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Vergewaltigung, Erpressung, Missbrauch: Harvey Weinstein, Hollywoods perfide Macht-Strukturen und die Kultur des Schweigens

The New Yorker berichtet über das perfide Handeln von Harvey Weinstein
The New Yorker berichtet über das perfide Handeln von Harvey Weinstein

Der Skandal um den Hollywoodmogul Harvey Weinstein zieht immer größere Kreise. Weitere Frauen melden sich zu Wort und beschuldigen den Filmproduzenten des sexuellen Missbrauchs. Der New Yorker schreibt, dass drei Schauspielerinnen Weinstein sogar Vergewaltigung vorwerfen. Sein massiver Machtmissbrauch war jahrzehntelang ein offenes Geheimnis in Hollywood. Die Vorwürfe wurden scheinbar immer wieder gezielt vertuscht.

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Die italienische Schauspielerin Asia Argento war gerade Anfang 20, als sie eine der Hauptrollen in dem Hollywood-Film „B. Monkey“ ergatterte. Produziert wurde der Film von Miramax, der Firma der beiden Weinstein-Brüdern Harvey und Bob. Asia Argento erzählt jetzt, 20 Jahre später, dass der mächtige Filmmogul Harvey Weinstein sie damals vergewaltigt haben soll. Harvey Weinstein habe sie 1997 zu sich in ein Hotel eingeladen und dort zum Oralvekehr gezwungen. „Er machte mir Angst“, berichtet Argento in einem emotionalen Interview mit dem US-Magazin The New Yorker. „Er hat nicht aufgehört. Es war ein Alptraum.“

Und Asia Argento ist damit nicht allein. Zwei weitere Frauen beschuldigen Harvey Weinstein im New Yorker der Vergewaltigung, und zahlreiche weitere Schauspielerinnen und Models warfen dem Produzenten bereits am Dienstag sexuelle Belästigung vor. In einer Audioaufnahme, die der New Yorker Polizei vorliegt und die vom New Yorker veröffentlicht wurde, ist zu hören, wie Harvey Weinstein ein junges Model bedroht: Sie solle mit auf sein Hotelzimmer kommen, sagt er, nur für fünf Minuten. „Ruiniere besser nicht unsere Freundschaft“, ist Weinstein zu hören. Auf ihre Frage, warum er ihr bereits gestern einfach an die Brust gefasst habe, sagt er lapidar: „Ich bin daran gewöhnt.“

Auch die Schauspielerin Gwyneth Paltrow berichtet in der New York Times, Harvey Weinstein habe sie als 22-Jährige angefasst und massieren wollen. Sie habe sich aber geweigert. Angelina Jolie berichtete der Zeitung ebenfalls von einer „schlechten Erfahrung“ mit Weinstein in ihrer Jugend. „Als Ergebnis habe ich mich entschieden, nie wieder mit ihm zu arbeiten, und andere vor ihm zu warnen. Dieses Verhalten gegenüber Frauen ist in jeder Branche und in jedem Land inakzeptabel“, so Jolie.

Zuvor waren bereits Weggefährten wie Meryl Streep, George Clooney, Lena Dunham, Judi Dench, Kate Winslet, Mark Ruffalo und Christian Slater auf Distanz zu Weinstein gegangen. Die Frauenrechtsanwältin Gloria Allred forderte Weinstein am Dienstag auf, an einem Mediationsverfahren teilzunehmen. „Wenn er ein Verfahren zulässt, das Gerechtigkeit möglich macht, würde ihm das sehr dabei helfen, seinen Ruf zu reparieren“, sagte Allred auf einer Pressekonferenz in Los Angeles.

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Die Berichte der New York Times und des New Yorkers legen ein perfides Macht-Gefüge in Hollywood offen: Nicht nur hat Harvey Weinstein etliche Frauen sexuell missbraucht und offenbar auch vergewaltigt, er hat sie auch mit Abfindungen zum Schweigen gebracht. Weinstein gehört zu den mächtigsten Männern Hollywoods und hat diese Position gnadenlos missbraucht. Die Berichte der betroffenen Frauen haben nämlich eines gemeinsam: Sie alle berichten, dass sie sich wie gelähmt fühlten, dass sie Angst hatten und sich dem Filmproduzenten ausgeliefert gefühlt hatten. „Ich fühlte mich so, als ob ich musste“, sagt beispielsweise Asia Argento. Und beschreibt weiter: „Wenn ich ihn sehe, dann fühle ich mich klein und dumm und schwach.“

Harvey Weinsteins Verhalten war offensichtlich jahrzehntelang ein offenes Geheimnis in Hollywood – und was noch perfider ist: Der mächtige Filmproduzent spannte scheinbar seine Mitarbeiter sogar in sein Handeln ein. So berichtet der New Yorker, dass beispielsweise Casting-Agentinnen und Assistentinnen Weinsteins zunächst in den Meetings mit den Schauspielerinnen dabei gesessen hätten, um ihnen ein falsches Gefühl der Sicherheit zu vermitteln, bevor sie sie mit dem Produzenten allein ließen.

Ronan Farrow, Autor des New Yorker-Beitrages, berichtet im Gespräch mit dem Nachrichtensender MSNBC, Harvey Weinstein und seine Angestellten hätten versucht, die schweren Vorwürfe zu vertuschen. So hätten vor der Veröffentlichung seiner Geschichte alle seiner Interviewpartnerinnen Droh-Anrufe erhalten. Eine Frau habe daraufhin ihre Aussagen zurückgezogen.

„Zahlreiche Nachrichtenhäuser wollten diese Geschichte in den vergangenen Jahren immer wieder angehen“, sagt er. Doch zu einer Veröffentlichung sei es bislang noch nicht gekommen. Dies liege daran, so Farrow, dass Weinstein nicht nur auf die betroffenen Schauspielerinnen, sondern auch auf die Presse einen massiven Druck ausübe. Auch ihm selber sei bereits mit einer Klage gedroht worden und NBC habe seine Reportage gar abgelehnt. „Es geht hier um eine Kultur des Schweigens im Beisein mächtiger Männer“, so Farrow. Und diese Kultur müsse endlich durchbrochen werden.

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