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GroKo statt „Stunde Null“: Wie der Spiegel mit seinem Lindner-Bashing an der politischen Realität vorbeischrammt

FDP-Chef Christian Lindner, Spiegel-Titel
FDP-Chef Christian Lindner, Spiegel-Titel

Auf dem Cover der vorgezogenen Spiegel-Ausgabe dieser Woche zum Jamaika-Aus dräut ein dämonischer Christian Lindner überlebensgroß hinter der ratlosen Kanzlerin. „Stunde Null“ lautet die Zeile. In der Titelstory entwirft das Nachrichtenmagazin das Bild eines machtversessenen FDP-Chefs, der das Scheitern der Sondierungsgespräche inszenierte. Dabei spricht einiges dafür, dass den Spiegel bei der Ausgestaltung seiner Story auch eine unverkennbare Lust an der Inszenierung gepackt hat.

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Schon der Einstieg des Spiegel-Artikels „Flucht aus der Karibik“ (Paid Content) über FDP-Chef Christian Lindner ist ein vernichtendes Urteil: „Chris­ti­an Lind­ner ist kei­ner, der eine wich­ti­ge Ent­schei­dung aus dem Bauch her­aus trifft. Er muss erst den rich­ti­gen Slo­gan da­für ha­ben.“ Hier wird die bekannte Erzählung vom oberflächlichen Karrierepolitiker Lindner, dem Werbung und Inszenierung wichtiger sind als Inhalte, aufgespannt – und zugleich die Integrität eines Politikers in zwei knappen Sätzen pulverisiert, wie es außerhalb des Boulevards derzeit wohl nur das größte Nachrichtenmagazin der Republik fertig bringt. Die Frage: Deckt sich das mit der Realität oder ist es Teil einer Agenda?

Für den Spiegel war Lindners Statement zum Abbruch der Sondierungen eine „pro­fes­sio­nell in­sze­nier­te Ko­ali­ti­ons­ab­sa­ge un­ter Schein­wer­fer­licht im nächt­li­chen Ber­lin“. Vorwürfe dieser Art gab es schon während des Wahlkampfs immer wieder, weil Lindner und die FDP als eine der wenigen Parteien eine smarte, im Gedächtnis haftende Kampagne auf die Beine gestellt haben. Wenn einer mehr zustande bringt als Mittelmaß, gilt das hierzulande oft schon als verdächtig. „Professionell“ ist in diesem Zusammenhang wohl eher als Schimpfwort zu verstehen.

Im weiteren Verlauf untermauert der Spiegel-Text die These vom inszenierten Scheitern der Sondierungen. U.a. wird der FDP vorgehalten, dass die Social-Media-Grafik mit dem einprägsamen Spruch „Besser nicht regieren als falsch“, die von der Partei noch in der Entscheidungsnacht online gestellt wurde, bereits drei Tage zuvor erstellt worden war. Zitat Spiegel:

Und be­vor er (Lindner, Anm.d.Red.) mit ei­nem be­herz­ten „Auf Wie­der­se­hen“ in die Ber­li­ner Nacht ver­schwin­det, fügt er noch je­nen Satz hin­zu, den er an­geb­lich erst vor we­ni­gen Stun­den mit sei­nen Son­die­rungs­kol­le­gen for­mu­liert und per­sön­lich in sei­nen Lap­top ge­hackt hat: „Es ist bes­ser, nicht zu re­gie­ren, als falsch zu re­gie­ren.“ Selt­sam ist nur, dass die Gra­fik mit je­nem Spruch, die nach dem Ab­bruch on­line von der FDP ver­brei­tet wur­de, be­reits drei Tage zu­vor er­stellt wor­den war, also an je­nem Don­ners­tag, an dem die Son­die­rungs­ge­sprä­che ur­sprüng­lich en­den soll­ten.

Das Magazin, das laut eigenem Werbespruch „Keine Angst vor der Wahrheit“ hat, beweist hier Mut zur Lücke. Was nämlich nicht erwähnt wird: dass die FDP bereits am Montag, 20. November, via Twitter erklärt hat, wie es zu dem Spruch kam, lange vor Redaktionsschluss des Magazins. Laut Partei hat man am Donnerstag drei verschiedene Sprüche und Social-Media-Kacheln für drei denkbare Szenarien für den Fortgang der Sondierungen vorbereitet: „Ein Anfang ist gemacht.“, „Veränderungen brauchen Mut“ und eben „Lieber nicht regieren, als falsch.“ Die Partei reagierte mit der Veröffentlichung der drei Alternativen auf Theorien im Netz bezüglich einer angeblichen Inszenierung, die u.a. von der Spiegel-Journalistin Ann-Katrin Müller verbreitet wurden, eine der Autorinnen der aktuellen Titelstory.

Auf die Frage, warum der Spiegel unerwähnt lässt, dass die FDP die drei verschiedenen Alternativ-Versionen erstellt hatte, erklärt ein Spiegel-Sprecher: „Die Darstellung von FDP-Chef Lindner zur Genese des Slogans ‚lieber nicht regieren als falsch regieren‘ entspricht der Darstellung im Spiegel. Einziger Unterschied. Wir haben nicht auch noch die beiden anderen Slogans für mögliche Sondierungs-Resultate erwähnt. Für eine solche Erwähnung hätte es aber auch keinen Grund gegeben: Schließlich haben wir an keiner Stelle unserer Titelgeschichte behauptet, dass die FDP bereits vor dem Sonntag entschlossen war, die Gespräche platzen zu lassen. Wir haben lediglich berichtet, dass a) der Slogan ‚lieber nicht regieren als falsch‘ bereits Tage zuvor vorbereitet war. b) die FDP auf die frühzeitige Begleitung ihrer politischen Handlungen durch PR und Marketing besonderen Wert legt.“

Das ist eine kläglich anmutende, defensive Juristendiktion, die nicht die Sache, sondern Formalien in den Vordergrund rückt. Aber um die geht es hier nicht, sondern um den Leser, der mit einigem Recht den Anspruch haben darf, nicht um die kompletten Wahrheit des Geschehens herumgeführt zu werden.

Denn man kann die Vorbereitung auf unterschiedliche Ausgänge der komplizierten Sondierungsgespräche von insgesamt vier Parteien mit teils komplett kontroversen programmatischen Forderungen und Wahlkampfversprechen indes auch als Ausdruck politischer Professionalität werten: Das eigene Team spielt verschiedene Szenarien durch und ist auf alle möglichen Variationen eingestellt, auch in der Kommunikation nach außen. So stellt es Parteichef Lindner auch im Interview mit dem Spiegel dar, allerdings nicht mit der Print-Ausgabe, sondern bei Spiegel Online. Den Journalisten Severin Weiland und Philipp Wittrock sagte er: „Unsere Leute hatten für alle drei Szenarien – Erfolg, Vertagung und Scheitern – bereits am Donnerstag Motive für die sozialen Medien vorbereitet. Daran finde ich nichts verwerflich, wir sind schließlich eine professionelle Partei. Im Übrigen gehe ich davon aus, dass auch eine Redaktion wie Spiegel Online sich auf mehrere Szenarien vorbereitet hatte.“

Eine zentrale Stelle des Spiegel-Artikels ist vor diesem Hintergrund die Schilderung der nächtlichen Gespräche, als Lindner den Rückzug der FDP aus den Sondierungen verkündete. Der Spiegel schreibt:

Ei­ni­ge Mi­nu­ten lang geht es hin und her, bis plötz­lich Mer­kel auf ihr Han­dy schaut. Was sie da sieht, ist eine Pres­se­er­klä­rung der FDP, die das Schei­tern der Ge­sprä­che ver­mel­det. Nun will auch die CSU nicht mehr wei­ter­re­den, und Par­tei­chef See­ho­fer sagt: „Es ist jetzt 23.26 Uhr. Ich hal­te die Zeit fest, weil jetzt eine Ent­wick­lung ein­tritt, die weit über Deutsch­land und Eu­ro­pa hin­aus Be­deu­tung hat und de­ren Ende wir nicht ab­se­hen kön­nen.“

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Damit sei der Traum von Jamaika geplatzt, geht es weiter. Alle hätten sich die Hand gegeben, die FDP-Un­ter­händ­ler den Raum verlassen. Das wäre ja nun in der Tat ein starkes Stück: Während Christian Lindner noch mit Angela Merkel und Horst Seehofer spricht, ploppt auf dem Kanzlerinnen-Handy schon die Pressemitteilung der Liberalen über ihren Ausstieg auf. So liest sich das Spiegel-Stück. Einer solchen Lesart widerspricht FDP-Fraktionssprecher Nils Droste gegenüber MEEDIA: „Es gab keine Presseerklärung der FDP vorab. Richtig ist, dass ich unmittelbar vor dem Statement der dpa einen Hinweis gegeben habe. Die Pressemitteilung der FDP wurde am 20. November um 1:22 Uhr verschickt.“

Die erste dpa-Eilmeldung zum Jamaika-Aus wurde um 23.48 Uhr verschickt, mit Verweis auf Droste. Exakt denselben Ablauf schildert übrigens auch der Spiegel-Reporter Severin Weiland im Spiegel Online Politik-Podcast „Stimmenfang“. Weiland räumt in dem Podcast auch mit dem Mythos auf, die Kanzlerin habe bei dieser Gelegenheit zu Lindner gesagt, seine Worte klängen wie eine Pressemitteilung. Weiland in „Stimmenfang“:

Die Kanzlerin hat nicht gesagt, das klingt ja wie eine Pressemitteilung, was auch wir erst gemeldet haben, sondern die Kanzlerin hat wohl gesagt: ‚Gibt es da schon eine Presseerklärung, die da verbreitet wird?‘ Und 23.21 Uhr – soweit ich informiert bin – war dann der Zeitpunkt, wo Lindner diese Erklärung in der Runde abgegeben hat. Um 23.50 ist er dann vor die Landesvertretung gegangen mit seinem FDP-Team, da war ich dann auch dabei. Ein, zwei Minuten vorher hat sein Fraktionssprecher, Herr Droste, bereits durchsickern lassen, dass da was kommen würde. Wir standen also alle da und wussten, dass da was kommen würde, wenn da eine so große Gruppe von FDP-Politikern steht, dann ist das das Ende.

Warum aber bringt das Magazin Der Spiegel in seiner großen Aufmacher-Story eine seltsam verknappte Version der Geschichte? Eine, bei der der Eindruck entsteht, dass die Kanzlerin angeblich während der letzten Sitzung eine Presseerklärung auf ihrem Handy empfängt und die die FDP und Lindner damit als abgezockte Inszenierer dastehen lässt? Ein unbefangener und mit den Vorgängen nicht vertrauter Leser dürfte annehmen, dass hier eine fertige Pressemitteilung gemeint ist und die Kanzlerin womöglich nicht früher über den Abbruch informiert wurde als die Öffentlichkeit.

Der Spiegel hierzu: „Der Vorwurf, der Spiegel habe fälschlicherweise berichtet, dass Kanzlerin Merkel noch während der Schluss-Sitzung der Jamaika-Sondierungen von einer Erklärung der FDP zum Abbruch der Gespräche erfuhr, überrascht uns. Bisher hat sich kein Teilnehmer der Sitzung bei uns darüber beschwert, wir hätten den Vorgang falsch dargestellt, auch kein Politiker der FDP. Wir sind im Gegenteil davon überzeugt, dass unsere Darstellung stimmt. Unsere Redakteure haben von mehreren Teilnehmern der Sitzung unabhängig voneinander den Vorgang exakt so bestätigt bekommen, wie wir ihn berichtet haben. Den Vorgang haben vor dem Spiegel bereits andere Medien gleichlautend berichtet.“ Dass Merkel in jener Sitzung von dem FDP-Abbruch erfuhr und davon überrascht wurde, ist freilich unstrittig.

Lindners FDP, so geht die Abrechnung weiter, sei „als Ko­ali­ti­ons­part­ner der bür­ger­li­chen Mit­te bis auf Wei­te­res ab­ge­mel­det“. Dass die Liberalen auf Landesebene in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz mitregieren, passt vermutlich nicht ins Bild und wird nicht erwähnt. Es ist die Rede von Lindners „Kalkül“, seinem „Plan“, in ein paar Jahren „die Ernte“ einzufahren, wenn „die neue Groß­ko­ali­ti­on dann ein paar Jah­re lust- und ide­en­los vor sich hin re­giert“ hat.

Auch charakterliche Merkmale Lindners werden per Ferndiagnose vom Spiegel angeführt. Er sei „ein Meis­ter des früh­zei­ti­gen Ab­gangs“, heißt es. So sei er 2000 aus einer Firma, die pleite zu gehen drohte, rechtzeitig ausgestiegen. 2011 habe er als FDP-Generalsekretär „hingeschmissen“, als die Liberalen unter Philipp Rösler in Probleme gerieten. Nach der ­Wahl­schlappe 2013 sei er dann ­der „ein­zig ver­blie­be­ne Spit­zen­po­li­ti­ker der Li­be­ra­len“ gewesen. Laut Spiegel „eine idea­le Vor­aus­set­zung, um aus der FDP nach sei­nem Gus­to eine Par­tei neu­en Typs zu for­men.“

Der Hang des Spiegel zu einer gewissen Über-Dramatisierung ist nicht neu. Als Donald Trump die US-Wahl gewann, wurde auf dem Titel schon mal das Ende der Welt (wie wir sie kennen) ausgerufen und als die AfD bei der Bundestagswahl 12,6 Prozent holte, zeigte der Spiegel auf dem Cover die übergroßen AfD-Politiker Weidel und Gauland über einer verzagten, kleinen Angela Merkel. Das Cover wirkt ganz ähnlich wie das aktuelle mit dem dämonisch ausgeleuchteten Herrn Lindner:

Ob der Tenor der aktuellen „Stunde Null“-Titelgeschichte mit einem Luzifer Linder und der düsteren Frage „Land ohne Richtung, Einigkeit, Kanzlerin?“ der Wahrheit wenigstens nahe kommt, wird die Zeit zeigen. Derzeit spricht so manches weitaus eher dafür, dass sich Deutschland vielmehr zügig Richtung Große Koalition bewegt, die Union und die SPD sich darauf schon bald einigen werden und die Chancen von Angela Merkel auf eine weitere Kanzlerschaft recht groß sind. Die Spiegel-Titelstory liest sich ganz anders, und das Gefühl, dass dieses Stück mehr Story als Abbild der Hauptstadt-Realität ist, kommt wohl nicht von ungefähr.

Man könnte auch meinen: Wer in dieser Woche zwei Interviews auf Spiegel Online mit unmittelbaren Zeugen, weil an den Sondierungsgesprächen Beteiligten – das mit Lindner sowie das Gespräch mit Grünen-Unterhändler Robert Habeck – gelesen hat, hat einen seriöseren Einblick und ein realistischeres Verständnis vom Wesen und Scheitern des Jamaika-Projekts als Leser des gedruckten Magazins. Das galt früher mal anders herum.

Im Spiegel-Gebäude hängt bekanntlich der Ausspruch von Magazin-Gründer Rudolf Augstein „sagen, was ist“. Bei der FDP-Titelstory im aktuellen Heft kann man leider aus den genannten Gründen den Eindruck gewinnen, dass das Magazin hier an einigen wesentlichen Stellen eher dem Motto folgt: Was nicht passt, wird passend gemacht.

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Alle Kommentare

  1. Na ja.

    Man scheint bei Meedia dieses Mal wirklich verärgert über den Spiegel zu sein.

    So verärgert, dass man nicht nur ausnahmsweise mal Tacheles redet, sondern dann auch noch (ausgerechnet diesen Artikel) zum Kommentieren frei gibt, was sonst von Meedia bei auch nur halbwegs politisch-kontroversen Themen ja sorgsam vermieden wird.

    Der Spiegel hat den Gott des Kapitals gelästert und seine Jünger sind wirklich aufgebracht darüber. 🙂

    Lindner ist der derzeitige Leitwolf aus dem Wolfsrudel des Kapitals.

    Ein Kopf, der im Moment zwar nicht führen kann aber auch nicht fallen darf, als Reserve für später, man weiss ja nie.

    Deshalb das Aufgejaule. 🙂

  2. Ich sehe bei Spiegel nur noch Kampagnenjournalismus, mal mehr mal weniger platt und einseitig. Das Niveau ist schon fast auf BILD-Level.
    Wording, Phrasen, Wiederholungen, Simplifizierung, Weglassen, tendenziöse Ausrichtung…

    Einzig die Süddeutsche Zeitung (online) wagt es immer öfter Themen differenziert zu betrachten. Im Vergleich zu anderen Medien ist man da fast schon positiv überrascht.

  3. „Keine Angst vor der Wahrheit“ impliziert auch „… vor der vollen Wahrheit“. Wer den einen Slogan zitiert, sollte die beiden anderen nicht verschweigen.

    Eine Ein-Drittel-Wahrheit ist keine.

  4. Komisch auch, dass der Spiegel in dem Zitat hartnäckig ein falsches Komma pflegt, während es Lindner richtig schreibt.

    Ist die berühmte Spiegel-Doc dem Sparwillen zum Opfer gefallen?

  5. Hervorhebung der zentralen Stelle:

    „Die Frage: Deckt sich das mit der Realität oder ist es Teil einer Agenda?“

    Nach nun mindestens 15 Jahren ist es sicher nicht zu früh für die Frage, ob hier eine Agenda wirken könnte. Stellt man alles in einen Zusammenhang, so ist mittlerweile so viel geschehen, daß die verfolgten Ziele klar hervorzutreten beginnen. Große Vorhaben tarnt man, indem man sie vor aller Augen ablaufen läßt. Hat wer gesagt ? Inzwischen könnte man sogar die Akteure direkt zitieren. Sie haben alles bereits zu Protokoll gegeben. Wagt aber keiner. Oder sieht es niemand?

    Verschwörungen sind keine Ausnahme. Wenn man sie nicht als Verschwörung bezeichnet, so werden sie sogar zur Regel.

    Wie lautete die Frage? Ob der Spiegel einer Agenda folgt?

  6. Erfreulich ist eigentlich nur, dass man sich hier mit dem SPIEGEL beschäftigt. Man stelle sich vor, irgendjemand würde das jahrelange SPD-Kandidatenbashing des FOCUS thematisieren. Dann bekäme plötzlich dieses Null-Medium Relevanz.

    1. Wie der Spiegel hier agiert, fällt in die Kategorie des in Deutschland gewohnten „magazinigen“ Thesenjournalismus. In sofern kam mit dem Lindner-Titel nichts Außergewöhnliches aus dem Hause, das dieses Format mit geprägt hat. Lange waren solche Formate unverdächtig und bei Lesern beliebt. Allerdings befinden wir uns mittlerweile mitten in einer Debatte um journalistische Standards, Glaubwürdigkeit der Presse und Fake News. Damit machen sich solche Ansätze extrem angreifbar.

  7. Kaum zu glauben, dass ich den Spiegel viele Jahre mehr oder weniger regelmässig gekauft habe. Mittlerweile lese ich im Zug lieber die Junge Freiheit…

  8. Angst vor der Wahrheit?
    Danke für diese differenzierte Darstellung. Das Problem des Spiegels: Die These steht schon vor der Recherche, und die bestimmt Recherche und Darstellung. Wer sich selbst heroisiert („Keine Angst vor der Wahrheit“), sollte eigentlich die Souveränität besitzen, Fehler zuzugeben, wenn es mit der wahrheitsgemäßen, und das heißt auch: alle wichtigen Details umfassenden Berichterstattung nicht so ganz geklappt hat. Die Antworten des Spiegel-Sprechers auf die Konfrontation mit der Wirklichkeit, z.B. bei den vorbereiteten Social-Media-Grafiken, sind an Rabulistik kaum zu überbieten. Wir haben zwar wichtige Details weggelassen, aber die zu erwähnen, dafür habe es keinen wichtigen Grund gegeben… Ja, denn sie hätten die Storyline kaputt gemacht. Also: Angst vor der Wahrheit. Der Spiegel fällt zurück in Zeiten, als ideologische Vorurteile Ausgangspunkt der Berichterstattung waren. Die FDP, das sind die neuen Bösen, die Spielverderber, die unsere schönen Jamaika-Träume zum Platzen gebracht haben.

  9. Wenn man die Formulierungen der sogenannten Kompromisse liest, kann man nur dankbar sein, dass uns diese „Schwampel‘ erspart bleibt. Die atmende Obergrenze grenzt schon an Satire. Pech für die SPD, die sich m.M. nach alle Vorwürfe gegen die FDP selbst anziehen muss. Nichts mit „auf die Fresse“ wie Frau Nahles frohlockt hatte. Jetzt wählen wir also so lange, bis das Ergebnis den Parteien und der Presse passt? Das kann nach hinten losgehen – der Wähler lässt sich nicht länger für dumm verkaufen – auch nicht von den etablierten Parteien – und der dumme Wähler ist anfaellig für „Rattenfänger“.
    Ich jedenfalls bin froh, dass die FDP die Notbremse gezogen hat. Und wenn die SPD sich komplett verweigert, stellt sie sich selbst in Frage. Die GROKO ist nicht abgewählt, sie hat immer noch eine Mehrheit in Deutschland – noch! Ich wuensche Herrn Steinmeier eine glückliche Hand bei den Sondierungen und Frau Merkel würde
    etwas Selbstkritik auch gut anstehen.

    1. Vielen Dank! Ihr Kommentar hebt sich durch seine Sachlichkeit, die stichhaltige Logig und praegnante Argumentation angenehm von vielem ab, was man sonst so in Kommentarspalten liest.

      1. Stimmt, eine Sahnestück der Debattenkultur. Dahinter muss ein wahrer Chöööngeist stecken 🙂

    2. Mein Gott, selbst wenn: Er hat wenigstens überhaupt ein Bild von irgendwem, wenn auch das falsche.

      Welches hast du als SPD-„Sozi“ eigentlich auf deinen Unterhosen?

      Tja. – Traurig aber wahr.

  10. Nun, ich war mit dem Spiegelbeitrag durchaus zufrieden. Mag sein, dass die eine oder Petitesse hinzugedichtet wurde. Shit happens.
    Aber: Die Tendenz stimmt des Beitrag ist stimmig. Die FDP hat sich nun mal aus dem Staub gemacht, oder?

    Warum so viel Aufsehen produzieren. Nutzen Sie doch lieber Ihre Energie für wichtigere Dinge.

    Walter Ohler
    Kollege
    Kein SPD-CDU-CSU-FDP-Wähler, eher ein in der Tat liberaler Freidenker, demokratisch geschult – in Sachen Medienberichterstattung.

  11. Es ist einmal mehr bemerkenswert, mit welcher manipulativen Energie sich „die Medien“ als Politik-Erklärer gerieren.

  12. “ fügt er noch je­nen Satz hin­zu, den er an­geb­lich erst vor we­ni­gen Stun­den mit sei­nen Son­die­rungs­kol­le­gen for­mu­liert und per­sön­lich in sei­nen Lap­top ge­hackt hat“
    das ist doch das Problem. Wenn er besser wäre, hätte er immer „wir sind auf alles vorbereitet“ verkündet.

    http://meedia.de/2017/08/23/cover-der-woche-stern-macht-trump-zum-hitler-der-spiegel-zum-ku-klux-klan-anhaenger-und-die-taz-zum-rambo/ ist gut und fast schon Pulitzer-Preis (Den gibts vielleicht auch international) würdig. Das hier ist natürlich böse und verpönenswert: http://meedia.de/2017/08/08/in-ein-ganz-schlechtes-licht-gerueckt-die-fotografische-daemonisierung-der-elke-twesten/

    Das man einen schnellen digitalen Presserat2.0 aufbaut, fordere ja auch nur ich. Wenn der hier gerne bejubelte Lindner kritisiert wird, sucht man fast jeden Kommafehler. Kritik an Trump oder AfD (oder davor den Piraten) hingegen muss nicht jeden Buchstaben auf die Goldwaage legen. Das man online-Artikel vollwertiger macht als die verkürzten Print-Versionen will auch nur ich. Im Online-Artikel wäre natürlich minutengenau alles dokumentiert und im PDF würde man draufklicken und es auch als Timeline und Bericht und Kommentar (verschiedener Seiten/Parteien) sortiert sehen können aber auch als Fliesstext für im Radio/Jogging/Gassigehen vorzulesen. Der Mehraufwand wäre minimal und die digitalen PDF/Online-Artikel sehr viel informativer mit vielleicht 10% mehr Text. Wenn MacDonalds auf Tellern servieren würde, würde man auch keine Agenturmeldungen für Tages-Zeitungen auf Papier also BurgerPapp-Boxen auf den Tisch legen sondern hätte ein vollwertigeres Angebot. Radio-Nachrichten sind ja auch verkürzte Texte der Agenturmeldungen. Online/PDF hingegen wären vollwertigere Texte.

    Hat Lindner den Klimawandel zugegeben ?
    War Lindner gegen Mindestlohn und hat behauptet, es würde viele Jobs kosten ?
    Lindner war bei Leistungsschutzrecht im Bundestag dabei.
    Welche Wirtschaftskrise hat er vorhergesagt ? Hat er die Nullzins-Wirtschaft vorhergesagt und die Übernahme durch USA und China weil dort schon brauchbarere Zinsen herrschen ? Wieso soll er überhaupt regieren.
    Als Rösler übernahm, gab es wohl schon Presseberichte welche ihn nur als Zwischenkandidaten bis Lindner einstuften.

    Davon abgesehen ist die Bildungserosion wohl offensichtlich: http://www.dwdl.de/nachrichten/64164/zeitungsjournalisten_djv_fordert_45_prozent_mehr_lohn/ „qualifizierten Nachwuchs“ oder meinte er „nur noch halb so viel Bewerbungen“ und wo arbeiten dann die unqualifizierten Bewerber ? Viel Spaß mit den Konsequenzen wie Zentralredaktion für ganz Deutschland. Oder verbietet Lindners Wirtschafts-Model Monopol-Meinungs-Mindestlohn-Zentralredaktionen ?
    Tippfehler bei TV-Sendern sind inzwischen ja oft sichtbar.

    Das beschriebene Problem wird also vermutlich nicht gelöst. Und wer (neoliberale, linke, rechte,…) Lager-Presse kauft, will nur seine (wie Klimawandel und Mindestlohn oft widerlegte) Meinung lesen.
    Vielleicht sollte man mal mehr 360 berichten. Dazu müsste man aber über seinen Schatten springen. Seit 2000 könnte Presse Digitalisierung nutzen und den Lesern den Vorteil bringen. Aktuell wird ja Videosnippets ausgebaut weil man die lichtstark und oft auch UHD1/4k am Handy aufnehmen kann.
    http://meedia.de/2017/06/20/dpa-gruppe-legt-bilanz-2016-vor-umsatz-steigt-aber-die-presse-agentur-gmbh-macht-weniger-gewinn/ aber schon von 2012 http://meedia.de/2012/08/31/dpa-will-mit-agenda-unverzichtbar-werden/ oder 2010 http://meedia.de/2010/10/05/ist-video-die-killer-app-fur-dapd/ wo doch scharenweise auf der Arbeit Videos geschaut werden http://meedia.de/2017/11/15/binge-watching-im-buero-jeder-dritte-schaut-waehrend-der-arbeit-netflix-serien/

  13. „Bernd Hinterbauer“, der Mann für Themen, die dem beruflichen Fortkommen nicht förderlich sind…

    Einer der wenigen Red. dessen Beiträge zumindest manchmal richtig und lesenswert sind..

    Ich kann wirklich nicht verstehen, wie man die FDP dafür kritisieren kann, das sie mal nicht um-gefallen sind! 😉

    1. @Alfred E. Neumann

      Ich verstehe es auch nicht. Wäre Lindner umgefallen, wäre es auch niemanden recht gewesen.

      Jounalisten sollen berichten und die nackte Wahrheit schreiben und keine Politik machen dürfen.

      Jagt solche Halunken zum Teufel.

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