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Antrittsrede des neuen VDZ-Präsidenten Thiemann: „Print ist nicht alles, aber ohne Print ist alles nichts“

Der frisch gewählte VDZ-Präsident Rudolf Thiemann
Der frisch gewählte VDZ-Präsident Rudolf Thiemann

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) hat ein unruhiges Jahr hinter sich. Zuerst kehrten die drei wichtigen Verlage Spiegel, Zeit und Gruner + Jahr dem Verband im Streit den Rücken, dann schmiss VDZ-Präsident Stephan Holthoff-Pförtner überraschend hin, um in die Politik zu wechseln. Beim Publishers’ Summit hielt der neu gewählte Präsident Rudolf Thiemann nun seine erste Rede.

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„Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger ist gut aufgestellt“, eröffnete Thiemann, Verleger des konfessionellen Liborius Verlags, seine Rede. Der VDZ mobilisiere seine Mitglieder „wie kaum ein anderer Verband“, so Thiemann: „Wir leben von der Geschlossenheit unserer Mitglieder, vom Vertrauen und dem Willen zur Zusammenarbeit und Solidarität.“

„Natürlich“ stehe „das Printprodukt für die meisten von uns noch im Mittelpunkt“, so Thiemann und weiter: „Print ist nicht alles, aber ohne Print ist alles nichts“. Verlagen „die es mit einer klaren Zielgruppe zu tun haben“, würde es leichter fallen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Als Beispiele für neue Geschäftsmodelle nannte er Veranstaltungen und Kongresse, Weiterbildungsseminare, Datenbank gestütztes Targeting, Lead Generierung, Content-Marketing, Corporate-Publishing, Research Services sowie Reisen, Möbelmessen und Weinauktionen.

Der neue VDZ-Präsident erweiterte in seiner Rede zudem die Definition dessen, was gemeinhin unter Qualitätsmedien verstanden wird: „Keiner würde abstreiten, dass freier und unabhängiger kritischer Journalismus Voraussetzung für das Funktionieren unserer Demokratie ist. Ich behaupte allerdings, dass dies ebenfalls für alle anderen Formen des Publizierens gilt. Gutes Publizieren erschöpft sich nicht allein in politisch kritischem Journalismus. Es umfasst die gesamte Bandbreite unserer Produkte. Das Lebensgefühl als Baustein der freien Entfaltung der Persönlichkeit ist für eine freiheitliche Gesellschaft ebenfalls essentiell.“

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Damit verbunden formulierte er diverse Forderungen an die Politik. Zum einen sei ein europäischer Rechtsrahmen nötig, „ein eigenes Verlegerrecht, das die Vermarktung unserer Inhalte wirksam unterstützt“. Davon unabhängig müsse das deutsche Leistungsschutzrecht durchsetzbar ausgestaltet werden.

Der VDZ begrüße zudem, dass die Bundesregierung für den reduzierten Mehrwertsteuer-Satz auf digitale Presseprodukte eintritt. Die aktuellen Vorschläge zu einer E-Privacy Verordnung in Brüssel seien „ein Schlag ins Gesicht der Verleger“, so Thiemann. Eine solche Verordnung würde „offenen Verlagsangeboten im Internet weithin die rechtliche Grundlage für ihre Geschäftsmodelle“ entziehen. Die Werbefinanzierung offener journalistischer Angebote würde durch eine E-Privacy Verordnung im Kern bedroht. Der Vorschlag für eine europäische E-Privacy Verordnung will den Verbraucherschutz auf europäischer Ebene stärken. So soll es Unternehmen künftig nicht gestattet sein, die Kommunikationsdaten ihrer Kunden für andere Zwecke als den Betrieb eines Dienstes zu nutzen, ohne die Kunden um Einwilligung zu bitten. Neben dem VDZ protestieren auch der BDZV und der VPRT gegen die geplante Verordnung.

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Alle Kommentare

  1. „Reisen, Möbelmessen und Weinauktionen.“ So, so. Das typische Geschäft für Zeitschriftenverleger, wo es ja noch nicht niemand gibt, der das alles schon längst besser kann. Die eigene Branche lange nicht weiterentwickeln und dann in fremden Gewässern fischen…

    Die alten Herren sollten ja mit ihrer Berufserfahrung gut für einen Präsidentenposten sein. Aber mit solchen Ansätzen und solchen realitätsfernen Sprüchen helfen sie der Branche nicht. Sie retten sich ins Altersheim mit einer schönen Pension. Aber was wird aus dem Nachwuchs, wenn das schon seit längerem sinkende Schiff ganz untergeht?

    Entweder endlich das Kerngeschäft wieder wettbewerbsfähig machen – gerne auch ohne Weinproben – oder den Weg frei machen und diejenigen, die den Kahn vielleicht wieder flott bekommen, nicht länger behindern.

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