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Medientage Gipfeltalk: ARD und Facebook als beste Frenemies auf dem schiefen Playing Field

Drei der Teilnehmer der Executive-Runde beim Mediengipfel der Medientage München: Christof Wahl von ProSiebenSat.1, ARD Vorsitzende Karola Wille, Burda Vorstand Philipp Welte
Drei der Teilnehmer der Executive-Runde beim Mediengipfel der Medientage München: Christof Wahl von ProSiebenSat.1, ARD Vorsitzende Karola Wille, Burda Vorstand Philipp Welte

Die Medien und ihre Nöte mit dem „Level Playing Field“, das eben nicht „level“ ist, sondern nach Ansicht von Privatmedien ziemlich schief, waren ein Hauptthema des Mediengipfel-Executive-Talks am Eröffnungstag der Münchner Medientage. Den amüsantesten verbalen Schlagabtausch gab es zwischen Burda-Vorstand Philipp Welte und Moderator Klaas Heufer-Umlauf.

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„Da Sie aus dem Yellow-Press-Bereich kommen, haben Sie eigentlich einen Wettbewerbsvorteil in Sachen Alternative Facts“, fragte Klaas unvermittelt den Burda-Mann fürs Publizistische. Und der rang sichtlich um eine schlagfertige Antwort. „Das ist nice“, meinte Welte zunächst, um dann einen Konter zu versuchen: „Sie kommen vom Fernsehen, Sie kennen sich mit Journalismus nicht so aus“, raunzte Welte in Richtung Heufer-Umlauf. Der Moderator bemühte sich, die Wogen zu glätten: „Ich zieh’ mir einen Anzug an, setze mich hier in und hoffe dass es bald vorbei ist. Nein, macht viel Spaß, macht sehr viel Spaß.“ Dann wieder Welte: „Wenn ich Joko wäre, dann würde ich jetzt einen Tacker nehmen und ihnen den Mund zutackern.“ Der Burda-Manager war sichtlich nicht angetan von dem flapsigen Einwurf des Moderators. Im weiteren Verlauf redete er davon, wie der Journalismus die Demokratie schützen soll und dass es dafür Spielregeln braucht usw. Auf den von Klaas Heufer-Umlauf in Spiel gebrachten, impliziten Vorwurf, dass ja auch viele Print-Medien aus dem Yellow-Segment systematisch „Fake News“ verbreiten, ging er nur dahingehend ein, dass man die Verlage ja verklagen könne, wenn man der Meinung sei, dass sie etwas Falsches berichtet haben.

Heufer-Umlauf erfühlte die Bad Vibrations, was nicht schwer war, und stocherte bei dem Thema lieber nicht weiter nach. Größere Einigkeit herrschte unter den Bossen, wenn sich Vertreter von privaten Print- und TV-Medien über das ihrer Meinung nach schiefe Playing Field der politischen Rahmenbedingungen und ihre Frenemies von Google, Facebook und der ARD beklagten.

RTL-Deutschland-Chefin Anke Schäferkordt redete in ihrer Keynote viel von Vertrauen und – natürlich – auch vom fehlenden „Level Playing Field“, jener immer wieder konstatierten Ungleichbehandlung der Privatmedien durch die Politik. Die Medientage bieten für derlei Lamentos seit Jahren eine bewährte Bühne. Die neue E-Privacy-Verordung, die auf EU-Ebene im Schwange ist (Schäferkordt: „die ganz große Verbraucherschutz-Keule“) gefällt nicht. Vielen Verlegern gefällt nicht, dass die ARD mehr Beitragsgeld will und sich textmäßig im Netz gerne breiter machen würde. Die ARD-Vorsitzende Karola Wille meinte später in der Runde, dass digitale Medien halt nunmal Video, Audio und Text umfassen würden.

Eine „echte Strukturdebatte und ein klares Bekenntnis zum dualen System“ vermisst die RTL-Chefin, vor allem, was die private Seite betrifft. Dass der öffentliche Rundfunk bald vielleicht mehr Beitragsgeld bekommen soll, um damit sozusagen die amerikanischen Plattformen noch attraktiver zu machen, hält sie für „die Spitze der Wettbewerbsverzerrung“.

Ein kleines bisschen Verständnis für die Sorgen der Privaten hatte die bayerische Medienministerin Ilse Aigner im Gepäck, die mit Blick auf die Öffentlich-Rechtlichen in gebotener Schwammigkeit meinte, „umfassende digitale Angebote“ gingen „vielleicht nicht mehr in Ordnung“. Auch bei der Sendervielfalt müsse es „vielleicht nicht so sein, dass gleichzeitig bei Veranstaltungen das Mikro von BR, SWR und ZDF gesehen wird.“ Einen Satz später stellte sie dann aber auch schon wieder eine „maßvolle“ Beitragserhöhung in Aussicht.

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Auch von ProSiebenSat.1-Vorstand Christof Wahl und Facebook-Vertreter Patrick Walker gab es viel Staatstragendes und Belobigendes für den wahren, guten und schönen Journalismus zu hören. Irritationen, wie jene eingangs geschilderte Szene zwischen Klaas Heufer-Umlauf und Philipp Welte, blieben die Ausnahme.

Heufer-Umlauf sagte zu Beginn es Mediengipfels, man solle am besten dem Motto „lower your expectations“ folgen. Dann könne man zufrieden aus der Veranstaltung gehen. Vermutlich ist das generell ein gute Ratschlag, nicht nur bei den Medientagen.

MEEDIA übertragt die Medientage München live bei Facebook:

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