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Von wegen Verkauf der Bild, Abspaltung, Börsengang: Springer-Chef Döpfner müht sich, Gerüchte einzufangen

Springer-Chef Mathias Döpfner müht sich, Gerüchte im Konzern einzufangen
Springer-Chef Mathias Döpfner müht sich, Gerüchte im Konzern einzufangen

Separater Börsengang, Veräußerung des Printgeschäfts, Verkauf des Flaggschiffs Bild und die Angst vor einen massiven Personalabbau - seitdem Axel Springer-Konzernchef Mathias Döpfner die nationale Bezahlangebote in zwei separate Verlagsbereiche Digital und Print aufgeteilt hat, wächst die Unruhe unter der Belegschaft über einem radikalen Umbau des Berliner Medienriesens. Jetzt bemüht sich Döpfner erneut, hausintern die Wogen zu glätten und erteilt Gerüchten über einen Verkauf und Abspaltung des Gedruckten zum wiederholten Mal eine Absage.

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Mathias Döpfner ist derzeit hausintern viel unterwegs. Mal stellt sich der Vorstandschef auf einem „Tuesday Townhall Talk“ weltweit den Fragen der rund 15.000 Mitarbeiter im Berliner Medienhaus Axel Springer, mal besucht er direkt die Belegschaft am Standort in Hamburg – wie vergangene Woche. Seine Präsenz im vielschichtigen Springer-Reich ist verständlich. Denn mit dem geplanten Umbau der nationalen Bezahlangebote in zwei separate Verlagsbereiche Digital und Print wächst die Unruhe in der Belegschaft, der Vorstand könnte das Unternehmen radikal umbauen: Von einem separaten Börsengang der gesamten Digitalaktivitäten, einer Veräußerung des Printgeschäfts, gar einem Verkauf der Bild-Gruppe bis zu einem massiven Personalabbau ist hausintern gerüchteweise die Rede.

Jetzt bemüht sich Döpfner erneut darum, wieder Ruhe in die Belegschaft zu bringen. „Ich habe im Moment anders als in den ersten Tagen das Gefühl, dass sich eine Stimmung verselbständigt, wo wieder Angst durchs Haus geht. Ich höre es auch. Mediendienste melden sich, recherchieren. ‚Was ist denn los bei Axel Springer, eine Entlassungswelle?‘“, wird der Springer-Chef in einer hausinternen Zeitung der Betriebsräte zitiert. Diese Ängste will Döpfner den Mitarbeitern unbedingt nehmen: „Wir müssen da wirklich aufpassen. Eine Belegschaft, die in Angst und Panik gerät, weil sich irgendetwas als Gerücht verselbständigt, das ist nicht gut für dieses Unternehmen“.

Seit Monaten brodelt bei Axel Springer die Gerüchteküche über einen grundlegenden Umbau des Medienunternehmens. Der Tenor: Der Vorstand wolle das weit verzweigte Firmenreich zu einem reinen Digitalhaus umbauen. Dazu sollen die Digitalaktivitäten komplett in einer Art „Fortschritts-AG“ gebündelt werden. Die Printsparte, die zunehmend unter den schwächelnden Vertriebs- und Anzeigenmärkten leidet, solle dagegen in einer Art „Holz-AG“ ausgegliedert werden, ähnlich wie einer Bad Bank im Finanzsektor. Damit würde Springer sich weiter vom Gedruckten verabschieden. Bereits in den vergangenen Jahren hatte Döpfner hier harte Schnitte unternommen. Erst trennte er sich 2009 von diversen Minderheitsbeteiligungen an Regionalzeitungen wie den Kieler Nachrichten und den Lübecker Nachrichten, dann holt Döpfner 2013 zu einem noch größeren Schlag aus. Er veräußert traditionsreiche Titel wie das Hamburger Abendblatt und die Programmzeitschrift Hörzu. Dies war für viele Mitarbeiter ein Schock, kappte der Konzern doch Teile seiner Wurzeln, die ihn einst groß gemacht haben.

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Eine Abspaltung und ein späterer Verkauf der Printsparte nach einer harten Restrukturierung des Unternehmensbereichs käme vor allem bei institutionellen Anlegern gut an. Sie würden verstärkt nach Springer-Aktien greifen, was den Börsenkurs der Berliner beflügeln würde. Damit hätte Döpfner auch einen größeren Handlungsspielraum, um die Expansion des Unternehmens voranzutreiben. Denn der Medienmanager wäre bei deutlich gestiegenen Börsenkursen in der Lage, geplante Akquisitionen mit Aktien zu bezahlen. Dies würde den Weg des ehrgeizigen Vorstandschefs erleichtern, das Berliner Unternehmen zu einen namhaften Player auf den hart umkämpften Medienmärkten der Welt auszubauen.

Nun hat der Springer-Boss den Gerüchten aber erneut eine klare Absage erteilt. „Es wird keinen Verkauf geben, es wird keinen Börsengang geben, es wird keine Abspaltung geben“, sagte Döpfner in einer von den Betriebsräten herausgegebenen Zeitung. Dort zitieren die Arbeitnehmervertreter den Konzernboss ausgiebig, der ihnen vergangene Woche Rede und Antwort stand. Keine Entwarnung gibt Döpfner allerdings was einen geplanten Stellenabbau betrifft. Der Verlagschef betont, dass es „bei den Häuptlingen als auch in reduziertem Umfang bei den Indianern Personalanpassungen geben wird.“ Angaben zur Höhe des Personalschnitts machte er aber in der BRV-Zeitung nicht, die MEEDIA vorliegt. Der Konzernbetriebsrat fürchtet, dass durch die Neuausrichtung langfristig Arbeitsplätze „im dreistelligen Bereich“ dem Rotstift zum Opfer fallen. Er verhandelt mit dem Vorstand bis zum Monatsende über die Höhe des Personalabbaus.

Döpfner machte aber gegenüber den Betriebsräten deutlich, wohin die Reise Springer künftig führt. „Wir wollen ein echtes digitales Wachstumsunternehmen sein und uns gleichzeitig voll auf die Stärkung und Stabilisierung des Printgeschäfts konzentrieren“. Von der Aufteilung des Digital- und Printgeschäfts in zwei Verlagseinheiten seien die Redaktionen nicht betroffen. Hier wolle Springer weiter daran arbeiten, die vollintegrierte Zusammenarbeit auszubauen. Der Springer-Chef: „Gerade in den Redaktionen haben wir noch ganz viel Integration vor uns.“

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