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Studie: Social Networks laufen dem TV den Rang ab, gleichzeitig wächst das Misstrauen gegenüber Facebook & Co.

Netzwerke wie Facebook oder Twitter werden immer mehr zum Informationsmedium – doch viele Nutzer misstrauen den News aus den Communities
Netzwerke wie Facebook oder Twitter werden immer mehr zum Informationsmedium – doch viele Nutzer misstrauen den News aus den Communities

Soziale Medien werden für die Meinungsbildung immer wichtiger – das zeigt eine neue Studie von Kantar TNS. Bei jungen Leuten haben sie dem Fernsehen den Rang als wichtigste Informationsquelle abgelaufen. Gleichzeitig ist das Misstrauen groß. So nutzen rund 15 Millionen aller Deutschen Facebook, Twitter und Co. zwar als tägliche Nachrichtenquelle, doch nur knapp drei Millionen vertrauen auch den Informationen aus den sozialen Medien.

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Von Hans-Peter Siebenhaar

Wenn es um die Meinungsbildung geht, gewinnt das Internet immer mehr an Bedeutung. Dabei sind die soziale Medien sind die Agendasetter für junge Leute. Facebook, Twitter, Linkedin, Xing und andere spielen in Deutschland eine zunehmend wichtige Rolle bei der Verbreitung von Nachrichten. Laut Studie der Landesmedienanstalten, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, informieren sich 20 Prozent der Befragten jeden Tag über die sozialen Medien.

Im Auftrag der Medienanstalten hat das Medienforschungsinstitut Kantar TNS mit 1400 Interviews mit Nutzern ab 14 Jahren durchgeführt. Hochgerechnet auf die Deutsche Bevölkerung nutzen damit täglich rund 15 Millionen Menschen Facebook, Twitter und Co. als Nachrichtenquelle.

Doch das Misstrauen ist groß. Nur knapp drei Millionen Menschen vertrauen den Informationen bei Facebook & Co. mehr als Zeitung, Radio oder Fernsehen. 94 Prozent der Nutzer von sozialen Medien achten darauf, wer der Absender der Nachricht ist. „Es ist erfreulich, dass den Nachrichten in klassischen Medien mehr Glauben geschenkt wird als in sozialen Medien“, sagt Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für und Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Medienanstalten (DLM) dem Handelsblatt.

Ein weiteres überraschendes Ergebnis der Untersuchung ist die Skepsis, mit der die Nutzer den Nachrichtenquellen begegnen. Nur 19 Prozent der Nutzer vertrauen den Informationen in sozialen Medien grundsätzlich mehr als in Zeitungen, Radio und Fernsehen.

Die sozialen Medien werden der Studie zufolge vor allem als Möglichkeit der freien Meinungsäußerung wahrgenommen. 89 Prozent der Nutzer sind dieser Ansicht. Doch nur jeder Dritte glaubt, bei Facebook und Co. tatsächlich einen guten Überblick über verschiedene Meinungen und Positionen zu erhalten.

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Fast drei Viertel der Nutzer erwarten, dass die vielen Kommentare leicht einen falschen Eindruck des tatsächlich vorherrschenden Meinungsbildes vermitteln können. „Es freut mich, dass so viele Nutzer wissen, dass sie in den sozialen Medien nicht alles für Bares nehmen können“, sagte DLM-Chef Schneider.

Die Medienwächter in Deutschland, die bislang vor allem das Privatfernsehen kontrollieren, fordern angesichts des schnellen Medienwandels mehr Kompetenzen für das Netz. „Wenn rechtspopulistische Internetportale wie Breitbart falsche Nachrichten verbreiten, ist niemand zuständig. Im Rundfunkstaatsvertrag muss daher eine bestehende Regelungslücke geschlossen werden“, so Schneider.

„Denn die Einhaltung der journalistischen Grundsätze bei journalistisch-redaktionellen Online-Angeboten wird derzeit nicht überwacht.“ Nur für den Bereich der elektronischen Online-Angebote von Presseunternehmen übernimmt der Deutsche Presserat diese Aufgabe. „Ich kann trotz der guten Zahlen keine Entwarnung geben. Wir müssen wachsam bleiben“, sagt Schneider.

Der Medienkontrolleur lobt ausdrücklich, dass Facebook mit Hilfe der Bertelsmann-Tochter Arvato das eigene Angebot nach Propaganda und strafrechtlich relevanten Inhalten überprüft. „Ich bin froh, dass Facebook das Problem von Falschmeldungen erkannt hat und darauf zunehmend auch reagiert“, sagt Schneider. Allerdings ist die Kehrtwende erst auf massiven Druck in Berlin geschehen.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Handelsblatt Online.

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Alle Kommentare

  1. Lieber Herr Schneider, Sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Auf Facebook mag mal eine Nachricht auftauchen, aber es ist kein Nachrichtenportal. Nachrichtenportale und Blogs mit Nachrichten gibt es auch – sehr gute sogar – aber die braucht der DLM nicht zu zensieren. Eine Überwachung braucht sowieso niemand, zumal das nur auf der nationalen Ebene funktioniert. Das Internet ist aber global und wir wollen ja keine Zustände wie in China, oder?
    Was uns aber alle zugute kommen würde, wäre die rasche Abschaffung der nicht mehr zeitgemäßen und verfilzten Institutionen, wie das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen, den DLM, die Medienförderungsanstalten und andere, die fette Maden durchfüttern, die mehr als die Bundeskanzlerin kassieren. Am besten noch heute damit anfangen, bevor sich noch mehr Gebühren- und Steuerzahler darüber informieren, was da eigentlich gespielt wird. Wenn sich einmal mehr als die Hälfte quer stellt – und das zeichnet sich am Horizont bereits ab und die Studie zeigt es ja auch – wird ein geordneter Rückzug wesentlich schwieriger.
    Die freiwerdenden Kräfte könnte man sinnvoller Weise für die Ausbildung im Umgang mit den Medien und Informationsquellen einsetzen. Unsere Schulen und Hochschulen tun bislang viel zu wenig bis nichts in dieser Richtung. Wissende und kritische Medienkonsumenten sind viel besser für eine Demokratie, als durch Zensur und Manipulationen Beinträchtigte. Und mit den Nazis werden wir schon fertig. Meinen Sie nicht?

    1. Zitat aus dem Artikel: „Nur 19 Prozent der Nutzer vertrauen den Informationen in sozialen Medien grundsätzlich mehr als in Zeitungen, Radio und Fernsehen.“ Aha, und deswegen wollen Sie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen? Oder nicht etwa doch eher deswegen, weil dort Tatsachen publiziert werden, die Ihnen nicht in Ihr (vermutlich rechtes) Weltbild passen?

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