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„Happy mit Hartz 4“: Zynische Werbekampagne für Sozialhilfe ist ein Fake – aber wer steckt dahinter?

Screenshot der angeblichen Imagekampagne „Happy mit Hartz“
Screenshot der angeblichen Imagekampagne "Happy mit Hartz"

Eine merkwürdige Imagekampagne sorgt in den sozialen Netzwerken für Aufregung: In kurzen Videoclips stellt eine Organisation namens "Mein Jobcenter" Menschen vor, die "happy mit Hartz 4" seien. Dahinter steckt eine ominöse PR-Agentur, die angeblich im Auftrag "von Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik" handelt. Die Aktion riecht gewaltig nach Satire – unklar bislang nur, von wem.

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„Hartz 4 gibt mir Freiheit“, erklärt Anna, 28 Jahre alt, in einem kurzen Videoclip, der bei Facebook und Twitter die Runde macht. Dank des deutschen Sozialstaates rockt sie angeblich ihr Studium – mit Kind. Die Art und Weise, wie sie den Umgang des Jobcenters mit ihrer Person beschreibt, dürfte in den Ohren vieler Hartz-4-Empfänger überaus zynisch klingen: „Wenn ich nicht weiter weiß oder Fragen hab‘, ruf ich da einfach an. Die gehen sofort ran und helfen mir. Die verstehen meine Situation und das gibt mir einfach super viel Sicherheit, vor allem mit Kleinkind.“

Neben Anna kommen auch der 47-jährige Andreas, dem „Hartz 4 Rückhalt“ gibt während er „Großes vorhat“, und Azubi Timo, der dank Hartz 4 „richtig durchstartet“, zu Wort.

Bereits am Wochenende waren in Berlin Plakate zur Kampagne aufgetaucht, online ging sie jedoch erst am Dienstag. Die beiden Hashtags der Kampagne lauten #DubistesUnsWert und #HappymitHartz – die bei Twitter bereits für Empörung sorgen:

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Ein Blick ins Impressum der Webseite mein-jobcenter.com zeigt jedoch, dass die Bundesagentur für Arbeit nichts mit der angeblichen Imagekampagne zu tun hat. Für die Seite verantwortlich soll eine PR-Agentur namens Parnass GmbH sein und Auftraggeber der Initiative „Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik“, die sich jedoch „entschieden haben, anonym zu bleiben“. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) erklärt die Bundesagentur für Arbeit außerdem: „Wir wissen nicht, wer hinter der Aktion steckt.“

Auch auf der vermeintlichen Unternehmenswebseite der Parnass-Agentur finden sich keine Angaben, die über nichtssagenden PR-Floskeln oder Symbolbilder hinausgehen: keine Team-Fotos, keine Referenzen, nur eine Geschäftsführerin mit Namen Paula Rosenholz.

Sucht man im Netz nach besagter Frau Rosenholz, findet man lediglich einen Twitter-Account, der erst am 4. Dezember 2017 – zufällig einen Tag vor Start der Kampagne – eingerichtet wurde.

Auch wenn eine Sprecherin der angeblichen Agentur gegenüber der FAZ erklärte, es handele sich nicht um Satire, wirkt die ganze Aktion tatsächlich allzu schräg und zynisch, um wahr zu sein. Im Netz werden schon erste Rufe laut, Jan Böhmermann möge sich doch endlich zu #HappymitHartz bekennen. Die Aktion würde auf jeden Fall gut zu dem ZDF-Satiriker und dem „Neo Magazin Royale“ passen. Vielleicht gibt es ja in der neuen Sendung am Donnerstag eine Aufklärung.

 

Update (16.15 Uhr):
Nach Recherchen des Deutschlandfunk steckt hinter der Kampagne die Initiative Mein-Grundeinkommen.de.

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