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“Nachrichtliche Fakten werden textlich nur noch knapp zusammengefasst”: WDR kommt Verlegern entgegen und fährt Online-Textanteil zurück

Auch nach Kritik von Verleger-Präsident Mathias Döpfner: WDR-Intendant Tom Buhrow will WDR.de umbauen
Auch nach Kritik von Verleger-Präsident Mathias Döpfner: WDR-Intendant Tom Buhrow will WDR.de umbauen

Ob es an der Nordkorea-Rede von Mathias Döpfner, dem öffentlichen Druck oder diversen Prozessen liegt, wird sich wohl nie abschließend klären lassen. Fakt ist jedoch: Nach ZDF-Intendant Thomas Bellut in der Zeit, kündigt nun auch WDR-Chef Tom Buhrow an, im Web künftig den Textanteil herunterzufahren und mehr auf audiovisuelle Inhalte setzen zu wollen.

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In den vergangenen Wochen war von Seiten der Verlage deutlich der Druck auf die öffentlich-rechtlichen Anstalten erhöht worden. So endete in Bremen der Rechtsstreit zwischen vier nordwestdeutschen Zeitungsverlegern und Radio Bremen um dessen Online-Auftritt mit der Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung durch den Sender. Streitpunkt: der Textanteil auf der Webseite der Anstalt. Damit sei die Homepage zu presseähnlich und damit rechtswidrig.

Bereits einige Wochen zuvor hatte Springer-CEO und Verleger-Präsident Mathias Döpfner die öffentlich-rechtlichen Sender, vor allem der ARD, harsch kritisiert. Der Vorwurf lautet unter anderem, dass die Anstalten Gebührenmilliarden missbrauchen würden, um den Zeitungsverlagen in Deutschland Schritt für Schritt die Existenzgrundlage zu entziehen.

Dem antwortet in einer Vorabmeldung der Zeit bereits ZDF-Chef Thomas Bellut, in dem er sagt, dass man das Interesse der Verlage kenne.“ Wir haben uns in den Textbeiträgen auf unserer Internetseite zurückgenommen, was sich nicht immer positiv auf unseren Erfolg auswirkt.” Weiter sagte er: “Ich bin davon überzeugt, dass für alle öffentlich-rechtlichen Sender das Bewegtbild die Zukunft ist. Darin sind wir besser als alle anderen. Und darauf konzentrieren wir uns.”

Das scheint Tom Buhrow – mittlerweile – ganz ähnlich zu sehen. So kündigt der WDR am heutigen Donnerstag eine neue Digital-Initiative an, bei der der Sender „ab sofort den Schwerpunkt auf Video- und Audioformate in seinem Online-Portal wdr.de.“ verstärken wird. Zu jedem Thema gebe es auf der Startseite nun Videos und Audios. Die wesentlichen nachrichtlichen Fakten wolle man textlich nur noch knapp zusammenfassen.

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„Wir setzen online deutlich stärker auf unseren Kernauftrag“, sagt WDR-Intendant Tom Buhrow. „Im kommenden Jahr wollen wir das Angebot weiter mit neuen audiovisuellen Formaten ausbauen und den strukturellen Umbau für den digitalen Wandel konsequent vorantreiben“, so Buhrow.

In seiner Kommunikation bezieht sich der WDR deutlich und offen auch auf den Streit mit den Verlegern. „Ich will keine Energie in überflüssige Rechtsstreitigkeiten stecken, sondern ein starkes Neben- und Miteinander von Sendern und Zeitungen fördern. Nur mit einer vielfältigen Medienlandschaft garantieren wir den Menschen unabhängigen und umfassenden Journalismus.”

Im Zuge dessen wollen die Kölner auch mehr auf interaktive Darstellungsformen, Virtuell-Reality-Formate und datenjournalistische Schwerpunkte setzen.

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