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Zickzackkurs um Constantin-Übernahme: Großaktionär Bernhard Burgener lässt Aktionäre im Unklaren

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Der schweizerische Großaktionär Bernhard Burgener plant, die Constantin Medien AG zu schlucken. Die von ihm kontrollierte Highlight Communications AG hat ein Übernahmeangebot unterbreitet. Mehrere Medien springen darauf an. Sie glauben, dass der Deal unter Dach und Fach ist. Doch die Investor Relations-Abteilung der Highlight Communications wiegelt ab. Sie ist zudem gezwungen, die Berichterstattung einzufangen.

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Wenn Investoren nach einem börsennotierten Unternehmen greifen, ist Verschwiegenheit oberste Pflicht. Potenziellen Käufer halten sich bis zur letzten Sekunde mit öffentlichen Äußerungen zurück, um eine geplante Übernahme nicht zu gefährden. Denn allein jedes nur erdenkliche Gerücht über einen Erwerb treibt den Börsenkurs. Der Aktienkauf würde sich verteuern – und damit steigt die Gefahr, dass der Mega-Deal platzt.

Im Fall der Constantin Medien AG scheinen diese Marktgesetze nicht zu gelten. Vollmundig hatte der Schweizer Großaktionär Bernhard Burgener bereits mehrfach angekündigt, den Münchener Film- und Sportkonzern zu schlucken – unter anderem Mitte September. „Ich arbeite gemäß den gesetzlichen Auflagen an einem Übernahmeangebot für Constantin Medien“, sagte der Geschäftsmann der Süddeutschen Zeitung. „Wir haben jetzt die echte Chance und sollten alles dafür tun, dass bei Constantin Medien, bei den Aktionären und Mitarbeitern wieder Frieden einkehrt.“

Jetzt ist Bernhard Burgener mit seinen Übernahmeplänen zwar etwas konkreter geworden. Dennoch löst er bei vielen Constantin-Aktionären Kopfschütteln aus. Was ist passiert? Vergangene Woche hatte die Highlight Communications AG, die von Burgener kontrolliert wird, eine Übernahmeofferte für den bayrischen Medienriesen abgegeben. Die schweizerische Gesellschaft sei bereit, 2,30 Euro je Constantin-Aktie zu zahlen, heißt es. Damit müsste ein Investor insgesamt mehr als 150 Millionen Euro für den verschachtelten Konzern auf den Tisch hinblättern. Für viele Medien schien die von Burgener angestrebte Übernahme von Constantin Medien endlich unter Dach und Fach ist.

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Doch das war weit gefehlt. Denn der Geschäftsmann knüpft die Offerte an gewisse Voraussetzungen. Dazu gehört eine „gesicherte Finanzierung“, wie ein genauerer Blick ins schweizerische Handelsregister verrät. Eilig muss die Investor-Relations-Abteilung der Highlight Communications AG die Medienberichte in einer adhoc-Mitteilung an die Börse wieder einfangen – vor allem auch, um zu verhindern, dass der von Burgener angestrebte Millionen-Deal durch einen abrupten Kurssprung der Constantin-Aktie platzen könnte. „Zahlreiche Medien erwähnen ein Übernahmeangebot an die Aktionäre der Constantin Medien AG und nennen einen Angebotspreis. Diese Berichte basieren auf der Falschinterpretation der Sachübernahmeklausel, welche im Zusammenhang mit der anfangs Juni 2017 beschlossenen und diese Woche eingetragenen Kapitalerhöhung im Handelsregister veröffentlich wurde“, teilt die Highlight Communications AG daher mit. Burgener, Verwaltungsratschef der schweizerische Constantin-Tochter, rudert in der Meldung zudem kräftig zurück, die Münchener Firma überhaupt zu schlucken. „Die Gesellschaft hat sich zu nichts verpflichtet und stets festgehalten, dass für ein Übernahmeangebot weitere Voraussetzungen erfüllt sein müssen.“ So habe man auch keine Entscheidung gefällt, „weder zur Frage, ob ein Angebot unterbreitet wird, noch zum allfälligen Preis.“

Die Aktionäre der Constantin Medien AG sind verwirrt. Nach einem Kursanstieg in der vergangenen Woche gab daher heute die Börsennotierung der Constantin Medien-Aktien um rund 2 Prozent auf 2,10 Euro wieder nach. Damit liegt der Aktienkurs weit entfernt von dem möglichen Übernahmekurs von 2,30 Euro, den Burgener offenbar bereit ist, für die Constantin-Aktien zu zahlen. Der Medienunternehmen ist seit Längerem Gegenstand für heftige Spekulationen. Noch vor Kurzem hatten sich der Constantin-Medien-Aufsichtsratschef Dieter Hahn und Burgener über die strategische Ausrichtung des Unternehmenskonglomerats gestritten. Doch Hahn zog sich aus dem Kontrollgremien von Constantin zurück, mit ihm verließ auch Firmenchef Fred Kogel den Vorstand. Seither hält Burgener-Vertrauter Olf Schröder die Geschicke der Gesellschaft in der Hand. Zur Constantin Medien AG gehört unter anderem Deutschlands größter Filmproduzent Constantin Film („Fack ju Göhte“), der Sender Sport 1, die Schweizer Highlight-Gruppe und die Sportrechtefirma Team, die die Champions League vermarktet.

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