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Wochenrückblick: bedrucktes Papier statt bedruckter Klodeckel – das Daniela Katzenberger Magazin

Gutes Fernsehen, fragwürdiges Druckwerk, ein grauer Herr (v.l.n.r.)
Gutes Fernsehen, fragwürdiges Druckwerk, ein grauer Herr (v.l.n.r.)

Daniela Katzenberger lässt ihre Markenkraft seit dieser Woche für den Bauer Verlag strahlen. Die „Höhle der Löwen“ ist erfolgreich wie nie. Und Aus dem tiefen Osten kommen umstürzlerische Vorschläge für ARD und ZDF. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Es gibt da offensichtlich einen neuen Trend bei Print-Magazinen: Man nehme einen Promi und baue für diesen ein Magazin. Ganz frisch ist die Idee freilich nicht. In den USA gibt es schon lange O, das Magazin der ehemaligen Talkshow-Queen Oprah Winfrey und in den Niederlanden hat Linda de Mol auch schon seit geraumer Zeit ein Magazin, das ihren Vornamen trägt. Hierzulande hat Gruner + Jahr das Konzept für Barbara (Schöneberger) adaptiert und ist darüber so enthusiasmiert, dass im kommenden Jahr mit Joko (Winterscheidt) eine Variante für den promi-affinen Herren folgt. Diese Woche haben die Leute vom Bauer Verlag nachgelegt und mit Daniela der Katzenbergerin ein Print-Heft auf den Leib geschneidert. Eine „gedruckte Daily Soap“ soll es sein, mit einer gedruckten Auflage von 100.000 Exemplaren zum doch erklecklichen Heftpreis von 2,99 Euro. Bei Bauer glauben sie ausweislich einer Pressemitteilung an „die Strahlkraft der Marke“ Katzenberger. Immerhin hat „die Katze“ ihre Markenkraft auch schon auf Klodeckeln und Klobürsten erstrahlen lassen. Warum nicht mal ein Hefterl? Berührungsängste gibt es offenbar mit keiner Branche. Gruner hat auch diese Woche verkündet, dass sie Eckart von Hirschhausen als Kopf für einen Neustart von stern gesund leben verpflichtet haben. Das Wort Promi-Postille ist mit ganz neuer Bedeutung aufgeladen.

Die Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ feierte diese Woche schon wieder einen Quoten-Rekord. Erstmals erreichte die Sendung in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen einen Marktanteil von über 20 Prozent. Statt Ermüdungserscheinungen zu zeigen, wird die Sendung immer noch beliebter. Dafür gibt es viele Gründe. Einmal ist die Mischung der Investoren, Löwen genannt, sehr gelungen. Es gibt eine Instant Gratification für das Publikum, indem immer sofort entschieden wird, ob ein Gründer/eine Gründerin Geld bekommt oder nicht. Und oft kann man schon am nächsten Tag einige der vorgestellten Produkte im Handel kaufen und selbst ausprobieren. Das ist eine Verlängerung der Show in die wirkliche Welt, wie sie sonst kein Format bieten kann. Natürlich geht es dabei ums Geldverdienen, aber da macht ja auch niemand einen Hehl daraus. „Die Höhle der Löwen“ ist Kommerzfernsehen pur, aber es ist sehr unterhaltsames Kommerzfernsehen. Ich bin sehr gespannt, ob die neue Show „Start Up!“ mit Löwen-Investor Carsten Maschmeyer, die Sat.1 im Frühjahr 2018 zeigen will, ähnlich erfolgreich sein wird. Ich kann es mir nicht recht vorstellen. Zum Einen klingt das in dieser Woche vorgestellte Konzept eher nach einem „Deutschland sucht den Super-Gründer“ und ist damit deutlich konventioneller als „Die Höhle der Löwen“. Zum Anderen ist doch sehr fraglich ob Maschmeyer alleine als Zugfigur eine solche Show tragen kann. Er hat zwar bei „Start Up!“ auch ein so genanntes „Experten Team“ um sich, aber die Sat.1-Sendung ist doch sehr auf seine Person zugeschnitten.

Bis zu dieser Woche dürften viele Medien-Interessierte nichts mit dem Namen Rainer Robra anzufangen gewusst haben. Der Gute ist CDU-Politiker und der für Medien zuständige Staatsminister in Sachsen-Anhalt. Die Mitteldeutsche Zeitung veröffentlichte ein Interview mit ihm, in dem Herr Robra verbal die ganz große Reformkeule in Sachen öffentlicher Rundfunk schwang. „Tagesschau“? Überflüssig! Das Erste als Vollprogramm? Abschaffen! Spielfilme? Ab ins ZDF! Nach seinen Vorstellungen sollte sich die ARD auf regionale Berichterstattung aus den Bundesländern konzentrieren und das ZDF die Rolle als einziges überregionales öffentlich-rechtliches Vollprogramm übernehmen. Dass der Mann so etwas sagt, kann man erstaunlicherweise nicht als Hinterbänkler-Geschwätz abtun. Man kann davon ausgehen, dass solche Aussagen mit dem CDU-Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt, Reiner Haselhoff (CDU), abgestimmt sind. Den ostdeutschen Landesregierungen sitzt die AfD im Nacken, die den öffentlichen Rundfunk in seiner jetzigen Ausprägung am liebsten abschaffen würde. Und gerade beraten die Länder über eine Reform des Telemedienauftrags und damit einhergehend auch über eine mögliche oder unmögliche Erhöhung des Rundfunkbeitrags 2021. ARD, ZDF und Deutschlandfunk haben neulich ihre – überschaubaren – Reform und Sparvorschläge eingereicht. Jetzt hat jemand aus der Politik eine Maximalforderung platziert. Am Ende wird höchstvermutlich nicht die „Tagesschau“ abgeschafft aber ARD und ZDF werden deutlich mehr sparen müssen, als ihnen lieb ist. Ein steigender Rundfunkbeitrag scheint derzeit in den östlichen Bundesländern nicht durchsetzbar. Und einer Erhöhung müssten alle Länder zustimmen.

Schon interessant, mit welchen tollen Sachen manche Medienhäuser um junge Talente werben. Bei stern.de waren sie nun ganz besonders findig beim Herauskehren der Vorzüge des Arbeitsplatzes.

Schönes Wochenende!

PS: Die Themen dieses Wochenrückblick bespreche ich auch mit meinem Kollegen Christian Meier von der Welt in unserem Podcast „Die Medien-Woche“. Einfach mal reinhören!

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