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„Quarterly ist gekommen, um zu bleiben“: FAZ-Chef Thomas Lindner zieht Erfolgsbilanz für Premiummagazin

Scheint sein Quartals-Magazin im Markt etabliert zu haben: FAZ-Chef Thomas Lindner
Scheint sein Quartals-Magazin im Markt etabliert zu haben: FAZ-Chef Thomas Lindner

Ein Jahr ist es her, dass die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Langstrecke für sich entdeckt und mit Quarterly (FAQ) ein Magazin aufgelegt hat, das seine Leser – wie der Namesagt – ein Vierteljahr erfreuen soll. Nach vier Ausgaben steht für Verlagschef Thomas Lindner fest: "Quarterly ist gekommen, um zu bleiben." Das Heft ist zudem auch ein Mittel, enttäuschte FAZ-Abonnenten zurückzugewinnen.

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Der FAZ hatte Carsten Pallas eigentlich schon den Rücken gekehrt. Der Analyst eines Hamburger Bankhauses ist schon seit Jahren kein Abonnent der Tageszeitung mehr. Zu kurz wurden ihm die Texte, so groß empfand er den Qualitätsverfall in der Tagespresse insgesamt, sagt er. Schließlich verlor die FAZ auch den Mittvierziger ans Internet, wo er sich bequem und rund um die Uhr gratis Informationen zum Tagesgeschehen beschaffen kann. Es machte aus seiner Sicht das Tageszeitungs-Abo überflüssig. Und Pallas ist gewiss kein Einzelfall.

Und dennoch ist der Hamburger Banker für die FAZ ein Phänomen. Dem Medienhaus ist es nämlich gelungen, seinen ehemaligen Leser zurückzugewinnen. An diesem Abend ist er ins Haller 6 gekommen, einer Event-Location in Hamburg-Rotherbaum. Die FAZ stellt hier in der Hauptstadt der Magazine die neue Ausgabe eines ihrer wichtigsten Print-Neuheiten vor: FAZ Quarterly (FAQ), ein thematisch in die Zukunft gerichtetes, mit seinen mehr als 200 Seiten eher einem Buch ähnelndes Magazin, mit dem das Medienhaus seit etwas über einem Jahr im Zeitschriftenhandel mitmischt. Er nutzt die Gelegenheit, um sich auf dem Heimweg einfach mal ein Bild zu machen von den Leuten, die das Produkt – das für 10 Euro am Kiosk liegt – gestalten.

Zum Launch-Event ist auch Jürgen Kaube gekommen, Herausgeber der FAZ, der für Quarterly an der aktuellen Titelgeschichte mitgewirkt hat und bei der Vorstellung des Hefts fast zu referieren beginnt. Es geht – ganz allgemein ausgedrückt – um die gesellschaftliche Rolle, Relevanz und Zukunft des Essens. Themen wie dieses in die Zukunft gerichtet zu denken, ist eines der Kernelemente des Magazins, das die FAZ-Macher gemeinsam mit Wallpaper- und Monocle-Erfinder Tyler Brûlé entwickelt haben.

Der Ansatz von Quartlery wie auch die Entscheidung, Geschichten über mehrere Seiten hinaus zu schreiben, war für Pallas mitunter ausschlaggebender Punkt, wieder Abonnent zu werden. Wenn er Zeit findet, sich mit einem journalistischen Produkt auseinanderzusetzen, möchte er dafür auch etwas geboten bekommen, sagt er. Sein Anspruch ist in erster Linie dabei, sich Anregungen zu verschaffen, dem Alltag in der Bankenwelt zu entkommen. An Quarterly, sagt er, kann er mehrere Wochen lesen, immer mal wieder reinblättern. Das unterscheidet das Heft von weiteren Angeboten, die er abonniert hat. Der Analyst gibt noch vergleichsweise viel Geld für (gedruckte) Medien aus – Zeit und Spiegel hat er ebenfalls im Abo, nebenher probiert er gerne aus.

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Für die FAZ ist Quarterly neben der Frankfurter Allgemeine Woche die zweite Magazin-Auskopplung, mit der die Macher zeitgleich am weitesten vom Konzept der FAZ als Zeitung entfernt liegen. In Berlin hat der Verlag eine kleine Redaktion aufgebaut, die sich ausschließlich um das Magazin konzentriert. Freilich erkennen die Macher in ihrem Heft etwas komplett Neues, das sich aber an bereits Existierendem bedient. Grundsätzlich weist Quarterly – vor allem im Design – Parallelen zu Monocle auf. Inhaltlich vereint das Produkt aber Ansätze von Monopol bis hin zu Vanity Fair oder dem New Yorker, meint Quartlery-Macher Rainer Schmidt. Die Themenpalette ist bunt: Quarterly will Anlaufestelle in Kultur, Architektur, Mode, Wirtschaft, Politik, Technik und Lifestyle sein und damit, wie Pallas, „kluge, vielseitig interessierte und einkommensstarke Leserinnen und Leser, die auf hohem Niveau informiert und unterhalten werden möchten“ ansprechen.

Dem Verlag bereitet das Heft offenbar nicht nur inhaltlich Freude, sondern auch wirtschaftlich. Allerdings verrät Geschäftsführer Thomas Lindner am Abend keinerlei Zahlen, was ihn aber nicht davon abhält, die fünfte Ausgabe als die „in der Reichweite wie auch im Werbegeschäft“ erfolgreichste zu beschreiben. 75.000 Exemplare jeder Ausgabe gibt die FAZ in Druck, die verkaufte Auflage steige, so Lindner. Darüber hinaus gelinge es dem Verlag, mit dem Magazin eine jüngere Zielgruppe anzusprechen, als es die Tageszeitung schafft. Im Schnitt sei der Quarterly-Leser 40 Jahre alt, merkt er am Rande der Veranstaltung an. „Quarterly ist gekommen, um zu bleiben“, stellt Lindner an diesem Abend fest.

Ob das auch für Abonnent Pallas gilt, ist für ihn selbst noch nicht ganz klar. Bislang jedenfalls habe er noch nicht mit dem Gedanken gespielt, sein Abonnement zu kündigten, sagt er.

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Alle Kommentare

  1. Also wenn die Frankfurter auch nur annähernd so viel wegschmeißen davon wie bei der F.A.Z. Woche, läuft das Ding sehr mies. Wie erfolgreich kann es denn sein, wenn Lindner keine Zahlen nennen mag? Ein verlogenes Businessgekasper ist das.

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