wie Schweine und benehmen sich wie Schweine.‘ Ich habe mehrmals nachgehakt, was sie konkret damit sagen will, aber mehr als ein ‚Ich denke, Sie verstehen, was ich damit sagen will‘ war damals nicht aus ihr rauszuholen. Es wurde damals viel über die Machtstrukturen in den Systen gesprochen, aber auf einem anderen Level. Es ging damals vor allem um die ‚Gleichberechtigung‘ um ‚Chancengleichheit‘ zwischen Frauen und Männern. Vorwürfe sexueller Übergriffe gab es zu dem Zeitpunkt nicht, was aber nicht heißt, dass es sie nicht gegeben hat, sondern dass die Zeit dafür einfach noch nicht reif war.
        Es gibt ein paar der Kollegen von damals, die mittlerweile hinterfragen, ob sie damals alles richtig gemacht haben, ob sie wirklich genau hingesehen haben und ob sie es möglicherweise nicht falsch interpretiert, bzw eingeordnet haben, was da vor ihren Augen ablief. Dazu zähle ich mich auch. Aber wir hätten es damals, solange sich jemand nicht konkret uns gegenüber geäußert hätte, nicht bringen können und selbst dann wäre es zur damaligen Zeit ein äußerst problematisches Unterfangen gewesen. Die Frauen, die sich damals, egal wo, ob in Hollywood, in Frankreich, in Deutschland, getraut hätten mit so etwas zu einer Staatsanwaltschaft oder in die Öffentlichkeit zu gehen, wären von der Presse regelrecht hingerichtet worden. Das ist etwas, was zum Beispiel eine Frau Friedrichsen immer noch nicht nachvollziehen kann. Wie Wedel sich an den Sets damals aufgeführt hat, war allgemein bekannt. Auch seine diversen Affairen. Darüber wurde auch damals schon geschrieben und man hat es als immer als kleine entschuldbare Eskapaden eines ‚genialen‘ Regisseurs verkauft. Weinsteins Macht war bekannt und auch immer irgendwie Gespräch. aber keiner hat damals auch nur im Ansatz in Erwägung gezogen, was da mögtlicherweise hinter verschlo9ssenen Türen geschah. Wir wussten es einfach nicht. Also haben wir auch nicht darüber konkret geschrieben.
        Die Reaktionen von Journalisten sind sehr verschieden, während ein Tobias Kniebe sich in der Süddeutschen vor einiger Zeit noch Gedanken darüber machte, ob er ein Verhalten eines Weinstein gegenüber einer französichen Schauspielerin in Cannes richtig interpretiert hat, versucht ein Claudius Seidel, damals unter Insidern bekannt als einer, der mit allen Mitteln die Nähe zu den heute im Fokus stehenden Personen suchte und es immerhin zum Kulturchef der FAZ geschafft hat, sich mit einem sehr durchschaubaren Kommentar zur derzeitigen Debatte selbst zu entlasten, haben andere heutzutage immer noch nichts anderes zu tun, als sich nach sogenannten Interviews, die heutzutage mehr nichtssagende MIni-Pressekonferenzen sind, mit den sogenannten ‚Talents‘ freudestrahlend Arm in Arm ablichten zu lassen. Da sollten Sie eigentlich froh sein, dass es noch solche Journalisten gibt, wie um Annabel Wahba und Jana Simon, die sich von so etwas nicht beeinflussen lassen.

    2. Sie geben sich viel Mühe, meine angebliche „Beweiswürdigung“ zu wiederlegen. Sie übersehen dabei, dass ich ausdrücklich geschrioeben hatte, dass ich weder eine Beweiswürdigung vornehmen noch die der ZEIT beurteilen will – es geht mir schlicht und ergreifend nicht darum.

      Um den Sinn meiner Kritik zu verstehen, müssen Sie kurz aus dem „Zug“ aussteigen, der mit dem Ziel eines „Urteils der Leser“ unterwegs ist.
      Ich kritisiere nicht, dass die ZEIT keine gerichtliche Beweiserhebung und -würdigung dokumentiert, sondern dass sie so tut, als könne sie das oder habe es getan: Man habe „nach den Grundsätzen der Ermittler“ gearbeitet, berichtete sie. Und nun ist man „überzeugt“, dass Wedel schuldig ist, „überlässt das Urteil aber dem Leser“.
      Das ist erstens offenkundig nicht zutreffend, zweitens ziemlicher Unsinn: Wem denn sonst sollte man als Zeitung irgendetwas „überlassen“? Und was für ein „Urteil“ soll der Leser den fällen? Doch wohl offensichtlich das, ob Wedel schuldig ist oder nicht. DIESES Urteil sollen – so die Mitautorin Wahba“ – die Leser fällen.

      Lesen Sie mal probeweise die Philippika der ZEIT-Chefredaktion vom 18.11. auf Zeit-Online gegen die eigene Kollegin : „Soll das Journalismus sein?“ Sie gipfelt in den schönen Sätzen:

      „(Wollen) Sie irgendwelche Namen öffentlich (machen)? Mit welchem Recht? Und wo? In der ZEIT? (…)…
      ‚Ich will, dass Ihr Euch ändert!‘ Ein großes Wort. Klingt nach Tugendtribunal. Ist Erpressung und Rufmord jetzt eine neue Art des Journalismus? (…)
      Verbrechen zu verfolgen und zu bestrafen, ist Sache der Justiz. Nicht der Autorin W.“
      Gut gesagt, finde ich.

      Und der eigentliche Kern meiner Kritik liegt sowieso ganz woanders und wird (hier) überhaupt nicht beachtet und diskutiert: Dass das „System“, in dem sich die skandalisierte Struktur von macht und Machtlosigkeit, Abhängigkeit und Missbrauch reallisiert, nicht vor 38 Jahren von Herrn Wedel erfunden wurde, sondern von genau derselben Presse, die erst jede erfolglose Schauspielerin als „Sternchen“ verhöhnt und sich dann über ihre Machtlosigkeit echauffiert oder rührende Geschichten über ihr „verpfuschtes“ Leben produziert.
      Das ist den Opfern nicht vorzuwerfen!
      Aber die Presse – gerade die „Qualitätspresse“ mit hohem Anspruch – müsste es m. E. unbedingt reflektieren. Wer im November über „Stars und Sternchen“ faselt und im Januar enthüllt, dass Schauspieler-Anfängerinnen vor 25-45 Jahren Opfer von brutalen Machtverhältnissen geworden seien, hat – finde ich – ein gewisses legitimatorisches Glaubwürdigkeitsproblem mit sich selbst.

    3. Interpretieren Sie gern vogelwild, und wie Sie es gern hätten. Es steht mir nicht zu beurteilen, warum Sie der Kritik und den Zweifeln von TF nicht folgen können. Ich möchte aber darauf hingewiesen haben, dass „juristische Scheuklappen“ grundsätzlich ziemlich sinnvoll für eine rechtliche Beurteilung sind. Ironischer Weise hat TF der Zeitautorin als stellvertretendes Beispiel der Presse jedoch vorgehalten, sie gäbe vor, sich gerade strikt um eine juristische Scheuklappensicht bemüht zu haben, während die von ihr mitgeteilten Tatsachen diesem angeblichen Bemühen ganz offensichtlich widersprechen. Zur Verdeutlichung hat er beispielhaft dazu erläutert, welche sich möglicherweise aufdrängenden Fragen erst zu beantworten wären, um dem Anspruch der juristischen Scheuklappen gerecht zu werden. Die Kritik von TF nimmt das Beispiel Zeit/Wedel allerdings nur exemplarisch zum Anlass, darauf hinzuweisen, dass es die Presse selbst war und ist, die Wedel um der lieben Auflage willen zum Star über die zu ihm aufschauenden Sternchen überhöhte und die nunmehr meint, die Sternchen der lieben Auflage wegen auch gleich noch mal zu gebrauchen.

      Schön haben Sie jedoch dargelegt, welche An- bzw. Abhängigkeitsverhältnisse in der Schauspielbranche gegeben sind. Nur sollten Sie sich fragen, warum Sie allein sich diese Tatsachen bisher bewusst waren, und warum die Zeit, deren Autorin und die sonstigen derzeit so tapferen #meetoo-Aufklärer innerhalb der Presse davon derzeit so schlagartig überrascht wurden.

  17. Thomas Fischer kann brillant schreiben, schießt aber meist deutlich übers Ziel hinaus, was man bereits an der Länge seiner Texte erkennen kann. Sein Beitrag kommt diesmal nicht nur wie gewohnt selbstverliebt-ausschweifend, sondern leider auch reichlich wirr daher.
    Fischer hat zwar grundsätzlich recht, wenn er kritisiert, dass mitunter im Indikativ geschildert wird, was in den Konjunktiv gehörte. Das ist in nicht bloß nachrichtlichen Texten aber vor allem der Lesbarkeit geschuldet. Die journalistische Abwägung zwischen fachlich korrekter und lebendig-verständlicher Sprache ist immer heikel.
    Ich habe mich gefragt, welche Form der Berichterstattung über den „Fall Wedel“ Fischers überzogenen Anforderungen genügen würde. Ich vermute: gar keine.

    1. DAS ist natürlich ein echt starkes Argument:
      „was man bereits an der Länge seiner Texte erkennen kann.“

      Es legt ein wenig nahe, SIE könnten dadurch ein wenig überfordert sein.

      Was ist denn – um nur mal ansatzweise sachliche Kritik von Ihnen aufzunehmen – eine „überzogene Anforderung“ Fischers?

      1. Liebe Imme,
        ich stelle fest, Ihre mütterlichen Instinkte für den werten Kolumnisten sind nach wie vor unerschütterlich präsent.
        Würde man nach Fischers Anforderungen vorgehen, dann bräuchte man eigentlich gar nicht erst anzufangen, zu recherchieren.
        Die hier kritisierten Journalistinnen, haben, und das weiß ich ich, jeden Hinweis zig Mal gegengecheckt, überprüft und versucht, das Puzzle zusammenzusetzen. Wenn ein Teilchen nicht hingepasst hat, haben sie auch da nachrecherchiert, Fischer wirft Annabell Wahba zum Beispiel vor, sie wäre von dem, was sie an überprüften Fakten zusammengetragen hat, überzeugt. Aber genau diese Überzeugung gehört zur sauberen journalistischen Arbeit. Wenn ich nicht überzeugt bin, von dem, was man mir vorlegt und erzählt, dann bringe ich es nicht. Überzeugung bedeutet nicht Vorverurteilung. Ich hoffe mal, Sie haben das letzte Dossier gelesen und auch den ersten Artikel, denn sonst bringt es nichts. Sauberer kann man als Journalist nun wirklich nicht mehr arbeiten als es die Betroffenen gemacht haben. Was Fischer hier an Gegenargumenten konstruiert, ist völlig aus der Luft gegriffen. Ich denke, im Prinzip weiß er das auch. Er behauptet zwar, den verfahrenstechnischen Maßstab an eine Beweisführung, die zu einem Urteil führen soll, nicht anzulegen, aber legt ihn an. Nur haben wir es hier nicht mit einem Gerichtsurteil zu tun, sondern mit der Form der Berichterstattung über Verdachtsfälle, in dem Fall gravierende Fälle. Die Journalisten, die an den beiden Artikeln gearbeitet haben, haben kein Urteil gefällt, sondern nur die Fakten zusammengetragen und in einen Zusammenhang gebracht. Wedel hätte ausführlich Stellung nehmen können. Zu jedem einzelnen Punkt. Auch das gehört zur professionellen Arbeit.
        Wenn man schon die juristische Fixierbrille aufsetzt, dann muss man das, was die Zeit gemacht hat nach medienrechtlichen, aber nicht nach strafrechtlichen Gesichtspunkten betrachten.

      2. „Wenn ein Teilchen nicht hingepasst hat, haben sie auch da nachrecherchiert.“

        Oh. Verstehe…

        Ihren weiteren luftigen Ausführungen möchte ich indes nicht antworten.
        Ihre Meinung sei Ihnen unbenommen.
        Jedoch: Es fehlt an Belegen für Ihre Behauptungen.

      3. @Georg von Grote: Natürlich sind Journalisten – und Menschen ganz allgemein – überzeugt von dem Narrativ, dass sie sich zurechtgelegt haben. Wären sie es nicht, würden sie ein anderes Narrativ wählen („möglicherweise lügt die G. aus eigennützigen Gründen und die anderen machen mit, weil sie nach Aufmerksamkeit gieren“). Und sie würden die Puzzlesteine anders auswählen und anordnen. Merke: Es gibt keine ‚ungeframte ‚ Interpretation der Realität!

    2. Wirr oder nicht wirr – Das mag im Auge des Betrachters liegen.

      Die immer heikle Abwägung zwischen Indikativ und Konjunktiv haben Sie vorbildlich gelöst mit Ihrem Halbsatz „… wenn er kritisiert, dass mitunter im Indikativ geschildert wird, was in den Konjunktiv gehörte.“ Das ist ein einleitender Indikativ („kritisiert“), dann ein Indikativ, der eigentlich ein Konjunktiv sein müsste („geschildert wird“), und zur Krönung ein Konjunktiv, der sich als Indikativ getarnt hat („gehörte“).
      Wunderbar, flüssig, lesbar und kurz!

      Man darf sich schon auf Ihren nächsten Beitrag freuen, in dem Sie dann gewiss zu inhaltlichen Fragen übergehen werden.

    3. ZU Mahlow, 30.01, 20.21 Uhr:

      Ihre inhaltliche Ausführung sehe ich – sorry – leider erst jetzt.
      Sie schreiben:
      „Die hier kritisierten Journalistinnen, haben, und das weiß ich ich, jeden Hinweis zig Mal gegengecheckt, überprüft und versucht, das Puzzle zusammenzusetzen. Wenn ein Teilchen nicht hingepasst hat, haben sie auch da nachrecherchiert, Fischer wirft Annabell Wahba zum Beispiel vor, sie wäre von dem, was sie an überprüften Fakten zusammengetragen hat, überzeugt. Aber genau diese Überzeugung gehört zur sauberen journalistischen Arbeit. Wenn ich nicht überzeugt bin, von dem, was man mir vorlegt und erzählt, dann bringe ich es nicht. Überzeugung bedeutet nicht Vorverurteilung.“

      Ich glaube, Sie verwechseln hier TourismusMarketing mit Qaulitätsbeschriebungen von „Verdachtsberichterstattung“. Was Sie dazu schreiben, ist schlichter Unsinn.
      Im Übrigen wirft Fischer weder Frau Wahba vor überzeugt zu sein, noch vermag irgendjemand nachzuvollziehen, woher Sie wissen, wie oft irgendjemand etrwas „gegengecheckt“ hat. Und vor allem: Was das im Zusammenhang mit dem Text, den Sie kritisieren, überhaupt in der Sache bedeuten soll.

      Sagen wir es einmal etwas Tourismus-Marketing-Mäßig: Wenn jemand kritisiert, dass in einem Öffentlich-rechtlichen Sender versteckte Werbung für ein Hotel gemacht wird, kann man diese Kritik nicht dadurch widerlegen, dass man versichert, das Haus sei wirklich super, das habe man persönlich überprüft.
      Es wäre schön, wenn Sie verstehen würden, was ich damit sagen will.

  18. ZEIT & Co sprechen bei öffentlichen Messermorden für gewöhnlich vom „mutmaßlichen Tätern“.
    Wedel soll zum exemplarischen Monstermann weißer Hautfarbe aufgeblasen werden, um die zahlreichen Opfer des Migrationsregimes zu überdecken. Rassismus aus Selbsthass. Dekadent, ideologisch, pathologisch, nekrotisch.

      1. Das verkünden Sie mal besser den ZEIT-Autorinnen beim nächsten white male bashing – so Sie überhaupt in die Echokammer vordringen.

    1. Lieber Herr Fischer, in der Vergangenheit mochte ich Ihren glasklaren Verstand und die messerscharfe Ironie Ihrer Kolummnen, nun jedoch bin ich entsetzt und enttäuscht. Selbst seit 30 Jahren in der Theaterbranche unterwegs , also eine Insiderin, – und ich kann Ihnen versichern, dass es einen grossen Interschied zwischen „Sternchen“ und Kunst gibt. Die Künstlerinnen, die mit Herrn Dr. Wedel gearbeitet haben, waren allesamt studkerte und gut ausgebildete Diplom-Schauspielerinnen, dieser Weg ist hart und schwer, und haben nichts mit einem halbseidenrn Kitschsternchen a la Marlene Dietrich zu tun. Sie verfallen in Ihrem Text leider Ihrem eigenen Klischee. – Es ist auch bezeichnend, dass viele Menschen Ihrer Generation ( von Ingrid Steeger bis Catherine Deneuve und nun auch Sie) , die Meetoo- Entwicklung in Frage stellen und Geschehnisse verharmlosen oder nicht wahrhaben wollen..vielleicht, weil Ihnen die Unterdrückung jnd Ungleichheit der Geschlechter in Fleisch und Blut übergangen ist. – Bitte gehen Sie in sich und versuchen Sie, etwas aufgeschlossener zu sein. – Aus meiner eigenen Erfahrung ist/war der Machtmissbrauch in unserer Branche Alltag, wobei Dr. Wedel durchaus der Beserker ( ja, wenn sich ein junges Mädchen zu wehren versucht, kann es zu Schlägen des Kopfes an verschiedenen Stellen des Raumes kommen, Esther G. trug auch noch drei Wochen später einer Halskrause (!) bei des Proben, haben Sie den Text überhaupt gründlich gelesen??) der Branche war/ist. Und darum nun als Beispiel nach Vorne kommt. Aber er liebte es ja schon immer, die Nr.1 im Ramprnlicht zu sein. Alles schönnach dem Gesetz von Ursache und Wirkung

      1. Da haben Sie Herrn Fischer missverstanden. Er kritisiert, dass Medien Schauspielerinnen gerne das Label ‚Sternchen‘ anhängen und generell gerne das System der öffentlichen Häme und Erniedrigung bedienen um Geld zu verdienen, und dass die plötzliche Kampagnenempörung über Jahrzehnte zurückliegende mutmaßliche Fälle ohne jede Reflexion (mindestens) reichlich bigott wirkt.

      2. Was Herr Fischer verinnerlicht hat oder nicht weiß ich im Übrigen nicht, Sie allerdings scheinen jedenfalls die Schuld Wedels bereits verinnerlicht zu haben und schildern die Anschuldigungen der Zeit als unverrückbare Tatsachen. Das sind sie aber nicht.

        Wie, die Beweise sind aber doch erdrückend, sagt die Zeit? Nun, da sind wir dann wieder genau bei Herrn Fischers Kritik.

        Es ist Ihnen unbenommen sich als Brancheninsiderin mit Erfahrung die Anschuldigunge gut vorstellen Zu können. Aber macht es Sie gar nicht stutzig, dass monatelange Recherchen und große öffentliche Aufmerksamkeit bei einem angeblich umfassenden Missbrauchssystem nur zur ‚Entdeckung‘ jahrzehntealter Fälle zu sämtlich ein und demselben Mann führen?

      3. Danke für Ihre Kritk.
        Aber ich glaube, dass Sie mich wirklich missverstehen.

        Zunächst allerdings einmal ein wenig Gegenkritik: Ihre versicherung, dass „Sternchen“ kekine künstlerinnen seien, sondern etwas viel Geringeres, wiederholt auf geradezu exemplarische Weise, was ich kritisiere: Ein System von Erniedrigung von Frauen, die als „minderwertiges Material“ angesehen werden.
        Ich will Ihnen nicht unterstellen, dass Sie meinen könnten, man dürfe studierte Künstlerinnen nicht sexuell nötigen, wohl aber „Sternchen“. Ich weise nur darauf hin, dass die Abgrenzung zwischen beidem eine rein wollkürliche, außengesteuerte und chauvistische ist. Das ist doch gerade der Kern meiner Medien-Kritik!

        Ihre Beweiswürdigung in Sachen Wedel können Suie halten, wie Sie wollen, das ist – ich sagte es bereits mehrfach – nicht mein Thema.

        Frage: Wissen Sie, wer Jan Herzog ist? Jan herzog ist die Titelfigur einer fünfteiligen TV-Serie von Wedel. Es handelt sich um den „Drahtzieher der Frankfurter Unterwelt“, einen mafiösen Gangsterboss. Der Film endet damit, dass zweiverdeckte Ermittller plus eine Frau, die ihm auf der Überführungs-Spur sind, mittels einer Autobombe ermordet werden. Wikipedia beendet die Inanhtszusammenfassung so: „Es bleibt offen, ob Herzog am Ende angeklagt oder sogar verurteilt wird“.

        Mit dem Titel-Namen dieses über Leichen gehenden Gangsterbosses hat die ZEIT am 25. Januar ihr „Dossier“ überr Wedel überschrieben und Wedels Foto untertitelt – in Großdruck und mit „Schatten“-Foto. Das ist, nach allen mir bekannten Maßstäben des Journalismus – eine öffentliche soziale Hinrichtung.

        Die stellvertretende Zeit-Chefredakteurin schrieb am 11. 1.: „Wir haben uns das Vorgehen von Ermittlern zum Vorbild genommen und anschließend das Ergebnis … gewürdigt. Danach mussten wir das Tatgeschehen für hochwahrscheinlich halten. Daher (!) berichten wir.“
        Und die Autorin Wahba erklärte: „Wir sind … durch erdrückende Beweise zu dem Ergebniss gekommen, dass wir diese Frauen für glaubwürdig halten und dass wir deshalb (!) darübnher berichten wollen.“

        Diese anmaßende Haltung zu kritisieren und darauf hinzuweisen, dass die Beteurerung des eigenen Verfolgungseifers nicht Aufgabe der seriösen Presse ist, ist mein Anliegen. „Verbrechen zu verfolgen und zu bestrafen, ist Aufgabe der Gerichte, nicht einer (Zeit)-Autorin!“, wurde kürzlich eine ZEit-Online-Redakteurin außerst ungnädig öffentlich zurechtgewiesen – von der stellvertretenden Chefredakteurin.

        Es scheint wirklich schwer zu sein, diese (meine) Kritik überhaupt noch zu verstehen, im Rausch der Ermittlung, Beweiswürdigung und des guten Willens. Und am Ende rechtfertigt ja der Erfolg stets das Mittel: Ohne „Schattenmann“-Vorverurteilung keine „Task-Force“ und keine Intendanten-Krisensitzungen. (Ich war übrigens früher einmal mit einer der ihm untergebenen Nebenfrauen eines Intendanten befreundet: Auch keine schönen Geschichten.)

        Heute hat die ZEIT ja in Sachen Hitchcock nachgelegt; auch mögliche Verbrechen Picassos werden kurz an-ventiliert. Zur Beweislage in Sachen sexuelle Nötigung von Tipi Hedren wissen wird zur Zeit noch nichts Näheres. Aber man könnte vorerst ja mal ein Foto Hitchcocks mit der Überschrift „Der Obsthändler“ halbseitig drucken. Für Nicht-Hitchcock-Bewanderte: Das ist der Obsthändler Bob Rusk in „Frenzy“.

      4. Danke, Herr Fischer, für Ihren Hinweis auf den Inhalt und das Ende des Films.
        Neben dem ohnehin sprechendenden Titel des Dossiers fiel mir am Foto sofort Wedels Körperhaltung (Hände!) auf. Sehr perfide.

  19. Lieber Herr Fischer,
    danke für diesen Text, der sich für mich als Versuch ihrerseits darstellt, die Rolle der Medien im Fall Wedel exemplarisch zu beleuchten; diese Medien, die sich in diesem Fall ja, wie Sie sagen, der schweren Aufgabe zugewandt haben, „Polizist, Staatsanwalt, Richter, Systemerklärer und Rechtspolitiker“ gleichzeitig zu sein. Toll die vielen Aspekte aus dem Fachbereich Recht, die Sie hier sehr anschaulich darlegen, sind dies doch wertvolle Informationen, die einem als fachunkundige Person nicht so einfach zugänglich sind.
    Bemerkenswert auch Ihre unermüdlichen Versuche hier im Kommentarteil den vielen Angriffen zu begegnen und Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Da kann man schon machmal verzweifeln. Andererseits ist die Materie hoch komplex und der Laie tut sich verständlicherweise schwer, von der Vorverurteilung abzusehen, wenn er doch von den Medien alles so vermeintlich wasserdicht serviert bekommt. Dann noch zu verstehen, dass dies genau Ihr Anliegen ist, einen davor zu warnen, in diese Falle zu tappen, macht die Verwirrung in den Köpfen tragischerweise manchmal noch grösser. Und das, wo die meisten doch nur das Gute wollen, nämlich dass der Vergewaltiger bestraft wird.

    Bei dem ganzen Missfallen, das Ihre Erklärungsversuche hier zum Teil hervorrufen, musste ich spontan an ein Zitat Arthur Schopenhauers denken, dass hier, glaube ich, ganz gut passt:

    „Nichts ist verdrießlicher, als wenn man mit Gründen und Auseinandersetzungen gegen Jemanden kämpft,
    in der Meinung, es mit Verstande zu tun zu haben,
    bis man entdeckt, daß man es mit seinem Willen zu tun hat,
    der sich verstockt der Wahrheit verschließt.
    Dann freilich sind Gründe gegen den Willen angewandt
    wie eine Saat auf kahlem Felsen gesät, leichte Pfeile gegen einen Panzer gebraucht, der Sturmwind gegen den Lichtstrahl.“

    In diesem Sinne erhoffe ich von Ihnen, (trotzdem) noch viele so interessante Einblicke in die rechtliche Beurteilung solcher Fälle zu bekommen. Gerade auch weil sie natürlich gesellschaftlich äusserst kontrovers sind.

  20. Ich bin ja in der Regel sehr angetan von Fischers Kolumnen, übrigens auch und besonders, als es um die Vorgänge der Kölner Silvesternacht ging, die ja „witzigerweise“ in der deutschen Männerwelt so ganz andere Reaktionen hervor riefen als jetzt die #metoo-Debatte. Aber da ging es ja auch um „unsere“ Frauen, die da von „Negern“ und „Nafris“ begrapscht wurden.
    Im Prinzip zeigt er mit seiner angeblich so nötigen Befragung (durch JournalistInnen(?)) genau auf, warum so viele Frauen eine Vergewaltigung nicht anzeig(t)en (zu denen ich übrigens auch gehöre).
    Zu der Demütigung durch die Tat ( und den anschließenden Selbstvorwürfen, zu naiv, zu gutgläubig gewesen zu sein, vielleicht unbewusst Zeichen gesendet zu haben etc.) kommt dann die Demütigung durch solche Befragungen, ärztliche Untersuchungen, die neuerliche Begegnung mit dem Täter etc.
    Ich habe nun tatsächlich nur das Zeit-Dossier „Der Schattenmann“ gelesen und ich sehe da vor allem einen Psychopathen (bekanntermaßen tummeln sich ja besonders viele sehr weit oben im Management und ähnlich angesiedelten Positionen, offenbar eine Voraussetzung, überhaupt dahin zu gelangen) und ich sehe auch keinen Grund, die Aussagen der Frauen und ihrer Zeuginnen und Zeugen anzuzweifeln.
    Dass da andere Blätter und Medien gerne ihr ekliges Süppchen mit kochen an solchen Skandalen, ist leider wahr und dass es TrittbrettfahrerInnen gibt, gehört scheinbar zu jedem medialen Ereignis, das sich um solche und ähnlich verachtete Taten dreht.
    Wobei, Vergewaltigung ist ja nun noch nicht wirklich lange eine verachtete Tat. (z.B. Vergewaltigung in der Ehe)
    Ich jedenfalls kann mich an so niedliche Begriffe wie „vergewohltätigen“ (bruhaha) in meiner Jugend erinnern und selbst in jetzigen „Diskussionen zu diesem Thema kommen solche „Argumente“ wie, eigentlich sei das und sexuelle Belästigung (von denen ich auch einiges berichten könnte, vom Exhibitionisten, über Spanner, über Geschlechtsteil Reiben im Bus, über Versuch ins Auto zu zerren, abgesehen von all den üblichen Sprüchen und frauenfeindlichen Beschimpfungen z.B. im Straßenverkehr) ja eine Bestätigung der weiblichen Attraktivität dieser betroffenen Frau. Na, danke auch.
    Und übrigens, nein, ich lebe nicht im sozialen Brennpunkt und ich bin keine Borderlinerin, ich reiße nur an, was ich von Kind und Jugendliche an zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten in verschiedenen Situationen erlebt habe. Diese Unterstellungen kamen nämlich postwendend von Männern, als ich das mal andeutete.
    Da verzichtet man dann ja wohl lieber auf die Veröffentlichung seiner Erfahrungen und genau das zeigt, warum die Debatte wichtig ist.
    Sie betrifft eben keineswegs nur weiße Oberschichtfrauen, sie betrifft einen großen Teil aller Frauen und selbst diese Schauspielerinnen waren in der Zeit, in der ihnen das von Wedel zugefügt wurde, keine gesettelten Superstars, sondern in der Regel sehr junge und wahrscheinlich auch eher noch unsichere Frauen, weswegen die wohlfeile Feststellung, sie hätten sich doch zur Wehr setzen können oder das öffentlich machen (wie war wohl noch mal die Drohung Wedels(?)- und wie war das noch mal mit den Vertragsstrafen?) eigentlich auch nur zynisch ist.
    Und ja, Herr Fischer, es gibt Schweigespiralen, in vielen Bereichen und schockiert bin ich geradezu über Ihre Behauptung, die Zeugen seien allesamt „soziale Versager“. Tja, da hat sich dann eigentlich die Diskussion erledigt. Sie sind jedenfalls nicht neutral, wie Sie es von den Journalistinnen fordern und auch der „Sternchen“-Ausflug dient letztlich nur der Diskriminierung der Frauen, die ihre Erfahrungen berichten.
    Auch Ihr Kommentar zeigt, wie wichtig die Debatte ist.

    1. Sie haben einiges missverstanden.
      Ich kritisiere nicht, dass die Journalisten keine quasi-staatsanwaltschaftliche oder -gerichtliche „Befragung“ durchgeführt haben, sondern dass sie so tun und sogar ausdrücklich behaupten, sie hätten es getan.
      Es gibt 160 befragte Zeugen. Die Leser kennen bislang ungefähr 25 von ihnen, teils mit Namen, teils ohne Namen. Wer die übrigen sind und was sie sagten, weiß man nicht. Auch die „Protokolle“ der Vernehmungen kennt man nicht. So ist das halt bei einer jounalistischen Recherche.

      Vollkommen verfehlt ist Ihre Annahme, es liege mir daran, irgendwelche Taten zu verhamlosen.
      Missverstanden haben Sie meine Kritik an den (Dritt-)Zeugen. Wer wochen- und monatelang unmittelbar mitkriegt, wie andere Menschen verfolgt, gemobbt, gedemütigt und erpresst werden, bis zum „Zusammenbruch“, dagegen nichts (!) unternimmt und nach 38 Jahren (!) auf den Zug einer „Das-Schweigen-Brechen“-Kampagne springt, hat jedenfalls früher in seinem Sozialverhalten gradios versagt. Mehr ist nicht gemeint, weniger allerdings auch nicht.

      Tatsächlich nicht recht verstehen kann, dass die Aufklärungs- und Task-Force-Kampagne Taten zwischen 1975 und 1995 betrifft. Gleichzeitig wird behauptet, das System von Erniedrigung, Nötigung und Missbrauch sei bis heute weithin verbreitet. Warum wird denn nicht ein aktueller Fall angezeigt? Müssen die Opfer im Jahr 2017 oder 2018 immer weiter noch große Angst haben, dass ihnen niemand glaubt?
      Wenn aber diese Strukturen und Taten gar nicht bestehen: Welchen tieferen Sinn hat es dann, viele Seiten lang detailliert über (unbewiesene) Taten aus dem Jahr 1980 zu berichten?

      Könnte nicht manches Presseorgan einmal eine Task Force zur schonungslosen öffentlichen Aufdeckung des Frauen-Betreuungs-„Systems“ berühmter verflossener Chefredakteure gründen?

      1. O.k., dann habe ich das missverstanden, was die sozialen Versager anging.
        Ja, das sind sie womöglich, aber wissen Sie, das kenne ich aus dem Gesundheitswesen bei Mobbing auch. Da gibt es wenige, die einschreiten und das dürfte in allen anderen Bereichen ähnlich sein.
        Und was das Schweigen angeht: So kommt es ja dann auch zu den vielen Morden an Patienten, auch wenn viele schon lange mindestens einen Verdacht hatten, nur mal als Beispiel.
        Und ja, diese Debatte sollte tatsächlich erstens dazu führen, dass da endlich Licht ins Dunkel fällt, aber vor allem dazu, dass sich etwas ändert im Verhalten, auf allen Seiten.

        Ich bin keine Journalistin, aber dass aus 160 Zeugen 25 Zeugen für einen Artikel ausgewählt werden, wenn sich z.B. Zeugenaussagen wiederholen, halte ich eigentlich für normal.

      2. Wiedre ein kleines Missverständnis:
        Ja, es ist normal, dass Journmalisten von 160 befragten Personen nur 20 „präsentieren“.
        In einem Strafverfahren wäre es aber nicht „normal“, sondern ein schwerer Fehler. In einem Strafverfahren würde dem Verteidiger des Beschuldigten die Akte mit allen (!) Zeugenaussagen übersandt werden, damit der Beschuldigte umfassende Verteidigungsmöglichkeiten hat. Da würden auch nicht irgendweilche „Zusammenfassungen!“ aus „Auswahlen“ oder „Auszüge“ von einzelnen Aussagen drinstehen, die allesamt auf die Beschuldigung hin ausgewählt und zusammengestellt wurden. Das alles ist in einem öffentlichen Zeitungs-Prozess“ von vornherein gar nicht möglich.

        Wenn in den Wedel vorgeworfenen verjährten Fällen tatsächlich ein Strafverfahren durchgeführt würde, würde das, was die Zeit hier gemacht hat, als erhebliche Verfahrensbelastung angesehen, weil sämtliche Zeugen über Monate hinweg eingestimmt und sogar öffentlich mit „eidesstattlichen Versicherungen“ vorgeführt wurden.

        Wenn Sie sagen, es müsse sich (jetzt) „etwas ändern“, gehen Sie offenbar davon aus, dass Taten wie die Wedel vorgeworfenen bis heute verbreitet üblich sind; ebenso der Umstand, dass Verantwortliche, Kollegen, Medien, Polizei, Gerichte usw. weiterhin ein „Kartell des Schweigens“ bilden, so dass sich keines der (zahlreichen) Opfer traut, Taten zur Anzeige zu bringen oder zu skandalisieren.
        Halten Sie das wirklich für eine realistische Einschätzung?
        Ich nicht. Davgegen spricht auch, dass jährlich eine große Zahl von sexuell nötigenden Taten angezeigt und abgeurteilt werden. Dass ausgerechnet beim Fernsehen überhaupt niemand wagen sollte, dies zu tun, ist überaus unwahrscheinlich.
        Und wenn es aber nicht so wäre, eine solche „Stimmungslage“ also heute nicht mehr existieren würde: Warum ist es dann so dringend wichtig, Fälle aus 1980 mit „Task Forces“ öffentlich aufzuklären?
        Und wenn irgendwie doch „bewiesen“ würde, dass Wedel schuldig ist: Wüssten wir (die „Gesellschaft“) dann irgendetwas besser oder mehr als vor der Veröffentlichung?
        Welche Wahrheit über das Film- und Machtgeschäfts soll jetzt also für die Öffebntlichkeit NEU aufgeklärt werden?

      3. Nun sind die Taten aber verjährt, was die Journalistinnen wissen, es gibt diesbezüglich also kein Verfahren mehr, also gibt es auch keine mögliche Verfahrensbelastung.
        Und ja, wenn so etwas über Wedel und ähnlich gepolte Herrschaften heraus kommt, könnte und sollte es dazu führen, was ich hoffe, dass die Herrschaften sich mäßigen und ihre Triebe in sublime Werke umsetzen, dass da dann Mitwisser einschreiten und dass Frauen oder gegebenenfalls auch Männer sich früher zu Wehr setzen, Hilfe holen, anzeigen. Mir persönlich ist Wedel übrigens egal.-
        Und ja, es werden mehr angezeigt, gerade auch wegen solcher Debatten. Wie viele Frauen aber in abhängigen Positionen (auch angesichts der Arbeitsmarkt-Situation) sich nicht zu äußern wagen, wird wohl eher im Dunkeln bleiben.

      4. Da ich auf den entsprechenden Kommentar von Columba Livia nicht direkt antworten kann, hier eine Bemerkung. Sie schreiben „Nun sind die Taten aber verjährt, was die Journalistinnen wissen, es gibt diesbezüglich also kein Verfahren mehr, also gibt es auch keine mögliche Verfahrensbelastung.“
        Genau das macht die Sache aber imho noch perfider. Sie wissen, dass es kein Verfahren mehr geben wird, in dem Wedel – ohne dass ich das im Geringsten hier unterstellen wollte – freigesprochen werden könnte. Was also im Raum stehen bleiben wird, ist also nicht das Ergebnis eines rechtsstaatlichen Verfahrens, sondern der Eindruck der „Verdachtsberichterstattung“ der Zeit. Übler geht’s fast nicht mehr. Was mich, als Journalist, bei der ganzen Sache wundert, ist die Tatsache, wie wenige „Kollegen“ aus „Kachelmann vs.“ gelernt haben.

      5. Unbedingt empfehlenswert der Kommentar von Elisa Hover auf diesem Portal und dazu noch meine Frage, die eigentlich auch hierher gehörte:
        „das wollte ich Herrn Fischer noch zuletzt fragen, ob er auch meint dass andere Fälle möglicherweise verjährter Straftaten nicht mehr journalistisch recherchiert und aufbereitet berichtet werden sollten oder ob das nur für Straftaten von Männern gegen Frauen gilt. Letzteres schreibe ich jetzt mal ganz polemisch.“

      6. Columba Livia, 30.1. 13.18:

        Das können Sie nicht wirklich ernst meinen, oder? Weil es gar kein justizielles Verfahren mehr geben könne, sei die Belastung eines öffentlich Beschuldigten gering?
        Das entfernt sich ziemlich weit von rechtlichen Standards. Und wenn Ihnen das zu abstrakt ist: Versuchen (!) Sie sich einfach vorstellen, Sie selbst würden öffentlich beschuldigt, vor 30 Jahren ein KInd sexuell missbraucht zu haben, und diese Beschuldigung könnte von keinem Gericht mehr überprüft oder widerlegt werden. Sie würden jeden Tag mit Foto in der Zeitung stehen, verlören Ihren Job, Ihre Freunde und Ihr Einkommen, und jeder würde sagen, dass Sie ein abschreckendes Beispiel für die Existenz von kinderschänderischen VebrecherInnen seien. Journalisten würden sagen, Sie seien sich ganz sicher, dass Sie schuldig sind, aber niemand könnte das jemals überprüfen.
        Und dann würde Ihnen jemand sagen, das sei nicht weiter schlimm, weil ein Gerichtsverfahren ja nicht mehr möglich sei und Sie deshalb nicht belastet seien.
        Nur mal so als Beispiel, für den Fall, dass die empathische Fantasie ausreicht.

    2. „nur der Diskriminierung der Frauen, die ihre Erfahrungen berichten.“

      Korrigierende Ergänzung, es geht dabei vor allem um Diskreditierung!

    3. Ihren Kommentar kann ich mir nur so erklären, dass sie den vorliegenden Beitrag grundlegend missverstanden haben.

      Der „Sternchen Ausflug“ diente der Bloßstellung der Medien, die einerseits das Hineindrängen der Frauen in die Opferrolle befeuern und andererseits Kapital aus Geschichten schlagen, deren Entstehung gerade dadurch begünstigt wird, dass Frauen sich dank eben jener Medienarbeit vermehrt selbst als Opfer betrachten.

      Herr Fischer versucht in dem Beitrag auch gar nicht zu relativieren, dass Belästigung und Vergewaltigung ein reales Problem seien, wie sie es suggerieren. Vielmehr zeigt er auf, dass es bei der Berichterstattung der Zeit offensichtlich darum geht dem Leser eine bestimmte Sichtweise hinsichtlich der konkreten Situation nahezubringen, deren Aufklärung ausschließlich einem Deutschen Strafgericht obliegt. Wenn Medien über Lebenssachverhalte berichten, die das Potential haben den Ruf der einen oder anderen Partei unwiderbringlich zu ruinieren, dann sind sie, sofern sie nicht höchstpersönlich Zeuge der Tat gewesen sind, zu neutraler Berichterstattung verpflichtet.

      Herr Fischer spricht sich selbst, anders als Sie und „Die Zeit“, die Fähigkeit ab über den Fall zu urteilen. Daran ist nichts falsch.

      Dass Opfer aus Scham und Furcht vor Befragungen nicht über das Leid berichten wollen, dass ihnen möglicherweise widerfahren ist, kann dem Beklagten nicht zum Nachteil gereichen. Es ist wünschenswert, dass Opfer von Straftaten dies zur Anzeige bringen. Dabei handelt es sich um eine Selbstverständlichkeit und jeder sollte dazu angehalten sein die nötigen Schritte einzuleiten. Dem widerspricht Herr Fischer an keiner Stelle. Dass was sie als wichtige Debatte bezeichnen und was Herr Fischer verurteilt, ist die öffentliche Denunzierung und Vorverurteilung mutmaßlicher Täter. Wer von ihnen beiden im Recht ist dürfte sich jedem gerechtigkeitsbewusstem Menschen aufdrängen.

  21. Exzellenter Großkommentar auf Grundlage einer seriösen, theoriegeleiteten Analyse des Systems der Verleumdungspresse à la Die Zeit. Nur eine Ergänzung: Selbst wenn Dr. Dieter Wedel der reklamierte Sexist wäre und auch nur eine Tat nicht verjährt wäre … würde dies etwas an seinen filmkünstlerischen Regieleistungen ändern? Gruß, Heine

  22. An Herrn Fischer bewundere ich, dass er den Mut hat, falsche Dinge anzukreiden, selbst wenn diese scheinbar oder wirklich im Dienste einer guten Sache stehen. Gerade im Recht rechtfertigt das Ergebnis nicht die Mittel.
    Viele Leute meinen vielleicht, dass Herr Wedel ein Macho war und vielleicht noch ist und es daher nicht verkehrt sein kann, wenn ihm vielleicht zu viel angehängt wird, wenn er in der Presse vorverurteilt oder beschädigt wird. Es trifft ja keinen Heiligen.
    Bei #metoo sind die Heiligen und die Bösen bereits vorab festgelegt und jeder, der den vermeintlich Bösen zur Seite springt gehört zur bösen Seite der Macht und jeder, der die vermeintlich Heiligen in Frage stellt, ist Teil des etablierten Systems des Schweigens, welches immer nur die Männer geschützt und immer nur die Frauen zu Opfern gemacht hat.
    Wie sehr wird bei der Berichterstattung über Ausländergewalt darauf gepocht, dass journalistische Regeln eingehalten werden. Bei der Berichterstattung – oder sollen wir sagen dem Zeit-Tribunal – gegen Herrn Wedel, ist die Rechtfertigung für die völlige Ignoranz journalistischer Standards durch Frau Whaba allenfalls Satire. Sie schreibt, sie würde keine Position beziehen und danach beschreibt sie den Prozess, wie sie ihre Position bezieht. Sie beschreibt das mit Worten, die sonst für eine Beweisführung in einem Prozess verwendet werden und Herrn Fischers Verdienst ist es, diese Worte als Irreführung der Leserschaft zu entlarven.
    Deutschland liebt schon lange die freie Meinungsäußerung nicht mehr. Wer sich – wie Herr Fischer – gegen den Mainstream von #metoo & co stellt, wird diffamiert. Herr Fischer hat als Bundesrichter a.D. eine gehörige Portion Starrsinn sowie ein gutes moralisches Fundament, so dass ihn das nicht gleich umhaut. Vielen andere haben da weniger Standfestigkeit.
    Man muss Herrn Fischers Argumente nicht teilen. Aber wir sollten ihn alle bewundern. Er argumentiert klar und ohne Ansehen der politischen Windrichtung. Opportunist_innen haben wir schon genug.

    1. Das ist nur ein Statement um zu erklären, Männer könnten mit ihrer Allmacht anständig umgehen. Es zeigen uns Kerle die Strauss-Kahn und und und überdeutlich, was abgeht, wenn einer die Macht hat. Im übrigen gab es – da haben die Frauen ja mal Glück gehabt – etwas schriftlich niedergelegtes bei einer Produktion und bei einem Sender. Am besten den Ball flachhalten statt diese Art von Männern zu verteidigen. „Wir“ besonders die Deutschen schützen jede Fliege und haben vor jedem Abgäslein Angst sie könnten verrecken. Aber Frauen gebrauchen und mit der Macht ihrer Positionen – bei ARD und ZDF nachweislich in eigenen Studien nachzulesen – Frauen diskriminieren und das mit den Gebühren der Frauen – das wird verteidigt???? Und nicht verändert? Und dann das Üblich – ZWEI seien schuld? Vermutlich war die Putzfrau bei Strauss-Kahn auch mit Schuld oder wollte ihn nur „abzocken“? War ja keiner dabei – was ein Glück. Vielleicht hat die auch einen kurzen Rock oder sichtbare Boops gezeigt. Selber schuld…. oder? Da haben die Frauen Glück gehabt, dass der nicht mehr in einer Machtposition ist.

      1. Ihr Geschimpfe ist schwer verständlich.
        Das alles sagt doch überhaupt kein (vernünftiger) Mensch!

      1. Mein – später – Dank galt eigentlich Ve Lo Ci Ped (30.12. 1,12 h). TF hatte ja Eule bereits den Kopf zurecht gedreht.

  23. Auch ein Herr Fischer wird den Kampf gegen die Frau nicht gewinnen, die Flasche nicht wieder verkorken können. Schlecht für die Frauen.

    Aber es ist ein Genuß, seinen Ausführungen zu folgen, besonders in unseren Zeiten.

    In Wirklichkeit betrachten wir auch bei dieser Geschichte eher die Triebhaftigkeit des menschlichen Handelns in seiner geschlechtsspezifischen Ausprägung. Mithin von Mann, und von Frau. Wobei die Triebhaftigkeit der Männer unterschiedlich stark ausgeprägt zu sein scheint, jene der Frauen – zumindest in dieser Geschichte – aber auf vergleichbarem Niveau zu sein scheint.

    Trost: Frauen braucht man nur, sofern man an sie denkt. (Napoleon, glaube ich)

    1. Und Frauen GE-brauchst Du im Bordell? So als Ausdruck der Triebhaftigkeit der Frau oder wie? Da ist Deutschland ja Marktführer. Vielleicht macht das auch den kleinsten Mann zum Macker und Macht-Haber. Diese ganzen Argumente vernebeln nicht die Tatsache, dass überall Männer-Bünde und Männer-Macht vorhanden ist und gepflegt wird. Da kann der „kleine Mann“ nicht wirklich mitreden. Das kann nur über massive Eingriffe der Politik geregelt werden. Und genau das ist jetzt der nächste Schritt – jedenfalls für öffentliche-rechtliche, gebühren-finanzierte Sender und ihre Auftragnehmer (85 % Regisseure, 80 % Männer-Rollen und Männer-Geschichte, bei Kinder 4 Jungs vs. 1 Mädchen und so weiter. Es reicht!

    2. Kampf gegen die Frauen?!
      Wie entlarvend! Genau darum geht es ja offenbar bei vielen Statements.
      Ob sich Herr Fischer darin wiederfindet?!

      1. Mann verliert – so oder so. Dabei kämpft er nicht mal – er sucht nur sich der Lasten zu entledigen. Aber nein. Ein ‚richtiger‘ Mann funktioniert für gnä Frau.

        Zuwiderhandlung sind ‚frauenfeindlich‘ (links) oder ‚uncharmant‘ (konservativ). Insofern win-win. Das ist für alle Zeit in Stein gemeiselt – links und bei den Konservativen erst recht.
        Freundlich sachliche Kritik übt Mann inzwischen seit Jahrzehnten, während der Ausbau weiblicher Vorzugsrechte munter voranschreitet und die seit ehedem disponiblen Männer sich das Leben nehmen. Tote Männer? Kranke Männer? Verlierer, Versager, Schlappschwänze… und in jedem Falle selber schuld. Dann sinds halt keine ‚richtigen Männer‘. Juckt niemanden – zu allerletzt Frauen. Zum Erfolg verdammt, denn jammern, zetern, heulen ist: ‚Pus sy‘.

        Die weibliche Träne hingegen ist sakrosankt.

        Benennst du feministische Doppelmoral, wirst du verhöhnt, diffamiert, gelöscht, gesperrt – zigmal in allen möglichen Varianten erlebt. Und es war und ist wirklich unglaublich, welche Energie hierbei aufgewandt wird. Die Widerstände sind enorm und geradezu konzertiert.

        Männer kennen das, haben – hinreichend konfrontiert mit frauenbewegten Furor – resigniert und kollaborieren oder verweigern, denn Mann verliert – so oder so.

      2. @ Columbia Livia

        „Kampf gegen die Frauen? “

        Steht da nicht. Typisch Frau. Typisch für den gesamten Vorgang.

  24. Das Gejammere über die Länge des Artikels illustriert wunderschön den Charakter der ganzen Debatte: jeder redet mit, aber die wenigsten sind bereit, auch nur etwas Mühe zu investieren und sich mit dem Thema jenseits von plakativen Titelzeilen zu beschäftigen.

    Wenn Journalisten meinen, Ermittler, Ankläger und Richter in Personalunion sein zu können, obgleich sie keinen der Berufe erlernt haben, dann zeugt das nicht nur von Ignoranz der Expertise dieser Berufe, sondern auch von einem gewissen Größenwahn. Ich hätte jedenfalls kein gutes Gefühl, mich zum Richter aufzuschwingen und jemanden den Maßen zum Fraß vorzuwerfen.

    Wobei ich auch noch kein überzeugendes Argument gehört habe, warum die Frauen einst die Anzeige gescheut haben, aber ihr Herz jetzt ausgerechnet den Medien öffnen! Als Opfer mache ich das entweder ganz allein mit mir selbst aus (weil ich es zu intim finde, weil ich befürchte, eine Mitschuld zu haben oder was auch immer) oder ich zeige das an, schon um andere Frauen zukünftig vor dem Täter schützen. Ich persönlich finde sogar, es gibt eine moralische Pflicht, solche Menschen direkt anzuzeigen. Aber nichts tun und Jahrzehnte später auf einer Trendwelle öffentlich mitzuschwimmen hat einen Beigeschmack, dessen ich mich nicht erwehren kann.

    1. „Journalisten meinen, Ermittler, Ankläger und Richter in Personalunion sein zu können, obgleich sie keinen der Berufe erlernt haben“ – der Autor hat derb, aber zutreffend, notiert, dass genau das den Broterwerb dieser Menschen ausmacht. Hörten sie damit auf, stürben sie Hungers. Ist so.

  25. Ich bin mir sicher das der unanttraktive Herr Wedel, genauso wie der Orang-Utan bei Helge Schneider seinen Schniedel selbst in das Loch einer unanttracktiven Bretterwand stecken würde.

    Genauso bin ich mir sicher das Herr Fischer mit etwas mehr Blutdrucksenkern und Cholesterinhemmern im massigen Körper weniger sachlich agressive Texte schreiben würde. Darunter würde aber der Teils unterschwellige Humor leiden. Denn der lebt von dieser sachlichen Agressivität und machen seine Texte für mich lesbar. Also was machen?

    1. Sollten Herrn Fischer zwischenzeitlich doch leise Zweifel beschleichen, ob Meedia eine gute Wahl war, seinen Artikel veröffentlichen zu lassen, dürfte dieser „Kommentar“ eine recht gute Entscheidungshilfe sein.
      @ TF: Machen Sie doch bitte endlich Ihr eigenes Ding (z.B. Blog)!

  26. Danke, Herr Fischer!
    Sie haben mir als einer juristisch völlig unbedarften Person praktisch meine Bauchschmerzen erklärt, die ich angesichts dieser Treibjagd im Namen der „vielen weiblichen Opfer“ gegen Dieter Wedel bekommen habe, wobei ich mich natürlich als Außenstehende jedes Schuld- oder Unschuld-Urteils enthalte. Ich habe aber mit einem unguten Gefühl diese angeblichen Beweise und Zeugen zur Kenntnis genommen und wurde fatal an Jörg Kachelmann erinnert, wobei ich trotz der Ernstes der Vorwürfe fast schon ein bißchen schmunzeln mußte, als plötzlich auch in diesem aktuellen Fall eine Zeugin aus der Schweiz präsentiert wurde. Wie ich mich erinnere, hat sich ja damals bei Herrn Kachelmann die Sache mit der angeblich von diesem mißhandelten Schweizerin als veritabler Rohrkrepierer für die Staatsanwaltschaft erwiesen.
    Was ich aber gerne wüßte, ist die Verfahrensweise in der Sache Jany Tempel. Hier wird ja aufgrund der noch nicht abgelaufenen Verjährungsfrist wegen Anfangsverdachts ermittelt. Heißt das, dass Frau Tempel vor den ermittelnden Behörden aussagen muss? Da die Zeit-Journalistinnen erstaunlicherweise nur jahrzehntealte und somit verjährte „Fälle“ ausgegraben haben, kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass eine solche Ermittlung durchaus nicht in der Absicht der „Zeit“ und ihrer rührigen Mitarbeiterinnen lag.

    1. Uiiii wieder mal ’ne Frau..die Mitzi.. Ich würde ja DIE ZEIT auffordern wollen gegen solche dümmlichen Posts vorzugehen. Das ist schon sehr gewagt. Aber vermutlich ist es egal, weil es – bei einer schriftlich vorhandenen Beweislage plus Aussagen von „dabei Gewesenen“ – die sogar die ARD-Intendanten zu einer Krisensitzung bringt – sehr gut ausschaut. Schau mal nach Amerika, wie die das jetzt das vorantreiben. Ich hoffe, das passiert hier endlich auch. Und das reicht schon. Da kann auch DIE ZEIT-Mitarbeiterin leise lächeln bei solchen Dünnbrettbohrer-Posts.

  27. Das journalistische Pack bei der Zeit schwingt sich mal wieder in die Nachfolge des Stürmers auf.
    Na ja, irgendwie auch konsequent auf eigener intellektueller Argumentstionslinie : Naziabkömmlinge können eben nicht anders. Da wundert natürlich auch nicht, dass man bei der Zeit jedes noch so kleine Thema des globalen Zeitgeists durch die Faschismusbrille betrachtet.

    1. Können Sie kurz Ihre seltsam braune Nazikeule aus der Hand legen und den Artikel lesen, unter dem Sie hier posten? Können Sie?

  28. In der NZZ hieß es zu einem Buch der Autorin Annabel Wahba, ihr sei es „wichtiger, eine Erzählung ’nach einer wahren Geschichte‘ zu liefern.“

    Vielleicht könnte man damit auch ihren Zeit-Artikel einordnen.

  29. 1. Lange Texte verfassen, kann jeder. In der Kürze liegt aber die Würze.

    2. Also sollte man lieber über dem Ganzen weiterhin das Deckmäntelchen des Schweigens ausbreiten, anstatt Belege und unwiderlebare Fakten zu nennen?

    1. Kurze Texte lesen kann fast jeder.
      Man kann, muss aber nicht nicht zwingend stolz darauf sein, lange Texte nicht zu verstehen.
      Dies ist ein kurzer Text.

    2. @Matjesfischer – Lange Text verfassen kann jeder. Gute Texte auch?

      Dass Thomas Fischers Texte allesamt extrem lang sind: unbestritten. Ich muss mich tatsächlich zwingen, sie zu Ende zu lesen, aber ich beschwer mich nicht, weil: bin erwachsen.

  30. Über Mißbrauch durch die Mächtigen in der Filmindustrie wusste die Branche. Nicht nur in Amerika. Auch über die Ohnmächtigen, die hierzulande Sex bewusst und hemmungslos als Stufe zum Aufstieg eingesetzt haben.
    Es wird Zeit, dass die Zusammenhänge um die bekannten Besetzungscouches aufgeklärt werden. Die Solidarität unter den Betroffenen ist allem Anschein nach nur durch mutig recherchierende Reporter und hinter ihnen stehende juristische Abteilungen der Verlage möglich. Die Staatsanwaltschaft muss nun gewissenhaft klären und die Fortsetzung von Einschüchterung unterbinden.

    1. Sie begehen den von Herrn Fischer angeprangerten Fehler: Sie setzen erwachsene Frauen gleich mit Kindern. Was haben Sie für ein Frauenbild?

    2. So ist es Ingalies! Schluss damit und wie man in USA sieht, gelingt das nur mit massiver Präsenz, Dauer-Trommelfeuer und Zwang.

  31. Ich hätte mich gefreut, wenn auch mal folgende Fragen beleuchtet worden wären: Wieso haben diese Frauen so wenig Vertrauen in die deutsche Justiz, daß sie nicht umgehend Anzeige erstattet haben? Wieso haben diese Frauen mehr Vertrauen in die Presse und reden (selbst nach Jahren) lieber mit Redakteuren als mit der Polizei/Staatsanwaltschaft? Ist das nicht ein regelrechtes Armutszeugnis für die Justiz?
    Und was kann man machen, damit sich das nicht mehr wiederholt?
    Denn hätten all diese Frauen soviel Vertrauen in die Justiz gehabt, daß sie umgehend Anzeige erstattet hätten, der Täter entsprechend verurteilt worden wäre, dann wäre diese ganze Diskussion vollkommen überflüssig.
    Meiner Meinung nach steht nicht nur Herr Wedel am Pranger, sondern auch das mangelnde Vertrauen der Frauen in die Justiz.

    1. Ihre Fragen setzen voraus, was sie beweisen sollen.
      Deshalb ist die Antwort schwierig.

      Es geht in dem Text, den Sie kommentieren, gar nicht um Beweiswürdigung im engeren Sinn. Warum ist das so schwer zu verstehen?
      Versuchen Sie doch einmal, zwei Schritte zurückzutreten, oder sich vorzustellen, dass Sie selbst die Beschuldigte seien; und dass Sie lesen, „160 Zeugen“, von denen 15 benannt und der Rest geheimgehalten wird, hätten bei Befragungen, die Sie nicht kennen, „Aussagen“ gemacht, die die Sie nicht hören oder lesen dürfen, vor einem Tribunal, das Sie nicht kennen. Und dass dann die Tagesschau berichtet, Sie seinen mutmaßlich ein(e) SchwerverbrecherIn.
      „Das mangelnde Vertrauen der Frauen in die Justiz“ kann zweifellos ein Problem sein. Aber Sie dürfen nicht einfach „die Frauen“ gleichsetzen mit „die Opfer“. Denn weder Sie selbst noch „die Justiz“ wissen von vornherein, was die wirkliche Wahrheit war, im Jahr 1980 (!) – vor 38 Jahren. Darum geht es doch gerade: Wie man mit so einer Beschuldigung in der Gesellschaft umgeht.
      Versuchen Sie doch einfach einmal sich vorzustellen, dass morgen ein Zeitungsbericht erscheint, in dem steht, dass Sie im Jahr 1980 ein Kind sexuell missbraucht oder im Jahr 1977 eine Sparkasse überfallen haben und auch sonst ein Drecksack sind. Und dass die Zeitung, die das bundesweit veröffentlicht, mitteilt, sie habe 160 Personen befragt, von denen sie 15 nennt. Und dass Sie anschließend sofort alle Ihre Arbeitsstellen, Pensionen, Kontakte, Freunde verlieren. Nur beispielhaft: Würden Sie sich dann in eine Talkshow einladen lassen, in der Ihnen „die Gelegenheit zur Stellungnahme“ gegeben wird?
      Und was würden Sie denken, wenn die Zeitung, die all das über Sie veröffentlicht, parallel dauernd Super-Exklusiv-Stories über die letzte Wahl zur „Miss U-10“ oder zum „Sexiest Mister Little“ bringen würde?
      Nur mal probeweise gefragt.

      1. Warum das so schwer zu verstehen ist? Vielleicht weil ich eine kleine dumme Putzfrau bin, die weder studiert hat, noch gut mit Worten jonglieren kann! Die aber nicht langatmig zu schreiben braucht, um auf den Punkt zu kommen und mit noch einer Eigenschaft gesegnet ist: Mit einem gesunden Menschenverstand! Ansonsten wurde meine Frage nicht beantwortet, was mich gleich zur nächsten treibt: Warum eigentlich nicht? Wieso drücken Sie sich mir eine einfache Antwort auf meine Fragen zu geben? Und zwar so kurz und verständlich, daß die kleine Putzfrau es auch versteht!

    2. Ja, na gut: „Kleine dumme Putzfrau“ –
      Da muss man ja auch erst mal drauf kommnen, sich selbst zu erhöhen, indem man eine ganze Gruppe unterprivilegierter, unterbezahlter Frauen als Referenz für die eigene intellektuelle Bescheidenheit bezeichnet.

      „Mit Worten jonglieren“: Welche Worte genau meinen Sie? Und in welchem Verhältnis dazu steht Ihr „Auf den Punkt kommen“.

      Finden Sie nicht, dass diese Art der Argumentation ein bisschen sehr nach AFD oder „pegida“ klingt: „auf den Punkt“ kommen gegen die Relativierer, Komplizierer, Intellektuellen, usw.

      Das Interessante wäre ja einmal Ihr „Punkt“: Ein bisschen präzise, ohne Unterstellungen, Verkürzungen, Verdrehungen:
      Sagen Sie doch einfach mal, WAS Sie WORÜBER und WOHER eigentlich WISSEN und uns deshalb sagen wollen – einfach nur so, auf den Punkt.

      Wir können danach gern eine Stunde weiterreden. Falls Sie es ertragen, sich selbst beim Begründen zuzuhören.

      1. ich hatte ja schon beim Lesen Ihrer Zerpflückung ein mulmiges Gefühl, aber mit der Antwort auf Frau Michelsen haben Sie sich dann endgültig disqualifiziert. Plötzlich ist sie dahin, die gehobene Sachlichkeit. Um mein mulmiges Gefühl zu erklären: Sind Sie schon mal gewalttätig behandelt worden? Glauben Sie, nach einer solchen Situation noch erklären zu können, wie sie nun aus Position a in Position b geraten sind. Und lassen Sie sich doch ein paar mal von einem kräftigen Mann ihren Kopf auf eine weiche Unterlage schlagen, dami sie wissen, wei harmlos das ist.

      2. Hören Sie Herr Fischer – Sie wissen ganz genau, dass es in dem gravierendsten „Alt“-Fall endlich mal schriftlich niedergelegte Nachweise gibt. Und dass es in dieser Sender-Produzenten-Regisseure-Schauspieler-Branche extrem viele Leute gibt, die all das bestätigen können, was DIE ZEIT gebracht hat. Wenn Sie genauso viel lesen wie Sie schreiben (ich tue beides ;-.)) wissen Sie das. Sehr genau. Wenn Sie die Studien von ZDF/ARD gelesen haben, wissen Sie wenigstens auch einen Bruchteil dessen, was da an Frauendisriminierung abgeht. Da wurde noch nicht von Castern, Regisseuren, Redakteuren, Produzenten gesprochen, die nicht nur „Frauen auswählen“ sondern vor allem „Frauen verhindern“ – insbesondere als Regisseurinnen und Schauspielerinnen etc. Also erzählen Sie hier keine Märchen vom Leberkäse, als gäb’s für Sie und alle anderen nicht extrem viele Quellen. Googeln Sie doch mal. Ansonsten haben Sie mit Ihrem Vergleich ein bisschen Recht aber HIER geht es jetzt erst mal um die Macht über die Frauen im Film- und Fernsehbusiness und nicht um die Medien. Da die Medien über die Studien nicht berichtete haben – mir erschließt sich nicht, warum nicht wirklich – wurden die Verhältnisse auch nicht verändert. DAS geht gar nicht. DAFÜR brauchen wir die Medien. JETZT!

      3. Zu „Roter Mohn“, 30.1., 00.01 Uhr:

        Zu Ihrer Frage: Ja, ich habe außerordentlich intensive Gewalterfahrungen.

        Zu Ihrer Kritik: das Letzte, was ich behaupten würde (oder gar behauptet habe) ist, dass irgendeine der im Fall G. geschilderten Handlungen „harmlos“ sei.
        Ich weiß nicht, wie Sie auf diesen absurden Gedanken kommen. Ich habe in meinem Leben viele hundert Strafverfahren wegen Missbrauch, sexueller Nötigung und Vergewaltigung geführt und viele hundert (meist männliche) Täter deswegen verurteilt.

        Offenbar/vielleicht meinen Sie, wenn man für einen Verdächtigen, Beschuldigten oder gar Schuldigen Fairness fordert, mache man sich mit irgendwelchen Taten gemein, die ihm vorgeworfen werden. Das ist ein Irrtum.

    3. Ihre Fragen basieren auf einem Rückschluss, über dessen Bewertungsgrundlagen nur spekuliert werden kann. Sie stellen einen Warum?-Frage, und setzten voraus, das Frauen weder heute noch vor Jahrzehnten wenig Vertrauen in „die deutsche Justiz“ haben bzw hatten. Offenkundig geht es Ihnen mit Ihrem Beitrag also nicht um eine erhoffte Antwort, sondern um eine (sophistische) Bestätigung Ihres (Vor-) Urteils, „die deutsche Justiz“ sei (seit Jahrzehnten für Frauen bei der Ahndung von sexueller Gewalt) nicht vertrauenswürdig. Ihrer Kernthese nach sei deshalb Veröffentlichung über Redakteure/Presse nicht nur verständlich sondern sogar notwendig.

      Mal davon abgesehen, dass Ihre Prämisse ganz deutlich „hinkt“: Denn die betroffenen Frauen haben offenkundig seit Jahrzehnten entweder auch den Redakteuren oder den Zeugen oder sich selbst nicht mehr als der Justiz vertraut, anderenfalls ansonsten einer früheren Veröffentlichung sonst nichts im Wege gestanden hätte.

      Da Sie das Wort „Pranger“ so positiv herausheben, ist der Artikel, in dem es einerseits um die Problematik von Lynchjustiz ohne rechtstaatliches Verfahren und die Heuchelei einer selbstgerechten Presse als Ankläger/Richter/Henker dieser Lynchjustiz ging, an Sie persönlich adressiert gewesen. Er hat Sie offenkundig jedoch leider nicht erreicht.

      Vielleicht erinnern Sie sich aber noch einmal an die Argumentation des Autors, wenn die Presseredaktionen Ihnen bald wieder erläutern, dass Sie als „kleine Putzfrau“ in keinem Fall Leistungsträgerin unserer Gesellschaft sind, dagegen staatliche Transferleistungen (durch Umverteilung von Oben nach Unten) möglicherweise sozialschmarotzend genießen.

  32. Leider sind die Gerichte im Prinzip nicht besser als die Journalisten, was die Wahrheit betrifft. Nach einem Gerichtsverfahren gibt es die prozessuale Wahrheit, nicht die materielle. Es geht im Artikel nicht um die Wahrheit, sondern darum, wer darf diese definieren fürs Volk.

    Die Richter, unterstützt von den Rechtsanwälten, meinen wir. Die Jornalisten, unterstützt von der geschäftstüchtigen Chefredaktion, meinen wir Journalisten.

    Alles andere sind nur Zahler, an deren Portemonnaie die Justiz und die Medien ranzukommen versuchen.

    Im Prinzip alles eine Geschäft

    1. Das leuchtet mir vollkommen ein.. In Zeiten wie diesen, in denen die Politik so gravierende Fehler gemacht hat und macht, ist das deutlich sichtbar geworden. Aber: Muss man das weiter zulassen und erhalten? Ich denke, das Fehlverhalten eines unkontrollierten Machtapparats, bezahlt von den Bürgern, an dem die Politik unbedingt festhalten will, ist hervorragend geeignet, um Exempel zu statuieren und diese Form der Diskriminierung zu beenden. Der Fall Wedel, an dem die Sender und viele Produzenten durch Mitwissen beteiligt waren, ist dafür „bestens“ geeignet.

  33. „Es ist unangemessen, erwachsene Menschen wie Kinder zu behandeln, für die es keinen Ausweg, keine Vertrauenspersonen, keinen Ansprechpartner gibt. Nicht jedes Opfer von sexuell motivierten Bedrängnissen wird psychisch krank oder ist „schwer traumatisiert“, hat „Martyrien“ und Leiden hinter sich, die sich von allen anderen Erlebnissen des Lebens qualitativ unterscheiden. Die populäre „Opfer“-Perspektive enthält Elemente einer sekundären Opfer-Erniedrigung. Die Pathologisierung des Erlebens und die Umdeutung von unklaren oder ambivalenten Motiven eigenen Handelns in irrationale Krankheits-Anzeichen sind Beispiele dafür.“

    Jawoll Herr Fischer, immer ordentlich drauf hauen. Schon allein, dass schwer traumatisiert, Martyrien und Opfer hier in Anführungszeichen gesetzt wird, ist schon grenzwertig, nein, es wird auch noch impliziert sie instrumentalisieren sich damit selbst und machen es schlimmer als es eigentlich gewesen sei.
    Nie werde ich vergessen, wie Ende der 80ziger Jahre eine Freundin
    vergewaltigt wurde, ich mit ihr zur Polizei und der erste Satz den wir zu hören bekamen, na, wenn sie noch auf zwei Beinen hier reingehen kann, dann war das wohl nicht so schlimm.
    Und viele wundern sich, beziehungsweise prangern Frauen an, warum sie jahrelang geschwiegen haben.
    Viele werden wohl weiter schweigen …

    1. Ich befürchte, Sie haben nicht verstanden, um was es in dem Text geht. Wenn Sie sich ein bisschen mit der kriminologischen Forschung beschäftigen und nicht nur reflexhaft reagieren würden, könnten Sie erkennen, dass die von Ihnen zitierte Passage wahrlich nichts so wenig will, anstrebt oder unterstützt wie die von Ihnen dargestellte Verächtlichkeit gegenüber Geschädigten von Straftaten.
      Ihre voreilige Verdammung wiederholt nur, was ich kritisiere. Schade.

      1. „Wenn Sie sich ein bisschen mit der kriminologischen Forschung beschäftigen“

        Werter Herr Fischer, also Sätze wie dieser und auch die Anführungszeichen, die Bemerkungen in den Klammern „als Wedel eine Geschädigte vor ihren Augen so lange gedemütigt habe, bis sie auf der Bühne zusammenbrach, einen so genannten „Nervenzusammenbruch“ (was immer das sein mag) und später eine Fehlgeburt erlitt (von der recht deutlich insinuiert wird, sie sei von Wedel verursacht, also eine Quasi-Abtreibung gewesen)“ gehören also in das Feld der „kriminologischen Forschung“ – das Lächerlich machen eines Nervenzusammenbruches, besser gesagt, das generelle infrage stellen eines Nervenzusammenbruchs und den natürlich auch wieder in Anführungszeichen, so nach dem Motto, was soll das eigentlich sein, gibt es das überhaupt oder die Quasi-Abtreibung durch Wedel herbeigeführt, inklusive? Soll ich das, die von kriminologischer Forschung nicht viel Ahnung habe, soll ich das als kriminologische Forschung ansehen?
        Aber klar, ich habe Ihren Text nicht verstanden, reagiere auf eine Kritik am besten damit, jemand hat den Text nicht verstanden …

        Um Sie mal zu zitieren:
        „Ihre voreilige Verdammung wiederholt nur, was ich kritisiere. Schade.“

      2. „tina“ 13.28:
        Nein, das haben Sie missverstanden.
        Mein Text enthält weder kriminologische Forschung noch erzählt er darüber.
        Aber es gibt eine solche Forschung, und sie hat sich sehr intensiv und interessant mit dem „OPFER“ von Kriminalität befasst. Wenn man sich dazu öffentlich äußert, kann es eigentlich nicht wirklich schaden, ein ganz kleines bisschen dazu zu wissen. Damit will ich keineswegs sagen, mann müsse erstmal studiert haben, bevor man eine Meinung äußern darf. Aber wenn man sagt, dass es nicht scfhaden kann, einmal ein kleines Bisschen über Orthopädie gelesen und verstanden zu haben, bevor man sich das Kniegelenk von der „Schmerzcreme“-Industrie erklären lässt, ist das nicht wirklich falsch, oder?
        Das ist so ähnlich wie beim Fußball oder beim Abgas oder beim Klimawandel: Es kann nicht schaden, einmal nachzuschauen, was Menschen darüber meinen, die sich beruflioch und engagiert seit vielen Jahren damit befassen, bevor man sich dicke macht.
        Im Übrigen: Es freut mich, dass Sie als erster Mensch wissen, was ein „Nervenzusammenbruch“ ist: Könnten es uns bitte kurz erklären?
        Ich mache übrigens keineswegs irgendetwas „lächerlich“, außer den Menschen, die immerzu behaupten, schon alles zu wissen, aber nichts davon erklären wollen oder können.

        Sie unterstellen, was Sie doch erst beweisen wollen: Das ist Ihr Problem. Aber Sie könnten ja einmal probeweise versuchen, eine klare Aussage zu einer Meinung zu machen, die Sie im Zusammenhang des Themas behaupten wollen, und dann eibngfach einmal drei oder vier Argukente dafür kurz zusammenfassen.
        Das kann man dann verstehen und vielleicht diskutieren. Allgemeines Gemotze und Herumschimpfen ist ja völlig nutzlos und unverständlich.

      3. (ich nehme jetzt diese Antwortfunktion, da bei Ihrem letzten Antwortpost die Funktion Antworten fehlt)

        „Es freut mich, dass Sie als erster Mensch wissen, was ein „Nervenzusammenbruch“ ist: Könnten es uns bitte kurz erklären?
        Ich mache übrigens keineswegs irgendetwas „lächerlich“, außer den Menschen, die immerzu behaupten, schon alles zu wissen, aber nichts davon erklären wollen oder können.“

        Herr Fischer, Sie wissen genau, was ein Nervenzusammenbruch ist, Nervenzusammenbruch ist umgangssprachlich gemeint, aber falls Sie eine ICD Nummer dazu haben möchten, gerne, hier: F 43.0 http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-who/kodesuche/onlinefassungen/htmlamtl2016/block-f40-f48.htm
        Und meine Meinung bleibt weiterhin (ja, so was ist immer subjektiv) Sie machen sich über die Frauen, die interviewt wurden, die gesprochen haben, lächerlich.
        Was davon stimmt und was nicht, das weiß leider bisher kaum einer – aber das ist noch lange kein Grund, so über diese Frauen zu urteilen.

        „Die Schwere der Anschuldigungen ist das Eine. Fassungslos macht auch, dass offenbar der damals verantwortliche Sender, der Saarländische Rundfunk, u.a. durch Anwaltsschreiben und ärztliche Atteste über das mutmaßliche Treiben des Star-Regisseurs informiert war und trotzdem die Produktion der Serie „Bretter, die die Welt bedeuten“ weiterlaufen ließ.“
        „Warum die Vorfälle damals, Anfang der 80er Jahre, nicht angezeigt wurden, lässt sich laut SR noch nicht rekonstruieren. „Aber bereits jetzt steht fest, dass sich die TFS und der SR 1981 nicht richtig verhalten haben“, teilt der SR auf Anfrage von MEEDIA mit.“
        http://meedia.de/2018/01/25/rolle-der-ard-bei-der-affaere-wedel-sr-gruendet-recherche-einheit-und-task-force-zur-aufklaerung/

        Es gab also Frauen, die damals schon gesprochen haben, wollte nur keiner so gerne hören. Und nicht hilfreich ist, diese Frauen jetzt so zu behandeln, als ob sie kein Wort gesagt hätten, sich über ihre psychische Ausnahmesituation lächerlich zu machen und so zu tun, als ob man nicht wüsste, was ein Nervenzusammenbruch ist.
        Was ist für Sie denn dann nur eine Kriseninterventionsstation?

        Aber nun gut, ich wünsche Ihnen jetzt einen schönen Abend, ich habe noch was vor und verlasse den PC.

      4. Nein, ich mache mich keineswegs über irgendjemanden lustig oder über Leiden oder Verletzungen.
        Sie sollten nur nicht immer wieder einfach unterstellen, was doch erst bewiesen werden soll.
        Die Stellungnahme des Senders, die Sie zitieren, ist doch auch wieder in sich unverständlich: Es sei unbekannt, warum nicht reagiert wurde, man wisse aber, dass der (unbekannte) Grund jedenfalls falsch gewesen sei.
        ICH weiß es doch ebensowenig wie SIE; und es ist doch gerade der Kern meines Textes, dass es unangemessen und unmöglich ist, eine solche Beweisführung – samt „Endurteil“ , das „dem Leser überlasssen“ werden soll (!) – öffentlich in einer Zeitung und auf Internet-Foren zu führen.
        Die ganze Welt ist plötzlich voller Beweis-Spezialisten, die einen 38 Jahre alten Fall, von dem sie gelesen (!) haben, aufkären und ganz genau beurteilen können. Die Redaktion sagt ein ums andere Mal, sie sei sich sicher, dass der Beschuldigte schuldig sei, wolle aber selbstverständlich nichts vorweg(?)-nehmen und „überlasse es dem Leser, sich ein Urteil zu bilden“. Da ein Strafprozess aber gar nicht mehr möglich ist, wird ja nichts „vorweg“ genommen, sondern nach einigen Wochen Empörung und Spekulationen das öffentliche Urteil gesprochen.

    2. Tina da hat der Richter recht. Es liest sich aus Sicht eines Juristen einfach immer kalt und gefühllos. Die können nicht anders. Und wenn man – wie geschehen – das Strafmaß erhöht…um den Frauen, sage ich, Sand ins Auge zu streuen… stellt sich vor Gericht heraus, dass die Beweislage von Frauen, die solche Übergriffe erleiden, schwierig bleibt und die Bestrafung nicht stattfinden kann. By the way: Solange man in Deutschland Frauen im „Bordell Europas“ gebrauchen kann wie Dreck und nichts dabei findet – etwas vollkommen unfassbares in der heutigen Zeit, in der die Worte menschlich, Moral, sauber, anständig jeder im Mund hat – müssen Frauen schauen wo sie bleiben. Insbesondere bei uns hat doch jeder Mann dieses „Recht“ – gell Thomas Fischer. Was denken Sie, wie solche Männer wohl über Frauen denken (war da nicht grade was mit einer Business-Männer-Runde in England?)

      1. Sie irren.
        Straf-Richter sind so „kalt und gefühllos“ gegenüber Straftaten wie Fachärzte für Innere Medizin gegenüber Leberkrebs.
        Es ist halt einfach so, dass man nach 35 Berufsjahren als Richter oder Facharzt schon mal ein paar mehr Fälle gesehen und ein paar mehr Situationen erlebt und ein paar mehr Menscvhen gesprochen hat als ein Zeitungsleser oder Wartezimmer-Sitzer.

        Ich zum Beispiel habe in meinem Strafrichter-Leben so viel schreckliche Gewalt, Verzweiflung und Ausweglosigkeit gesehenn und erlebt, wie Sie es sich vermutlich nicht vorstellen können. Seien Sie gewiss, dass es keinen Abgrund gibt, in den ich nicht persönlich geschaut habe.

        Das ist (mir) stets Grund und Anlass gewesen, nicht alle Menschen für schlecht zu halten (obwohl man leicht auf diesen Gedanken kommen könnte), nicht alles zu glauben, bloß weil irgendein selbsternannter Wahrheits-Inhaber besonders laut herumschreit, und zu versuchen, eine vertretbare Wahrheit hinter all den Sprach-Bildern, Selbst-Täuschungen und Interessen zu finden.
        Ich dachte und denke noch immer, dies sei die Aufgabe eines Richters.
        Es ist enttäuschend und bedrückend, am Ende von so viel Bemühung noch immer und immer wieder zu erleben, dass nichts davon verstanden und bejaht wird, sondern dass man im Kosmos der „sozialen Medien“ als „gefühlloser“ Idiot geschmäht wird, weil man nicht jeder Empörung und jeder Behauptung sogleich willfährig hinterherläuft.
        Wenn Sie das wollen, können sie die Richter gleich durch Henker ersetzen, die die Urteile von BILD, ZEIT oder FACEBOOK zu vollstrecken haben. Da reicht sich dann die Moral-Polizei und die Scharia-Polizei die Hand.

  34. Leider trifft Thomas Fischer ins Schwarze. Deutschland kopiert das Übelste, was die USA zu bieten haben: eine rassistische und moralisierende Kriminalpolitik und eine ekelhafte Mischung aus Sex-Geilheit und Prüderie, Voyeurismus und verkürzten digitalen Inquisitionen.

  35. Ich will diesen ganzen Bohei gar nicht lesen. Aus juristischer Sicht und das auch noch von diesem Richter und zu diesem Thema, nein Danke. Man kann nur dankbar sein, dass vor Jahren etwas festgehalten wurde und viele davon noch erzählen können, dass es wirklich aus-reicht. Ich habe von diesem Juristen nichts gehört und nichts gelesen, als die Studien über ARD und ZDF kamen. Null war da zu hören. Und ich höre auch nichts zur aktuellen Überlastung der gesamten Justiz, die Bürger ausbaden. Aber wenn es um Männer-Verteidigung geht, plärren alle lautstark. Wenn Frauen so etwas erzählen oder wenn man sie diskriminiert, sieht das schon anders aus. Wedel wird – hoffentlich – derjenige sein, nach dem nun endlich Konsequenzen gezogen werden müssen. Die ARD/ZDF-Studie hatte im Februar 2017 bereits ergeben, dass im ÖR Frauen „MASSIV DISKRIMINIERT“ werden. Das hat nicht gereicht – ebenso nicht #metoo, das in D nur Amerika zugeordnet wird – denn „die Medien“ haben nicht mitgespielt, die Studie nicht gelesen, die Studie nicht zum Anlass genommen, diese wirklich mittelalterlichen Macht-Zustände aufzudecken, Forderungen aufzustellen und die Politik plus die Sender zu jagen (und ich sage das ganz bewusst so, denn die wenigen Mächtigen die über Milliarden entscheiden und auch darüber, wer etwas machen und arbeiten „darf“ oder eben nicht, sitzen immer noch unbehelligt an ihren Plätzen statt zu sauberen Kriterien verpflichtet zu werden. Es weiß doch jeder intern wer wessen Buddy ist oder etwa nicht? Auch da ist Schweigen – wie bei Wedel – ganz sinnvoll – jedenfalls für Männer –
    oder etwa nicht? Wie man vielfach hört, war es nicht mal Pflicht, dass die ARD/ZDF-Mitarbeiter und vor allem Mitarbeiterinnen diese Studie lesen und dass gemeinsam darüber diskutiert wurde und deren Vorschläge umgesetzt (stereotype Zuweisungen leider auch von Frauen an Frauen). Mehr muss man zu diesem Zeitpunkt nicht sagen sondern nur vehement dran bleiben, dass es jetzt vorwärts geht und Sender, Redakteure, Regisseure, Autoren (sehr gut Annette Hess bei Quotenmeter!), Produzenten, Förderer und diese unkontrollierte Menge an Caster- und Regie-Macht erkennen und ändern. Müsst Ihr ständig Filme schreiben, machen, fördern, in denen es zu 80 % nur um Männer geht? Da geht es doch schon los. Wie konnte z.B. ein aktueller, BESONDERER KINDERFILM (M.H.Rosenmüller) von allen Sendern/Ländern Millionen Fördergelder (Steuern!!) bekommen, obwohl erneut ZWEI JUNGEN im Mittelpunkt stehen – nach dieser Studien-Klatsche (Kinderfilme generell 4 Jungen zu 1 Mädchen)? Das gehört „massiv“ geändert mit Blick auf diese „furcht“baren Geschichten und Zustände.

    1. Immerhin: 30 Zeilen „Kommentar“ zu einem Text, den Sie „gar nicht lesen wollen“ und offenkundig auch nicht ansatzweise gelesen haben. Da muss man erstmal drauf kommen.
      Wenn Sie sich für das Thema und die Wahrheit über Missstände wirklich interessieren würden, würden Sie nicht Diskussion durch „will ich gar nicht wissen“ und nicht Argumente durch bloßes Glauben ersetzen.
      Im Übrigen hat Ihr Kommentar mit dem Text und den darin behandelten Fragen leider nichts Erkennbares zu tun.

      1. Da haben Sie recht Herr Fischer. Sie sind die Medien angegangen. Ich auch – wenn Sie richtig gelesen haben. Weil die Medien sich für die Diskriminierung der Frauen laut ARD/ZDF-Studie nicht interessiert haben – außer die kurze PK der Frau Fuertwängler. Das passt doch zu Ihrer Erzählung. Die Furtwängler war – egal warum – immer schon interessant und deshalb berichtet man. Ihr Post Herr Fischer, wird so gut gelesen, dass mein Anliegen auch gelesen wird. Und das was ich anlässlich WEDEL sagen wollte, habe ich nicht zum ersten Mal gesagt. Sie beleuchten das Thema von anderer Seite. Ich denke, es sind zwei Seiten einer Medaille. Deshalb hat mein Kommentar mit Ihrem Text durchaus etwas zu tun. Dabei bleibe ich. Danke für Ihre Replik.

      2. Vielen Dank für den Text, der messerscharf die intellektuelle Limitiertheit der Hohepriester des „Systems“ seziert und daran anknüpfend das „System“ selbst als conditio sine qua non für echte Täter und Opfer an das helle Licht der Öffentlichkeit zerrt. Diese doppelte Gnadenlosigkeit wird viele Kritiker finden. Allerdings meine Bitte: Lassen Sie sich ob dieses Textes nicht vereinnahmen.

  36. Klarer Text, aber man kann nicht sagen, er sei kurz und knapp . . . Wer hat wirklich Zeile für Zeile bis zum bemerkenswerten Schlusssatz gelesen?

    1. Super Frage!
      Überhaupt sind die Sache, die Fragen und die Antworten ja vielleicht maximal einen knappen 30-Sekunden-Traum wert. Supi, supi, und schon fällt der nächste Drecks-Skandal für 20 Sekunden aufs Display.
      Wedel, Wedel… Wofür ist der nochmal berühmt?
      Alles easy, Bruder, sagte man früher, als Gudrun Landgrebe noch der Weltstar der Shades-of-Grey-Enthülling war und Sir Alfred Hitchcock ein Welt-Regisseur und nicht ein Jahrhundert-Verbrecher gegen Tipi Hedren… und es noch keine Task Forces über die Synchronisations-Skandale zu Errol Flynn gab, eines Giganten-Stars, der von der kritischen Presse stets wegen der Schmalheit seines Bärtchnens und der Länge seines Begattungsorgans gerühmt wurde. Auch der verstrobene Herr Fassbinder, der dem Feuilleton ab anno 1970 („Baal“; „Antitheater“) als sexuell gefäßiges Genie galt, oder der Infantilität vortäuschende Herr „LaLeLu“, der stets die Herzen der stolzesten Frau’n brach, wären eine Tassk Force wert!
      Aber das alles ist ja viel zu wenig knapp für Sie!
      Deshalb lasse ich es. Vorerst jedenfalls will ich nur anmerken, dass mir zu jeder Zeit ein paar wirklich interessante „Task Forces“ einfallen würden.
      Aber selbst das ist jetzt schon wieder viel zu lang und viel zu kompliziert zum Vorstellen…

      1. Ja, ich habe den Text von der ersten bis zur letzten Zeile gelesen und ich hoffe, auch verstanden, was man nicht von jedem Kommentator hier erwarten sollte.

        Respekt Herr Fischer, dass Sie selbst hier mitkommentieren. DenVorschlag doch ein eigenes Blog zu betreiben, sollten Sie durchaus überlegen.

      2. lieber herr fischer, ich habe (soweit bekannt) alle ihre artikel bis zum ende gelesen und bin über ihre ausführlichen und vielfältigen argumente sehr erfreut.
        die medien kritisch zu betrachten – in allen bereichen – aktuell vielleicht besonders im kunst/kulturbereich ist dringend notwendig!

        ps. ganz persönlich habe ich jedoch auch immer gehofft, auf einen beitrag zum nsu-prozeß, auch zum umgang mit edathy als erster ausschußvorsitzender … naja, ich hoffe auf ihre klare und mutige stimme – vielleicht sogar ganz konkret auch im justitz-bereich

    2. Ich habe das nicht nur Zeile für Zeile gelesen, sondern auch Zeile um Zeile goutiert.

      Zwischendrin habe ich auch mal geschaut, wie viel es noch ist, aber der Text hat es in sich und war es mir wert.

      Herr Fischer, Hut ab!

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