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„Ambient News“: Wie die Osnabrücker NOZ Medien den Digitaljournalismus mit Alexa & Co. neu erfinden wollen

NOZ-Manager Nicolas Fromm (re.), Entwicklungschef Joachim Dreykluft: „Bei der Ideenfindung Bedürfnisse des Unternehmens ausblenden und radikal aus Sicht der Konsumenten denken“
NOZ-Manager Nicolas Fromm (re.), Entwicklungschef Joachim Dreykluft: "Bei der Ideenfindung Bedürfnisse des Unternehmens ausblenden und radikal aus Sicht der Konsumenten denken"

Bislang machen die Verlage auf Computern, Smartphones und Tablets ihre journalistischen Inhalte digital zu Geld. Jetzt will der Osnabrücker Regionalzeitungsverlag ein neues digitales Produkt entwickeln, das Lesern den Einstieg in den Alltag erleichtern soll. Dazu setzt die NOZ auf neue Abspielflächen wie Lautsprecher von Alexa oder Google Home. Co-finanziert wird das Vorhaben von Google.

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Wenn Nicolas Fromm, Geschäftsleiter Digital der Zeitungshäuser NOZ Medien und mh:n Medien, über Hamburg als Digitalstandort für Medienhäuser spricht, findet er klare Vorzüge: „Hamburg verfügt über eine große Startup-Szene. Die Elbmetrolople ist für uns ideal, geeignete Digitalexperten zu finden“, sagt der Geschäftsmann. Die Äußerung kommt nicht von ungefähr. Die NOZ Medien, die im vergangenen Jahr die mh:n Medien geschluckt hat, will in der Hansestadt eine eigene Digitaleinheit aufbauen.

Das Unternehmen schaut sich daher nach passenden Räumlichkeiten und Personal um. „Wir suchen in Hamburg nach einem geeigneten Büro, das Platz für rund 50 Mitarbeiter hat“, sagt Fromm. Unterstützt wird die Geschäftsführung hierbei vom Hamburger Senat. Als ideale Standorte könnte sich Fromm vor allem die Hafencity und die Speicherstadt vorstellen. Dass die NOZ-Gechäftsführung mit Axel Gleie und Joachim Lieber gerade die Hansestadt ausgewählt hat, ist auch geographisch bedingt. Die NOZ Medien haben ihren Sitz in Osnabrück, die mh:n Medien in Flensburg. Beide Firmen treffen sich in Hamburg in der Mitte. Dadurch ist es für die Mitarbeiter beider Verlage leichter, um sich besser auszutauschen.

Jetzt soll der neue Digitalstandort in der Elbmetropole möglichst schnell starten. „Wir hoffen, dass die Mitarbeiter Anfang nächsten Jahres das Büro beziehen und wir schon im ersten Quartal operativ tätig sind“, betont Fromm. Aufgeteilt ist die neue Einheit in drei Zweige. Dazu gehört eine Digitalredaktion unter Leitung von Michael Krechting, der Bereich Business Develoment, geführt von Nicolas Fromm sowie Forschung und Entwicklung, den Joachim Dreykluft verantwortet. Die Zentralredaktion Digital, die künftig aus bis zu 18 Mitarbeitern besteht, soll überregionale Inhalte für alle Newsportale liefern: von Politik, Wirschaft, Sport bis hin zu Regionalthemen. Um den Regionalbezug der Webseiten ihrer Regionalblätter kümmern sich hingegen ausschließlich die Zeitungsstandorte Osnabrück, Flensburg und Schwerin.

Große Hoffnung setzt die NOZ-Führung auf den Bereich Forschung & Entwicklung, der ebenfalls bis zu 18 Mitarbeiter beschäftigen soll. Er ist einer der wesentlichen Bausteine, um mittel- bis langfristig das weitere Wachstum des norddeutschen Verlags voranzutreiben. Denn die NOZ-Spitze mit den beiden Geschäftsführern Axel Gleie und Joachim Liebler hat sich viel vorgenommen. Sie will, dass die NOZ-Gruppe unter die Top fünf der Regionalzeitungshäuser aufsteigt. Mit der Übernahme der mh:n-Gruppe haben die Osnabrücker bereits einen Wachstumssprung gemacht: 33 Tageszeitungen und mehr als 40 Anzeigenblätter sind hinzu gekommen. Zusammen mit dem Zeitungsportfolio aus Flensburg summiert sich damit die Auflage der NOZ Medien-Gruppe täglich auf mehr als 460.000 Exemplare. Damit sind die Osnabrücker schlagartig in den Kreis der zehn größten Zeitungsverlagsgruppen Deutschlands aufgestiegen.

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Jetzt soll die Expansion durch neue digitale Produkte und Anwendungen fortgeschrieben werden. F&E-Chef Dreykluft will hierzu die tradierten Pfade im Digitaljournalismus verlassen. Ein erstes Zukunftsprojekt hat er bereits Anfang Oktober angeschoben. Der Name: Ambient News. Die Idee hinter dem Vorhaben ist einfach: „Wir wollen mit Ambient News Menschen helfen, ihren Einstieg in den Tag besser zu organisieren“, betont Dreykluft. Dabei will der NOZ-Manager neue technische Oberflächen nutzen und in das „Internet der Dinge“ vorstoßen. Bislang erreichen den Menschen digitale journalistische Inhalte klassisch über Computer, Smartphones oder Tablets. Neue Anwendungen aus den Laboren der Tech-Giganten Amazon und Google bieten jedoch neue Abspielflächen für digitale journalistische Inhalte. Dazu zählen LED-Glühbirnen, Lautsprecher wie Alexa, Google Home oder Magische Spiegel, die eine Art Bildschirm sind, der beispielsweise im Badezimmer eingebaut werden könnte.

Die NOZ-Gruppe plant, diese Geräte so zu verändern, dass Menschen journalistische Informationen leichter konsumieren können, um in den Tag zu starten. Dabei will Dreykluft eine Art Anwendung entwickeln, die Nachrichteninhalte auf das jeweilige Informationsbedürfnis des Menschen abstimmt. Muss ich mehr Zeit für den Weg zur Arbeit einplanen, weil das Wetter nicht mitspielt oder ein größerer Unfall passiert ist? Gibt es aktuelle Nachrichten über meinen Lieblings-Fußballverein, der heute spielt? Oder Nachrichten über meinen Arbeitgeber, die für meinen Job wichtig sind? Oder über Firmen, deren Aktien ich halte. Finanziert wird das NOZ-Vorhaben größtenteils durch Google. Beteiligt sind daran verschiedene Partner aus Hamburg und Berlin, darunter das Start-up Datenfreunde.

Noch steht der NOZ-Manager Dreykluft allerdings ganz am Anfang. Doch das Entwicklerteam hat klare Vorgaben: Es soll radikal aus der Sicht des Konsumenten denken und zunächst ein für den Verlag passendes Geschäftsmodell ausklammern, um kreativer und innovativer zu werden. Dreykluft: „Bei der Ideenfindung blenden wir unsere eigenen Bedürfnisse als Unternehmen aus. Wir stellen die Nutzer, heutige und künftige, in den Mittelpunkt. Wir beobachten sie, wir fragen sie, wir laden sie ein, uns ihre Bedürfnisse mitzuteilen“, sagt der Geschäftsmann. Dass die NOZ-Gruppe ganz neue Wege im Digitaljournalismus beschreiten will, liegt an den eingefahrenen Wegen der Branche. Die Crux: „Die meisten Verlagshäuser weisen Digitalerlöse aus, die größtenteils auf Umsätzen ihrer E-Paper beruhen. Damit verschieben sie lediglich ihre Erlösstruktur – von Print- zu Digitalprodukten. Wollen Medienunternehmen wirklich ihre Digitalerlöse steigern, müssen sie ganz neue Ideen im Digitaljournalismus entwickeln.“ Das soll nun bei den NOZ Medien Realität werden.

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