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Autorisierungsmissbrauch durch „Voice of Germany“-Juror: Wie Mark Forster ein kritisches Interview zurückzog

Traf sich mit Journalist Jakob Buhre zum Interview, das daraufhin nie erschien: Sänger Mark Forster
Traf sich mit Journalist Jakob Buhre zum Interview, das daraufhin nie erschien: Sänger Mark Forster

Als Juror bei der Castingshow "The Voice of Germany" gibt Mark Forster vor den Kameras den Spaßvogel und Unterhaltungsmacher – hinter der Kamera kann der Sänger offensichtlich ganz anders, wie aktuell Planet Interview zeigt. Portalmacher Jakob Buhre hatte Forster zum Gespräch getroffen, um mit ihm über politische Musik und Songwriting zu reden. Aus der Autorisierung kam das Stück aber nie zurück.

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„Leider können wir Ihnen das Interview und dessen Veröffentlichung nicht freigeben.“ So lautete die Mail des Management-Büros Sector3, das für Mark Forster arbeitet, und in deren Zuge Jakob Buhre eigentlich die autorisierte Fassung eines Interviews mit dem Sänger erwartet hatte. Doch die Erwartungen wurden enttäuscht. Statt eine abgeänderte Version oder zumindest noch einmal eine Diskussionsrunde über die Umsetzung des Interviews anzubieten, gab es vom Management des Sängers (u.a. „Au revoir“) einfach nichts. Als hätte es das Gespräch, das Buhre als „heiter bis wolkig“ bezeichnete, nicht gegeben.

Der Journalist, der die auf Interviews spezialisierte Website seit bereits 17 Jahren betreibt, hat seine Erfahrungen mit dem Interview und Forsters Management aufgeschrieben. Gekommen war ihm die Idee für das Gespräch nicht selbst, sondern dem Management des Sängers, das zum Interview eingeladen hatte. „Ein Gespräch mit Forster erschien mir spannend, zum einen hatten wir ihn hier noch nicht, zum anderen war die von Jan Böhmermanns Video („Eier aus Stahl: Max Giesinger und die deutsche Industriemusik“) angestoßene Debatte um deutsche Pop-Musik noch frisch. Warum also nicht mal mit einem Top10-Musiker darüber reden, ob deutsche Popmusik wirklich so ‚unpolitisch‘ und ‚abwaschbar‘ ist, wie Böhmermann behauptet“, schreibt Buhre auf seiner Homepage. Darüber hinaus sollte es auch um weitere Menschen hinter der Musik Forsters gehen – nämlich die Songwriter.

Zweiteres war wohl der wolkige Teil des Gespräches. „Offenbar sind Credits ein Thema, worüber Popstars a la Mark Forster nicht so gerne sprechen. Zumindest verschlechterte sich die Laune von Mark ab hier relativ deutlich“, schreibt Buhre. Mit Credits sind die Angaben der Urheber gemeint. „Möglicherweise waren die Credits-Fragen auch ein Grund, dass Mark dieses Interview nicht freigeben wollte.“ Darüber kann der Journalist nur spekulieren. Denn eine Begründung für die Entscheidung, das Interview zurückzuziehen, gab es nicht. Auch auf Nachfrage von MEEDIA hat das Management nicht reagiert.

Der Fall ist bemerkenswert. Es ist mittlerweile leider nicht mehr unüblich, dass es im Rahmen von Autorisierungsphasen zu Komplikationen kommt, weil Interviewpartner das Verfahren ausnutzen und größere Änderungen vornehmen. Immer mal wieder werden ganze Antworten umgeschrieben oder sogar Fragen komplett gestrichen. Dass Interviews komplett zurückgezogen werden, hat eine neue Qualität.

Journalisten haben unterschiedliche Möglichkeiten, zu reagieren. Trotz abgesprochener Autorisierung hätte Buhre das Interview veröffentlichen können, die Autorisierung ist gesetzlich nicht geregelt, auch wenn ein Verstoß gegen die Absprache rechtlich heikel sein könnte. Der Planet-Interview-Macher entschied sich, auf die Veröffentlichung der Antworten zu verzichten. „Das hat in erster Linie mit dem hier enthaltenen Grundsatz zu tun, den wir vor vielen Jahren für Planet Interview formuliert haben“, so seine Begründung.

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Die Fragen hat Buhre dennoch veröffentlicht. Angereichert hat er sie mit einer Dokumentation des Vorfalls sowie einer weiteren Recherche zu den Themen, die er im Interview zur Sprache gebracht hat. Dabei zeigte er auf, dass Forster – der behauptet, seine Texte selbst zu schreiben – zahlreiche Unterstützung von Autoren bekommt. In seinem Stück hebt er die Männer und Frauen, die Backstage agieren, hervor. Dabei geht es Buhr darum, die Arbeit der Songwriter zu würdigen. „Mir geht es im Folgenden nicht darum, zu bewerten was für Musik Mark Forster macht und wie er sie herstellt – das versuche ich so neutral und objektiv darzustellen wie möglich, anhand der mir zur Verfügung stehenden Quellen und anhand meiner Fragen und Äußerungen im Interview“, so der Journalist.

Das Autorisierungsverhalten verurteilt Buhre scharf: „Es erinnert mich an den türkischen Minister Akif Çağatay Kılıç, der ein unliebsames Interview komplett aus der Welt schaffte, in dem er die Aufnahmen von Michel Friedmans Kamera-Team einfach einkassierte. Bzw. erinnert es an Oliver Kahn.“ Der ehemalige Nationaltorwart hatte 2006 ein der Zeit gegebenes Interview zurückgenommen, was die Wochenzeitung ebenfalls kritisch berichtete. 

Auch für Buhre sind Komplikationen bei der Autorisierung nichts Neues. Seine jüngste Erfahrung hatte er zuletzt sogar mit einem Journalisten gemacht. Vor ziemlich genau einem Jahr hatte er Bild-Politik-Chef Nikolaus Blome getroffen, der nachträglich ganze Fragen aus dem Interview gestrichen hatte. Die Begründung für das Verhalten des Journalisten war kurios: Blome hatte zuvor ausdrücklich darauf hingewiesen, nur über sein gerade veröffentlichtes Buch sprechen zu wollen. Der Interviewer hatte aber auch seine Tätigkeit bei der Boulevardzeitung zum Thema gemacht.

Als Maßnahme entschied sich Buhre damals, Planet Interview für zwei Tage lang offline zu nehmen. Die Protest-Aktion sorgte für Aufsehen, was auch im Fall Forster gelingen dürfte. „Aufgrund vieler leidiger Erfahrungen mit der Autorisierung, bitte ich tatsächlich immer öfter Interview-Partner zu Beginn eines Gesprächs, nichts zu erzählen, was sie nicht erzählen wollen. Ich habe ja nichts davon, wenn sie mir im Gespräch Antworten geben, die ich danach gar nicht verwenden darf.“

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