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AfD-Spitzenfrau Alice Weidel hält ihre erste Rede im Bundestag, und die Medien schauen kollektiv weg

Für Medien uninteressant? AfD-Spitzenfrau Alice Weidel hielt ihre erste Rede im Bundestag
Für Medien uninteressant? AfD-Spitzenfrau Alice Weidel hielt ihre erste Rede im Bundestag

Die AfD-Frontfrau Alice Weidel hat ihre erste Rede im Deutschen Bundestag gehalten, in der sie massiv Euro-Rettungschirme kritisierte. Die Medien ignorierten den Auftritt weitestgehend, auch Politiker anderer Fraktionen glänzten größtenteils durch Abwesenheit. Auf Facebook wurde die Weidel-Rede trotzdem ein Publikumshit. Wegschauen ist nicht der richtige Umgang mit der AfD. Ein Kommentar.

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Im MEEDIA-Newsletter #trending, in dem jeden Werktag analysiert wird, was die erfolgreichsten Social-Media-Inhalte sind, landeten an diesem Mittwoch zwei Politikerinnen vom jeweils entgegengesetzten Ende der Links-Rechts-Skala weit oben. Alice Weidels erste Bundestags-Rede, die von Phoenix übertragen wurde, war der erfolgreichste Politiker-Inhalt bei Facebook. Mittlerweile wurde die Rede über 230.000 mal angeschaut und über 1.200 mal kommentiert. Auf Platz 2 nach Interaktionen in der Kategorie Politik landete ein Posting der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht, die Solidarität mit den Beschäftigten der pleite gegangenen Fluggesellschaft Air Berlin einforderte.

Wirft man die Google-News-Suche nach „Alice Weidel“ an, findet man exakt ein Medium, das über ihren ersten Auftritt im Bundestag berichtet hat: die eher obskure Website Epoch Times. Alle anderen so genannten Mainstream-Medien arbeiten sich nach wie vor am Ende der Jamaika-Sondierungen ab und befassen sich mit der Frage, ob nun FDP-Chef Christian Lindner schuld ist, Kanzlerin Merkel oder die Grünen. Keine Frage, das Jamaika-Thema die schwierige Regierungsbildung sind wichtig. Aber ist es das einzige Thema? Das meist böse gemeinte Wort vom Mainstream trifft hier leider zu.

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Nach der Wahl wurde der Einzug der AfD in den Deutschen Bundestag als historisch bezeichnet. Erstmals würde eine extrem rechte Partei im deutschen Nachkriegs-Parlament sitzen. Viel wurde darüber räsoniert, wie die AfD das Klima und die Debattenkultur verändern würde. Dann hält die Spitzenfrau dieser Partei ihre erste Rede, und keiner schaut hin. Nicht nur die Medien schauen kollektiv weg, auch die Abgeordneten anderer Fraktionen glänzten weitgehend durch Abwesenheit, obwohl Weidel ihre Rede um Viertel nach Fünf nachmittags durchaus zu einer angenehmen Zeit hielt. Allein die Fraktion der AfD war zahlenmäßig gut vertreten und spendete reichlich Applaus. Das hat zur Folge, dass man als Zuschauer den Einruck gewinnen kann, die Äußerungen Weidels stoßen auf breite Zustimmung im Parlament.

Natürlich wäre die erste Rede der AfD-Abgeordneten ein Nachrichtenthema gewesen und ein Thema für Analyse und Kommentar. Man muss ja nicht gut finden, was sie sagt. Man kann kritisieren an Form und Inhalt, sich thematisch auseinandersetzen. Aber dieses massive Wegschauen ist irritierend und falsch, zumal es wegen Facebook & Co. nicht funktioniert. Die AfD findet auch ohne klassische Medien ihr Publikum und kann sich sogleich wieder als Opfer stilisieren. Medienvertreter klagen viel über Facebook, dass das Social Network ihnen Werbegelder und Aufmerksamkeit nimmt. Die Sache mit der Weidel-Rede könnte ein Fingerzeig sein, warum das so ist.

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