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Zeitungsmarkt Berlin: Wie DuMont und Funke einen Ausweg aus der Krise suchen – und keinen finden

Sprachen über Kooperationen: DuMont-Chef Christoph Bauer (l.) und Manfred Braun, Geschäftsführer der Funke Mediengruppe
Sprachen über Kooperationen: DuMont-Chef Christoph Bauer (l.) und Manfred Braun, Geschäftsführer der Funke Mediengruppe

Der Berliner Zeitungsmarkt ist hart umkämpft. Seit mehr als einem Jahr sprechen DuMont und Funke über eine gemeinsame Lösung, um die Krise in der Hauptstadt zu bewältigen. Doch sollen die Kooperationsgespräche nun gescheitert sein. Womöglich aber handelt es sich um Verhandlungstaktik. Denn die Verlage ringen angeblich um eine weitreichendere Lösung über die Stadtgrenzen hinaus.

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Christoph Bauer gilt als öffentlichkeitsscheu. Selten gibt der Vorstandschef der DuMont Mediengruppe Interviews. Doch im Juni macht der Manager eine Ausnahme. Umfangreich gewährt der Geschäftsmann der FAZ Einblicke in die Strategie des Regionalzeitungsverlages, zu dem Titel wie die Berliner Zeitung und die Hamburger Morgenpost zählen. Zu einem der zentralen Themen des Beitrags gehört auch die schwierige Situation auf dem hart umkämpften Regionalzeitungsmarkt in Berlin. Bauer gab sich optimistisch. Grund hierfür sei die neue Gesetzgebung. Sie erlaube Medienunternehmen, in Vermarktung und im Vertrieb zusammenzurücken. Nun müssten die Medienhäuser lediglich handeln. „Nachdem die Politik den Weg für eine Zusammenarbeit frei macht, wird sich zeigen, ob wir Verlage untereinander in der Lage sind zu kooperieren“, sagte der DuMont-Chef.

Jetzt, vier Monate später, scheint ein Ausweg aus dem Berliner Krisenfall passé. In ihrer aktuellen Ausgabe berichtet die FAZ, dass Gespräche zwischen der DuMont Mediengruppe und der Funke Mediengruppe aus Essen, in der die Berliner Morgenpost erscheint, über eine Kooperation in der Vermarktung und im Vertrieb gescheitert seien. Dies habe unter anderem am Gebaren von Bauer gelegen, schreibt die FAZ. Der DuMont-Chef habe die Gesprächspartner mit seinem „überaus selbstbewussten Auftreten“ offenbar verschreckt. Details sind nicht bekannt.

Ist eine Zusammenarbeit der regionalen Medienhäuser damit vom Tisch? In Branchenkreisen wird das bezweifelt. Dort ist man der Meinung, dass die Berichterstattung lediglich dazu diene, um Druck aufzubauen – seitens Funke. Bei DuMont sei man weiterhin offen für Gespräche, heißt es aus Verlagskreisen. Doch ist der Vorstandschef offenbar nicht bereit, die Bedingungen der Funke-Seite sang und klanglos zu akzeptieren – vor allem nicht in Berlin, interpretieren Branchenkenner den FAZ-Beitrag. Bauer habe sich durch eine harte Restrukturierung des Berliner Verlags Luft und Zeit verschafft. Rund 50 Stellen fielen durch den harten Umbau weg.

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Doch die Hauptstadt ist nicht der einzige Schauplatz, um den es in den Gesprächen seit Spätsommer vergangenen Jahres gegangen sein soll. Angeblich haben DuMont und Funke eine viel weiterreichende Lösung in der Vermarktung und auch im Vertrieb im Blick. Sie soll den beteiligten Unternehmen helfen, um vor allem bundesweit agierende Anzeigenkunden anzulocken. Doch solche Gespräche sind naturgemäß schwierig. Eine tiefgreifende Zusammenarbeit in der Vermarktung und auch im Vertrieb bliebe nicht ohne Auswirkungen für die eigene Organisationen. Doch Gespräche über eine größer angelegte Allianz in der Vermarktung und im Vertrieb dementiert DuMont ebenso wie Gespräche über eine Zusammenarbeit zwischen der Hamburger Morgenpost und dem Funke-Titel Hamburger Abendblatt in der Vermarktung. Funke wollte sich auch Nachfrage dazu nicht äußern.

Für eine redaktionelle Zusammenarbeit sieht DuMont Mediengruppe hingegen keinen Anlass. Die FAZ berichtete zwar über ein Angebot von Funke, redaktionell überregionale Inhalte an DuMont zu liefern. So sollen die Essener für eine Zeitungsseite – hergestellt von der Zentralredaktion in Berlin – eine „niedrige dreistellige Summe“ angeboten haben. Doch davon wollen die Kölner nichts wissen, heißt es in Unternehmenskreisen. DuMont hätte immer deutlich gemacht, dass es bei etwaigen Sondierungsgesprächen mit anderen Medienhäusern ausschließlich um die Vermarktung und den Vertrieb ginge, heißt es weiter. Ein DuMont-Sprecher will sich hierzu nicht äußern.

Die neunte GWB-Novelle, die seit Juni in Kraft ist, gewährt den Unternehmen mehr Handlungsspielräume. So gibt das neue Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) den Unternehmen die Möglichkeit, in verlagswirtschaftlichen Bereichen wie dem Anzeigen- und Vertriebsgeschäft zusammenzuarbeiten. Ein Sprecher des Deutschen Journalistenverbands sieht in Fusionen und Kooperationen nicht den geeigneten Weg, die Existenz der Zeitungen langfristig zu erhalten – vor allem nicht auf dem umkämpften Markt in der Bundeshauptstadt. „Zugegeben: Berlin gilt traditionell als schwieriger Zeitungsmarkt. In den hier tätigen Verlagen sollte so viel wirtschaftliche Expertise vorhanden sein, dass mit Qualitätsjournalismus Geld verdient werden kann. Ständige Sparprogramme und Verhandlungen über Fusionen oder Kooperationen verschärfen die Probleme eher als dass sie die Titel stärken“, so ein DJV-Sprecher.

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