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Zeit-Autorinnen über Kritik an Wedel-Enthüllung: „Berichterstattung muss möglich sein, sonst wäre der investigative Journalismus tot“

Die Zeit-Journalistinnen Annabel Wahba (li.) und Jana Simon recherchierten und schrieben die Titelgeschichte des Zeit Magazins über die Vorwürfe gegen Regisseur Dieter Wedel
Die Zeit-Journalistinnen Annabel Wahba (li.) und Jana Simon recherchierten und schrieben die Titelgeschichte des Zeit Magazins über die Vorwürfe gegen Regisseur Dieter Wedel

Mit ihren Recherchen zu Dieter Wedel und den Vorwürfen der sexuellen Belästigung durch drei Schauspielerinnen gelang Jana Simon und Annabel Wahba für das Zeit Magazin ein aufsehenerregender Scoop. Doch hätte die Story, deren Nebeneffekt eine mediale Rufschädigung von Wedel ist, überhaupt gedruckt werden dürfen? Im Gespräch mit MEEDIA reagieren die Autorinnen auf Kritk und begründen ihr Vorgehen.

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Für die Titelgeschichte des Zeit Magazins „Im Zwielicht“, haben Sie von sich aus im Umfeld des Fernsehgeschäfts recherchiert, oder wurden Sie von den Schauspielerinnen selbst angesprochen?
Jana Simon: Die Geschichte einer der Frauen kam zu uns – mehr können wir wegen des Informantenschutzes nicht sagen. Auf die anderen stießen wir durch Recherchen in der Branche. Insgesamt haben wir mehr als zwei Monate lang recherchiert und fast 50 Personen befragt.
Annabel Wahba: Darunter waren zum Beispiel Agenten, Caster, Produzenten, Schauspieler und auch ehemalige Mitarbeiter von Dieter Wedel. Eine der ehemaligen Schauspielerinnen, Jany Tempel, hat für unsere Recherchen auch ihre Therapeutin von der Schweigepflicht entbunden. Schon während der Recherche stießen wir auf weitere Schauspielerinnen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wollen wie die vier Frauen, die nun in der Geschichte zu Wort kommen.

Dieter Wedel hat mit einer eidesstattlichen Versicherung die Vorwürfe dementiert. Damit steht, auch laut Ihrem Artikel, Aussage gegen Aussage: Wessen Äußerungen halten Sie für glaubwürdiger?
Wahba: Für uns gilt immer der Neutralitätsgrundsatz. Wir stellen den Aussagen der Frauen Dieter Wedels Aussagen gegenüber. Wir hätten ihn auch gerne selbst getroffen, um persönlich mit ihm zu sprechen, aber eine Interviewanfrage lehnte er über seine Assistentin ab – daher haben wir seine Stellungnahme zu den jeweiligen Vorwürfen der Frauen veröffentlicht. Nach unseren sehr aufwändigenRecherchen kamen wir aber zu dem Schluss, dass wir die Aussagen der drei Frauen für glaubhaft halten.
Simon: Jeder, der unsere Geschichte liest, wird feststellen, dass wir es uns nicht leicht gemacht und uns sehr um Ausgewogenheit bemüht haben. Wenn wir die Frauen für Wichtigtuerinnen oder für unglaubhaft gehalten hätten, hätten weder wir, noch die Chefredaktion diese Geschichte veröffentlicht

Die Taten wären, sofern sie sich so ereignet haben, strafrechtlich verjährt. Warum haben Sie diesen Umstand nicht stärker thematisiert?
Simon: Das erwähnen wir in unserer Geschichte bereits im ersten Viertel. Dort steht, dass alle Sexualstraftaten spätestens nach 20 Jahren verjährt sind.

In Deutschland gilt die Unschuldsvermutung. Unabhängig vom Ausgang möglicher Verfahren ist das Ansehen von Dieter Wedel nun schwer belastet. Hatten Sie nach Lage der Dinge keine Skrupel, die Story trotzdem zu bringen?
Wahba: Es ist die Aufgabe der Presse, auch über einen Tatverdacht zu berichten, solange dies ausgewogen geschieht. Das haben wir getan, im Text und auch auf dem Doppelcover des Magazins. Dort stellen wir dem Zitat einer der Frauen die Stellungnahme von Dieter Wedel entgegen.

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In einem Beitrag in der Welt spricht Gisela Friedrichsen von einer “medialen Vorverurteilung” und stellt einen Bezug zur Rufschädigung im Fall Kachelmann her. Wie stehen Sie zu dieser Kritik?
Wahba: Wir wollen niemanden vorverurteilen, sondern stellen die Aussagen der Frauen denen von Dieter Wedel gegenüber. Der Fall Kachelmann kann nicht mit dem Fall Wedel gleichgesetzt werden.
Simon: Generell gilt: Verdachtsberichterstattung bei gesellschaftlich relevanten Themen muss möglich sein, sonst wäre der investigative Journalismus tot.

Welche Reaktionen gab es zu ihrem Artikel, haben sich weitere Schauspielerinnen bei Ihnen gemeldet?
Simon: Medial waren die Reaktionen sehr vielfältig. Auch aus der Filmbranche haben wir viele Rückmeldungen bekommen. Viele sind froh darüber, dass sich nun vielleicht etwas verändert. Und ja, es haben sich weitere Schauspielerinnen bei uns gemeldet

Wedel hat der Zeit gegenüber mit rechtlichen Schritten gedroht. Sind Ihnen entsprechende Maßnahmen bereits welche bekannt?
Wahba: Nein, bisher ist uns nichts bekannt.

Planen Sie schon weitere Berichte im Zeit Magazin oder warten Sie, die sich entwickelnde Debatte erst einmal ab?
Simon: Es gibt keinerlei Planung unsererseits. Das ist ja keine geplante Aktion gegen Dieter Wedel, sondern wir berichten, wenn es etwas zu berichten gibt.

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Alle Kommentare

  1. Gott sei Dank wird in filmischen Inszenierungen Frauen wegen ihrer Würde nicht zum Spaß zwischen die Beine getreten. Das wäre ein neuer Frauendiskriminierungshöhepunkt und unglaubliche Gewaltverherrlichung in Bezug auf ihre Sexualität.
    Sie werden nicht genitalisiert wie die genitalisierten B-Menschen.
    Ihr Geschlechtsteil wird wegen der Würde der Frau nicht in der Porno- und Aufgeilsprache beurteilt und verhöhnt.
    Das alles ist nur mit den männlichen Menschen möglich.
    Diese medial-verstaatlichte Doppelmoral ist zum Kotzen.
    Nur ein Tag der Umkehrung der geschlechtsspezifischen Verhältnisse und der Teufel/die TeufelInnen wär(en) los.
    Das zweierlei Maß ist gesellschaftlich inzwischen fest verankert , getreu dem Motto: Wer keine Würde hat, dessen Würde kann auch nicht verletzt und schon gar nicht sexuell belästigt werden.

  2. Politik, Leitmedien und Justiz sind stramm auf Linie. Wir werden in der ZEIT nichts über öffentlich wixende Migranten lesen – dafür um so mehr über Frauenknie, die vor 10 Jahren von weißen Männern angefasst wurden. Mit der hier zutage tretenden Doppelmoral wächst der Hass auf die Beteiligten/Verantwortlichen – bis er sich eines Tages hemmungslos entlädt.

    https://www.wochenblatt.de/boulevard/altoetting/artikel/217462/asylbewerber-belaestigt-15-jaehrige-im-bus-sie-nimmt-es-auf-video-auf

  3. Eine ausgewogene Berichterstattung ist bei solchen unbewiesenen Beschuldigungen – ohne juristische/polizeiliche Ermittlungen – überhaupt nicht möglich.
    Verdachtsberichterstattung hat nichts mit investigativem Journalismus zu tun, sondern ist primitivster Boulevardjournalismus – in der ZEIT freilich unter dem Deckmantel der Seriösität.
    Wie echter investigativer Journalismus funktioniert, hat Gisela Friedrichsen ebenfalls in der ZEIT z.B. hier publiziert:
    http://www.zeit.de/2002/19/200219_irrtum.xml
    Offenbar hat der Ressortleiter (In?) auch überhaupt gar nichts aus dem Fall Kachelmann gelernt.

  4. DIE ZEIT liebt und puscht das Narrativ ‚toxische Männlichkeit‘. Zumal sich auf diese Weise migrationsbedingte Kollateralschäden wunderbar pauschal auf das politisch korrekte Feindbild ‚weißer Hetreo-Mann‘ verschieben lässt und das Wedel stellvertretend verkörpern soll. Das Ganze illustriert DIE ZEIT Schlag September 2015 mit bezaubernd lächelnden Kopftuchträgerinnen als Sinnbild weiblicher Selbstbestimmung/kultureller Bereicherung.
    Das ist weniger investigativ als nurmehr gewohnt manipulativ.

  5. Vergeßt Recht. Vergeßt Logik. Vergeßt Anstand.

    Frauen dürfen alles, und noch mehr. Bestimmte Journalisten dürfen alles.

    Journalistinnen dann erst recht.

    Macht generell einen Bogen vor Frauen, sowie vor allem vor den Charakteren, die sich Frauen unterordnen und hofft, daß von dem, was hinter Euch liegt nichts von dieser entgleisten Gesellschaft mit dem Ziel Eurer Vernichtung problematisiert wird. Mehr kann man nicht mehr machen.

    in ein paar Generationen dürfte dieser Spuk in einem womöglich großen Knall untergegangen sein. Sowas wird halt ausbluten müssen.

    Logik und Rationalität, Recht und Anstand lassen sich – die Hoffnung stirbt zuletzt – nicht ewig ausschließen.

  6. trau schau wem – den beiden Redakteurinnen kann man nur Glück wünschen nicht in eine ähnliche Sitaution zu kommen, in die sie – wichtigtuerisch – Dieter Wedel gebracht haben. Es bleibt der Eindruck, da wollten zwei Frauen einen Scoop landen. Man merkt die Absicht und ist verstimmt.

    1. Eine ausgewogene Berichterstattung ist bei solchen unbewiesenen Beschuldigungen – ohne juristische/polizeiliche Ermittlungen – überhaupt nicht möglich.
      Verdachtsberichterstattung hat nichts mit investigativem Journalismus zu tun, sondern ist primitivster Boulevardjournalismus – in der ZEIT freilich unter dem Deckmantel der Seriösität.
      Wie echter investigativer Journalismus funktioniert, hat Gisela Friedrichsen ebenfalls in der ZEIT z.B. hier publiziert:
      http://www.zeit.de/2002/19/200219_irrtum.xml
      Offenbar hat der Ressortleiter (In?) auch überhaupt gar nichts aus dem Fall Kachelmann gelernt.

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