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Führungswechsel bei Funke: Andreas Schoo wird Nachfolger von Manfred Braun und neuer Konzernchef

Machtwechsel in Essen: Manfred Braun (li.) geht in den Ruhestand, der frühere Bauer-Topmanager Andreas Schoo übernimmt
Machtwechsel in Essen: Manfred Braun (li.) geht in den Ruhestand, der frühere Bauer-Topmanager Andreas Schoo übernimmt

Führungswechsel bei Funke: Andreas Schoo, langjähriger Konzerngeschäftsleiter bei Bauer, wird zur Essener Mediengruppe wechseln. Er tritt dort die Nachfolge von Manfred Braun, 65, an, der bei Funke als Motor der Expansion gilt und sich nun in den Ruhestand verabschiedet. Der 57-jährige Schoo verantwortet künftig das komplette Zeitschriftengeschäft, obendrein alle digitalen Aktivitäten des Hauses.

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Wie der Verlag heute mitteilte, wird Schoo seine neue Aufgabe zum 1. April antreten. Wie Braun kann der studierte Jurist Schoo auf eine lange Karriere im Hamburger Zeitschriften-Imperium zurückblicken. Während sein Vorgänger insgesamt 35 Jahre bei Bauer tätig war, brachte Schoo es immerhin auf 25 Jahre, bevor der Verlag und er im vergangenen September überraschend seinen Ausstieg als Konzernchef bekannt gaben.

In einer Erklärung der Funke Mediengruppe von Donnerstagmittag heißt es: „Der 57-jährige Jurist leitet ab dem 1. April 2018 neben Michael Wüller das Essener Medienunternehmen und übernimmt die Verantwortung für den Zeitschriftenbereich und das Digitale. Manfred Braun  wird das Unternehmen verlassen.“ Offen ist nun noch die Nachbesetzung für den ebenfalls von Braun verantworteten Bereich Zeitungen.

Über die Nachfolge von Manfred Braun war in der Vergangenenheit viel spekuliert worden. Dazu gehörte auch die Annahme, der Manager könne seinen Vertrag in Essen noch einmal verlängern. Diese Gerüchte sind nun vom Tisch. Der Zeitschriftenmanager, der im Juli 66 wird, gilt seit jeher als akribischer Rendite-Profi und Optimierungsspezialist. Multi-Chefredakteure für eine ganze Reihe von Titeln sowie kompakte Redaktionseinheiten, aus denen heraus mehrer Objekte bedient werden – diese inzwischen in der Branche standardisierten Prozesse hat er als einer der Ersten geprägt. In seiner zehnjährigen Amtszeit in Essen hatte Funke massiv ins Printgeschäft investiert. So kaufte die Mediengruppe Axel Springer 2013 für 920 Mio Euro Bild der Frau, Hörzu, TV Digital sowie eine Reihe weiterer Zeitschriften und Zeitungen ab (darunter die Traditionstitel Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost). Was anderenorts als „Bad Bank“ im Unternehmen galt, kaufte Funke unter Braun mit Kusshand, um die Titel dank umfangreicher Synergien perspektivisch profitabel zu betreiben. Mit seiner antizyklischen Strategie hatte Braun einigen Erfolg, und auch die Vermarktung entwickelte sich unter seiner Ägide aus Sicht der Essener erfreulich: Im Bereich Pharma und in frauen-affinen Umfeldern führt im Printmarkt an Funke kein Weg vorbei.

Es ist anzunehmen, dass Schoo, der Brauns Aufgaben schon einmal bei Bauer übernahm und erfolgreich weiterführte, diesen Kurs fortsetzen soll. Wie aus dem Markt zu hören ist, scheint die Mediengruppe nach den Zukäufen der Vergangenheit weiter auf der Suche nach lohnenden Akquise-Objekten zu sein; auch insofern dürfte Schoo für Kontinuität in der Ausrichtung des Verlagshauses stehen. In vielen Bereichen war Schoo zu Bauer-Zeiten branchenweit Trendsetter. So etablierte er mit den Programmies TV Movie und TV14 Millionenseller und machte die (eigentlich von Milchstrassen-Verleger Dirk Manthey erfundene) 14-tägige Fernsehzeitschrift für Bauer zur Cash-Cow.

Auch die neueren erfolgreichen Markteinführungen wie Closer, Meins oder Happinez gehen (mit) auf Schoos Konto. Das Digitalgeschäft brachte der umtriebige Manager im lange Zeit Print-fixierten Zeitschriftenverlag ebenso deutlich voran. Die von ihm verfügte Umstrukturierung und Trennung der Geschäftsbereiche Print und Online, wird neuerdings auch bei Axel Springer (Bild-Gruppe, Welt) verfolgt. Im Radio-Geschäft auf dem englischen Markt sowie beim Ausbau der Aktivitäten in den USA (u.a. InTouch) bewies der Manager ein goldenes Händchen. Seine harte Linie im Umgang mit dem Presse-Grosso, von dessen Vertretern Schoo schon vor Jahren größere Anstrengungen bei der Modernisierung und Effektivität (und nebenbei bessere Preise für sein Verlagshaus) einforderte, ist nun Matrix einer ganzen Allianz von Verlagen. In die wird der 57-Jährige nun in seiner neuen Position erneut einscheren. Weiterer Geschäftsführer der Funke-Gruppe ist Finanz-Experte Michael Wüller.

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Funke zitiert dazu die Aufsichtsratsvorsitzende Julia Becker: „Andreas Schoo ist ein überaus erfahrener Verlagsmanager mit einem Blick für innovative Verlagsstrukturen und besonders auch für digitale Plattformen. Wir versprechen uns von ihm die Stärkung und Weiterentwicklung unserer wichtigen Märkte Zeitschriften und Digitales. Wir freuen uns sehr, dass wir ihn als Geschäftsführer für unsere Mediengruppe gewinnen konnten.“ Auch für den scheidenden Chef, der die Gruppe mit reichlich Investoren-Millionen im Ranking der deutschen Medienhäuser kräftig nach oben gewuchtet hat, findet Julia Becker zum Abschied überaus freundliche Worte: „Er hat einen großartigen Job gemacht.“

(Noch-)Amtsinhaber Manfred Braun hatte sein VDZ-Amt als Vorstandssprecher für den wichtigen Facherband Pulikumszeitschriften (PZ) bereits Ende vergangenen Jahres an Burda-Vorstand Philipp Welte abgetreten.

 

 

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