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„Facebook sollte wie die Zigarettenindustrie reguliert werden“: Salesforce-CEO rechnet mit Social Network ab

Eine Recherche von ARD, WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung zeigt das Vorgehen rechter Aktivisten im Netz
Eine Recherche von ARD, WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung zeigt das Vorgehen rechter Aktivisten im Netz

Klartext aus Davos: Salesforce-CEO Marc Benioff, seit jeher als Mann klarer Worte bekannt, rechnet mit dem zuletzt schwer in die Kritik geratenen Social Network in einem CNBC-Interview ab. Benioff erklärte in "Squawk Alley", Facebook wäre wegen seines Suchtpotenzials mit einem Tabakkonzern zu vergleichen – und entsprechend zu regulieren. Der eloquente Cloud Computing-Pionier reihte sich in den Chor der Social Media-Kritiker ein, die Facebook für sein Abhängigkeitspotenzial zuletzt unter Beschuss genommen hatten.

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Die große Abrechnung mit Facebook geht praktisch im Tagesrhythmus weiter. Erst am Wochenende hatte Apple-Chef Tim Cook verklausuliert gegen das weltgrößte Social Network ausgeteilt.

„Es gibt einige Dinge, die ich ihm nicht erlaube; ich möchte zum Beispiel nicht, dass mein Neffe auf einem Social Network aktiv ist“, erklärte der CEO des wertvollsten Konzerns der Welt auf einer Podiumsdiskussion im britischen Essex  und stimmte damit in den immer größeren Chor der Kritiker aus dem Silicon Valley ein, die ihre Bedenken über die gesellschaftlichen Auswirkungen von Technologieprodukten wie Smartphones und Social Networks äußerten.

Facebook funktioniert wie Zigaretten: „Sie machen süchtig, und sie sind nicht gut für einen“

Den Kritikern schloss sich 1000 Kilometer weiter südöstlich zwei Tage später ein anderer CEO eines weiteren Silicon Valley-Riesen an. Salesforce-Chef Marc Benioff erklärte in Davos gegenüber dem Finanzsender CNBC, dass Facebook stärker staatlich kontrolliert werden müsse.

„Ich denke, dass man im gleichen Maße vorgehen müsste, wie die Zigarettenindustrie reguliert wurde“, äußerte sich der 53-Jährige gestern im Format „Squawk Alley“, das wegen des Weltwirtschaftsforums aus Davos gesendet wurde. Facebook würde am Ende funktionieren wie Zigaretten: „Sie machen süchtig, und sie sind nicht gut für einen.“

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Benioff erklärte weiter, seine Bedenken würden nicht für Facebook, sondern für die meisten sozialen Netzwerke gelten. „Die Technologie besitzt ohne Zweifel Suchtpotenzial, auf das wir hinweisen müssen. Produktdesigner arbeiten daran, dass diese Produkte abhängig machen – das müssen wir zurückfahren“, äußerte sich Benioff Social Media-kritisch.

Wie bei Zigarettenkonsum Mindestalter und Warnhinweise nötig

Der Salesforce-Chef erinnerte zudem daran, dass es ein Mindestalter für den Zigarettenkonsum und Warnhinweise über die Folgen gebe, so etwas jedoch nicht für Social Networks existiere.

Das Gefühl der Social Media-Ernüchterung hat sich zuletzt deutlich verschärft. Ende vergangenen Jahres haben zahlreiche ehemalige Facebook-Mitarbeiter eine Diskussion um die Schattenseiten des Social Networks angestoßen. Den Anfang machte Facebooks erster Präsident Sean Parker, der das weltgrößte Social Network als „eine soziale Bestätigungsmaschine“ bezeichnete, die „Gott weiß was mit den Gehirnen unserer Kinder anrichtet.“

Anhaltende Kritik an Facebook aus dem Silicon Valley

Chamath Palihapitiya, ab 2007 verantwortlicher Manager für das Nutzerwachstum des damals gerade mal drei Jahre alten sozialen Netzwerks, äußerte sich unisono. „Ich denke, wir haben Tools geschaffen, die die Struktur unserer Gesellschaft auseinanderreißen“ , erklärte Palihapitiya, der heute den von ihm gegründeten Wagnisfinanzierer Social Capital verantwortet.

Überraschenderweise gestand Facebook im Dezember selbst in einem Blogeintrag erstmals – wenn auch nur teilweise – ein,  dass die Nutzung des Social Networks unglücklich machen könne. „Wenn Nutzer im Allgemeinen eine Menge Zeit damit verbringen, Informationen passiv zu konsumieren – lesen, aber nicht mit anderen Menschen zu interagieren – geben sie an, sich schlechter zu fühlen als vorher“, schrieben Ginsberg / Burke mit Verweis auf Studien der Universitäten von Michigan, San Diego und Yale.

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