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Copypreis steigt auf fast 20 Euro: Was Impulse-Chefredakteur Förster mit seiner Hochpreis-Strategie bezweckt

Chefredakteur und Geschäftsführer von Impulse: Nikolaus Förster
Chefredakteur und Geschäftsführer von Impulse: Nikolaus Förster

Es ist ein gewagter Schritt. Erneut dreht Chefredakteur Nikolaus Förster bei Impulse an der Preisschraube. Ab 2018 kostet das Wirtschaftsmagazin knapp 20 Euro. Hinter der Vertriebsmaßnahme steckt eine klare Strategie. Förster will die Unternehmer-Zeitschrift als Premium-Titel positionieren und seinen Lesern einen Nutzwert-Journalismus bieten, der ihnen konkrete finanzielle Vorteile einbringt.

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Meterhoch hängen die Plakate in Bahnhöfen und in Zügen. Seit November trommelt Impulse-Chefredakteur Nikolaus Förster mit einer neuen Werbekampagne in eigener Sache. Zu sehen sind darauf die Inhaber diverser Mittelständler und daneben fette Geldbeträge. Denn ob Axel Stürken, Geschäftsführer der Handelsgruppe Leuchtturm (Torquato) oder Heike Leinhäuser, Chefin der Übersetzungsfirma Leinhäuser Language Services – mal verschafft sich der Unternehmer aus Geesthacht 500.000 Euro mehr Liquidität, weil er durch Impulse einen Steuertipp bei der Thesaurierung von Gewinnen befolgt hat, mal spart die Firmeninhaberin aus München 19.564 Euro, weil sie durch eine Impulse-Empfehlung die Betreuungskosten für ihr Team besser ansetzt.

Mit der Kampagne impulse-zahlt-sich-aus.de verfolgt Förster, der das Wirtschaftsblatt Anfang 2013 im Rahmen eines Management-Buy-outs vom Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr übernommen hat, eine klare Strategie. Er setzt im hart umkämpften Markt der Wirtschaftstitel auf eine neue Art von Nutzwert-Journalismus: „Unternehmer sind sehr beschäftigt. Sie haben heute keine Zeit, um eine Vielzahl an Wirtschaftspublikationen zu wälzen. Wir wollen mit Impulse, Inhabern und Geschäftsführern unternehmerische Ideen vermitteln, die ihnen konkrete finanzielle Vorteile einbringen“, beschreibt der 49-Jährige sein Konzept.

Mit diesem Argument rechtfertigt der Jungverleger auch eine erneute Preiserhöhung. Ab 2018 soll der Copypreis auf 19,90 Euro klettern. Damit verteuert Förster den Abo-Titel bereits zum vierten Mal. Als er die Zeitschrift 2013 übernahm, kostete das Blatt noch 7,50 Euro. Danach erhöhte er den Heftpreis mehrfach – erst auf 9,90 Euro, dann 12,80 Euro, Anfang diesen Jahres dann auf 15,90 Euro. Nun dreht er wieder an der Preisschraube und gibt sich selbstsicher, dass ihm die Aktion kaum Leser kostet. „Ich rechne nicht damit, dass durch die Preiserhöhung auf 19,90 Euro viele Leser abspringen“, meint der Geschäftsmann.

Doch die Hochpreis-Strategie ist gewagt. Zuletzt schmolz die Zahl der Abonnenten deutlich ab. Waren es im 3. Quartal vergangenen Jahres noch 38 314 Exemplare, sind es im vergleichbaren Quartal 2017 nur noch 35480 Stück – ein Minus von 7,4 Prozent. Fraglich ist deshalb, ob die neue Preiserhöhung die Kündigungsrate verschärft. Die Konkurrenz ist jedenfalls bei Preismaßnahmen deutlich vorsichtiger. Sie lockt ihre Leser vielmehr mit aberwitzigen Sach- und Geldprämien. Doch davon will Förster nichts wissen. Messersets, Tankgutscheine, Staubsauger oder hohe Geldbeträge sind ihm ein Dorn im Auge. Dadurch würden die Verleger, so seine Meinung, das Vertrauen in die hohe journalistische Qualität ihrer Produkte geringschätzen.

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Trotz der Vertriebsmaßnahme hat Förster auch die Vermarktung fest im Blick, die er ab kommenden Jahres neu ausrichtet. „Wir nehmen das Anzeigengeschäft künftig selbst in die Hand“, betont der Geschäftsmann. Bislang sorgte sich hierum ausschließlich Inspiring Network (Emotion, Hohe Luft). Künftig akquiriert der Verlag nur noch Life-Style-Anzeigen wie Schmuck, Uhren und Kosmetik. Von Banken bis Software-Gesellschaften – das Brot- und Buttergeschäft mit Firmenanzeigen steuert Impulse Medien ab sofort in eigener Regie.

Seit knapp fast fünf Jahren ist Förster Herr von Impulse. Jahrelang hatte er als Mitglied der Chefredaktion der G+J-Wirtschaftsmedien die Geschicke des Unternehmermagazins gelenkt. Dann kommt 2012 der Schock. Überraschend macht Gruner + Jahr das Wirtschaftssegment dicht, die Qualitätszeitung Financial Times Deutschland wird eingestellt. Übrig bleibt unter anderem Impulse. Förster packt die Gelegenheit und greift nach dem Wirtschaftsblatt. Als Partner holt er sich den Hamburger Kaufmann und Immobilieninvestor Dirk Möhrle an seine Seite, bis 2005 Miteigentümer der Baumarktkette Max Bahr. Damit beginnt für Förster eine neue Zeitrechnung. Vom Chefredakteur zum Chef eines Unternehmens – auf einen Schlag ist der dunkle-haarige Brillenträger für 20 Festangestellte verantwortlich und haftet gleichzeitig persönlich für alle geschäftlichen Aktivitäten.

Zunächst erzielt er in der Startphase einen kleinen Gewinn. Dann rutscht er zeitweise in die roten Zahlen. Im vergangenen Jahr folgt dann die Ertragswende. Er schreibt einen mageren Plus. 5089,13 Euro nach Steuern weist die Impulse Medien GmbH 2016 aus. Bei den inzwischen 40 Festangestellten kommt die Gewinnmeldung gut an. Sie werten dies als klares Signal, dass ihr Arbeitgeber unternehmerisch auf dem richtigem Kurs liegt. Jetzt haben sie erneut Grund zum Jubeln. Auch für dieses Jahr rechnet ihr Chef mit einem Jahresüberschuss. „Ich gehe davon aus, dass wir 2017 einen signifikantem Gewinn erzielen“, erklärt Förster stolz. Was signifikant in Zahlen bedeutet, will er aber noch nicht verraten.

Dass sich der Ertrag verbessert, liegt nicht nur am Printprodukt, unverändert Hauptumsatzträger des kleinen Medienhauses im Hamburger Stadtteil Hammerbroock. Immer stärker fallen auch Nebengeschäfte ins Gewicht. Ob Reisen mit Unternehmern, Bewegbild-Produktionen (Kreative Zerstörer) oder rund 15.000 Euro teure Coaching-Programme für Firmeninhaber: Förster stellt sein Unternehmen mit einem Strauß an Dienstleistungen breiter auf. Besonders stolz ist er auf den Einstieg ins Buchgeschäft, auch wenn der Geschäftszweig nur geringe Margen abwirft. Sein Erstlingswerk: „Mein größter Fehler“ hat sich inzwischen 6000 Mal verkauft. Fragt man ihn, was sein größter Fehler im Leben war, muss er zunächst stutzen. Förster: „Ich habe in den ersten Jahres meines Unternehmerdaseins einfach zu viel gearbeitet und darüber vergessen, Privates und Berufliches besser auszubalancieren. Doch das werde ich jetzt ändern“. Ob er diesen guten Vorsatz wirklich umsetzt, wird sich zeigen. Als Unternehmer ist man immer in der Pflicht. Da bleibt kaum Zeit, um loszulassen.

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