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„Get the F*ck out of my House“: Die „krasseste Show ever“ ist vor allem krass langweilig

Am Donnerstag startete bei ProSieben das neue Reality-Format „Get the F*ck out of my House“
Am Donnerstag startete bei ProSieben das neue Reality-Format "Get the F*ck out of my House"

100 Kandidaten leben für vier Wochen auf gerade einmal 116 Quadratmetern zusammen und werden dabei 24 Stunden lang gefilmt: Bei ProSieben startete am Donnerstagabend die neue Reality-Show "Get the F*ck out of my House". Von der Bild als "Big Brother extrem" angekündigt, ist das Format jedoch letztendlich nichts anderes als ein aufgewärmter Einheitsbrei aus alten Shows im neuen "Krass"-Kostüm.

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Ein alter, ausgelatschter Schuh kann noch so oft mit der besten Pflege bearbeitet werden – ein nigelnagelneuer, aufregender Sneaker wird daraus nimmermehr. Und auch ein altes, auserzähltes TV-Format wird durch das Wiederholen von Beschreibungen wie „extrem“, „krass“ oder „Reality-Hit“ nicht zum neuen Star am Trash-Himmel. Wer die neue ProSieben-Sendung „Get the F*ck out of my House“ sieht, hat das Gefühl, in einer Endlosschleife aus Reality-Klischees gefangen zu sein: Da ist der frisch getrennte und sicher noch ganz doll traurige Mann, das quirlige Insta-Model (ja, das ist mittlerweile ein Beruf), der hanseatische Rentner, die alleinerziehende Mutter, die rheinische Frohnatur und natürlich das Schminki-Schminki-Girl, das ihr Preisgeld im Falle eines Sieges in neue Brüste investieren will.

Das Format kommt ursprünglich aus den Niederlanden und lief dort recht erfolgreich im vergangenen Herbst. Nun also auch in Deutschland: Vier Wochen lang leben die 100 Kandidaten in einem Einfamilienhaus auf gerade einmal 116 qm zusammen: nur ein Klo und nur eine Dusche, eine Küche, die für vier Personen ausgerichtet ist, wenige Betten. Die Kandidaten dürfen das Haus nicht verlassen – wenn sie es dennoch tun, sind sie automatisch und sofort ausgeschieden. Smartphones oder andere Elektrogeräte sind verboten. Wer am Ende übrig bleibt, gewinnt sowohl besagtes Haus als auch 100.000 Euro. Jede Woche wählen sie untereinander einen Hausboss – wenig überraschend ist es zu Beginn der gemütliche Rentner Norbert aus Schleswig-Holstein, der Geborgenheit und nordische Unaufgeregtheit ausstrahlt.

Nach gerade einmal 90 Minuten gibt die erste Kandidatin auf – die Klo-Schlange war ihr zu lang. Und als Zuschauer hat man das Gefühl, schon mindestens drei Sekunden (oder eigentlich drei Jahre) vorher zu wissen, was gleich passiert. Im Vorspann der ersten Folge schluchzt ein Kandidat in die Kamera, GTFOOMH sei „einfach die krasseste Show aller Zeiten“. Doch schnell wird klar: Wirklich krass ist hier nichts: die Dramaturgie, die Schnitte, die Musik, das alles wurde uns schon mehrfach genauso und/oder besser aufgetischt.

Klar, die Enge ist neu, der Kampf um Handtücher, die schiere Masse an Menschen; aber reizvoll ist auch das alles nicht mehr. Zu oft wurden mittlerweile Sozialexperimente vor laufender Kamera durchgeführt, zu oft trafen unterschiedlichste Personen in Extrem-Situation aufeinander, zu oft konnten wir schon Eskalationen vom gemütlichen Sofa aus miterleben und uns mit vollem Genuss fremdschämen. Alles ist vorherseh- und austauschbar, alles scheint allzu kalkuliert.

Dass alle „Get the F*ck out of my House“-Folgen bereits aufgezeichnet sind und auch nur einmal in der Woche – jeden Donnerstagabend – ausgestrahlt werden, macht das Format nicht reizvoller: Wo bleibt da die Spannung? Und kann man sich bei der Menge an Personen überhaupt bis zur nächsten Woche merken, wer wer ist? Wer hat aufgegeben, wer ist noch drin, wer ist Favorit? Und wer interessiert sich überhaupt dafür?

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Zwar waren die Quoten der ersten Folge gut: 1,13 Mio. 14- bis 49-Jährige interessierten sich für den Auftakt, der Marktanteil von 12,1% lag klar über dem aktuellen 12-Monats-Durchschnitt des Senders von 9,5%. Im Gesamtpublikum landete die Show mit 1,59 Mio. Sehern bei 5,2%, auch das reicht für den Sprung über das Sender-Normalniveau (4,5%). Bei der ProSieben-Kernzielgruppe der 14- bis 39-Jährigen sahen 840.000 zu – 15,6%. Doch angesichts der Publicity im Vorfeld und der aufgeregten Berichterstattung in der Bild-Zeitung dürfte sich ProSieben hier durchaus mehr erwartet haben. Interessanter als die Einschaltquoten der ersten Folge wird jedoch sein, wie GTFOOMH mit Folge 2 abschneidet. Kann die Show ihre Spannung bis in die in die nächste Woche tragen, wenn sie es doch kaum bis ans Ende ihrer ersten Folge schafft?

Fünf Folgen sind geplant, und mittendrin startet bei RTL am 19. Januar auch noch die große Konkurrenz „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“, was dem ProSieben-Experiment sicherlich zusätzlich schaden dürfte. Noch ist das Dschungelcamp die Königin der Trash-Reality-Formate, doch auch diese alte Lady scheint zu schwächeln; selbst bei ihr baute die Spannung der letzten Staffeln ab, einige Kritiker attestierten ihr Langeweile und merkten mit müder Stimme an, eine Pause sei vielleicht mal an der Zeit.

Doch von Pause ist weit und breit keine Spur zu sehen: Weder bei IBES noch sonst wo im Reality-Universum. Dabei ist der deutscher Fernseh-Voyeurismus doch längst befriedigt, wir haben alles gesehen, sind satt vom Zickenkrieg und crazy Liebschaften. Dass sich in der ersten „Get the F*ck out of my House“-Folge der zunächst so ruhige und besonnen wirkende Norbert am Ende als harter Leader („Ich bin nicht hier, um Freunde zu suchen“) entpuppt, reißt genausowenig vom Hocker wie allzu vorhersehbare Klo- oder Essensstreits. 100 Minuten Sendezeit, 100 Kandidaten, alles 100 mal gesehen. Statt Trash-Glück herrscht schlicht und ergreifend Langeweile und leicht frustriert die Erkenntnis: Jetzt ist es mal wirklich genug.

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