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Townhall Talk: Springer-Vorstand sucht Nähe zur Belegschaft – und könnte mit heiklen Fragen kronfrontiert werden

Axel Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner
Axel Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner

Das Medienhaus Axel Springer steht vor einem gewaltigen Umbau. Passend startet CEO Mathias Döpfner jetzt eine Kommunikationsoffensive. Erstmals will der Vorstand weltweit der Belegschaft in einem „Tuesday Townhall Talk“ die Chance geben, Fragen über die Neuausrichtung und die künftige Strategie zu stellen. Doch auch unbequeme Themen wie ein bevorstehender massiver Personalabbau stehen im Raum.

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Der geplante Umbau der Verlagsstrukturen für den deutschen Markt sorgt bei der Belegschaft von Axel Springer weiter für Aufregung. Der Konzernbetriebsrat befürchtet, dass das Medienunternehmen vor harten Personaleinschnitten steht. Die Rede ist von einem Stellenabbau „im dreistelligen Bereich“. Vergangene Woche hatten die Arbeitnehmervertreter dazu eine Info an die Mitarbeiter gestreut, da die Neuausrichtung aus ihrer Sicht viele Ungereimtheiten aufweist.

Beigefügt hatte der Betriebsrat einen umfangreichen Katalog von 32 Fragen – darunter, ob Abteilungen, Bereiche oder Gesellschaften von einer „Verlagerung oder Schließung betroffen“ seien, oder nach welchen Kriterien Mitarbeiter auf die neu gebildeten Säulen Print und Digitales verteilt werden. Vor allem der Umbau der Vermarktung gibt dem Betriebsrat Rätsel auf: „Sollen Media Impact in Print und Digitales geteilt werden? Zum Kunden hin soll sich gleichzeitig nichts ändern – wie soll dies sichergestellt werden und wie in der Praxis aussehen?“, heißt es an einer Stelle in der BR-Info.

Den Zeitpunkt für die Veröffentlichung ihrer Mitarbeiter-Information hätte der Betriebsrat nicht geschickter wählen können. Denn Vorstandschef Mathias Döpfner und die drei Kollegen Jan Bayer, Andreas Wiele sowie Julian Deutz laden die Mitarbeiter am Dienstag intern zu einem neuen Kommunikatons-Event besonderer Art ein: dem „Tuesday Townhall Talk“. Erstmals sollen die Springer-Arbeitnehmer aus dem In- und Ausland die Chance bekommen, der Firmenspitze Fragen zu stellen. „Share your Thougts! Drill us with Questions“, heißt es hierzu in der Einladung.

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Daran teilnehmen könne die Belegschaft entweder live vor Ort oder per Livestream am Arbeitsplatz sowie mobil. „Der Vorstand hatte die Idee, über die bestehenden Angebote hinaus noch mehr zu tun, um mit den Mitarbeitern direkt ins Gespräch zu kommen und transparent zu informieren“, erläutert eine Springer-Sprecherin auf Anfrage von MEEDIA den Vorstoß. Einen konkreten Kommunikationsanlass gebe es nicht, heißt es bei Springer. „Townhall Meetings sind keine Erfindung von Axel Springer, sondern vor allem in digitalen Unternehmen übliche und bewährte Praxis. Wir möchten das auch ausprobieren. Ob wir das regelmäßig machen, hängt vom Interesse der Mitarbeiter ab, die Vorstände stehen bereit“, erklärt die Firmensprecherin.

Fraglich ist allerdings, ob sich der Vorstand wirklich in die Karten schauen lässt. Obwohl die Veranstaltung betriebsintern ist, ist Axel Springer ein börsennotiertes Unternehmen. Die Führungsspitze hat deshalb nur begrenzte Möglichkeiten, sich zu öffnen, um nicht Gefahr zu laufen, adhoc-pflichtige Mitteilungen an die Börse abzusetzen. Vielmehr dürfte Firmenboss Döpfner die Veranstaltung eher nutzen, um das Berliner Medienunternehmen bei den Mitarbeitern als weltoffenes, kosmopolitisches Digitalunternehmen zu präsentieren, meinen Springer-Vertraute.

Denn seit mehr als zehn Jahren baut der Vorstandschef das Unternehmen zu einem reinen Digital-Haus um. Geschickt kauft Döpfner dazu im In- und Ausland Web-Firmen diversen Zuschnitts zu. Dadurch verschiebt er immer mehr den einstigen Schwerpunkt des Medienhauses – weg von den eher wachstumsschwachen Print-Aktivitäten, hin zu den mehr dynamisch exandierenden Digitalgeschäften. Der Imagewandel hat Kalkül. Denn in der Branche ebben die Gerüchte nicht ab, dass der Manager das Medienhaus noch viel stringenter und fokussierter auf das Digitalgeschäft ausrichten will. Vielleicht gewährt der Firmenchef am Dienstag hierzu tiefere Einblicke, wie er sich die weitere Zukunft von Axel Springer vorstellt.

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