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Coming of Age-Story statt platter Horror: Sieben Gründe für den unheimlichen Erfolg des Grusel-Thrillers „Es“ an den Kinokassen

Unheimlicher Erfolg: Horror-Cown Pennywise, „Es“-Buchvorlage aus den 80ern, Autor Stephen King
Unheimlicher Erfolg: Horror-Cown Pennywise, "Es"-Buchvorlage aus den 80ern, Autor Stephen King

Die Neuverfilmung des Bestseller-Buchs "Es" von Stephen King aus den 80ern Jahren ist ein phänomenaler Erfolg. Warum zieht die Verfilmung eines über 1.000 Seiten dicken Wälzers von vor 30 Jahren so viele Menschen aktuell in die Kinos? Der Erfolg des neuen "Es"-Films hat viele Gründe: Von der zeitlosen Thematik bis hin zu einigen wirklich klugen Entscheidungen der Filmemacher bei der Behandlung des Stoffes.

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1. Die Social Media Kampagne

Der erste Trailer zu „Es“ wurde über Nacht zu einem Mega-Hit im Social Web. Der Trailer zeigt eine der Schlüsselszenen von Buch und Film, in der ein Junge einem Papier-Schiffchen nachläuft und in einem Gulli plötzlich der berüchtigte Horror-Clown Pennywise erscheint. Alleine in den ersten sieben Stunden nach der Veröffentlichung erzielte der Trailer 45 Millionen Video-Views bei Facebook. Nach 15 Stunden stand der Video-Views-Zähler bereits bei 72 Millionen. Der Trailer traf ganz offensichtlich den Nerv der immer noch zahlreichen Fans der Buchvorlage von Stephen King und sorgte für ordentlich Vorfreude.

2. „Es“ als Coming of Age-Geschichte

„Es“ ist keine platte Horror-Story, die auf vordergründige Gewalteffekte setzt. Die Buchvorlage ist vor allem eine episch erzählte Coming of Age-Geschichte über eine Gruppe von Außenseiter-Kindern im provinziellen Amerika der 50er Jahre an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Gleichzeitig thematisiert „Es“ neben übernatürlichen Horror-Elementen auch Themen wie Rassismus und häusliche Gewalt im Amerika der 50er Jahre. Die Buchvorlage funktioniert somit auch als Sittengemälde jener Zeit. Der Kern des Stoffes ist aber die Pubertät mit all ihren Sorgen und Ängsten, ein zeitloses Thema, das damals wie heute ein Millionenpublikum fesselt. Für viele Leser hatte das Buch „Es“ während des Erwachsenwerdens eine prägende Bedeutung. Wenn Filmemacher einen solchen geliebten Stoff ernst nehmen und im Geist der Vorlage verfilmen, bleibt der Erfolg zumeist nicht aus. Siehe auch die „Herr der Ringe“-Filme von Peter Jackson.

3. Genialer Handlungs-Kniff des Regisseurs

„Es“ zu verfilmen ist alleine aufgrund des Umfangs der Vorlage eine schwierige Aufgabe. Das Buch umfasst in der deutschen Übersetzung der aktuellen Taschenbuchausgabe über 1.500 Seiten. Die Handlung springt dabei immer wieder zwischen verschiedenen Zeitebenen, einmal als die Protagonisten Kinder waren und als sie als Erwachsene an den Ort des Grauens, die Kleinstadt Derry, zurückkehren. Regisseur Andrés Muschietti hat sich entschieden, den Stoff in zwei getrennte Teile aufzuspalten. Der erste, nun angelaufene Film, handelt ausschließlich von der Geschichte der Kinder. Ein zweiter Teil, der bereits in Auftrag gegeben wurde, soll dann den Handlungsteil der Erwachsenen zeigen, inklusive Rückblenden.

4. 80er statt 50er
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Gleichzeitig wurde die Handlung von den 50er Jahren in die 80er Jahre verlegt. Ein weiterer brillianter Einfall. Die Buchvorlage erschien Mitte der 80er Jahre, zahlreiche heutige Fans des Buchs wurden in den 80er Jahren sozialisiert und sind heute mittelalte Erwachsene. Dieses Publikum ist zahlreich und für 80er-Jahre-Nostalgie empfänglich, wie auch der gewaltige Erfolg der 80er-Jahre-Mystery-Serie „Stranger Things“ bei Netflix zeigt. Die 50er-Jahre – die Zeit, in der „Es“-Autor King aufwuchs – ist für das heutige Publikum hingegen weit entfernt.

5. Auch das Handwerk stimmt

Neben einer tollen Marketing-Kampagne und sinnvollen Entscheidungen, was die Behandlung der Romanvorlage betrifft, versteht Regisseur Andrés Muschietti auch sein Handwerk. Der Film „Es“ überzeugt durch Spannung und Rhythmus, die Schockeffekte sind wohl-dosiert und nie Selbstzweck. Man kann auch sagen: Der Film löst sein Produktversprechen vom Trailer komplett ein. Das sorgt für Mundpropaganda und durchweg positive Kritiken.

6. Und was ist mit dem Clown?

„Es“ wurde 1990 schon einmal verfilmt, damals als TV-Zweiteiler mit Tim Curry (dem Frank’n’Furter aus der „Rocky Horror Picture Show“) als Gruselclown. Außer der bemerkenswerten Performance von Curry blieb einem aus der TV-Version von „Es“ freilich nichts im Gedächtnis, nichts Gutes jedenfalls. In der Neuverfilmung wird der Clown Pennywise vom Schweden Bill Skarsgård verkörpert. Der spielt den Clown ganz anders als Curry, weniger subtil aber angemessen wahnsinnig, irrlichternd und durchaus verstörend. Für den Erfolg des Films war es ungemein wichtig, einen guten Pennywise zu finden und auszugestalten. Auch das ist der Produktion geglückt.

7. Lohn der Mühe

Der Lohn ist, dass die Neuverfilmung von „Es“ gerade reihenweise Rekorde bricht. In den USA war der Film mit  117,2 Mio. US-Dollar Einspielergebnis am ersten Wochenende der bislang erfolgreichste Horror-Film überhaupt und pulverisierte den bisherigen Start-Rekord des Genres, den bisher „Hannibal“ aus dem Jahr 2001 mit 58,0 Mio. US-Dollar hielt. Zudem startete in den USA noch nie ein Film mit einem solchen Umsatz im September – und auch noch nie im Herbst. Auch in Deutschland ist „Es“ extrem erfolgreich angelaufen. 930.000 sahen den Horrorstreifen von Donnerstag bis Sonntag, inklusive Previews waren es sogar schon mehr als 1 Million. Nie zuvor startete ein Gruselfilm hierzulande so stark. Ein großer Erfolg, zumal der Film mit „ab 16“ eine eher restriktive Altersfreigabe hat. In den US ist „Es“ sogar mit einer Altersfreigabe „R“ versehen, also erst ab 17 Jahren freigegeben.

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