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#trending: Fußball in der Türkei und den Niederlanden, schon wieder die Hauswinkelspinne, die Spiegel-Titel-Story und die „Obergrenze“

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Guten Morgen! Ich grinse momentan ständig beim Schauen des neuen Bahn-Werbespots zum 25. Geburtstag der Bahncard. Da macht man sich doch tatsächlich darüber lustig, dass es 1992 noch Disketten gab! So laut sollte die Bahn aber nicht lachen, denn das Unternehmen spielte die Sitzplatzreservierungen noch bis 2014 oder 2015 mit Disketten in die Systeme der Züge ein. Und das ist kein Witz.

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#trending // News & Themen

Die Fußball-WM-Qualifikation sorgte am Wochenende für viele vordere Plätze in den Social-Media-News-Charts. Das lag aber nicht an der deutschen Mannschaft, sondern an anderen Aspekten. So gab es am Freitag und Samstag viele Interaktionen für einige Artikel zum WM-Aus der Türkei. Vor allem Bild punktete dabei – mit „0:3-Debakel gegen Island – WM-Aus für die Türkei“ (21.800 Likes & Co.) und „Nach peinlichem WM-Aus – Fußball-Chaos in der Türkei“ (9.800).

Am Sonntag amüsierten sich viele deutsche Social-Media-Nutzer über Dick Advocaat, den niederländischen Nationalmannschaftstrainer. Vor den Spielen vom Samstag wurde der befragt, was denn wäre, wenn Schweden 8:0 gegen Luxemburg gewinnen würde. Zur Einordnung: Bei einem solchen Resultat müsste die Niederlande am letzten Spieltag gegen Schweden mit sieben Toren Unterschied gewinnen, um sich noch für die WM qualifizieren zu können. Advocaats Antwort: „Sie werden nicht mit 8:0 gewinnen, was ist das für eine dumme Frage?“. Schweden gewann 8:0, Advocaat steht nun selbst ein wenig dumm da und die Niederlande ist so gut wie ausgeschieden. Sport1 holte mit der Story 11.600 Interaktionen – die zweitmeisten aller deutscher Artikel vom Sonntag.

Der erfolgreichste Text des Sonntags verdient einen erneuten Preis für das Hinterherdackeln des Tages. Sie ahnen es vielleicht: Erneut feiert ein Medium riesige Erfolge mit der Hauswinkelspinne. Zur Erinnerung: Zuletzt sorgte das Tier Ende August / Anfang September für viele erfolgreiche Artikel. Diesmal war es die Bild, die mit dem harmlosen Tierchen Panik erzeugte – und innerhalb weniger Stunden mit 21.100 Likes, Reactions, Shares, Kommentaren und Retweets den ersten Platz aller deutschsprachiger Artikel des Sonntags erklomm.

#trending // Social Media

Unter Medien-Interessierten gab es am Wochenende viele Reaktionen auf die aktuelle Spiegel-Titelgeschichte „Die unheimliche Macht“ darüber „wie ARD und ZDF Politik betreiben“. Der Artikel selbst beschreibt nichts wirklich „Unheimliches“, ist eher ein Zusammenschrieb aus bekannten Diskussionen, immer wieder kehrender Kritik, alles in allem unspektakulär. Leider aber auch mit einigen gefühlten Fakten. Mir als Zahlen-Analyst ist der Satz im Teaser aufgestoßen: „Das junge Publikum wendet sich ab.“ Im Artikel tauscht die Behauptung in einem schmalen Absatz nochmal auf – ohne konkrete Zahlen. Die möchte ich daher nachliefern: Seit zehn Jahren schwankt der gemeinsame Marktanteil aller öffentlich-rechtlicher TV-Sender bei den 14- bis 49-Jährigen – je nachdem ob es eine Fußball-EM oder -WM gibt – in etwa zwischen 23% und 25%. Im Jahr 2017 könnte sogar erstmals seit über zehn Jahren in einem Nicht-EM oder -EM-Jahr mehr als 25% erreicht werden. Ein „Abwenden“ des jungen Publikums vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen – sofern die 14- bis 49-Jährigen gemeint waren, die man landläufig beim Fernsehen als das junge Publikum bezeichnet – ist nicht zu erkennen.

Auch wenn der Artikel aller Schwächen zum Trotz durchaus diskussionswürdige Punkte erhält, reagierten Betroffene, also Mitarbeiter von ARD und ZDF in den sozialen Netzwerken fast ausnahmslos kritisch. Hier einige der Tweets mit den meisten Interaktionen: Jan Böhmermann twitterte gewohnt zynisch: „Bärenstark, der neue @DerSPIEGEL. Endlich hat jemand ausführlich aufgeschrieben, was russische Bots und Reichsbürger seit 3 Jahren sagen!“ Patrick Weinhold, Teamleiter Social Media bei der „Tagesschau“ reagierte mit sechs zum Teil sehr berechtigten Fragen, Sabrina Fritz twitterte: „Nicht zu fassen! Der Spiegel schreibt über die ARD und erwähnt mit keinem Wort den Hörfunk – hört ihr nie Radio???„, Jochen Rausch schrieb: „Nach der großartigen Schulz-Reportage von @MFeldenkirchen nun durchsichtiger miserabel recherchierter Kampagnen-Journalismus @DerSPIEGEL„.

Wulf Schmiese, Redaktionsleiter des „heute-journals“ antwortete auf den Tweet des Spiegel-Journalisten Martin U. Müller „Um 70 Prozent sind die Gebühreneinnahmen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zwischen 1995 und 2016 angestiegen – auf acht Milliarden Euro“ mit dem Konter: „Gegründet wurden KiKa, Phoenix, #ZDFInfo,Neo etc. Doch warum wurde @DerSPIEGEL seit 1995 um fast 100 % teurer (5 DM vs 4,90 €),aber dünner?„. Und Udo Stiehl fasste den Spiegel-Artikel so zusammen: „Was @DerSPIEGELwohl @ARD_Presse@ZDF und @DLF vorwerfen würde, wenn wir für so einen Schmalspuraufmacher VIER Autoren verbraucht hätten?“ Interessant: Auch beim Spiegel gibt es indirekt Kritik: Spiegel-Online-Redakteurin Eva Horn twitterte: „Man muss das dieser Tage ja betonen: Ich finde den öffentlich-rechtlichen Rundfunk alternativlos. Wir haben Glück, dass wir ihn haben.

#trending // Wahljahr 2017

Die Obergrenze. Die verfluchte Obergrenze. Kaum ein anderes Wort hat die Politik in diesem Jahr so beschäftigt wie dieses. Nun haben sich CDU und CSU offenbar darauf geeinigt, dass es keine gibt, die CSU aber behaupten darf, es gäbe eine, weil man sich auf eine Zahl von 200.000 geeinigt habe. Diese 200.000 sind aber – zumindest Stand Sonntagabend – nur ein Richtwert, an der Grenze werde trotzdem kein Flüchtling oder Asylbewerber abgewiesen – und in Ausnahmesituationen würde sich der Bundestag mit der Frage befassen, wie Deutschland mit dem Andrang umgeht. Katharina Schuler hat für Zeit Online aufgeschrieben, wie wenig „Obergrenze“ der Kompromiss ist. Wie Horst Seehofer diese Pseudo-Zahl nun seiner Partei und seinen Wählern verkauft, wird das eigentlich spannende.

Der CDU/CSU-Kompromiss – auch wenn er faul ist – wird dennoch kritisch besprochen. Insbesondere Die Grünen sind irritiert bis empört, betonen weiterhin, dass es „keine Obergrenze mit Grünen in der Regierung“ geben würde. Es bleibt spannend. Die Obergrenze jedenfalls hatte auch zuvor erneut viele Politiker beschäftigt. Die CSU postete am Freitag noch: „Für Ordnung und Begrenzung bei der Zuwanderung ist eine Obergrenze unabdingbar„, die AfD jubilierte, dass laut einer YouGov-Umfrage die Mehrheit der Deutschen für eine Obergrenze sei – und Die Partei forderte schnell noch eine „Obergrenze für schlechtes Wetter„.

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#trending // Entertainment

Auf dem Comic-Markt existieren zwei große Superhelden-Universen: das von Marvel und das von DC. Im Kino hat Marvel den Konkurrenten in den vergangenen Jahren ziemlich abgehängt – u.a. mit den „Avengers“-Filmen, „Iron Man“, „Guardians of the Galaxy“ und einigem mehr. Nun will der Konkurrent DC zurück schlagen: mit dem Film „Justice League“, der Mitte November weltweit anläuft. Darin zu sehen: Batman, Wonder Woman, The Flash, Aquaman und Cyborg. Der finale Trailer wurde am Sonntag ins Netz gestellt – und sorgte direkt für viele Millionen Abrufe: 6 Mio. waren es bis Mitternacht deutscher Zeit auf Facebook, 5,6 Mio. auf YouTube.

#trending // Worldwide

Kaum ein Tag ohne neuen Eklat um Donald Trump. Diesmal im Mittelpunkt des Geschehens: Bob Corker, Senator von Tennessee. Der hatte im September bekannt gegeben, nicht zu einer Wiederwahl anzutreten. Trump behauptete am Sonntag nun in einigen wütenden Tweets, Corker hätte ihn angefleht, ihm ein Endorsement, also eine Empfehlung und Unterstützung zuzusichern, Trump hätte das verneint und deswegen wäre Corker dann nicht mehr angetreten. Corker, der andere Gründe anführt, antwortete mit einem Tweet, der deutlicher nicht hätte sein können: „It’s a shame the White House has become an adult day care center. Someone obviously missed their shift this morning.“ Während Trumps drei Corker-Tweets um die 50.000 Likes und Retweets einspielten, kam Corkers Antwort in den ersten acht Stunden auf sagenhafte 377.000 Interaktionen. 1:0 für Corker.

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-Interaktionen: Bild – „Herbst-Invasion! – Beiß-Spinnen fallen über unsere Wohnungen her!“ (21.100 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei Twitter: Epoch Times – „Polen sichert seine Grenzen gegen Islamisierung – Mit Gebeten und dem Rosenkranz“ (900 Retweets und Likes)

Story bei Blendle (nach Likes): stern – „Wie Heinz Erhardt“ [Interview mit Richard David Precht]

Google-SuchbegriffUlrike von Möllendorff (50.000+ Suchen) [verstorbene ZDF-Moderatorin]

Wikipedia-SeiteKatalonien(58.100 Abrufe)

Youtube-Video: rezo – „Mein SONG mit Inscope21 Nico

Song (Spotify): Post Malone – „Rockstar“ (453.700 Stream-Abrufe aus Deutschland am Samstag)

Musik (Amazon): Sunrise Avenue – „Heartbreak Century“ (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ [Blu-ray]

Game (Amazon): „FIFA 18 – Standard Edition“ (PlayStation 4)

Buch (Amazon): Dan Brown – „Origin“ (Gebundene Ausgabe)

#trending // Feedback und Teilen

Anmerkung: Alle in #trending genannten Zahlen beziehen sich wenn nicht anders vermerkt auf den Vortag der Newsletter-Veröffentlichung (Stand: 24 Uhr)

Was finden Sie gut an #trending? Was schlecht? Was fehlt Ihnen? Schreiben Sie mir!

Mehr Social-Media-Trends und -Themen lesen Sie in meiner nachmittäglichen Kolumne in der Handelsblatt-10-App. Erhältlich für iOS und Android.

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