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Die Zeit im Kompaktformat? Breite Mehrheit im Leserparlament für Giovanni di Lorenzos „Heftrevolution“

Beim Leser- und Abonnententreffen stellte Chefredakteur Giovanni di Lorenzo ein mögliches neues Zeit-Format vor
Beim Leser- und Abonnententreffen stellte Chefredakteur Giovanni di Lorenzo ein mögliches neues Zeit-Format vor

Für einen Tag trafen sich die Alpha-Journalisten der Zeit mit rund 1.600 Abonnenten. Das Event war zur Vertiefung der Leser-Blatt-Bindung gedacht. Doch für sein Publikum hatte Chefredakteur Giovanni di Lorenzo eine Überraschung parat – ein Dummy der Zeit in neuem, kompakteren Format. Das Leser waren davon angetan, der Verlag bremst jedoch Spekulationen: Es handele sich um eine "frühe Testphase", entschieden sei noch nichts.

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Von Florian Büh

Es fühlte sich in etwa so an, wie man sich fühlen muss, wenn man als Technik-Fan in einer Konferenz von Apple sitzt: Als Giovanni di Lorenzo seine Tasche suchte, stockte einigen Mitarbeitern schon der Atem. Schnell sprang dieses Gefühl auf die anderen Anwesenden über. Es war Sonnabend, 12.45 Uhr – da holte der Chefredakteur der Zeit im Audimax der Universität Hamburg etwas aus einem bis dato geheimen Entwicklungstresor. Zwei Ausgaben, die es noch gar nicht gibt.

Das altbekannte Logo mit dem bekannten Wappen der Stadt Bremen (nur deshalb, weil die Hamburger ihres damals nicht hergeben wollten) prangt oben groß auf der Titelseite. Doch alles andere scheint nicht nur neu, es ist geradezu revolutionär. Die Veranstaltung, als „das große Leser-Parlament“ betitelt, wurde zum Cupertino inmitten des Hamburger Schmuddelwetters. Draußen graues, nasses Herbstwetter – innen aufgeregte Stille und ungläubiges Staunen. Was Giovanni di Lorenzo nun präsentierte: Für die nur eine um 90 Grad gedrehte normale Zeitung mit dickerem Papier als bisher und augenscheinlichem Hochglanzdruck. Für andere eine Lobpreisung.

Beim „Tag der Zeit“, zu dem der Verlag rund 1.600 Abonnenten und „Freunde“ eingeladen hatte, kam die dann offen gestellte Frage sehr gut an: „Was würden Sie besser finden? Geheftet oder weiterhin mit einzelnen Büchern, Kapiteln?“ Das Votum der anwesenden Leser? Eindeutig! Die Zeitleser lieben das neue Format – bevor es dieses überhaupt gibt – und sie wollen ihre einzelnen Themenbücher behalten. „Bitte denken Sie daran, dass der Briefträger es noch einstecken können muss“, merkte ein Kritiker an: „Keine Veränderung geht an der Deutschen Post vorbei“, konterte di Lorenzo gekonnt.

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Die Revolution, sie war spürbar: Gut zwei Stunden hatte Giovanni di Lorenzo davor über sein Blatt, über die Leser und über die Gesellschaft philosophiert. Nah an den Fragen der Anwesenden oder derer, die im Vorwege Fragen gestellt hatten. Manchmal nicht ganz so nah an der Frage, wie es vielleicht gewünscht war – aber sehr viel näher an den Lesern als derzeit wohl viele andere Blätter. „Dafür werden wir stehen, bis zum letzten Printtag“, beschreibt der Chefredakteur und lässt dann einmal flugs über so etwas wie eine „Heftrevolution“ abstimmen.

Wencke Tzanakakis, die Verantwortliche für die neue Veranstaltungsreihe „Freunde der Zeit“, hält das Ergebnis fest – mit ihrem Smartphone, lässig auf dem Bühnenrand sitzend. Schon zu Beginn der Veranstaltung hatte di Lorenzo betont, dass derzeit die wohl jüngste Mannschaft jemals bei der Zeit auch in der Redaktion aktiv wäre. Ihm gefällt dies sichtlich.

Zu der Frage, ob die Zeit jedoch wirklich an seinem Format Hand anlegt oder es gar gänzlich dreht, will sich der Verlag offiziell noch nicht wirklich konkret äußern. Nach dem Event hieß es, dass das Leservotum interessant, aber nicht bindend sei. Auf MEEDIA-Anfrage antwortete der Verlag dazu: „Wir beschäftigen uns seit einiger Zeit damit, wie wir die Beziehung zu unseren Lesern intensivieren können. Uns interessiert natürlich auch, welche Wünsche die Leser an die Zeit haben. Dazu hat Giovanni di Lorenzo im Leserparlament auch die Abonnenten direkt befragt, u. a. ob sie für eine Formatveränderung wären. Wir sind noch in einer frühen Testphase, es ist nichts entschieden.“

Dabei war das Leser-Votum am Samstag schon einmal eindeutig. Da lag schon einmal ein Hauch von Apples neuestem heißem Technikkram buchstäblich in der Luft. Und das bei einem so alten Produkt wie einer 1946 gegründeten Print-Wochenzeitung.

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Alle Kommentare

  1. Hatte Giovanni nicht letztens bei der Europawahl zweimal seine Stimme abgegeben?
    Nein danke, von solchen „Qualitätsjournalisten“ lese ich kein Wort mehr!!!

  2. Auf Klopapierformat wäre Die Zeit treffender abgedruckt.
    Endlich dem inhaltlichen Niveau angemessen und sogar praktisch nutzbar.

  3. An schrottpresse, Kommentar vom 10.10.2017 um 14.59 Uhr: Sie wissen natürlich ganz genau, dass es sich um Ex-Stasi-Leute handelt, und in Nordkorea, der Türkei und in Saudi-Arabien kennen Sie sich natürlich auch aus. Donnerwetter, ich staune immer wieder, wie viele Universalfachleute es unter den AfD-Anhängern und Medienkritikern gibt!

  4. Was für eine peinliche Anpreiserei. Nee danke, schon länger kein Interesse am nurmehr sendungsbewußten Volkspädagogenblatt – ganz gleich in welchem Format.

    Ein ehemaliger ZEIT-Abonnent

  5. Das digitale Zeitalter bricht an und die ZEIT glaubt wirklich, dass Hoch- oder Querformat der Printausgabe eine wichtige Frage sei???

  6. Hallo Schrottkopf,

    imerhin scheinen Sie ein interessierter Follower von mir zu sein, wenn sie meine „druntersalbaderten“ Kommentare so genau kennen. Übrigens liegen Sie nicht falsch. Ich kann mit unserer Gesinnungspresse nichts mehr anfangen und tue das gerne und oft kund.

  7. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich würde eine Kompaktausgabe der Zeit sehr begrüßen und sofort abonnieren. Ihre Zeitung steht für guten, qualitativen Journalismus. Das Einzige, was wirklich stört, sind die großen Seiten, die im Liegen schwer zu blättern und zu halten sind und die Druckerschwärze. Ich gehöre zu denjenigen, die noch gerne Zeitung lesen (auf Papier). Ein kompaktes Hochglanzformat würde es Ihnen sicherlich ermöglichen, die Konkurrenz (FAZ Woche etc) zu schlagen.

    MfG

    1. Die Frankfurter Rundschau stellte schon vor Jahren auf ein kleineres, nämlich das Tabloid-Format, und eine andere Typografie um. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit finde ich das kleinere Format inzwischen sehr praktisch. Von einer Hochglanzausgabe würde ich der ZEIT allerdings aus verschiedenen Gründen dringend abraten.

      Und ein Wort an die „Medienkritiker“ hier: Können Sie uns nicht endlich vor Ihren ablehnenden Kommentaren in Richtung „Lügenpresse“ verschonen? Langsam wird es nämlich widersprüchlich, wenn solche Kommentare ausgerechnet immer wieder genau auf solchen Medienseiten erscheinen, die doch eigentlich abgelehnt werden! Und wenn irgendwo Kommentare gelöscht werden, wird es schon seine Berechtigung haben; meiner Meinung nach müsste sogar viel mehr von diesem Verbalschrott gelöscht werden, der die ganze Gesellschaft vergiftet.

      1. Lieber Ronald.
        unser Ex-Justizministerdarsteller Maas hat doch schon fachkundige EX-Stasileute eingestellt, um das Problem missliebiger Meinungen in den Griff zu bekommen. Natürlich hat dies seine Berechtigung, fragen Sie doch mal Regierungsmitglieder in Nordkorea, der Türkei oder Saudi-Arabien. Um bei der ZEIT zu bleiben: diese Zeitung hat u.a. zahlreiche Kommentatoren gesperrt, weil die sich gegen eine Politik der unkontrollierten Einwanderung und gegen die um sich greifenden Gender-Ideologie ausgesprochen haben. Da hat es also durchweg Nazis getroffen, die jetzt ihren Frust bei den Wahlen auslassen. Vielleicht sollte man diese auch noch abschaffen.

  8. Auf Digital und unterwegs sollte man aber auch abzielen.
    Mit etablierten Veranstaltungen welche den Millenials oft angestaubt vorkommen dürften, ist die Zeit noch gut aktiv.
    Trotzdem sollte man modernes PDF u.ä. so gut mit möglich nutzen. Auch Townhalls wurden vom Kommentar-Volk vorgeschlagen und seit dem Pfleger „vs.“ Merkel haben alle plötzlich ein Interesse daran, die Wahrheit vom echten Volk (bzw. hier der Belegschaft) zu erfahren ohne Mittelsmänner http://meedia.de/2017/10/09/townhall-talk-springer-vorstand-sucht-naehe-zur-belegschaft-und-koennte-mit-heiklen-fragen-kronfrontiert-werden/ so wie man es von schlanken effizienten Hierarchien von Filmen, Fußball, Formel-1 kennt.

    Die Musik-Konzerne mussten auch erst lernen das sie den Zugang zu Musik vermitteln und ihr Fundament nicht auf Schallplatten und Musik-CDs basiert sondern Spotify, Handies, iPods, iTunes, Apple Music auch dazu gehören. In kurzer Zeit haben viele Supermärkte ein Regal (1,20 Meter Breite ?) mit allerlei Glutenfreien Produkten und schon recht lange haben die Discounter BioGemüse/Kartoffeln/Früchte.

    Daran könnte und sollte man möglicherweise arbeiten, auch weil und wenn man auf die Abonnenten hört. Warren Buffet verteidigte auch lange die Tages-Zeitungen bis das Blatt sich wendete. http://meedia.de/2017/03/01/warren-buffett-sagt-grosses-zeitungssterben-voraus-nur-die-new-york-times-und-das-wall-street-journal-ueberleben/
    Das Blatt kann sich also möglicherweise von Papier abwenden. Ich glaube bei einer günstigeren ADAC-Mitgliedschaft kriegt man das ADAC-Magazin digital. Die haben vielleicht die meiste Erfahrung bzw. die meisten Digital-Leser und kriegen mit, was man bei PDF besser machen könnte als bei Papier. Ich würde mir die PDFs natürlich am 55″/65″-UHD-1-TV mit 8 Megapixeln für 699(?)Euro lesen/ansehen oder am FullHD(2Megapixel) Handy oder Tablett (7″..10″) unterwegs bei schlechtem Licht, Sonne usw. oder beim Gassi-Gehen oder Joggen oder Radfahrt/Autofahrt zur Arbeit vorlesen lassen wollen.
    Digitale Artikel können ohne viel Mehraufwand vollwertiger sein als platzbeschränktes Print.

    http://meedia.de/2017/07/06/neue-kapitalspritze-fuer-merkurist-journalismus-startup-erhaelt-millionen-foerderung/ oder auch http://meedia.de/2017/01/10/project-r-von-einem-alten-zuercher-stundenhotel-aus-wollen-diese-leute-den-journalismus-retten/ oder auch die TAZ-Genossenschaft sind auch neue und/oder alternative Modelle bzw. Wege. Huffington-Post (zumindest in USA) ja auch.

  9. DIE ZEIT
    Gehört mit seiner tendenziösen Meinungsmache zu den negativsten Erscheinungen des Blätterwaldes in der BRD. Jetzt wird mit Scheinveranstaltungen versucht den Nimbus zu halten und zu wahren,
    schränkt aber sofort ein, Zitat:

    » Nach dem Event hieß es, dass das Leservotum interessant,
    aber nicht bindend sei«

    Leser werden in diesem Medium als Störfaktor gesehen, deren Beiträge
    im Forum, sofern sie nicht der Blattlinie entsprechen, rigoros zensiert
    werden.

    1. Dem kann ich nur zustimmen. Für mich ist das Kapitel ZEIT beendet, seit mein Account aufgrund von kritischen Kommentaren gelöscht wurde. Ich habe inzwischen eine regelrechte Allergie gegen linksgrüne salonsozialistische Meinungsmache entwickelt, weswegen ich Auschlag bekomme, sobald ich ein Exemplar dieses Blattes sehe. Da ändert auch ein verändertes Format nichts. Müll bleibt Müll.

      1. Meine Eltern hatten früher die „Die Zeit“ abonniert, wohl um ein Korrektiv gegenüber den eigenen Eltern zu haben, die eher den konservativen Rheinischen Merkur lasen. Als ich aufwuchs und naiv war, fand ich Die Zeit sogar recht ansprechend. Heutzutage ist mir bei der Zeitung richtig unwohl und eigentlich müsste ich für die geistige Gehirnwäsche in Jugendjahren eine Entschädigung verlangen.
        Das Problem ist nur, falls man was lesen will, gab es früher den Rheinischen Merkur als Alternative. Den hat die Zeit wahrscheinlich absichtlich weggekauft, damit es keine richtig gute, ja überlegene Alternative gibt. Jetzt lese ich ab und zu die Junge Freiheit. Nicht schlecht, auch sicher „der Zeit“ ebenbürtig, aber doch anders.

      2. Das wundert hier wohl keinen. Jetzt wissen wir, warum Sie nun hier zwanghaft unter alles druntersalbadern. Respekt vor der ZEIT, dass die sie vor die Tür gesetzt hat. Und jetzt wissen Sie natürlich, dass die Trauben immer schon sauer waren. Ja nee, is klar.

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