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Instagram löscht 25 Jahre altes Profil-Cover wegen Brüsten: “Social-Media-Wertewelt geeignet der Welt nachhaltig Schaden zuzufügen”

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Facebook und das europäische Verständnis von Kunst- und Pressefreiheit, dass passt noch immer - vor allem in visuellen Fragen - nicht recht zusammen. Sobald Brüste ins Spiel kommen, setzten die US-Amerikaner noch immer gerne ihre prüden „Gemeinschaftsrichtlinien“ rabiat durch. Neuestes Beispiel: Instagram löschte eine 25 Jahre alte Titelseite des österreichischen Nachrichtenmagazins Profil.

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Vor einem Vierteljahrhundert regte sich schon lange keiner mehr über ein solches Cover auf: Auf der Titelseite der Profil vom 16. November 1992 war eine nackte Brust zu sehen, nach der eine Computeranimierte Hand greift. Die Titelzeile dazu lautete: “Sex ohne Partner”. Damals war Cyber-Erotik ein heißes Zukunftsthema.

Heute hat diese Titelseite vor allem einen historischen Wert. Um mit diesem zu punkten veröffentlichen die Österreicher ihre alten Cover auch bei Instagram. Immerhin verspricht die Facebook-Tochter stets aufs Neue indirekt, wie toll die Bilderplattform für den Aufbau und die Pflege des eigenen Markenimages sei. Dumm nur, wenn man die eigene Marke dann jedoch nicht so präsentieren kann, wie sie eigentlich ist. In diesem Fall: kritisch und aufgeklärt.

Wenig begeistert zeigt sich Profil-Herausgeber Christian Rainer. Er kommentiert die Löschung: „Angesichts der Vielfalt von Gewalt, Rassismus und Zynismus auf Instagram und Facebook ist dieser Fall geeignet, die Wertewelt der Social Media breit und intensiv zu diskutieren. Diese Wertewelt ist nach meiner Ansicht geeignet, unter diversen Deckmäntelchen der Welt nachhaltig Schaden zuzufügen.“

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Die Löschung der Titelseite ist so etwas wie ein Rückfall. Denn grundsätzlich scheint sich Facebook mittlerweile mehr Mühe zu geben, um zu verstehen, wie die Presse Geschichten erzählt und bebildert. Ein Wendepunkt war dabei die Debatte um die Löschung des weltberühmten Fotos des Napalm-Mädchen Kim Phuc. Das US-Netzwerk hatte das Posting eines Zeitungsartikels mit dem Bild gelöscht und als Begründung auf das Verbot von Kinderpornografie verwiesen. Der Chefredakteur der betroffenen norwegischen Zeitung Aftenposten warf Facebook daraufhin Zensur und Machtmissbrauch vor.

Das Netzwerk lenkte ein und erklärte damals, dass man die historische Bedeutung des Fotos anerkenne, auch wenn auf dem Bild ein unbekleidetes Kind zu sehen sei. Das Teilen dieses Bildes habe deshalb einen höheren Stellenwert als der Schutz der Gemeinschaft durch seine Löschung.

Eine solche Bedeutung wird das US-Netzwerk dem Profil-Cover wohl nicht beimessen, trotzdem bleibt auch in diesem Fall wieder ein gewisser Zensur-Vorwurf. Denn sowohl zivil- wie auch medienrechtlich gab bislang nichts an der alten Titelseite auszusetzen.

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