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#trending: die „Ehe für alle“ in Österreich, Kubicki und Lindner, Eminems Tracklist und die (Un-)Follower von John McCain

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Guten Morgen! Regelmäßig rege ich mich auf, wenn fahrlässig, populistisch oder unwissend mit Zahlen umgegangen wird. Gestern gab es so einen Fall bei Spiegel Online: "Mehrheit der SPD-Anhänger lehnt GroKo ab" stand dort in einer Klick-trächtigen Headline, die dann auch zu den meistgelesenen SpOn-Texten des Tages gehörte. Problem: Die Headline ist falsch. In der entsprechenden Civey-Umfrage ging es um die Frage "Für welche Option in der Regierungsfrage sollte sich die SPD-Spitze entscheiden?" 56,5% antworteten zwar für die Tolerierung einer Minderheitsregierung - aber niemand weiß, ob diese 56,5% tatsächlich eine "GroKo" ablehnen würden, wie in der Headline suggeriert wird. Niemand.

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#trending // News & Themen

Wieder ein Tag, an dem der nach Social-Media-Interaktionen erfolgreichste deutschsprachige journalistische Artikel nicht aus Deutschland, sondern aus Österreich kam. War es am Montag der Aufreger um ein angebliches Verbot von „Nikolo“ an einer Wiener Schule, erntete am Dienstag derStandard.at die meisten Likes & Co – und zwar mit der Story zur „Ehe für alle“, für die der Verfassungsgerichtshof des Landes am Dienstagmorgen grünes Licht gab. 26.400 Interaktionen gab es für den Standard-Artikel auf Facebook und Twitter.

Auch auf Platz 2 folgt ein Artikel aus Österreich: der Kurier punktete mit „Kurz schlägt Nulllohnrunde für Politiker vor„: 16.100 Interaktionen gab es hierfür. In Deutschland landete Focus Online den größten Social-Media-Hit mit der News-Geschichte „USA – Oberstes Gericht erlaubt Trumps Einreiseverbot für Muslime“ und 14.200 Interaktionen.

#trending // Social Media

Jetzt setzt sich der Jahresrückblicks-Quatsch Anfang Dezember auch in den sozialen Netzwerken durch. Nicht nur, dass Günther Jauch 2017 bei RTL schon für beendet erklärt hat und Der Spiegel seine „Chronik“ mit der „Geschichte dieses Jahres“ ebenfalls schon auf den Markt gebracht hat, Instagram veröffentlichte nun bereits die Liste der Posts mit den meisten Likes und am Dienstag zog Twitter nach – mit den Tweets, die 2017 – bzw. vom 1. Januar bis 4. Dezember – die meisten Likes und Retweets einsammelten. Warum zur Hölle – Verzeihen Sie meine Wortwahl – kann niemand mehr abwarten, bis das Jahr tatsächlich zu Ende ist? Was, wenn in den immerhin noch dreieinhalb Wochen des Jahres noch irgendwas passiert, das Nachrichten, Posts und Tweets zu Tage bringt, die dann in den offiziellen Rückblicken fehlen? Den #trending-Jahresrückblick lesen Sie an dieser Stelle jedenfalls Anfang Januar. Dann, wenn das Jahr 2017 tatsächlich zu Ende ist.

#trending // Wahljahr 2017

Nanu. Gibt es da etwa Unstimmigkeiten in der FDP im Bezug auf Jamaika? Am Dienstag konnte man diesen Eindruck jedenfalls gewinnen. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland aus dem Hause Madsack sagte FDP-Vize Wolfgang Kubicki, im Falle einer gescheiterten Großen Koalition würde man eventuell doch nochmal über eine Jamaika-Koalition nachdenken: „Eines ist doch klar: Scheitert die GroKo, haben wir eine andere Lage„, so Kubicki. Und weiter: „Selbstverständlich werden die Freien Demokraten im Licht der Entwicklung neue Bewertungen vornehmen. Wir sind schließlich keine Dogmatiker.“

FDP-Chef Christian Lindner gefielen die Zitate offenbar nicht wirklich. Er postete zügig auf Facebook: „Die widersprüchlichen Wahlprogramme von FDP, Grünen und Union werden sich nicht in Luft auflösen. In dieser Wahlperiode ist Jamaika für niemanden mehr ein Thema. Wolfgang ist wohl falsch interpretiert worden.“ Aber ist das so? Auch Kubicki äußerte sich nochmal auf Facebook, stellte seine Sätze als „Binsenweisheiten“ dar. Endet seinen Post aber mit den Worten: „Dass Jamaika mit anderen Personen mit einer belastbaren Vertrauensgrundlage funktionieren kann, dokumentieren wir jeden Tag in Schleswig-Holstein.“ Wie ein hartes Dementi klingt das nicht wirklich.

Michael Spreng deutet den Sachverhalt in seinem Blog anders: Er meint, Lindner habe mit seinem Facebook-Post „seinen engsten Mitstreiter düpiert“. „Lindner, der unbestreitbar der Vater des FDP-Erfolges ist, wird einsehen müssen, dass es auch in der FDP abweichende Meinungen gibt. Dies zu akzeptieren muss er noch lernen“, so Spreng.

 

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#trending // Entertainment

Eminem hat am Dienstag die Tracklist seines ersten Albums seit vier Jahren veröffentlicht: „Revival“ erscheint am 15. Dezember und allein die Tracklist sammelte auf Facebook innerhalb von fünf Stunden 240.000 Likes & Co. ein. Darunter allein 23.400 Kommentare. Unumstritten wird das Album nicht werden. In der Tracklist sind allein acht Kooperationen (bzw. Features) mit anderen Musikern verzeichnet – darunter Weltstars wie Beyoncé, Ed Sheeran, Alicia Keys und Pink.

Vor allem die Personalie Ed Sheeran sorgt bei vielen Eminem-Fans dabei für Kopfschütteln. Einige der Facebook-Kommentare und Tweets: „Needs more actual artists on it. Ed Sheeran?“, „Pink, Alicia Keys, Beyoncé, and Ed Sheeran? Wtf, you should probably just retire for good“, „Eminem got Pink, Kehlani, Ed Sheeran and Alicia Keys on the album? Nah, he can keep it. This ain’t the Eminem I’m here for“. Die üblichen Kämpfe eines Künstlers mit seinen Fans, wenn er sich weiter entwickelt.

12/15

Posted by Eminem on Dienstag, 5. Dezember 2017

#trending // Worldwide

Amüsanter Protest gegen John McCain und seine Zustimmung zur Steuerreform. Kritiker können McCains Pro-Entscheidung nicht verstehen, weil mit der Reform auch Milliarden aus dem Gesundheitssystem abgezogen würden. Insbesondere McCains eigene Krebserkrankung wird hier angeführt. Am Montagabend deutscher Zeit twitterte McCain, bzw. sein Team, nun: „We’re only 74 Twitter followers away from 3M – spread the word & help us reach this big milestone!“ Die Folge war nicht wie erwartet, dass es nur wenige Minuten dauert, bis das Account die 3-Millionen-Follower-Marke erreichte. Stattdessen gab es tausende Nutzer, die auf „Unfollow“ klickten.

Musiker Mikel Jollett twitterte: „Over 5,000 people have unfollowed you since you sent this this two hours ago. One reason is you because you – a man undergoing cancer treatment – voted to strip $25 BILLION dollars from the part of Medicare which pays for CANCER TREATMENT.“ Nach einigen Stunden war McCain nicht mehr 74 Follower von den 3 Millionen entfernt, sondern 30.000. Zwar näherte er sich am Dienstagabend deutscher Zeit wieder der Marke, hat sie heute nacht wohl auch durchbrochen, doch die anderthalb Tage mit mehr Un-Followern als Followern waren für McCain eine kleine peinliche Situation.

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-Interaktionen: Der Postillon – „Evolution: Frauen kommen in 20 Millionen Jahren mit angewachsener Fleece-Decke zur Welt“ (30.900 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei Twitter: Focus Online – „USA – Oberstes Gericht erlaubt Trumps Einreiseverbot für Muslime“ (1.900 Retweets und Likes)

Story bei Blendle (nach Likes): Brigitte – „Fünf Geheimnisse einer guten Beziehung

Google-SuchbegriffNikolaus(100.000+ Suchen)

Wikipedia-SeiteMichael I. (Rumänien)(25.900 Abrufe) [verstorbener letzter König von Rumänien]

Youtube-Video: KinoCheck – „JURASSIC WORLD 2 Trailer Teaser German Deutsch (2018)

Song (Spotify): Bausa – „Was du Liebe nennst“ (469.000 Stream-Abrufe aus Deutschland am Sonntag)

Musik (Amazon): „Bravo the Hits 2017“ (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): „Game of Thrones: Die komplette 7. Staffel“ (DVD)

Game (Amazon): „Super Mario Odyssey“ (Nintendo Switch)

Buch (Amazon): Jeff Kinney – „Gregs Tagebuch 12 – Und tschüss!“ (Gebundene Ausgabe)

#trending // Feedback und Teilen

Anmerkung: Alle in #trending genannten Zahlen beziehen sich wenn nicht anders vermerkt auf den Vortag der Newsletter-Veröffentlichung (Stand: 24 Uhr)

Was finden Sie gut an #trending? Was schlecht? Was fehlt Ihnen? Schreiben Sie mir!

Mehr Social-Media-Trends und -Themen lesen Sie in meiner nachmittäglichen Kolumne in der Handelsblatt-10-App. Erhältlich für iOS und Android.

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Alle Kommentare

  1. Horst Schlämmer macht es vermutlich vor. Die wollen doch mit ihren Frauen und Geliebten irgendwo im Ausland Weihnachten feiern. Also wird alles jetzt abgewickelt damit die Boni-Manager Weihnachtsfeier-Ketten in der aktuellen Wirtschafts-Blase mit Giganto-DAX-Dividenden und vermutlich dicksten Geschenk-Taschen besuchen können. Vermutlich kann man es bei prominent! und exklusiv! täglich anhand 10 Prominenter (und jeweils 100-1000 Boni-(Bierbauch)-Manager nebst Geliebter/Praktikantin/Ehefrau/Anhang/… ) bei RTL und Vox und Leute Heute und Frühstücks-TV beobachten.

    Vieles wurde vielleicht schon vor Monaten oder Jahren aufgezeichnet denn auch „Der Lehrer“ lag im Giftschrank http://www.dwdl.de/magazin/20013/in_den_giftschrnken_der_sender_verschollene_formate/ . Die Zuschauer könnten es tweeten aber dann kriegt man und sein Stadtteil/PLZ-Gebiet vielleicht nie wieder Karten.

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